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Oie Zukunft decket Schmelzen und glücke. Schrittwels dem Blicke, doch ungescDrecket dringen wir vorwärts.
Und schwer und schwerer hingt eine hülle mit Ehrfurcht. Stille ruhn öden die Sterne und unten die Kräder.
Betracht sie genauer und siehe, so melden im Busen der Beiden sich wandelnde Schauer und ernste Befühle.
Doch rufen von drüven die Stimmen der Geister, die Stimmen der Meister- versäumt nicht zu üben die Kräfte des Buten.
Bier winden sich Kronen ln ewiger Stille, die sollen mit Fülle die Eiligen lohnen!
Wir heissen euch hoffen.
ö 0 e t h t.
ekronik.
Das neue Zahl beginnt mit den FriedenSveihandlungen bei Mittelmächte mit Rußland Nachdem am 13. je« jewber ein 28 tägiger Waffenstillstand behufs Anbahnung von Friedensverhandlungen vereinbart war. traten am 23. Dezember in B r e st - L i t o w s f die Delegierten der Mittel.
I Mächte (für Deutschland der Staatssekretär des Auswärtigen Kühlmann, für Oesterreich-Ungarn der Minister des Auswärtigen Graf Czernin. für die Türkei der Minister des Aeußeren Hakki Pascha und für Bulgarien Minister Popow I für Rußland Joffe. Kameneff. Frau Biecenko und andere) zusammen. D,e russischen Unterhändler erneuten die Frie- densvorschläge der maximalistischen Regierung, die auf einen Frieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen hinausgehen, die dabei aber auch ein Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Aolksteile innerhalb der kämpfenden Staaten, sowie ein Selbstbestimmungsrecht der Ureinwohner der Kolo- nien fordern Tie Antwort der Mittelmächte, die bei diesen in voller Oeffentlichkeit sich abspielenden Verhandlungen gleichfalls sofort am 25. Dezember bekannt gegeben wurde, nimmt den Vorschlag eines Friedens ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen an, betont aber, daß die staatliche Eigenstellung der schon einem größeren Staate ongehörigen Rationalitäten nicht Gegenstand zwischenstaatlicher Vereinbarungen sein, und daß das Schicksal der Kolonien nicht von einer Abstimmung der eingeborenen Bevölkerung abhängig gemacht werden könne. Die Verhandlungen gehen nun weiter, nachdem die russische Regierung für die Erör- terung der grundsätzlichen Fragen des Friedensschlusses noch einmal eine Frist von zehn Tagen bis zum 4. Januar J918 mit den Mittelmächten vereinbart hat, innerhalb deren den übrigen kämpfenden Mächten die Möglichkeit offen bleiben soll, noch in die Friedensverhandlungen auf der Grundlage eines Friedens ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen einzutreten. Inzwischen soll über die Fragen, die nur Rußland und die Mittelmächte angehen, weiter verhandelt werden.
Die Stellung der marimalistischen Regierung in Ruß« land scheint sich inzwischen sehr gefestigt zu haben, wenn- ' gleich im Süden Rußlands noch gegenrevolutionäre Umtriebe > bleiben. Tie Marimalisten scheinen für den russischen Reichstag, die Sobranje, entweder die Mehrheir oder nahe- I zu die Mehrheit erlangt zu haben, jedoch ist der Reichstag noch ! nicht zusammengetreten. Als Führer der gegenrevolutionären ! Bestrebung darf der Kolakenhetmann Kaledin angesehen werden, der feinen Sitz in Rostow an der Tonmündung j hat. Ihn unterstützen alle diejenigen Elemente, die von der Herrschaft der Maximalisten bedroht sind, in erster Linie die besitzenden Klassen, die in der Partei der Kadetten j (Abürzung für .konstitutionelle Demokraten") politisch or- I yanifiert sind, und die durch einen nach sozialdemokratischen Grundsätzen organisierten Staat ihres Besitzes beraubt wurden. Ferner unterstützen ihn mehr oder weniger offen | die Ententemächte, vor allem die Militärmisfionen der En- i tente. weil sie nur von ihnen eine Fortführung des Krieges, oder wenigstens eine Aufrechterhaltung der russischen Front « und die Bindung starker Streitkräfte der Mittelmächte er- ! warten können. t
Zu diesem Konflikt zwischen Kaledin und den Maxi- ! malisten kommt noch eine starke Spannung mit der - Ukrain a, dem weiten Gebiet Südrußlands, das eine j von dem Norden Rußlands (Großrußland) dialektisch verschiedene Bevölkerung hat, und das sich in der Zentralrada bereits eine eigene nationale Regierung geschaffen hat. Da I die Maximalisten grundsätzlich jeder Rationalität ihr Selbstbestimmungsrecht eniräumen wollen, würden sie den natio- | nalen Bestrebungen der Ukraina sicher kein Hindernis in den Weg legen, doch zeigt es sich, daß in der Zentralrada I
| die Vertretung der bürgerlichen Elemente die der sozialistischen überwiegt. und aus dleler Interessengemeinschaft heraus hat I die Ukraina mit Kaledin Fühlung genommen. Der Kampf zwischen dem maximalistischen Norden und dem mehr bür- I gerlichen Süden, Kaledin und der ukrainischen Zentralrada, hat sich in vielen lokalen Kämpfen verzettelt, doch scheint es den Maximalisten nach einer Meldung vom 27. Dezember gelungen, Kaledin zu schlagen uni) damit auch im Süden Rußlands das Uebergewicht zu erlangen. Die Ukraina ihrerseits hat inzwischen gebeten, zu den Friedensverhandlungen zugelaffen zu werden.
Im Zusammenhang mit den Koloniolfragen, die auf [ dem Friedenskongreß einer eigenen Kommission vorgelegt werden sollen, ist es von Bedeutung, daß der deutsche Staatssekretär Tr. Sols erneut in einer Rede den festen Willen Deutschlands betont hat. nichts von seinen Kolonien aufzugeben. Der Kolonialbesitz müsse sich, wie er mit Nachdruck aussührt, nach der Größe des kolonialisierenden Volkes richten und es sei ungerechtfertigt, daß kleine Völker wie B e l g ien oder Portugal einen großen Kolonialbesitz haben, den sie wirtschaftlich nicht erschließen können. Aus diesem Gesichtspunkt wird Deutschland eine Zusammenlegung der afrikanischen Kolonien zu geschlossenen wirtschaftlichen Gebieten, die auch im Stande sind, sich selbst zu verteidigen, befürworten.
In Frankreich geht der Kampf zwischen der zum Krieg bis aufs äußerste entschlossenen Regierung und einer zur Verständigung geneigten Opposition, die sich in dem persönlichen Konflikt des jetzigen Ministerpräsidenten Cle- me nc eau und des früheren Ministerpräsidenten C a i l- l a u x zugespitzt hat, weiter. Coillaux hat sich am 22. Dezember vor der französischen Kammer gegen den Vorwurf deutschfreundlicher Um,riebe in Rom in einer glänzenden Rede gerechtfertigt und wird seinem eigenen Wunsche entsprechend vor dem als Staatsgerichtshof fungierenden Senat, nicht wie Eleaienceau wollte vor das Kriegsgericht gestellt werden. Tie Rede Caillaux' hat bereits einen vollkommenen Um'chwung in der öffentlichen Meinung zu seinen Gunsten hcrvorgebracht. Wird er. wie zu erwarten, vom Senat freigesprochen, so wird sein Gegner Clemenceau wohl seinen Rücktritt als Ministerpräsident nehmen müffen.
Tie kriegerischen Aktionen ruhen zur Zeit; nur in den v c n e t i a n i s ch e n Alpen sind die Oefterreicher am 23. Dezember durch Erstürmen des Eol di Rosso ihrem Ziele, die venetianische Ebene auch von Norden her zu erreichen. und in die Flanke in der Brentastellung zu gelangen. beträchtlich näher gekommen- Es find wiederum 9000 Italiener zu Gefangenen gemacht worden.


