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von Salisbury ihre Thätigkeit, und den Beſtrebungen derſelben folgten Zeugenvernehmungen, welche ſehr bald einen bedeuten⸗ den Umfang annahmen.
Auf dieſem Wege wurde nach und nach eine Reihe von Thatſachen ermittelt und feſtgeſtellt, welche ſämmtlich dazu beitrugen, den ſchon ſo ſehr verdächtigen Stoone noch weit ſchwerer zu belaſten.
Im engliſchen Gerichtsverfahren ſpielt bei Kapital⸗Ver⸗ brechen das Vorleben des Angeklagten, eigentlich ſein Leumund, ſtets eine bedeutende Rolle.
Die nach dieſer Richtung hin über Stoone angeſtehten Erkundigungen ergaben, daß er ſich an ſeinen früheren Auf⸗ enthaltsorten ſtets eines guten Rufes erfreute. Auch in der Umgebung von Salisbury hatte er bisher allgemein für einen rechtlichen Mann von ſittlichem Lebenswandel gegolten. Nur Lord Travells, welcher ebenfalls deswegen vernommen ward, ſchilderte ihn als einen zur Ueberhebung geneigten, ungehor⸗ ſamen, jähzornigen und rachſüchtigen Menſchen.
Dies Zeugniß, oder eigentlich Gutachten des Lords über die Charakterbeſchaffenheit Stoone's war aus leicht begreiflichen Gründen von bedeutendem Gewicht. Es hob daher auch andere für ihn günſtige Auslaſſungen ſo ziemlich hinſichtlich ihres Werthes auf. Das war ſchon ein großer Uebelſtand.
Durch die Zeugen⸗Ausſagen ward ferner feſtgeſtellt, daß ſeit dem Frühling des letzten Jahres zwiſchen dem Squire Burton und William Stoone eine Feindſchaft beſtand, welche in ſtetem Zunehmen begriffen war.
Der Groll, welchen die beiden Männer gegen einander hegten, hatte zweimal zu Thätlichkeiten zwiſchen ihnen ge⸗ führt. Ein anderes Mal war Stoone von Burton und einigen Freunden deſſelben in ſcheinbar ungerechtfertigter Weiſe ſchwer gemißhandelt worden. Noch ein anderes Mal hatte Sir Burton denſelben wörtlich beleidigt und mit Thät⸗ lichkeiten bedroht.
Außerdem hatten die verfeindeten Männer bei verſchiedenen anderen Gelegenheiten und zu ſehr verſchiedenen Perſonen Drohungen gegen einander laut werden laſſen; aus denjenigen Stoone's ließ ſich faſt immer der Gedanke erkennen, dem Squire das Leben zu rauben.
Ueber die Veranlaſſung zu der Feindſchaft zwiſchen den beiden Leuten wußten die Zeugen nichts Beſtimmtes an⸗ zugeben. Die Dienſtboten von Travellshouſe wollten die Ur⸗ ſache derſelben in dem erſten Streite zwiſchen Beiden finden, und Lord Travells ſagte aus, daß ihm der Squire mitgetheilt habe, der Zank ſei durch Stoone's reſpektwidriges, flegel⸗ haftes Benehmen herbeigeführt worden.
Wußten dieſe Zeugen nichts Beſtimmtes über den Ur⸗ ſprung oder die Veranlaſſung zu dem erſten Streite zu be⸗ kunden, ſo konnten ſie um ſo genauer über die Beendigung deſſelben ausſagen. Die Gegner waren bereits handgemein geworden, als ſich die Zeugen einfanden. Stoone blieb im Fauſtkampfe Sieger. Demungeachtet ſtieß er noch die heftigſten Drohungen gegen den Beſiegten und namentlich gegen das Leben deſſelben aus.
Die Ausſage des Zeugen Myers in Salisbury ergab, wie ernſtlich dieſe Drohungen gemeint waren. Stoone erſchien am anderen Tage bei ihm mit der ausgeſprochenen Abſicht, eine Schußwaffe zu kaufen. Er kaufte dann allerdings nur
Concordia.
ein Meſſer, doch ein ſolches, welches ganz geeignet war mörderiſchen Zwecken zu dienen.
Der zweite heftige Zuſammenſtoß der beiden Männer ward nach Ausſage vieler Zeugen allerdings durch Sir Burton veranlaßt. Doch hatte dieſer jedenfalls das Recht, den Mann, der ihn ſchwer beleidigt, von ſeiner Beſitzung zu weiſen. Der Kampf nahm einen mehr ſpaßhaften als ernſten Verlauf; doch durfte Sir Burton auch in dieſem Falle als der eigent⸗ lich Gekränkte gelten, weil er durch Stoone's Manöver der Vertheidigung in den Augen ſeiner eigenen Leute lächerlich gemacht worden.
Die Mißhandlung Stoone's durch Sir Burton und deſſen Freunde konnte hiernach bei oberflächlicher Betrachtung als ein von dem Squire abſichtlich herbeigeführter Racheakt an⸗ geſehen werden. Es wurden über dieſen Vorfall allein gegen zwanzig Zeugen vernommen. Der größere Theil derſelben vermochte nur über die Mißhandlung ſelbſt, oder die Wirkung, welche ſie auf Stoone ausgeübt, zu bekunden. Doch Lord Travells und die betheiligten Freunde des Ermordeten gaben einſtimmig an, daß die ſogenannte Mißhandlung des Gärtners nichts als eine verdiente Züchtigung deſſelben für den gegen ſeinen Brotherrn an den Tag gelegten Ungehorſam ge⸗ weſen ſei.
Am fünfzehnten November hatte Stoone, den Beſchimpf⸗ ungen und Drohungen des Squire gegenüber, nach den Ausſagen der über dieſen Vorfall vernommenen beiden Zeugen allerdings auch nur die Dulderrolle geſpielt.
Doch in der darauffolgenden Nacht war Sir Robert Burton ermordet worden und— wie bereits von vornherein feſtſtand— mit dem von Stoone zu dieſem Zwecke ſchon vor langer Zeit angekauften Meſſer.
Während dieſer Nacht war Stoone, wie er eingeſtanden und auch noch durch Zeugenausſagen beſtätigt ward, nicht in ſeiner Wohnung geweſen.
Am Morgen nach dieſer Nacht ſahen ihn zwei glaub⸗ würdige Zeugen auf einer Straße, welche in geradeſter Richtung die Verbindung zwiſchen dem Orte des Verbrechens und ſeinem augenblicklichen Wohnorte vermittelte.
Seine Erſcheinung und ſein Benehmen bei der Begegnung mit den Zeugen war dasjenige eines Menſchen, der ſich in außergewöhnlicher Gemüthsſtimmung befindet.
Bei und nach dem Eintreffen in ſeiner Wohnung ward von anderen Zeugen dieſelbe Beobachtung gemacht, außerdem aber auch noch wahrgenommen, daß er an der rechten Hand verwundet und ſeine Kleidung an vielen Stellen mit Blut befleckt war.
Stoone's Einwendungen gegen dieſe ihn ſtark kompro⸗ mittirenden Feſtſtellungen waren nur ſehr wenig geeignet, dieſelben abzuſchwächen.
Um die Zeugniſſe des Lord Travells und der Freunde Burton's unglaubwürdig zu machen, berief er ſich auf ſeinen Vertrag mit dem Lord, auf den von ihm gegen denſelben gewonnenen Prozeß vor dem Friedensrichter und auf die gegen Burton und Genoſſen wegen Mißhandlung ſeiner Perſon eingeleitete Unterſuchung. Nur dieſer Einwand war von Bedeutung.
Als Urſprung der Feindſchaft zwiſchen ihm und Sir Burton gab auch er den am vierten April zwiſchen ihnen entſtandenen Streit an; doch wollte er zuerſt von dem Squire


