Ausgabe 
1.9.1918
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Wagenrädchen, drei Pfund schwer, in deine Kirche zu Maros I * 1

.Es wäre infam, wenn er hielte; da wäre

alles umsonst gewesen. Geschwind, weißes Licht!

Hoch, hoch mit der Laterne; recht sichtlich so!' ruft eine Stimme.

Da gellt ein langgczogener Pfiff der Lokomotive durch die Nacht daher.

»Hurra, er fährt durch I' jubeln drei rauhe Kehlen.

»Alles verloren I Was wird nun?* denkt, halb crfiidft mit schwindenden Sinnen Janos.

Da folgen dem langen Pfiffe, gellend wie Not­schrei. kurz abgestoßen, noch einer, zwei, drei, fünf, sechs.

»Hölle und Satan, der pfeift ja zum Bremsen und Halten 1' ruft eine der rohen Stimmen. »Gebt Fersengeld, der Teufel kommt! Schnell in den Kukuruz! Schlagt die Signallaterne entzwei 1* Klirrend fliegt sie an die Wand.

»Sollten wir nicht erst noch den Janos abtun?-

»Zu was? Hallo, da sind sie schon!'

Der Kukuruz schlägt über den dunklen Gestalten zusammen; der Zug stiebt heran. Funken sprühen unter seinen gebremsten Rädern hervor, die Erde dröhnt noch ein Keuchen, eine nach dem Monde hinaufgeblasene Dampfwolke und er steht. Eine Anzahl uniformierter kräftiger Männer springt von den Wagen; voran der Oberkondukteur, der rasch und offenbar zornig auf das Bahnhaus zuschreitet.

.Warum läßt man uns hier halten und

°,n Mensch da? In des Teufels Namen, was

soll das heißen? Warum hat man uns rotes Licht gegeben V J

-Hier, Herr Oberkondukteur, liegt die Sianal- laterne zerschmettert, aber kein rotes Licht ist drin."

?aul, durchsucht dus Haus!* bestehlt der Zugchef. .Wo sind die Leute? Hier 'st "ur ein kleines Kind im Zimmer und hier stöhnt etwas hinter dem Holzstoß!- 9

mj '®° '!' !° ® ott lebt, ein geknebelter

8 '/t der Janos, Bahnwärter Nr. 128, und die Signalfahne als Knebel im Maule l Das steht einem Besuche der Betyarcn ähnlich, wie ein

Mann"- Weg mit dem Knebel I Erzählt,

Marios, wenn's auch die Mutter Gottes nicht getan hat, ein Wunder ist wirklich an Euch geschehen. Ohne den kleinen Balg hätten si; Euch doch noch am End- die Windpfeife zugeschnürt - von der Kaffe gar Nicht zu reden. Die Sache ist aufgeklärt-

fahren wir weiter. Ich lasse Euch den Zuggendarm hier. Gute Nacht!"

Der Zug rollt von dannen. Janos hält, mit

heißen Augen vor sich hinstarrend, das Kind im Arme.

Am andern Tage fährt der Streckeningenieur.

auf seiner Dräsine heimkehrend, am Bahnhause Nr. 128 vorbei.

"He. Janos, guten Morgen I Gratuliere Euch, daß man Euch noch gratulieren kann. Drinnen auf der Haupstation hat die Geschichte alle gerührt; sie schicken Euch heute ein Füßchen Erlauer. Laßt das Mädel nicht zu viel davon trinken. Ihr seid

aber doch kein Narr gewesen, als Ihr das Kind behieltet. Adieu!"

Aus der Welt der Arbeit.

r .2" die ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts st "Jl ® retani t' das berufen war. die Welt und die

-di'NsZ-n tiefgreifender umzugestalten. S Ä äu " 9 amenfaä ein paar Jahrhunderte

vorher, die Emsührung der DaMp,kraft in da« Berkehrs- wesen, die Erfindung der Eisenbahnen. Im Jahre 1829 ber erst, Eisenbahnzug über die Erde. Wenige Jahre

geboren 1822 ' ' b der vorstehenden Erzählung

... Weber war der Sohn unseres volks-

ümlichsten deutschen Tondichters, des .Freischütz" .Kom­ponisten Carl Maria v. Weber. Früh schon verlor er einen Vater Aber die Mutter bereitete ihm und zwei lüngeren Geschwistern in Dresden ein Heim, das durch, Ä? durchwaltet war von echtem dmischen Kunst- gefühl. Wenn der innge Max (sein Vaür hatte ihm den Vornamen des Helden des bei seiner Geburt eben vollen, beten Frei chütz gegeben) sich trotzdem nicht der Kunst, sondern der Tcchnlk zuwandte, so erkennen wir darin die Wendung, die das deutsche Geistesleben zu jener Zeit nahm: das Volk der Dichter und Denker, das Volk der Romantik gewann

der Natur, an Leistung und damit Macht und Einfluß in irdischen Dingen. Nach sora-

" wissenschaftlicher Vorbereitung trat Weber in seiner fachst chen Heimat in den Eisenbahndimst ein. Er biente

Pn» be, k?<!l e auf: t ! 6et ei 2 3ahr lang ist er selbst als u r 6t übernahm später di- Leitung

des sach,r!chen Eisenbahnwesens und war dann in Wien und

Berlin bis zu seinem Tode 1881 in führenden Stellungen

3--nos. nachdem der Halb-rstlckt- Atom g-schöpst und sein- Gedanke,, gesammelt hat, erzählt, was ihm geschehen und äußert den Verdacht, daß

bi. /""»ffenen Leute gewesen sein könnten, da ^ d^yaren den Effenbahndienst und seine Lokali-

i.r n K b l e Ablieferungszeit der Kasse offenbar gekannt hahen müßten.

,f 3 *« 1 ,», 08 aIIf8 '' unterbricht der Zugchef die breite Erzählung, »erklärt es noch nicht, daß wir

das rote Signallicht bekommen haben. Die Räuber haben es uns doch gewiß nicht gegeben I-

»Ist auch unerklärlich für mich,- sagt Jrnos nachdenklich, mit gesenktem Kopfe. »Halte doch selbst genommen Glas, rotes, aus Laterne.- Plötzlich erhebt er den Kopf, strahlend- »Nein, Pane Ober­kondukteur, gnädigster - ist Wunder - ist Wunder - hat Mutter Gottes - Allergnädigste - erhört Gebet mem.zes in Todesnot und hat gegeben selbst Haltsignal rotes, mit Laterne weißer!" _

'.Schnickschnack, alberner," sagt der Oberkonduk- teur halb lachend, halb ärgerlich.Untersuchen E die Sache! Kommt Janos. zunächst in die Wachtstube." Die Männer treten ein. Das Kmd fitzt erschrocken auf dem Tisch vor der Lampe' als Janos eintritt, läßt es entsetzt die rote Glasscheibe

die es m den Händchen hielt, fallen und streckt weinend die Arme Janos entgegen.

.»/'Nicht böse sein, Papa! nicht schlagen. Licht so

i? f r Ü' ~ draußen überall. Bitte, bitte nicht schlagen!" '

Da haben wir ja den kleinen Signalisten!" » be * .Oberkondukteur lachend.Das kleine Mädel hat durch die Scheibe vor der Lampe gegucki und draußen war das ein rotes Signal. Janos

rr Berufsarbeit hat Weber eine reiche schrift­

stellerische Tätigkeit entfaltet. Sein kluger und gütiger Geist und die unmittelbare Fühlung, die er sein ganz-S Leben hindurch auch mit den unteren seiner Angestellten unterhälten t £r r , anla !' en ln einer aanzm Reihe von Schriften w-ÄsMi'»"" Fn^esse der Gesundheit. Sicherheit und S« S» ^ Zugpersonals zu machen.

^ Uber IN Weber den Entdecker der

eigen,lichen Poche sehen, die in der Technik, in der Maschine

Nuu»/' , nur Rauch und Ruß nur grau­

ersahen, da erkannte Weber hinter all dem tosenden Eff-nlärm di- grübelnde Geistesarbeit d-z Technikers und die unermüdlich schaffenden Hände des Arbeiters, dir ihre bl's Werk gegossen hatten, und di-z hin-inverwo- bene Men chenschickial gab für ihn der Maschine Leben und Seele. Weber wurde damit ein Vorläufer des später viel bekannter gewordenen Dichters und TichnikerS Max Eyth.

m> Ä^ung der Technik, an dessen Ansang Max Maria v. Weber steht, hat jahrzehntetang weiteste Kreise un'er.S deutschen Volkes völlig berauscht, so alz ob der tech-

Furtschritt der Menschheit ein goldenes Zeitalter heraufführen könne, und es gab nicht wenige Deutsche die Bezeichnung alz .Volk der Dichter und Denker'

1 m wort erschien, und die d°S Zeitalter Schillers

m,d Goethes als ärmlich und klein empfanden, verglichen mit unserer modernen Herrlichkeit. Der Krieg hat uns

Ä?*" ba6 b ? Technik ebensowohl in den

?^ Todes, wie in dm Dienst

des Glückes und des Lebens gestellt werden kann, und

eS Ä bcn Gebrauch ankommt, den die Völker von ihr 5^,7 . Weber ist ein Beispiel dafür, daß die wirklich bedeutenden S«te nicht so geneigt sind, ihr eigenes Lebens- gebiet zu überschätzen, als ihre kleineren Nachbeter. So hat

das Geistige im Technischen erkannt und ge­schätzt, sondern er hat auch verstanden, daß die Technik nur dann ihren Zweck für die Menschheit erfüllen könne, wenn ? e, L ?^nst eines guten Willens gestellt wird. Er erwartete, daß die Steigerung des Verkehrs unter den Menschen,

m!s des Eisenbahnwesens sie bringen mußte

und tatsächlich gebracht hat, zu einer Verständigung der 7 unter einander führen werde. Möge er schließlich

11 6e ty* Ilen ' und möge dieser Krieg nur die letzte

Unterbrechung einet Entwicklung sein, die die Völker inner­lich einander näher führt.

Etwas über die Salpetersäure.

. Eine kriegschemische Plauderei von Alfred Hagenhöcker. cand. chem.

Es ist kein Verrat von Kriegsgeheimnissen, wenn ich hier an dieser Stelle noch einmal öffentlich er- wähne, daß wir in Deutschland aus dem Stickstoff und Sauerstoff der Luft Salpetersäure Herstellen' Da»z wir dazu in der Lage sind, ist der Faktor, der es uns ermöglicht, überhaupt noch Krieg zu führen. Sonst hätten die Feinde längst ihr Ziel erreicht und uns zu Boden gezwungen. Um die Leser dieses Aufsatzes das einsehen zu lehren, muß ich zwei Fragen beantworten. K

W kenn eigentlich Salpetersäure, und warum ist sie uns zur Kriegsführung unentbehrlich? Sal­petersäure ist eine Verbindung von Stickstoff, aus dem.sich die Luft zu 79 Proz. zusammensetzt, und Sauerstoff, der die andern 21 Proz. für sich in Anspruch nimmt, mit Wasser. Es ist aber äußerst schwierig, den Stickstoff der Luft mit dem Sauer­stoff der Luft zu vereinigen. Der Stickstoff der Lust liegt lose neben dem Sauerstoff, etwa in der Werse, wie man Mehl mit Zucker mischen kann, den Zucker kann man jederzeit wieder aus dem Mehl entfernen. So kann man auch den Sauer- stoff jederzeit der Luft entziehen. Es kommt aber darauf an, jedes kleinste Stickstoffteilchen fest und unlöslich an das kleinste Sauerstoffteilchen zu binden.

Wie das zu machen war. hat uns die Natur selbst gelehrt. Die Untersuchung der Regenwasser- pfützen nach einem Gewitterregen ergab stets die Anwesenheit geringer Mengen Salpetersäure. Da. raus wurde geschloffen, daß die hohe Temperatur der Blitze in der Lage sein mußte, die Verbindung von Stickstoff und Sauerstoff herbeizufahren. Es wurden Versuche angestellt, mit Hilfe gewaltiger elektrischer Bogenlampen und äußerst starker Ströme Blitze nachzuahmen, und das Luftstickstoffgemisch in diese Flammenbogen hineinzublasen. Nach vielen Mißerfolgen gelang es tatsächlich, auf diesem Wege rationell Salpetersäure herzustellen.

Zum großen Teil verdanken wir diesen Erfolg der badischen Anilin- und Sodafabrik, die diese Versuche zäh fortgesetzt hat, sich nicht durch Miß­erfolge hat verdrießen lassen und große Kapitalien dafür eingesetzt hat. Wenn man dann liest, daß die Leiter der Werke, die, voraussehend, derartige V-rsuch- haben anstellen lassen, hohe Kriegsaus­zeichnungen erhalten haben, dann maß man wirklich sagen, daß si: dieselben verdient haben. Denn durch diese Erfindung ist wirklich unser Vaterland vor dem sonst sicheren Untergange gerettet worden.

Vor der Eifindung dieses Verfahrens waren Vögel in Amerika unsere Salpeterfäureliefeianten. Der von ihnen abgeworfene Mist enthält nämlich große Mengen an Sauerstoff gebundenen Stickstoff und auf einfachem Wege war es möglich, aus diesem Dünger Salpetersäure hcrzustellen. Aber bei dem großen Weltbedarf an Salpeter für Industrie und Landwirtschaft war eine sehr baldige Er­schöpfung der Salpeterlager zu berechnen. Und dann?

Nun, was dann gekommen wäre, kann sich der Leser selbst ausmalen, wenn ich einmal kurz darauf Hinweise, wofür wir Salpeter bezw. Salpetersäure unbedingt benötigen: Der Landwirt braucht ge­bundenen Stickstoff unbedingt für seine Felder, zum Düngen, sei es in Form von Ammonsulfat, Kalk- stickstoff oder Salpeter. Jeder, der etwas Ahnung von Landwirtschaft hat. wird bestätigen, daß wir niemals Jahr für Jahr einen Acker rationell be. bauen könnten, wenn wir nicht Stickstoffdünger zu­setzten. In Friedenszeiten brauchten wir unge­heuere Mengen Salpetersäure zur Herstellung unserer Farbstoffe. In der Farbstoffindustrie ist es meistens die erste Handlung, die mit den Teerprodukten Benzol. Toluol. Phenol. Naphihalin. Anthrazen usw. oorgenommen wird, dieselben iw auf hier nicht näher zu erörternde Weise mit Salpetersäure zu behandeln. Das ist der erste Schritt zu unfern in der Welt unübertroffenen Farbstoffen.

Ein weiteres Berwendungkgebiet für die Sal­petersäure liegt in der Kunstseidefabrikation. Durch vorsichtiges Behandeln von Baumwolle mit Sal-