Ausgabe 
15.5.1918
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STajaueff-Beifmig*

genommen. Nun sollte die Eisenhochzeit deS Tages kommen. Die Zeit war da, die ernste Feierlich­keit des Tages in seine Stunden gerückt, wo sie neue schlichte Heldengräber wühlen und darin die Massen braver Söhne zum ewigen Soldaten­schlummer betten wollte.

Weiter gehen sie vor. Dann werfen sie sich hin und strecken ihre abgespannten Glieder in den Schnee. Ein Schaudern überrieselte ihren Körper. Orkanartig beginnt der Sturm und wirbelt meter­hohe Schneewände zusammen. Eine Patrouille geht voraus. Im Nu ist ihre Spur verweht. Und ehe sie noch in den tiefsten Schnee geraten, da ge­wahren sie das eindrucksvollste Zeichen des Krieges. Soldatengräber; geschaufelt auf blutiger Walstatt. Und darüber raste das Feuer, die beginnende Schlacht.

Eine kleine Feuerpause trat ein, man hörte Kommandos, wirres, ausschreiendes Toben. Und langsam schob sich die ausgeschwürmte Schützen­linie vor. Das Bajonett war ausgepflanzt. Im rasenden Feuerkamps war man aus Sturmstellung an den Feind herangekommen.

.Sprung auf . . . marsch . . . marsch . . ."

Aufgeregte Kommandos schollen durcheinander.

Hurra! ... >

Schreien, wüstes, tierisches Brüllen drang in den langsam ausgehenden kalten Wintermorgen. Es war wie ein kurzer gespannter Augenblick. Ein letzter Atem lechzte auf, man stürmte in den Feind hinein. Nur einige Augenblicke kreuzten sich Bajonett an Bajonett, bohrten sich Auge in Auge, stand sich Feind gegen Feind, Mensch gegen Mensch . . . Metzelnd bohrten sie sich den Stahl in das Fleisch. Was nicht die Hände streckte, fiel mit Bajonett und Handgranate. Ein wüstes Durcheinander. Zusammengerissene Feldbefestigungen, überrannte Bagagen und Unterstände, darunter stöhnende, röchelnde Soldatenleiber. Freunde und Feinde. Tot oder mit ihm ringend.

Ueberall brennende Dörfer und Städte. Arme, heimatlose Flüchtlinge kamen des Weges.

Aus ihren Gesichtern stierte der Hunger und die Angst, der Schrecken.

Ueber all dieses grausame Erleben des Krieges breitete der kalte harte Karpathenwinter seine weiße, schneeige Decke und nahm das Klagen und Jammern mit sich fort in die Welt, über das Land, die Heimat.

Der gekreuzte Dukaten.

Aon Berthold Auerbach.

Wenn ich nur hunderttausend Gulden hätte! Das hast du vielleicht auch schon oft gedacht oder gesagt. Ich nehme dir den Hunderttausend-Wunsch nicht übel, es ist keine schlimme Sache ums Reich­sein ; aber das Glück macht es doch nicht aus, davon kann ich eine besondere Geschichte erzählen.

Ein junger Mann hatte seine Hunderttausend geerbt, und er begnügte sich auch damit; er wollte bloß sein Geld verzehren, arbeiten aber wollte er nicht; das, weinte er, sei nur etwas für unbe­mittelte Leute. So also hatte der Herr Adolf gar kein Geschäft als Essen, Trinken, Schlafen, Spazieren­gehen oder -reiten, und was ihm sonst noch ein­fiel. Ja. das Aus- und Anziehen war ihm viel zu viel, und er hielt sich einen Kammerdiener. Wenn er des Morgens aufwachte, wußte er eigentlich gar nicht, warum er aufstehen sollte; es wartete kein Geschäft und keine rechte Freude auf ihn. Darum blieb er auch fein liegen, bis ihm auch das zu beschwerlich war. Fast ging es ihm wie jenem Engländer, der aus lauter Langerweile, um sich nicht mehr aus- und anziehen zu müssen, sich das Leben nahm. Herr Adolf machte dann jeden Vormittag seinen Spazierweg, damit er den Nach­mittag für sich frei und nichts mehr zu tun habe. Meist lag er aus dem Sopha, gähnte und rauchte. Da­bei hatte er mitunter noch seine besonderen Ge­danken. Jeder Mensch, dachte er, hat so eine

Summe von Kraft mit auf die Welt bekommen, die für seine siebzig Jährlein oder auch mehr aus­reichen muß. Wenn ich also einen schweren Stuhl von einem Orte an den anderen hebe, «ist damit ein Stück von meiner Lebenskraft aufgewendet und verbraucht, drum laß ich's hübsch bleiben. Auf solche Gedanken kann ein Nichtstuer kommen! Der Herr Adolf ward aber dick und oft kränklich und mußte seinen Leib pflegen. Das war auch noch ein Geschäft.

Das Jahr durch ging dem Herrn Adolf manch schönes Stück Geld durch die Hand, und dabei hatte er die besondere Liebhaberei, daß er bei jeder Goldmünze, die er ausgab, ein kleines, zierliches Kreuz unter die Nase des geprägten Herrschers machte. Er dachte wenig dabei, denn er hatte ja Geld genug; ihn kümmerte überhaupt nicht, wie's andern Menschen ging, obgleich er manchmal üus angeborener Gutmütigkeit einem Armen etwas schenkte. Ich will nur einmal sehen, dachte er, ob nach langer Umherwanderung in der Welt mir einmal wieder so ein Goldstück unter die Hände kommen wird. Da nun der Herr Adolf gar nichts war, so nahm er sich ernstlich vor, etwas zu wer­den, und er ward ein Reisender. Das ist noch immer ein Titel, wenn man sonst weiter nichts ist. Er reiste nämlich von einer Stadt in die andere, von einem Lande ins andere und ließ sich's über­all wohl sein, und wo er etwas zu bezahlen hatte, da gab er die mit seinem Ordenskreuze gezierten Goldstücke hin. Noch nie aber war es ihm vor­gekommen, daß er eins wiedergesehen hätte.' End­lich ward er des Herumreisens auf dem festen Lande müde; er verließ die alte Welt und schiffte sich nach Amerika ein. Nun war der Herr Adolf noch etwas mehr als ein Reisender, er war sogar ein Auswanderer. Diesmal aber ging's gar schlecht aus der See; fünf Tage und fünf Nächte wütete ein gewaltiger Sturm; alles, was auf dem Schiffe war, mußte mit Hand ans Werk legen, aber alles vergebens; das Schiff ging unter, und nur der Beherztheit des Schiffshauptmanns gelang es, die Mannschaft und die Reisenden in einer Schaluppe zu retten. Nach zwei Tagen fürchterlichen Umher­irrens und schrecklicher Hungersnot, in welcher viele starben, wurden die Verschlagenen von einem Kauf­fahrteischiffe ausgenommen und in den Hafen von Boston gebracht. Arm. hilflos und verlassen irrte hier Adolf umher, und er wünschte sich oft, daß er mit den andern von den Wellen begraben wor­den wäre. Da sah er einen Mann eilig des Weges gehen; mit niedergeschlagenem Blicke bat er ihn um eine Gabe. Der Mann griff in die Tasche, reichte ihm ein Stück Geld und war schnell verschwunden. Als Adolf wieder seinen Blick em­porhob und das Geld betrachtete, wollte er seinen Augen kaum trauen. es war ein holländischer Dukaten, der das Ordenszeichen von seiner eigenen Hand unverkennbar trug. Sei es'nun, daß der Mann sich vergriffen hatte, oder daß er wirklich eine so namhafte Gabe schenken wollte, Adolf dachte nicht lange darüber nach, und er weinte helle Tränen auf das einzige Goldstück, das ihm von seinem ganzen Reichtum als Bettlergabe wie­der zugekommen war. Mit Wehmut dachte er daran/ daß er es wieder weggeben und vielleicht nie mehr sehen solle. Da begegnete ihm eine große Menge von Arbeitern, die an einer Straße arbei­teten ; schnell war er entschlossen und ließ sich unter ihre Zahl einschreiben. Ein sonderbarer Ge­danke tröstete ihn bei dieser ungewohnten Lebens­weise. Ich brauchte eigentlich nicht zu arbeiten, sagte er sich in der ersten Zeit-und fühlte dann an seine Brust, wo er den Dukaten verborgen hatte, ich habe ja Geld und könnte eine ganze Woche und länger davon leben oder etwas anderes da­mit anfangen; aber ich arbeite, weil mir's Ver­gnügen macht. Dann aber machte er sich einen Spaß daraus und sagte oft: Ich arbeite bloß zu meinem Vergnügen. Ich arbeite, damit ich etwas zu essen habe, und das Essen macht mir dann Vergnügen. Nach und nach erkannte er, daß nichts Entwürdigendes, ja die Ehre und der Lebenszweck allein darin liege, für den Genuß seines Daseins und für das, was man von der Welt hat, auch etwas für sie zu tun. Früher hatte er gedacht, durch das Wegrücken eines Stuhles, ja durch jede

Tätigkeit seine Lebenskraft zu schwächen; jetzt erkannte er, daß, je mehr man seine Kräfte braucht, sie um so mehr wachsen und zunehmen, daß die

Lebenskraft durch Tätigkeit immer neu erzeugt wird.

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So war Adolf, für den die Straßen früher nur dagewesen waren, um als vergnügungssüchtiger Reisender darauf herumzurutschen, ein Bahnmacher und Straßenarbeiter für andere. Mit der Zeit aber gelangte er auch zur Stelle eines Aufsehers bei dem Straßenbau, und er freute sich in dem Gedanken, daß von seinem Dasein auf der Welt noch andere Spuren hinterblieben, als die bloßen Kreuze aus dem Gelde, das ihm durch die Hand gegangen war. Lange Zeit hatte er den Dukaten als Andenken aufbewahrt, bis er endlich einsah, daß auch dieser nicht ruhen darf in dem großen Weltverkehr, und er schenkte ihn einer Witwe, deren Mann bei dem Straßenbau verunglückt war.

ßtwas vom Kleingartenbau.

Aon Gartenarchitekt Hans Gerlach, 4. Komp. I. Ers.-Bat.

Inf -Reg. 81., z. Zt. Res.-Laz. V. Frankfurt a. M.

(Vom VH. Preisausschreiben.)

Die Größe des Pachtgartens richtet sich nach der Familienstärke des einzelnen Pächters, denn der Garten soll für deren Haushalt die erforderlichen Gartenerzeugniffe liefern, ohne dem Pächter und dessen Familienmitgliedern zur Last zu fallen. Ter Flüchenraum des Kleingartens wird also je nach der Kopfzahl zwischen 300 und 400 qm schwanken.

Bei der Ausgestaltung und Bepflanzung des einzelnen Pachtgartens ist auf möglichst vielseitigen Nutzen hinzuwirken.

Zum .eisernen" Pflanzenbestand gehören:

1. Zwerg- und Spalierobstbäume: Aepfel, Bir­nen usw.

2. Beereuobststräucher bezw. Hochstämme: Johan­nis- und Stachelbeeren.

3. Als Hecke Himbeeren, Brombeeren.

4. Als Staude Rhabarber und Küchengewürz­kräuter.

5. Zur Wegeeinfassung: Erdbeeren.

Die Anordnung dieses eisernen Pflanzenbestandes hat so zu erfolgen, daß für die Gemüsekulturen noch hinreichend Gartenland frei bleibt und die Entwick­lung der Gemüsepflanzen dadurch nicht beeinträch­tigt wird.

Die persönlichen Liebhabereien des Kleingärtners wie z. B. die Anpflanzung von Rosen, Dahlien, Stauden, Sonnenblumen sowie sonstiger Blüten­pflanzen dürfen ebenfalls den Nutzwert des Klein­gartenbaues nicht beeinträchtigen.

Von großer Wichtigkeit ist auch in jedem Garten die hinreichende Wasserversorgung, ferner die archi­tektonisch einwandfreie und zweckmäßige Ausgestal­tung und Einrichtung des Gartenhauses.

Ebenso sollte in keinem Kleingarten der Kaninchen­stall fehlen! Die Kleintierzucht steigert die Ertrag­fähigkeit des Kleingartenbaues in derselben Weise wie die Viehzucht die Ertragfähigkeit der Landwirt­schaft erhöht!

Da auch nach dem Kriege es eine der wichtig­sten Aufgaben ist, dem deutschen Boden, wo es auch sei, Höchsterträge an Lebensmitteln abzugewinnen, kann nicht nachhaltig genug der Mahnruf in alle Kreise des deutschen Volkes dringen:

Nimm Hack und Spaten, grabe selber.

Die Bauernarbeit macht dich groß.

Und eine Herde goldener Kälber

Die reißen sich vom Boden los!

Mögen alle Leser uns zu einem organisierten Kleingartenbau Helsen.

Die Bedeutung desselben liegt in den Worten: Das Land als Spender von Blüte und Kraft ist der feste Anker der Nation!