Ausgabe 
1.8.1918
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Nummer 18.

1. August 1918.

Und bu?

Die Welt hält den Atem an. Ein sagenhaftes Kämpfen im Westen hat begonnen. Das scheinbar Unmögliche gelang. Der Stellungskrieg ist über­wunden, der Bewegungskrieg lebte auf. Der asia­tische Brauch, den Maulwurfskrieg unter der Erde zu führen, ist wieder gebrochen durch die germanische Art, auf offenem Schlachtfeld die Kraft des Geg­ners zu erproben. Das ist der natürliche Krieg. Gott sei Dank, daß wir jene Unnatur überwunden und dem Gegner heute das Gesetz seiner Handlungen vorschreiben. Siege sind uns beschert, Siege nach 3 y a Jahren Krieg, Siege gegen die zusammengr- ballte Macht von England, Amerika und Frankreich, Siege, die dem Feind mehr blutige Opfer kosten, als uns. Hörst du, so fing der Frühling 1918 für unS an. Frühlingssturm bricht Wintercis. Fragen und Bangen hat ein Ende. Die Tat hat das Wort. Wir sind hmeingerissen in die Stunde der größten Entscheidung.

Und du zu Haus? Ist dein Herz noch stark genug, das alles zu fassen, noch weit und tief genug, das alles mitzuerleben? Werde nicht müde; du darfst nicht! Du sollst mit den Kameraden draußen jagen, du sollst mit ihnen ihre siegreichen Wege ziehen und dich nicht schonen. Schleiche dich nicht beiseite mit dem Einwand: .Ich habe drs JammerS genug!" Gott will, daß wir gehen. So gehen wir bis zum letzten Schritt. Nickt die Klagenden sind dre Großen, sondern die Stillen, die tun, was die Not fordert. Wir schreien nicht .Hurra", obgleich einem gottlob der Jubel manchmal aus der Kehle fährt; aber Sonntag soll es sein in deiner Seele, heller, leuchtender Sonntag, da man feiert und wartet und sich schenken läßt. Felsenfest stehe vor unS die Gewißheit: Gott will es so! Die Welt­geschichte bleibt das Weltgericht. Dies Wort wird heute ungeheure Wirklichkeit. Darum kommt starke Probe an uns zu Haus. Die draußen machen's gut; für die brauchst du nicht sorgen. Bleiben wir wert derer, die draußen kämpfen. Mancher häßliche Dreckspcitzer liegt auf unserm heimischen Mantel, darum sind wir nicht hochmütig. Aber unser Herz erlebe voll stolzen Danks, daß uns Gott rust zum Sieg, zum endgültigen Sieg! Manche wollen gleich wieder Halt machen und meinen, es sei schon genug des Schlagens. Nein, wer jetzt nicht schlägt bis zum Ende, der versündigt sich und verlängert den Weltkrieg um ein neues Jahr. Halbe Arbeit ist schlechter, als gar keine. England hat unsere Lang­mut verhöhnt. Wir sind im Recht, wie wir es zu Beginn des Krieges waren., Barmhcrzig handeln wir nicht nur an unserm Volk, sondern an der Welt, wenn wir diesen Krieg durch Schlag und Sieg beendigen. Manche lieben freilich unklare, dunkle Lagen mehr, als Helle Siege; denn oort können sie im Trüben fischen und die Geister ver­wirren. Wir lieben klare Entscheidung. Unwürdig wären wir darum des militärischen Erfolgs, wenn wir ihn nachher politisch nicht voll auSnütztcn. Die Taten unserer Tapferen würden unerbittliche An­kläger, wollten wir ihren Wert nachher vergeuden und im politischen Handeln nicht ebenso entschlossen siegen, wie aus dem Schlachtfeld. Unsere Söhne und Väter kämpfen und sterben, damit Deutschland stark werde. Wer das nachher hindern wollte, der hat sich zu verantworten vor ihrem Blut. Krieg und Sieg stellt vor neue Tatsachen. Wer sie schul­meistern will mit veralteten Meinungen und vor­gefaßten Plänen, handelt selbstsüchtig an seinem Volk.

Jetzt stehen wir unter der Entscheidung des Schwerts. Wir kennen keine andere Losung. Auf den Straßen der Heimat ist's wie in den Tagen vom 1. August 1914. Alles drängt sich des Nach­mittags um den Heeresbericht. Wie ein elektrischer Schlag zuckt es durch ganz Deutschland. Darum mahnen wir zur rechten Zeit: .Vergeht das später nicht l" Verratet das Blut eurer Toten nicht und werdet nachher nicht kleinmütig. Der Engländer spottet immer noch: .Mögen sie noch so viel siegen, wir gewinnen doch. Mögen wir auf dem Schlacht­feld unterliegen, wir besiegen sie in der Politik!*

Schon heute lauern sie darauf und schreiben in I ihren Zeitungen: .Die Deutschen mußten uns an­greisen, weil ihre Dipsomanie zu schwach war, uns zu überwinden; darum stürzen sie sich jetzt in ein Abenteuer, das ihnen die innere Revolution kosten wird". So rufen sie zu uns herüber, um uns wieder zu zermürben, zu verwirren und gegeneinander zu h'tzen. Sie verrechnen sich bitter. Nichts wird ihnen gelingen. Wem der Herr so großes getan wie unserm deutschen Volk, der steht und hört seinen Weltauftrag. .Vor Schelmen, die den Mantel der Gerechtigkeit tragen, kann sich keiner schützen. Sie ! verdienen doppelte Bestrafung." Dies Wort des alten Fritz stehe über der Zukunstsentscheidung. Einig stehen wir, stolz und heißen Dankes voll. .Es mutz doch Frühling werden l"

G. Traub.

Ich werde euch herrlichen Tagen entgegenführen! Dazu hat unser Kaiser uns hingeführt, indem er seinen Hindenburg zu finden wußte und ihn an die Spitze seiner Heere stellte Das ist Kaiser Wilhelms großes unvergängliches Herrscherverdienst. Nicht nur als der siegreiche Feldherr, sondern auch ols weiscr Berater und treuer Freund schreitet Hindenburg unserem Volke voran. Sein Wort wollen wir in allen Lebensfragen hören, denn es hat uns bis jetzt noch nie getäuscht und irrege­leitet! Ec ist würdig und gleichwert des eisernen Kanzlers, umfassend, wie dieser, in seinem Wollen und Können.. Wenn das deutsche Volk die Treue zum Worte Bismarcks und Hindenburgs hält und ihnen gläubig solgt, dann wird es ewig blühen und niemals untergehen.

Kinbcnöurg und wir.

Von Landzerichtsrat Otto v. Pfister.

Wiederholt haben gewisse Kreise im Hinblick auf Kundgebungen Hindenburgs sich dahin geäußert, daß sie Hindenburg zwar als General und Feldherrn hoch ehrten und schätzten, gleichzeitig aber betonen müßten, daß mit dem militärischen Gebiete die Bedeutung und der Wirkungskreis Hindenburgs be­grenzt und erschöpft sei. Dieser Standpunkt muß unbedingt zurückgewiesen werden. Zunächst -muß grundsätzlich heroorgehoben werden, wofür alle frei­heitlichen Kreise eine Verständnis und Empfinden haben sollten, daß es jedem Vvllsbürger zusteht, einerlei welches berufliche Sondergrbiet er hat, zu den großen vaterländischen Fragen, die sich vor allem auch an den Ausbau der deutschen Zukunst anknüpfen, Stellung zu nehmen. Das folgt aus der Freiheit der Gedanken und Meinungen, das liegt in dem Selbstbestimmungsrecht de8 deutschen Mannes und Volkes. Wem sollte da« gerade aber mehr zustehen als dem, der allein schon durch seinen Feldherrnsieg von Tannenberg überhaupt erst die Voraussetzung und Möglichkeit geschaffen hat, daß wir jetzt frei und unabhängig über die Gestaltung der deutschen Zukunft raten und taten können, statt, etwa niedergetrcten zu sein und willenlos ertragen zu müssen, was - feindliche Willkür und Vernichtung uns auserlcgt.

Ein höchstes Walten hatte dem großen Feld- marschall das deutsche Schicksal in die Hand ge­geben, und er hat es sicher sestgehalten in Not und Tod, bis es vom leuchtenden Siege umstrahlt war und es dann auch den mit hinemzog, der e8 aus düsterer Nacht zum Lichte gerettet hatte. So steht Hindenburg vor uns als die leuchtende Verkörpe­rung des Schicksals unseres Reiches und Volkes, als der Erretter aus höchster Gefahr. Wie könnten wir uns je von ihm trennen, wie könnten wir anders zu ihm hinaufschauen als zu dem Führer, dem wir in allem, was deutsches Volk und Land angeht, glauben und vertrauen, unverbrüchlich und treu! Wie einst Wilhelm der Siegreiche seinen Bismarck gesunden hat, so hat unser Kaiserin derselben Größe deS Blicks und Willens Hinden­burg zu der Stelle emporgehoben, die ihn befähigte, uns die SiegeSbahn zu deutschem Glück und Frie­den zu führen, zusammen mit seinem Treugenossen und Mitstreiter Ludendorff, der untrennbar mit dem Namen und dem Ruhme eines Hindenburg fort­leben wird.

In diesem Ringen um das Deutschtum ist uns Hindenburg ein Sinnbild des kämpfenden und sie­genden Deutschtums geworden, ein Spiegelbild der Seele unseres Volkes, ihres Sehnens und Höffens! Es ist eine Verkennung der Wirklichkeit, wenn man in Hindenburg nur den militärischen Feldherrn er­blicken wollte. Er ist uns unendlich viel mehr. An ihm hat sich ein ganzes Volk aufgerichtet, in ihm hat e8 bis heute sein Dasein und seine Zu­kunft gesehen und die Bürgschaft dafür,. daß sich das hehre Kaiserwort von einst noch erfüllen würde:

Aom Siegeszng in Iolen.

.Nichts für ungut, Kamerad, dann bin eben ich der Gefangene". In der Schlacht am San im Frühjahr 1915, fehlte es in den glorreichen Ver- solgungstagen nicht an den unglaublichsten, mit­unter fall tragikomisch anmutenden Vorkommnissen. So erzählt Dr. Kurt Florricke in seinem soeben bei der Franckhschen Verlagshandlung erschienenen 5. und 6. Band der Sammlung .Gegen die Mosko­witer" (Preis geh. Mk. 2.50), der den.Siegeszug in Polen" im Sommer 1915 behandelt: Eine ver­irrte Abteilung österreichisch-ungarischer Kaiserjäger stieß unversehens auf ansehnliche Baracken, die man alsbald als russisches Monturdepot erkannte. Der Barackenkommandant, ein pensionierter Oberstleut­nant, saß gerade mit seinen beiden Osfizieren ge­mütlich beim Nachmittagskaffee, und seine etwa 50 Soldaten klopften die Monturen aus, als die Kaiserjäger in Schwarwlinie auS dem Walde her­vorbrachen. Dem alten Oberstleutnant entglitt zu­erst vor Schreck die Kaffeetasse, dann aber ging er ohne Waffe auf den Führer der feindlichen Truppe zu und forderte ihn auf, sich sofort zu ergeben. Das Bild war ein wenig komisch: der alte Hau­degen, dessen wallender Bart noch die Spuren de8 verschütteten Kaffees auswies, forderte vier Dutzend Kaiserjäger zur Uebergabe auf in einem Augenblick, da von allen Seiten die Sieger von Gorliee heran­marschierten. Der die österreichische Abteilung be­fehligende Fähnrich erklärte ihm die Lage, der Alte blieb jedoch unerschütterlich bei seiner Urberzeugung, daß eS der Jägerabteilung nur durch Zufall ge­glückt sein könne, sich durch irgend eine Lücke der russischen Front durchzuschleichen. .Ich fordere euch auf", sagte er neuerdings, .euch zu ergeben, weil meine Soldaten aus einen Wink von mir hier sein werden. Ich würde mit den schärfsten Mitteln vorgehen müssen, wenn ihr dem Befehle eines kaiserlich russischen Oberstleutnants nicht Folge leisten würdet." Der Fähnrich antwortete darauf nur: .Herr Oberstleutnant, sehen Sie sich doch um 1" Zwischen den grünen Saaten sprengten nämlich eben in breiter Front sächsische Reiterharste heran, um die Umgebung abzusuchen. Da blieb dem alten Herrn das Wort in der Kehle stecken, aber dann nahm er die Sache von der gemütlichen Seite. .Nichts für ungut, Kamerad." sagte er im reinsten Deutsch, .... dann bin ich eben der Gefangene." Das Bändchen enthält reizvolle und packende Schilderungen über die Kämpfe im Sommer 1915 auf dem östlichen Kriegsschau platz. - -

Dr. Floericke behandelt mit der von ihm ge­wohnten flotten Schreibweise die Kämpfe am Dtryj, die Wiedereroberung Lembergs und Przemysls und schließt mit dem Fall von Nowo-Georgiewft.