Ausgabe 
1.8.1918
Seite
4
 
Einzelbild herunterladen

rsxsLEk Arikung»

unverwüstliche Dauer zu, aber ein gemischtes Ge­stein bleibt es immer, und es ist wohl gut, daran zu denken, daß, wenn auf solche Felsen zersetzende Einflüsse wirken, sie sich naturgemäß in die Ritzen und Spalten zwischen den verschiedenen Bestondteilen le^en. Es gab einst in Deutschland eine Mainlinie, Md man konnte die ernste Frage hören: Ist die geistige Aneigung deS deutschen Bodens durch das deutsche Volk als beendet anzusehen, wenn Süd und Nord und Ost und West sich noch so wenig verstehen? In der Rheinbundszeit si chten bayrische Geschichtsforscher das Keltentum der Boier nachzu­weisen, das sie den Franzosen annähern sollte, und ein französischer Gelehrter sah eine süße Rr-che für die Leistungen Preußens in dem Krieg 1870/71, daß er eine finnische Race prussienne aussonderte, die die westelbischen Germanen und Kelloge; manen rückwärts zivilisiert, d. h. barbaristert, und das edle Frankreich r ücksichtslos zu Boden geworfen hatte.Deut- sche Schriftsteller haben den Norden und Süden wie unvereinbare Gegensätze gegeneinander gestellt. Das Tiefland und das Meer, das Gebirgsland und die abgeschlossene Binnenlage haben freilich sehr ver­schieden auf ihre Völker gewirkt. Aber doch war es mehr als Kurzsichtigkeit, es war ein Frevel, den Unterschied zwischen Nord und Süd, Ost und West in Deutschland so zu betonrn, nne ls oft geschehen ist. Zum Wesen Deutschlands gehört es gerade, daß die entferntesten Stämme sich besser verstehen, als in vielen andern Ländern Europas. Hat die gemeinsame deutsche Muttersprache sich dialektisch abgewande^t, so daß der Plattdeutsche und der Bayer, selbst der Alemanre und der Franke sich mühsam ohne das neutrale Hochdeutsch verständigen, und daß dem ersten Druck der lutherschen Bibel­übersetzung im Alemannenland Erklärungen hoch­deutscher Wörter beigebeben wurden, haben die Lebensgewohnheiten sich mannigfach verändert, so bleibt doch stets Denken und Fühlen des einen dem anderen begreiflich. Es gibt Stämme im deutschen Volk, in deren Adern mehr keltisches und römisches Blut, andere in denen mehr slawisches Blut fließt, aber ihr Wesen und ihre Lebensumstände gehen nicht so weit auseinander, wie die des proven- zalischen Wein- und Oelbaumzüchters und des nor­mannischen Rübenbauern, wie des rauhen Asturianers und des feinen Andalusiers, des ligurischen Ple- montesen und des phönikischcn Sizilianers. Der deutsche Bauer ziiht Getreide und Kartoffeln von den Alpen bis zur Nordsee, sein Haus, seine Scheune, seine Lebensanschauungen, - sogar der Ofen, hinter dem er viel zu viel sitzt, sie gleichen sich im ganzen deutschen Land. Gerade darin liegt eine große Kraft unseres Volkes, der nur der eben­falls allgemein angeborene, eigensinnige Sonderungs­trieb der Deutschen oft entgegenwirkcn konnte.

Friedrich Rätzel.

Lazarett-Aeratung.

Tie Zentralstelle der Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Interesse der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Zeder möge die Fragen, die er auf dem Herzen hat, seien fi, wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett'Beratung richten. Cs soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge. sucht werden. Rat und Beistand zu schaffen. Ant. Worten von allgemeinem Interesse werden ohne Na. mensnennung in der Lazarett. Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugefichert. daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett.Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürsorge. Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 45 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung.

AetegrapM J. H. Frage: Ich beabsichtige zu kapitulieren. Bin jetzt zwei Jahre im Militärdienst und war schon an der Front. Welche Bestimmungen bestehen da für Kapitulanten und besteht Aussicht auf Erfolg? Antwort: Kapitulationen dürfen im allgemeinen im Rahmen des Friedensetats ab­

geschlossen werden. Als Kapitulanten sind ab­gesehen von solchen in Schreiberstellen nurkv Mannschaften anzunehmen und durch den mobilen Friedenstruppenteil zu verpflichten. Neue Kapitu­lationen treten frühestens an dem Tage in Wirk­samkeit, an dem die Mannschaften, je nach ihrer gesetzlichen Friedensdienstzeit, bei tageweiser Be­rechnung e'n, zwei oder drei Jahre aktiv gedient haben. Von diesem Tage an finden auch alle Be­stimmungen für Kapitulanten auch auf die Kriegs­kapitulanten Anwendung. Das Kapitulalionshand- geld wird dagegen erst bei der Demobilmachung zahlbar.

Hefr. A. K. Frage: Kann mir während der Bettruhe das Rauchen vollsiänd'g untersagt werden und wenn ja, müssen mir dann nicht hinterher die Zigarren und Zigaretten nac^geliefert werden, da dieselben gerade wie Löhnung den Sol­daten zustehcn? Antwort: Ob Sie rauchen dürfen, darüber hat lediglich der Arzt zu entscheiden. Im übrigen sind Sie im Irrtum, wenn Sie glauben, im Lazarett ans Verabreichung von Tabak den gleichen Anspruch zu haben wie aus Auszahlung der Löhnung. Tabak wird in den Lazaretten ledig­lich als Liebesgabe verteilt, ein rechtlicher Anspruch auf Verabreichung besteht nicht; also findet auch eine nachträgliche Verabreichung nicht statt. Anders beim Feldheer, wo jeder Soldat Anspruch auf Tabak hat.

Hreri. K. Frage: Bin als 17jährigerKriegs­freiwilliger in den ersten Mobilmachungslagen ein­getreten. Wenn ich jetzt kapituliere, werden mir dann die vier Jahre Dienstzeit auf die zwölfjährige Dienstzeit angerechnet? Antwort: Die vier Jahre Dienstzeit werden auf die zwölf Jahre an­gerechnet.

Scherz und Aätset.

Ein Schusterjunge hat bei einem Hauptmann e'n P«ar Stiefel abzuliefern. Nachdem der Haupt­mann aber immer sehr grob ist mit dem Schuster­jungen, so nimmt er die Stiefel und stellt sie bei dem Hauptmann vor die Tür hin. In dem Mo­ment geht die Tür auf, und der Hauptmann kommt heraus. .Da geh mal her, Kerl, weißt du nicht, wie man bei einem Hauptmann ein Paar Stiefel abliefert?"' .Rein*, sagt der Schusterjunge. .So"', sagt der Hauptmann, .dann will ich dir's zeigen. Jetzt machst du den Hauptmann, und ich mach den Schusterjungen."' Der Hauptmann nimmt die Stie­sel in die Hand und sagt: »Eine Empfehlung von meinem Meister, und hier sind die Stiefel für'n Herrn Hauptmann, der Herr Hauptmann möchte die Stiefel probieren, ob sie passen, und wenn was dran fehlt, dann ist mein Meister gerne bereit, die­selben zu ändern. So sagt man." Da langt der Schusterjunge in seine Westentasche hinein und s«gt: .Und hier, mein lieber Junge, hast du 20 Pfennige, du hast sowieso noch nie etwas von mir gekriegt"'.

S elbsth ilfe.

Arzt: .Ja, ja, das Fieber ist im höchsten Sta­dium. Mein erstes wird daher sein. Sie von dem brennenden Durste zu befreien."' Patient: .Lieber Herr Doktor, befreien Sie mich lieber vom F'eber, mit dem Durst werd' ich dann schon ganz allein fertig werden."'

.Von den zwei großen da!'

.Heiraten denn Kamele auch?*

Fragt ganz erstaur.t das Kind;

, Ja!", brummt Papa .dran sieht

man g ra d,

Daß es Kamele sind!"

Eingesandt von Xaver Li eck, Frankfurt a. M.

Zoologisches.

Zum ersten Male ist der Fritz Im zoolog'schen Garten Und sieht dort voll Begeisterung Die Tiere aller Arten.

Voll Eifer fragt er. und Papa Muß alles ihm erzählen.

Jetzt kommen sie von ungefähr Auch hin zu den Kamelen.

Die großen hatte Fritz bereits Im Bilderbuch gesehen;

Doch sah er bei den großen hier Auch ein ganz kleines stehen.

Was ist denn das?" so fraget Fritz Verwundert den Papa;

.Das ist das Baby', sagt der drauf,

»ruck von L über t Lo.. Frankfurt a. M., flbeflrafi 21.

Silbenrätsel.

Aus den folgenden 43 Silben:

an auchachechudeeeelen

fahrfigat gi - ich le- liIo lusmo­no- nuss ot pe pheu phus- ra rad rad rist- ro sa stherster ta tan te

traintyvi wes wilzi

sind 21 Wörter zu b'l^en ^eren Anfaras- und Endbuchstaben abwechselno von obn nach unten gelesen einen bekannten Ausspruch Bismarcks er­geben.^ Die Wörter bezeichnen: 1. Vorname,

2. Teil eines Wagens. 3. Pflanze, 4. Krankheit. 5. Rätsel, 6. Spitzer,garnierung, 7. Vogel. 8. Stoff­art, 9. Alpenblume, 10. Brnkausdruck. 11. Sänger, 12. ein König, 13. Fruct t, 14. Truppengattung, 16. persönliches Fürv ort. 16.-Sagengestalt, 17. Schmerzensausrus, 18. Verkehrsmittel, 19. bibli­scher Name, 20. Insekt, 21. Vermächtnis.

Wirrwar.

Es ist zu bilden aus:

a a n n e v r Stadt in Italien t d t b e e asr Stadt in Hessin g g e e e eiisbrbn Gebirge Deutschlands sspuprttlhcime militärische Formation, b r e e Pflanze

i i s t I Tier

Sind die Wörter richtig gefunden, so ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben abwechselnd von oben nach unten gelesin eine Aufmunterung für: unsere Rätselrater.

Rätsel.

Die eine ist schwer.

Die andern sind leicht. Das Ganze ist schwarz Und läuft auf Weiß.

Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein» sender bis 1b. August einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M.. Theaterplatz 14. Au? dem Briefumschlag soll das Wort , Rätsellösung" stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.)

Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn sie vollständig sind.

Auflösungen;u den Rätseln

vorigen Nummer.

1. Aätsek: Der BuchstabeI".

Worträtsel: Brieftasche.

2 . Aätsek: Hanswurst.

dev

Die Auflösungen der vorletzten Nummer:Feuer" Brotkarte" .Zapfenstreich" hat nur der Armierungssol-> dat Kurt Oberhollhaus, Fulda, richtig geraten.

Die Lazarett.Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk deS XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Verfügung.

Zuschriften find zu adreffieren: Lazarett-Zeitung. Frank» furt a. M., Theaterplatz 14.

Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Di*. Earl Gebhardt in Frankfurt a. M.