Ausgabe 
15.6.1918
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Nummer 15.

15. Juni 1918.

Der Heneratquartiermeister

Als donnerte die Völkerschlacht Und manche Mutter weinte,

Hast du, General, Quartier gemacht Im Lande unserer Feinde.

Die eigne Heimat blieb verschont Bon Flammenwurf und Gasen

Doch wo der Brite kaum gewohnt,

Zog's feldgrau durch die Straßen.

Und waren's weite Wege schier Durch Sand und Felsenstiege,

Wir wußten's dankbar: jed' Qnartier Führt näher uns dem Siege;

Denn der uns die Quartiere all' Gewiesen mit Granaten,

Hat mit dem alten Feldmarschall So Weg, wie Ziel, beraten.

Noch schimmert fern,das goldne Tor Dem heil'gen Pfad zum Frieden

Du aber siehst .Quartiere" vor Schon heute für die Müden.

Du denkst, da noch vom Blute naß Das Korn fault iu der Erden,

Schon heut, an die, so wund und blaß Die Heimat suchen werden.

Den soll die Nachwelt, wie's gebührt, Den .großen Feldherrn* nennen,

Der nicht nur wagt und stürmt und führt. Wo Stadt' und Dörfer brennen;

Der, ruhend kaum von heißer Schlacht, Statt ruhmsatt sich zu freuen,

Im Zelt die Heimkehr vorbedacht Für jeden Kampfgetreuen.

Das schönste Blatt der Lorbeerzier,

Die grün dein Haupt umkleidet:

Daß von Quartier du zn Quartier Vom Sieg znm Heim geleitet;

Daß, wo dein Name je genannt Wird einst im stolzen Frieden,

Zur Mütze grüßend fährt die Hand Des ält'steu Invaliden.

Rudolf Presber

(Zur Ludendorff-Spende aus denLustigen Blättern".)

Wilson und die Hlot Europas.

Mit Recht hat ein holländischer Politiker dem amerikanischen Präsidenten kürzlich den schweren Vorwurf gemacht, daß er das unglückliche Europa immer tiefer in dir Raserei der Revolution hinein­trieb. Der wahre Staatsmann soll Erzieher der Völker sein. An diesem Maßstabe gemessen sinkt Wilsons aufgeblasene Größe völlig in nichts zu­sammen. Er wird gerade da« Gegenteil dessen, was er sein soll, Völkerverführer! Der holländische Beurteiler hält ihm mit feierlichem Ernst den Spiegel E er: zeigt den Wilson, der die sinnloseste radi­kalste Revolution in Rußland wie eine mögliche Regierung zu behandeln sucht, und den Wilson, der rlles herunterreißt in den Staub, was an monar- hischen Autoritäten, was überhaupt an Autoritäten bei ,en Mittelmächten vorhanden ist. Er muß entweder ilind oder völlig gewissenlos sein. Eine andere Wahl -eS Urteils über ihn gibt es nicht. Lernen aber kann rnd soll man auch von dem schrecklichen Gegenbild der Lugend. Was in den Mittelmächten an sittlicher Kraft ebendig ist, was da trotz unzähliger Schwierigkeiten ine Widerstandskraft verleiht, die bei Beginn des Krieges keiner der Feinde auch nur im entferntesten

geahnt hat, das müßte sachlicherweise selbst dieser Feind zugestehn. Und umgekehrt dürfte auch dieser Feind nicht leugnen, daß die russische Revolution in einen bodenlosen Abgrund geführt hat; daß durch sie alles, aber auch wirklich alles, was noch irgend an Staats­form, an Gemeinschaflspflicht, an Autoritätsgesühl erinnert, zu Grunde gerichtet worden ist. Man mag bei der Entente noch so viel große Redensarten machen, das tatsächliche Bild Europas steht doch in zu scharfen Farben vor aller Welt Augen, als daß es sich noch verschleiern ließe. Je länger der Krieg dauert, umso tiefer wühlt er und holt aus den Tiefen Gewalten herauf, vor deren Anblick jeder besonnene Kulturmensch erschrecken müßte. Das Beispiel Rußlands redet laut genug. Soll nun trotz­dem erst noch das Beispiel Italiens, das Beispiel Frankreichs folgen? Und wenn es folgt, wie wird sich die Erschütterung fortpflanzen? Wo sollen sich die sittlichen Mächte, die Autoritätsgewalten finden, die eine neue Welt der Ordnung wieder aufrichten und tragen können? Und wieder aufrichten ist schwerer als tragen. Zur Rot hätte Rußland mit seinem alten Zarentum schon noch eine Weile weiter bestanden, wenn es rechtzeitig Frieden gemacht hätte. Was dagegen aus dem Rußland von heute, dem zerrissenen und an allen Gliedern zuckenden Ruß­land werden soll, das wagt wohl niemand voraus- zusagm. Angesichts einer solchen Katastrophe mit ihren Urhebern noch zu liebäugeln, ihre Urheber gegen die Träger gesicherter alter Kulturmächte aus­zuspielen. das bringt wirklich nur ein sehr weites, ein amerikanisches Gewiflen fertig. Wir wollen demgegenüber desto gründlicher uns besinnen auf das. was wir an unserer Staatsordnung noch haben. Gerade je wilder das Geschimps auf unfern Kaiser, auf unser- Fürsten und Generale, auf die Führer unserer Bundesgenossen wird, umso deutlicher muß uns einleuchten, wie dankbar wir für sie sein dürfen. Was in einer jahrhundertelangen Geschichte an staat­lichen und gesellschafilichen Ordnungen bei uns wurde, das allein gibt uns das Gefühl der Sicher­heit. gibt uns das feste Zutrauen zu dem Boden, auf dem wir stehen. Wohl lassen auch ihn die Er­schütterungen des Weltkrieges beben. Wohl mutz auch an diesen Ordnungen manches einer neuen Zeit sich anpassend weiterwachsen. Aber was wir ohne sie wären, das eben zeigt uns das von Wilson umschmeichelte kommunistisch-anarchistische Rußland. Es ist eine schwere Aufgabe, Staatsmann, Bölker- erzieher zu sein. Wir feiern nicht umsonst das An­denken unserer Stein und Bismarck. Dem amerika­nischen Präsidenten dagegen wird die Weltgeschichte kein Denkmal setzen. Wer es jetzt, wir sagen gar nicht mit den Mittelmächten, sondern auch nur mit dem leidenden Europa im ganzen gut meint, der mutz dringend wünschen, daß die wilden revolutio­nären Triebe allmählich gedämpft, das Verständnis für die notwendigsten Stützen staatlicher Ordnung gestärkt werden.

R. Strecker.

Der Akademische Kilfsöund.

Unter den Kriegsbeschädigten, die durch ihr Schicksal in bitiere Verlegenheit geraten, sind auch viele akademisch Gebildete oder in der akademischen Ausbildung Befindliche. Ihnen in ihren besonderen Röten zu helfen, bildete sich bereits 1915 derAka­demische Hilfsbund". Nicht um die Akademiker von den anderen abzusondern. wurde er ins Leben ge­rufen. sondern aus dem Gefühl der Pflicht heraus, die besondern Sorgen der Akademiker nicht anderen aufzuladen, sondern in treuer Gememschaft zu tragen. In den wenigen Jahren seines Bestehens ist der Bund bereits zu einer umfassenden Organisation geworden. Ein Vorstand und ein Arbeitsausschuß in Berlin bilden die Zentralleitung (Geschäftsstelle in Berlin N.W. 7, Georgenstraße 441. Nähe Bahn­hof Friedrichstraße): entscheidend- Beschlüsse faßt die Hauptversammlung der Mitglieder. Ueber das ganze Reich sind Ortsausschüsse verstreut, die teil­weis zu Landesverbänden zusammengefaßt sind. Namentlich an den Sitzen der Hochschulen haben

sich Ortsausschüfle gebildet. Im Großhcrzogtum Hessen bestehen zwei Ortsausschüsse, in Darmstadt und in Gießen, der erster- hat die Fürsorge für alle Kriegsbeschädigten übernommen, die zur Tech­nischen Hochschule in Darmstadt in Beziehung stehen: der andere sorgt ähnlich für die an der Universität Gießen Ausgebildeten oder in Ausbildung Befind­lichen. Die Mitglieder beiderOrtsausschüsse" sind über das ganz- Großherzogtum verteilt. Die Mittel, durch die der Akademische Hilftbund seinen Zweck zu erreichen sucht, sind vor allem Beratung in allen «erufsfragen durch sachkundige Berater sowie in besonders dafür geeigneten Fällen Unterstützung für die Wiedergewinnung der Gesundheit für die Weiter- bildung oder di- künftige Erwerbstätigkeit. Die Zentrale hat in Helmstadt ein Erholungsheim für kriegsbeschädigte Akademiker gegründet. Der Orts­ausschuß Gießen, deflen Vorsitzender immer der Rektor der Universität ist. ist erst 1917 ins Leben getreten: die Zahl seiner Mitglieder ist noch ver­hältnismäßig gering und die ihm zufließenden Mittel reichen für größere Hilfeleistungen noch nicht aus. Doch steht zu hoffen, daß er in wachsendem Maße Entgegenkommen finden wird, damit er seine wich­tigen Aufgaben, die namentlich nach dem Kriege sehr großen Umsang annehmen werden, ausreichend erfüllen kann (die Geschäftsstelle des Ortsausschusses

Gießen ist das Unioersttätssekretariat Gießen, Bis- marckstraße 22).

Schian.

3>te wichtigste Aufgabe völkischer

Innenpolitik

ist nach dem bekannten Münchener Hygieniker Prof, v. Gruber in seiner neuesten diesbezüglichen Schrift (Sonderdr. ausDeutschlands Erneuerung", 1918 H. 1, Lehmann, München) dem darin vieleBeoölkerungSpolitiker" beipflichten Raffen- hygienie. Naturgemäß ist dabei die Geburtenfrage von besonders entscheidender Bedeutung. Die Ge- bürten- und namentlich die Aufwuchsziffern werden besonders auch durch Krankheiten u. a. auf seiten der Eltern sehr herabgesetzt. Vor allem durch die Geschlechtskrankheiten. Weiter die Tuberkulose u. a. Auch der Alkoholismus, so hebt Gruber hervor, hat seinen wohlgemessenen Anteil an Unfruchtbarkeit und Minderwertigkeit des Nachwuchses.Der Keimoerderb durch Syphilisgift und Alkohol dürfte die Hauptursache sein für die auffallende, mit den Erfahrungen der Züchter in so traurigem Wider- spruch stehende Tatsache, daß nur allzu häufig Eltern von ungewöhnlicher angeborener Kraft, Be­gabung und Tüchtigkeit Kinder hervorbringen, die von den elterlichen Gaben fast nichts mehr besitzen". Je mehr wir diese Uebel durch kräftigen Feldzug dagegen eindämmen, um so mehr werde vor allem die Beschaffenheit des Nachwuchses gewinnen,jenes gewaltige Heer der Minderwertigen und Halbbrauch­baren an Zahl abnehmen, das eine so ungeheure Äast für jedes Volk ist". Für eine genügende Menge des Nachwuchses sei aber zugleich Stärkung und Neubelebung des Willens zur Nachkommenschaft unveräußerliche Bedingung. Wenn die so viel be­klagte willkürliche Geburtenbeschränkung der Neuzeit häufig wachsender wirtschaftlicher Not der breiten Volksschichten in die Schuhe geschoben wird, so sei dies völlig unrichtig. Die wirtschaftliche Lage habe sich in der Zeit vor dem Kriege im ganzen im Gegenteil sehr gebessert. Beweis u. a.: die stark, stärker als die Preise gestiegenen Löhne, die Alkoholausgabe des deutschen Volkes von rund vier Milliarden im Mittel dec letzten Friedensjahre, die Tabakausgabe von mehr als einer Milliarde! ...

Dr. F.