Ausgabe 
1.6.1918
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Vetruny«

teilnehmer, die an ihrem Gehör Schaden gelitten haben, schlecht oder gar nicht gesorgt sei, daß also Taube besonderen Sorgen bezüglich ihrer Zukunft gegenüberstünden.

Diese Auffassung ist irrig. Nach den gesetzlichen Bestimmungen wird derartigen Kriegsbeschädigten neben der Rente beim Verlust des Gehörs auf beiden Ohren eine einf«che Verstümmelungszulage gewährt. Hierbei ist dem Verluste des Gehörs eine hochgradige Schwerhörigkeit dann gleichzuachten, wenn einzelne, in gewöhnlicher Umgangssprache unmittelbar vor dem besser hörenden Ohre ge­sprochene Worte nicht mehr verstanden werden.

Für die Anerkennung der Verstümmelung (ein­facher) durch Taubheit auf beiden Ohren ist nur erforderlich, daß für die Taubheit eines der bei­den Ohren Dienstbeschädigung vorliegt.

Lazarett-Aeratung.

Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung des Roten Kreuzes Frankfurt will dem Intereste der Verwundeten und Kranken im Bezirk der Lazarett-Zeitung dienen. Jeder möge die Fragen, die er auf dem Herzen hat. feien sie wirtschaftlicher Natur, rechtlicher Natur oder wie immer, schriftlich an die Lazarett.Beratung richten. Es soll auf jede Frage brieflich Antwort gegeben und die Möglichkeit ge- sucht werden, Rat und Beistand zu schaffen. Ant­worten von allgemeinem Intereste werden ohne Na­mensnennung in der Lazarett - Zeitung veröffentlicht, vertrauliche Behandlung wird zugefichert, daher anonyme Anfragen verbeten. Die Zuschriften sind zu richten: An die Lazarett.Beratung, Frankfurt a. M., Kriegsfürforge, Theaterplatz 14. Beifügung von Rückporto ist nicht erforderlich. Die Zentralstelle der Lazarett-Beratung steht auch täglich von 45 Uhr den Verwundeten für persönliche Anfragen zur Verfügung.

Krsaßreservist J. K. Frage: Ich bin zur Zeit von meinem Truppenteil zur Arbeitsleistung in einer Fabrik beurlaubt. Im vorigen Monat wurde uns nun ein Junge geboren und ich möchte anfragen, ob meiner Frau trotz der Beurlaubung die Reichswochenhilfe zusteht. Antwort: Nach Entlassung aus dem Heeresdienst oder bei längerer Beurlaubung zur Arbeitsleistung entfällt der An­spruch auf Reichswochenhilfe. Dos Reichsversiche­rungsamt hat jedoch durch Entscheidung vom 30. Oktober 1917 diese Bestimmung dahin einge­schränkt, daß die Reichswochenhilfe nur dann nicht gezahlt wird, wenn die Erwerbsfähigkeit derart ist, daß der Betreffende durch seine Arbeit in der Lage ist, den nötigen Lebensunterhalt für sich und seine ganze Familie zu öeschaffen.

Aizewachtmeister K. II. Frage: Ich diente bei Kriegsausbruch mein Einjähriges-Jahr und rückte als Einjähriger-Unteroffizier ins Feld, wo ich zum Vizewachtmeister befördert wurde. Im Winter 1917 kam ich um Erlaubnis zur Kriegs­trauung ein, da ich ja der Reserve noch nicht über­schrieben war. Diese Erlaubnis wurde mir erteilt, jedoch wurde mir eine Kaution von 300 Mk. ab­verlangt. Ist das zu Recht geschehen? Ant­wort: Als Einjährig-Freiwilliger brauchten Sie bei Ihrer Kriegstrou,ung Sicherheit nicht zu stellen. Sie können auf dem Dienstwege Rückgabe der zu Unrecht von Ihnen verlangten Sicherheit verlangen.

Unteroffizier A. Frage: Ich wurde im August 1917 verwundet und war dann mit einem Lazarettzug von Rumänien nach Deutschland drei­zehn Tage unterwegs. Während dieser Zeit waren zwei Löhnungen fällig, die aber nicht ausbezahlt wurden. Gleich beim Eintreffen im Heimatslazarett habe ich mich bemüht die Löhnung zu erhalten, aber vergebens, desgleichen beim Ersatzbataillon ohne Erfolg. Zur Zeit bin ich im Lazarett und habe die Löhnung immer noch nicht erhalten. Wo­hin muh ich mich wenden, um _ die Löhnung zu erhalten? Kann ich mich an das Sanitätsamt wen­den? Antwort: Es ist unbegreiflich, daß Sie bis jetzt noch nicht zu Ihrer Löhnung gelangt sind. Soweit der Löhnungsrückstand sich nicht aus dem Soldbuch ergibt, zahlt das Lazarett, in dem Sie sich zur Zeit befinden, endgültig. Ergibt sich der Rückstand aus dem Soldbuch nicht, so hat das Lazarett den Rückstand aus Grund einer mit Ihnen auszuneh­menden Verhandlung gleichfalls zu zahlen und bei

der eigentlichen Zahlungsstelle zur Erstattung ein­zufordern. Sollten Sie Ihre Löhnungsrückstände nicht erhalten, so können Sie aus dem Dienstwege die Entscheidung der stellvertretenden Intendantur beantragen.

Iom deutschen Heist.

Ruhe der Nacht.

Windsgleich kommt der wilde Krieg geritten, durch das Grün der Tod ihm nachgeschritten, manch Gespenst steht sinnend auf dem Feld, und der Sommer schüttelt sich vor Grausen, - läßt die Blätter, schließt die grünen Klausen, ab sich wendend von der blut'gen Welt.

Prächtig war die Nacht nun ausgegangen, hatte alle mütterlich umfangen,

Freund und Feind mit leisem FriedenSkuß, und, als wollt der Herr vom Himmel steigen, hört ich wieder durch das tiefe Schweigen rings der Wälder feierlichen Gruß.

* * * b. Eichendorff.

Die Linien deS Lebens sind verschieden wie Wege sind und wie der Berge Grenzen.

Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.

Hölderlin.

*

Auf dem Teich, dem regungslosen, weilt des Mondes holder Glanz, flechtend seine bleicken Rosen in des Schilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel, blicken in die Nacht empor; manchmal regt sich das Geflügel träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muß mein Blick sich senken; durch die tiefste Seele geht mir ein süßes Deingedenken, wie ein stilles Nachtgebet l

Lenau.

Scherz und Mtset.

Schüttelreime.

Längst schon ist ein neues Jahr da!

Was wird es uns bringen dar? Ja

Wird's den Frieden uns gebären.

Den voll Sehnsucht wir begehren?

Noch geht's nicht auf weichen Gleisen,

Stets hört man die gleichen Weisen;

Jeder möchte seine Klagen,

Große, wie auch kleine sagen.

Lehmann schimpft, die Bäcker ließen Uns vermissen Leckerbissen;

Höchstens gäb's so flauen Kuchen,

Daß die Leut' beim Kauen fluchen.

Schulz berichtet:Meine Schwester Dient jetzt bei 'nem Schweinemäster;

Um zu holen meine Butter Macht sich auf die Beine Mutter/

Allerorts ertönen Schemas Ueber solche schönen Themas.

Dort steht an der Mauer Trine Und macht eine Trauermiene,

Kann's nicht fassen, wie gen Flandern Franz muß. dort zu fliegen, wandern,

Für den Liebe ste so treu hegt,

Selbst wenn sie im Stalle Heu trägt.

Annas Mann, der auch in Feldgrau,

Schreibt beständig: .Schick' mir Geld Frau!'

Auch sagt man, die Lotte kette Fritz an sich durch Kotelctte.

Meyers dünken sich wie Fürsten Schon bei magern Rindviehwürsten;

Doch der Traum von Schokolade,

Den sie hatten, log o Schade!

Ganz vergeblich fragt man lacht nicht!

In den Läden nach 'nem Nachtlicht.

Ach l wo sind die Lendenbraten ?

Nichts mehr gibt's im Brentenladen!

Laufen muß man auf Holzsohlen

Ei! der Teufel der soll's holen!

Xaver Lieck.

Manche Nöte walten hier.

Aber durch doch halten wir!

D. Red.

Für lustige Schüttelreime setzen wir drei schöne Preise aus.

Silbenrätsel.

al, alb, bau, bürg, bruch, car, dad, dis, durch, ei, feld, fol, garn, her, kan, land, 1er, li, me, men, ne, ne, ni, nien, rau, ren, rif, ro, so, som, ta, tar, tel, ter, ton, tri, uh, un, ur, zel.

Aus vorstehenden 40 Silben sind 19 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen ergeben, wofür wir kämpfen und wer uns hilft. 1. Kriegsausdruck. 2. Nah­rungsmittel. 3. Königreich, 4. Insel. 5. Fluß in Frankreich. 6. Oper. 7. Stadt im Schwarzwald. 8. Stadt in Rußland, 9. Teil der Kirche, 10. Stadt in Hannover, 11. Unkraut, 12. Stadt in der Lau­sitz. 13. Stadt im Harz. 14. Gefüh, 15. Land­bezirk in der Schweiz. 16. deutscher Dichter. 17. rö­mischer Kaiser, 18. Zwangsverfahren, 19. Preis­verzeichnis.

Zahlenrätsel.

1, 2, 9, 7, 10, 5, 3 Staat in Amerika

2, 6, 5, 6, 7 * Ein seltener Artikel

3, 12, 8, 13, 11, 12, 7, 8 Stadt in Bayern

6, 7, 9 ^ Römischer Kaiser

6, 3, 12, 14, 6, 4 Teil der Hand

6, 4, 8, 3, 5, 10, 4 Gegend in der Schweiz

6, 11, 6 Nützliche Pflanze

4, 10, 6, 14, 6, 4 Fluß in Rußland.

Die Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen ergeben zwei berühmte Kampffeldev des Westens.

Rätsel.

Alltäglich zur bestimmten Stunde Erscheint die erste Silbe neu.

Die zweite ist ein schlimmer Kunde: Geschäftslos sich herumzutreiben.

Nutzlos verschwenden Zeit und Kraft.

Darin besteht sein ganzes Tun.

Gebt ihm den rechten Titel nun!

Einsender: Ldstm. Herr, Frankfurt a. 9J{.

Die Lösungen haben nur Gültigkeit, wenn ste vollständig sind.

Die Lösungen sind mit genauer Adresse der Ein­sender bis 15. Juni einzusenden an die Lazarett- Zeitung, Frankfurt a. M., Theaterplatz 14. Auf dem Briefumschlag soll das Wort .Rätsellösung* stehen. (Innerhalb des Postbezirks Frankfurt a. M. ist die Zusendung als Feldpostbrief nicht zulässig.)

Auflösungen ;u den Rätseln der

vorigen Nummer.

Sitöenrälsel: ..Lerne leiden ohne zu klagen/

Aätf-t: .Das Herz/

Worträtsel: .Sturmwind, Regenwetter, Rindvieh Fieberhitze usw.

Preise ;u den Auflösungen der vorletzten Uummer.

1. Aätset:Schatten. Gatten, Lotten, Ratten, Matten.

Platten" 3 richtige Lösungen.

2. Zlälsel: .Atlas - Salta"

3 richtige Lösungen.

3. Rätsel: .Der Gedanke"

3 richtige Lösungen.

3 Einsender haben alle Rätsel richtig geraten, sie er- hielten Preise: Sergt. Daudt, Hadamar: Ldstm. Misselbeck, Reichelsheim; Ldstm. Roeber, Konstanz.

Die La-arrtt-Zeitung erscheint zweimal monatlich. Den Verwundeten, Kranken und Genesenden im Bezirk dev XI., XIV. und XVIII. Armeekorps steht sie im Lazarett unentgeltlich zur Vkrfügung.

Zuschriften find zu adrestieren: Lazarett-Zeitung, Frank­furt a. M., Theaterplatz 14.

Verantwortliche Schriftleitung ehrenamtlich Dr. Carl Gebhardt in Frankfurt a. M.

Druck von Ldber * Co., Frankfurt a. M., Llbestraßr 29.