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ſich in ihn zu verlieben oder durch Liſt oder Gewalt die ihr ſo grauſam entriſſenen Rechte zu erringen, dann fühlte er, daß er ſich eigentlich mit jenen Bedingungen unſterblich blamirt und den Fluch der Lächerlichkeit auf ſich geladen hatte. Er verwünſchte immer mehr und mehr, daß ihn ſeine Eitelkeit und die Furcht, ſie könne möglicherweiſe aus dem Scherze Ernſt machen wollen, zu einer Thorheit verleitet hatte, die ſich jetzt am meiſten an ihm ſelbſt rächte; denn der gute Hans Schmidt konnte es nicht ableugnen, daß ſein kühles Jung⸗ geſellenherz anſing ſich zu erwärmen und daß, wenn er in
ſeiner kleinen, niedlich eingerichteten Gargonwohnung nach des Tages Laſt und Mühen ganz allein auf dem Sopha ſaß und dabei an die ebenſo einſame Cornelie dachte, der Gedanke in
ihm aufſtieg, daß es doch viel hübſcher und vernünftiger wäre,
wenn ſie zuſammen auf dem Sopha ſäßen und ihre Ge⸗ danken austauſchten, und daß es allerliebſt ſein müſſe, wenn er dann mit vollem Rechte ſeine Arme um die ſchlanke Geſtalt legen, und einen herzhaften Kuß auf die friſchen Lippen drücken könne.
(Schluß folgt.)
Plandereien.
Die Widerſtandsfähigkeit der Thiere kennen zu lernen, iſt— ſeit es eine Naturwiſſenſchaft giebt— Veranlaſſung zu oft recht grauſamen Experimenten geweſen, und die Viviſektionen, gegen die in neuerer Zeit ſo viel geeifert wird, geben vielfache Gelegenheit, hierüber Beobachtungen anſtellen zu können. Verwerflich, weil ohne beſonderen praktiſchen Nutzen, ſind die Verſuche, die man gemacht hat, um zu erfahren, wie lange Thiere ohne Nahrung ſein können, ehe ſie den Hungertod ſterben, und es ſtellt ſich dabei die über⸗ raſchende Thatſache heraus, daß die tiefer ſtehenden Organismen in der Thierwelt meiſt widerſtandsfähiger ſind, als die höheren. Bei den Menſchen hat man beobachtet, daß jüngere, geſunde und kräftige Leute dem Mangel an Nahrung raſcher erliegen, als ältere und ſchwächliche, und eine engliſche wiſſenſchaftliche Zeitſchrift, die Enkyklo⸗ pädie Britanique, brachte über die auf dieſem Gebiete geſammelten Erfahrungen einige intereſſante Notizen. Je jünger, kräftiger und thätiger die Körper ſind, ſagt das Blatt, deſto mehr fühlen ſie das Bedürfniß einer reichlicheren Nahrung. Unter mehreren Perſonen, denen zu gleicher Zeit die Nahrung entzogen iſt, werden die Jüngeren zuerſt ein Opfer des Hungers werden; die Geſchichte der Kriege und Schiffbrüche aller Zeiten giebt Beweiſe genug davon. Man kennt Fälle, wo Menſchen während einer außerordentlich langen Zeit aller Nahrung zu entbehren vermochten. Kapitän Bligh, Kommandant des engliſchen Schiffes Bounty, legte beinahe vier⸗ hundert Seemeilen in einem kleinen Schiffe mit ſiebenzehn Leuten zurück, wobei ſie ſieben Tage keine Nahrung zu ſich nehmen konnten. Vierzehn Männer und Weiber des geſcheiterten engliſchen Schiffes Juno lebten drei Tage lang ohne die mindeſte Speiſe, jedoch ſtarben am fünften Tage, zwei Tage nach ihrer Rettung, noch zwei Perſonen an Entkräftung. Viele Thiere können weit länger als Menſchen ohne Nahrung ſein. Eine Zibetkatze lebte neunzehn Tage ohne Futter, eine Antilope zwanzig, ebenſo lange eine Wildkatze, ein Adler achtundzwanzig Tage, ein Dachs vier Wochen und verſchiedene Hunde dreißig bis ſechsunddreißig Tage ohne die geringſte Nahrung. In den Memoiren der franzöſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften wird von einer Hündin erzählt, die, aus Verſehen in einem Land⸗ hauſe eingeſperrt, vierzig Tage von nichts Anderem, als der Leinwand einer Matratze lebte, die ſie zernagte. Ein Krokodil konnte zwei Monate hungern, ein Skorpion drei, ein Bär ſechs und eine Viper zehn Monate. Vaillaut hatte einen Skorpion, der nahezu ein Jahr ohne Nahrung geblieben, trotzdem aber noch im Stande war, einen anderen großen und kräftigen Skorpion, den man in ſeine Nähe brachte, ſofort zu tödten. Hunter verſchloß eine Kröte zwiſchen zwei Blumentöpfen und fand ſie nach vierzehn Monaten noch am geben. Landſchildkröten konnten achtzehn Monate hungern, ja ſogar ein Käfer blieb drei Jahre ohne alle Nahrung leben und flog, als er endlich die Freiheit erhielt, mit anſcheinend ungeſchwächter Kraft Havon. Doktor Shaw machte Verſuche mit zwei Schlangen, die in einer Flaſche fünf Jahre eingeſchloſſen waren und ohne die geringſte
Nahrung leben blieben. Bewundernswerth iſt die Zähigkeit mancher Thiere, Spinnen, Kröten, Molche und ſo weiter, die durch irgend einen Zufall in Felsſpalten oder unterirdiſches Geſtein ein⸗ geſchloſſen wurden und zu ihrer Nahrung nichts weiter als einige Tropfen Waſſer, die durch das Geſtein ſickerten, bedurften. Oft hat man ſolche Thiere noch lebend gefunden, wie lange ſie aber in ihren Gefängniſſen zugebracht haben, iſt nie auch nur annähernd zu ermitteln geweſen. L.
Einem Advokaten wurde jüngſt von einem Kaufmann eine zweifelhafte Forderung behufs Eintreibung übergeben mit der Bedingung, daß erſterer die Hälfte als Honorar bekommen ſolle. Nach einiger Zeit kam der Advokat zum Kaufmann und berichtete: „Nach vieler Mühe iſt es mir gelungen, meine Hälfte ein⸗ zutreiben; Ihre Hälfte halte ich für unrettbar verloren.“
„Lieber Sohn, wie ſiehſt Du angegriffen aus; biſt Du leidend? Es ſcheint, als hätte das Leben keinen Reiz mehr für Dich, auch die Liebe zu Deiner Gattin ſcheint immer mehr zu erkalten.“— „Du haſt recht, liebe Mama; ich habe das Leben überdrüſſig, es gilt mir keinen Pfifferling mehr;— aber mein liebes Weib,— das lieb ich noch immer wie mein Leben.“
Aſſeſſor:„Nun, Kunz, haben Sie die Akten auf dem Stadt⸗ gerichte abgegeben?“— Kunz:„FJeſes, nee— die hab' ich liegen laſſen.“— Aſſeſſor:„So machen Sie nur geſchwind, daß Sie ſ' holen, die liegen wahrſcheinlich im Wirthshaus!“— Kunz: „Das ſchon; wenn ich nur aber wüßte, in welchem!“
(Vorgebeugt.)„Was fällt Dir ein, Freund— Du heirateſt die böſe alte Mutter und könnteſt doch die hübſche Tochter haben!“ —„Ja, ich habe meinen Grund dafür; würde ich die Tochter heiraten, würde die böſe Alte Schwiegermutter werden. Dieſem Unglücksfall habe ich nun vorgebeugt.“
Vertheidiger(zu ſeinem Klienten):„Sagen Sie mir aber zuvor die reine Wahrheit; ſind Sie wirklich unſchuldig?“— Klient: „Nun, wie Sie aber fragen; glauben Sie denn, ich hätte einen Anwalt genommen, wenn ich unſchuldig wäre!“
„Kleeſamen müßt Ihr bei mir kaufen,“ ſagte ein Samenhändler zu einem vorübergehenden Bauer;„ich ſtehe Euch gut dafür, daß bei mir kein Unkraut aufgeht.—„Das glaub' ich wohl,“ entgegnete der Bauer,„bei Ihne net, aber bei uns.“
(Reſpekt.) Der Amtsdiener Krieger hatte beim Antritt ſeiner Stellung vor ſeinem Vorgeſetzten ſolchen Reſpekt, daß er den Herrn Unterſuchungsrichter ſtets„Herr Oberunterſuchungsrichter“ titulirte.
Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag
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in Dresden.— Verlag von Otto Freitag in Dresden.— Druck von F. W. Gleißner in Dresden.


