Ausgabe 
15.4.1918
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und allen inneren Gezänkes: das deutsche Volk ist doch in sich einig in diesem Pflichttun, Wachsein und Siegenwollen.

Sie hatten vier Tage vorn gelegen . . in Flandern . . im Dreck bis an die Schultern, in Grausen und Not, und kamen zurück in das Ruhe­quartier, und sie schimpften unter sich über den Krieg, über die Menschheit, wohl über alles in der Welt und warfen schimpfend ihre Sachen hin:End­lich drei Tage Ruhe!' Da kam die Nachricht: das Bataillon vorne hätte eben ungewöhnlich viele Ver- luste durch Gasvergiftung; es müßte sofort Ver­stärkung kommen. Da packten sie schweigend ihre Sachen wieder auf . . schweigend . . selbstver­ständlich und zogen wieder in das Grausen und die Not . . .

ES war eine riesengroße Versammlung . . in einer norddeutschen Stadt . . lauter Arbeiter . . da sagte der Redner: ,Wollt ihr, daß wir Elsaß- Lothringen herausgeben?' Sie schwiegen alle . . alle. Keiner will, daß wir unsere Ehre und An­sehen verlieren unter den Völkern der Erde . . .

So stehc nun das deutsche Volk, ein jeder an seinem Platz, bald vier Jahre lang, und verteidigt seinen Heimatboden und seine Ehre.

Und nun ist wieder der Frühling gekommen und Ostern. Dreimal haben wir während des schrecklichen Krieges Frühling und Ostern gehabt; und es ist uns gewesen, als hätten wir es nicht gefeiert. Denn was ist die Geschichte und der Sinn des Osterfestes? Der Heiland kam wegen seiner edlen reinen Menschheitssache in Spott und Schande und zuletztin Gefangenschaft und in den Tod. Da waren die. welche ihn kannten und an ihn glaubten, auf das tiefste betrübt; ja es war ihnen die Seele im Leib zerbrochen. Was war das Leben noch wert? was hatte die Welt noch für einen Sinn, wenn das Gute verderben und sterben muß ? Aber siehe da . . eS kam ein Glaube in ihre Seelen . . ein Glaube wunderbar: er ist nicht tot . . er lebt . . und fein Leben und sein Glaube arbeitet und wirkt weiter und schafft an der Welt und der Menschheit, fortwirkend von Jahrhundert zu Jahrhundert!

Das sind die Gedanken, die Ostern und Früh­jahr in jeder Menschenseele wecken . . Hoffnung in trüben Herzen. Das Gute . . es leidet wohl . . ja, es scheint zu sterben und dahinzugehen . . aber sieh . . nein es lebt noch! Es lebt wieder aus! Ja, es siegt und triumphiert und gewinnt den Kampf. Heil dem Guten und Schönen, das allein ewig ist, darum allein die Welt vorhanden ist und einen Sinn hat!

Wahrhaftig, das deutsche Volk hat in diesen letzten vier Jahren Mühe und Leid und Not ge­habt! Welche Mühe und Arbeit! Frost, Nässe, Krankheit. Häßlichkeit, unsägliches Heimweh, Schrecken und Not an den Fronten! Ach, unsere lieben Toten: welch ein Leid, welch ein gewaltiger Karfreitag! Welche Aengste, Sorgen, Kummer, für immer ge­beugte Elternherzen, Entbehrungen, Katastrophen, Krankheiten, daheim in der zahllosen Masse des Volkes!

Wahrhaftig, wir dachten . . wir dachten oft: es glückt uns nicht! Gott und die Menschheit hat uns verlassen. Gott und die Menschheit hassen das deutsche Volk. Es ist aus mit uns und un­serer Zukunft. Sagt, was hat das Leben nun noch für einen Sinn, wenn ein tapferes, fleißiges, friedfertiges Volk von der ganzen übrigen Mensch­heit überfallen, erschlagen und erniedrigt wird, und Gott sieht es an? Ja, so dachten wir oft.

Aber sieh da . . was ist geschehen? O, das Wunder dieses Frühlings . . diese- Ostersestes!! Wo sind die Führer, die die ungeheuren Regimen- ter des russischen Volkes gegen uns jagten? Sie sind tot, gefangen, aus der Flucht, in Verstecken, einsam, krank, machtlos. Wo sind die Millionen graubrauner, russischer Männer, die, Gesicht nach Westen, immer wieder und wieder gegen urisere Linien stürmten? Vierzig Monate lang? Sie hör­ten einen Ruf von ihrer Heimat her; sie hörten einen Klang aus ihrem Volk: .Kämpft nicht mehr! Ihr kämpft nur für Geld und Machtgier Eurer

Unterdrücker!' Und sieh, sie schnitten sich einen weißen Stock im Walve und machten sich aus die Wanderung ostwärts der lieben Heimat zu. Wo sind die Millionen Gewehre, die Tausende Geschütze, die mit dem Mund nach Westen brüllten? Sie liegen und rosten in den Gräben, in Wäldern und Sümpfen, sie stehen zu Tausenden auf deutschen Fabrikhöfen.

Und auch im Westen ist der Feind ins Wanken gekommen. Wer im deutschen Volk zweifelt heute noch, daß wir auch den besiegen werden? Konnten wir ihn einst tief in sein eigenes Land zurückürängen, als wir noch nach allen Seiten kämpfen mußten, als wir noch mit dem einen Arm nach Osten, mit dem andern nach Westen stoßen wußten . . wir werden ihn jetzt schlagen, da wir beide Arme brauchen! Geängstigt schon, mit geschwächtem Mut, ohne rechtem Glauben, mit immer gestörten Zuwegen, mit unruhigen hungernden Heimatvölkern, auf ein Wunder vom Himmel her wartend: so sieht er sein Schicksal sich erfüllen.

Noch eine geringe Zeit, und auch diese Feindes­heere schneiden sich den Stock zum Heimatwandern und jagen ihre Führer davon; gesiegt aber hat das deutsche Volk! Dies Volk, das gedemütigt und zerschlagen werden sollte . . vor der ganzen Mensch­heit hebt es sein Haupt, hebt sein Haupt über alle Hasser und Neider, über die größten Gewalten der Erde. Nicht das letzte, wie sie dachten, nein, das ssrste der Völker!

Wir, das deutsche Volk! Gemeinsam haben wir alles erlebt. Wo war da ein Unterschied, eine Ausnahme? Wir alle einig im Erleben dieser gewaltigsten Dinge. Einig vor alle kämpften, bangten, weinten und sorgten. Wir waren alle einig im Erleben dieser gewaltigsten Dinge. Einig vor so vielen Gräbern, in denen reich und arm nebeneinander liegen. Einig in so viel Sorgen. Nun auch einig vor dieser ungeheuren Wendung, diesem nahen Siege der reinen deutschen Sache.

Laßt uns nun auch in diesen Tagen noch einmal wieder einig sein . . einig in der Hergabe unseres Geldes, unseres Kredits. Die wir soviel Leid gemeinsam getragen, die wir an soviel Gräbern zusammengestanden, die noch einmal der ganzen Menschheit dies flammende Zeugnis geben: wir . . wir stehen zu unserm Landl Wir stehen noch heute dazu, wir glauben an unser Volk und an unfern Sieg!

dich geboren . . und ließ dich ein wenig Menschen­glück finden in deinem Leben . . dem Land, das für dich blutet, und dessen stolze freie Bürger du und deine Kinder sein sollen:

Sieh, es geht ans Siegen! Gott hat die Völker gewogen in seiner Hand. Er hat sich für uns ent­schieden. In Demut, die Seele voll von Dank und Wundern, nehmen wir es hin. Dich aber soll es treiben, noch einmal Gott und dem Vaterland zu zeigen, wie lieb du die deutsche Heimat hast!

D. K. W.

Deutsche Irauen 1917.

Von San.-Untoffz. Kruhm, Frankfurt a. M. (Aus unserem VH. Preisausschreiben.)

Ich Hab' gesehen.

Wie sie Granaten drehen:

In einer Halle, hoch und licht. Standen viele Frauen dicht An Tischen, breit und lang. Manch eine lachte und sang . , Messinghülsea, blank und hell. Die rollten schnell Von Hand zu Hand.

Dort, wo die Maschine stand. Da preßte man Pulver hinein In Säckchen, weiß und klein. So ward das Geschoß.

Und von der Stirne floß Den Frauen der Schweiß,

Sie arbeiteten heiß.

Tag und Nacht,

Unverzagt

Sie Granaten drehen.

Ich Hab/ es gesehen.

Den deutschen Frauen Gilt unser Vertrauen.

Sie schmieden die Wehr Für Deutschlands Ehr!

Aas Arbeitsgebiet der Kriegsbeschädigten-

Iürsorge.

Der Aufgabenkreis, den sich die bürgerliche Für­sorge bei ihrer Arbeit gestellt hat, ist sehr weit gezogen. Er umfaßt im wesentlichen Berufsbe­ratung, ärztliche Beratung, Stellenvermittlung und ergänzende Heilbehandlung. Die Arbeit der Für­sorge soll frühzeitig, möglichst noch während der Zeit der ärztlichen Behandlung einsetzen. Die Beschädigten werden der Fürsorge von den La­zaretten oder militärischen Dienststellen gemeldet. Diese setzt such dann mit ihnen in Verbindung.

Oberster Gesichtspunkt der Berufsberatung ist, den Beschädigten nach Möglichkeit seinem alten Berus zu erhalten. Nur in Fällen, in denen die Beschädigung eine Weiterführung des alten Berufes nicht gestattet, soll zu einem neuen Beruf geraten und der Beschädigte, sofern es notwendig ist, für diesen vorbereitet werden. Ist das zu erreichende Ziel gesteckt, so sichert der Ausschuß seine Durch­führung. Geeignete Fachschulen, Lazarettlehrwerk­stätten und Werkstätten der Industrie sollen dann dem Beschädigten die Möglichkeit geben, sich für den neuen Beruf vorzubereiten.

Es ist noch so viel Gold im Lande. Wie mancher goldene Schmuck noch auf jungen und alten Händen, in neuen und alten Schränken, zweifelnd hin und hergewendet . . soll ich es geben oder nicht? Es ist so viel Guthaben im Lande, hier im Schrank, da in der Sparkasse, hier in der Bank, da bei einem Nachbarn, hier in einem Möbel, das verkauft werden, dort in einem Besitztum, das belastet werden könnte . . Die wir zusammenstanden (wir mußten wohl!) in all dem Graus und der Not der vergangenen Jahre . . die wir weinen um so viel Gräber . . sieh doch . . suche doch einmal . . grüble doch ein­mal, daß du irgend eine Summe findest; und gib sie dem Land in die Hände, dem Land, das

Die ärztliche Beratung soll in Zweifels­fällen feststellen, welchen Beruf der KriegSoerletzte unter Berücksichtigung seiner Beschädigung aus­üben kann, und, wo eine Besserung des Leidens oder der Beschädigung erreichbar erscheint, eine solche herbeifahren.

Die Stellenvermittlung weist den in dem alten Berus verwendbaren und den für einen neuen Beruf vorgebildeten Beschädigten geeignete Arbeitsplätze in der Industrie nach, die nach Mög­lichkeit eine dauernde Beschäftigung des Vermittelten bieten können.

DieergänzendeHeilbehandlung erstrebt, die Kriegsverletzten und innerlich Kranken durch Gewährung von Kuren von verschiedener Dauer

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