Jahrgang 
1 (1879)
Seite
358
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35 8 Foncordia.

Intereſſe, welches ihm die lebhafte Erzählung Corneliens, die . ihm in kurzen Worten die kleinen Leiden ihres Schriftſteller⸗ lebens mittheilte, einflößte.

Nun, beſter Doktor, endete ſie,ſagen Sie, iſt mein Wunſch, der ſo bewußt aus ier Sesle drang, nicht motivirt? Muß ich, wenn auch in anderem Sinne, als Sie beklagenswerther Mann es auffaſſen, nicht wünſchen, daß ich die lähmende Feſſel meines Mädchenthums abſtreifte und das Necht erwürbe, mich vor der WeltFrau nennen zu können? Ich wünſchte, man könnte ſich das Frauendiplom kaufen, wie den Doktortitel, dann.

Dann, fiel Schmidt mit liſtigem Augenblinzeln ein, müſſen Sie doch eine Diſſertation ſchreiben; könnten Sie denn das nur mit theoretiſchen Kenntniſſen?

Die ließe ich mir machen, wie ſo mancher Doktor ſich ſeine Diſſertation hat machen laſſen, fiel ſie lebhaft ein. Pfui aber, Sie ſind boshaft wie die Uebrigen, und da Sie mir keinen Rath ertheilen können, wie ich aus meinem Dilemma herauskomme, ſo leben Sie wohl, denken Sie über meinen ſehr wichtigen, für die Frauenfrage höchſt wichtigen Fall nach, und möge Ihnen der gehabte Schreck nichts ſchaden.

Und laſſen Sie ſich ja nicht verleiten, rief er ihr nach, anſtatt eines pikanten Werkes einen für Backfiſche paſſenden Roman zu ſchreiben, um Gottes willen nicht; je toller, je beſſer, ich verſpreche Ihnen dafür, daß ich mein ganzes Denk⸗ vermögen anſtrengen will, um einen Ausweg aus dem Labyrinth zu finden.

Und er dachte nach und fand den Faden, der gut und ſicher Cornelien helfen ſollte und dabei für ihn von ganz be⸗ ſonderem Nutzen ſchien. Ein luſtiges, faſt ſchadenfrohes Lächeln ſchwebte um des Doktors Mund, als er ſeinen Plan geſchmiedet, als er ſich in ſeinem Kopfe Alles zurechtgelegt und triumphirend daran dachte, was Cornelie zu dieſem großen, erhabenen, ſel⸗ tenen Gedanken ſagen würde.

Mit recht befriedigter Miene ſtrich er ſich die glatte Fläche ſeines Kopfes, dann zur Entſchädigung liebkoſte er ſeinen Voll⸗ bart, ſtrich ſeinen Schnurrbart, zwei Degenſpitzen gleich, keck in die Höhe, zündete ſich behaglich eine Cigarre an und begann zu ſchreiben, und je länger er ſchrieb, deſto luſtiger blitzten die Augen durch die Brille, deſto heiterer wurde der Ausdruck ſeines Geſichts, und als er das Schreiben vollendet, als er es couvertirt und adreſſirt hatte, pfiff er gemüthlich vor ſich hin, nahm Hut und Stock vom Riegel und verließ mit leichtem Nicken gegen die Kollegen das Redaktionszimmer

2. Kapitel

Sehr geehrtes Fräulein! Es gereicht mir zur beſonderen Freude, Ihnen mittheilen zu können, daß mir die Götter einen Gedankon beſchert haben, der, ſollte er Ihren Beifall finden,

mein Fräulein, einen Ausgang aus dem Jergang zeigt, ohne

Sie des füßen Glückes der Freiheit zu berauben. Ich kann nicht leugnen, daß die Idee etwas gewagt, nach den Begriffen gewöhnlicher Sterblichen ſogar frivol, heikel, was weiß ich, gefunden werden könnte, allein wir, Sie, mein Fräulein, und Ihr ergebener Diener, meine Wenigkeit, ſtehen über dem Niveau des Alltäglichen und dürfen daher, wenn es ſich um das eigene und der Menſchheit Wohl handelt, ſchon zu außer⸗ gewöhnlichen Mitteln greifen. Ich glaube, Sie, mein beſtes

Fräulein, ſind von allen Weibern, die den Erdboden unſicher machen, das einzige, welches meinen Vorſchlag begreifen und

annehmen wird, ohne daß ich es ich bin ganz auf⸗ 8

richtig gegen Sie bereuen muß, ihn gethan zu haben, ohne ich muß um Verzeihung dafür bitten in einem un⸗ vorhergeſehenen Falle von den mir vorbehaltenen Rechten Gebrauch machen zu müſſen. Alſo die Vorrede wäre beendet, gehen wir zu dem uns gegebenen Falle über.

So viel Sie mir geſagt und ich glaube Ihnen ſelbſt hierin, ſind Sie eige entſchiedene Gegnerin der Ehe! Sie theilen darin eine Anſicht, und es liegt Ihnen nichts daran, die Leiden und die ſehr problematiſchen Freuden der Ehe kennen zu lernen; Sie werden daher, beſonders da Sie ſich ja ſchon ziemlich lange darauf vorbereiten, ohne Schmerz den freiwilligen Cölibatseid unverbrüchlich halten, und darauf bauend, mache ich Ihnen folgenden Vorſchlag, nachdem ich noch einmal auf Ihren Fall zurückkomme.

Sie wollen Frau heißen, um, ohne von den Wespenſtichen ſchmähſüchtiger Zungen verletzt zu werden, Ihrem Genius folgen zu können. Sie wollen, ohne die Freiheit zu miß⸗ brauchen, die einer verheirateten Dame gewinnen, ohne die Konſequenzen einer Ehe zu tragen; das heißt, Sie möchten Frau heißen, ohne es zu ſein, und bedürfen daher eines wahrhaften Freundes, der Ihnen ſeinen Namen leiht, ohne Rechte zu beanſpruchen, aber auch ohne eine Verpflichtung Ihnen gegenüber einzugehen. Ich glaube, Sie ſo verſtanden zu haben, nicht wahr? Ich bin daher bereit, wenn Ihnen der Name Schmidt nicht allzu proſaiſch klingt, Ihnen meinen Namen zu leihen, Sie zu meiner Frau ohne Rechte und Pflichten ich wiederhole es ausdrücklich zu machen, und zwar auf folgende Weiſe: 3

Wir ſchließen, dank den trefflichen Inſtitutionen unſeres

glorreichen Jahrhunderts, eine Civilehe. Sie werden kraft des richterlichen Ausſpruchs dazu berechtigt, ſich Frau Schmidt zu neunen, und kommen ſo über die Klippe weg, die Ihnen als unumſchiffbar erſchien. Mein Vertrauen zu Ihnen iſt ſo koloſſal, daß ich Ihnen, ohne an die möglichen Fährlichkeiten eines ſolchen Schrittes zu denken, mit leichtem Herzen das Anerbieten mache, welches Sie getroſt aunehmen können, da wir natürlicherweiſe vor⸗ her einen Vertrag ſtipuliren müſſen, der uns von einander fernhält. Denn das, mein Fräulein, iſt meine Haupt⸗ bedingung!

Unſere Verhältniſſe bleiben, wie ſie momentan ſind; ich habe gar nicht nöthig, irgend Jemandem, außer zwei ver⸗ trauten Freunden, die uns als Zeugen dienen miſſen und auf deren Diskretion wir uns verlaſſen können, etwas von dieſer kurioſen Eheſchließung zu ſagen, und Ihrer ewig regen Phantaſie bleibt es überlaſſen, Ihren Bekannten gegenüber die Trennung von dem jungen Gatten zu motiviren.

Sollten Sie oder ich einmal Lu mmen, wieder ganz frei zu werden, ſo ſchützen wir unüberwindliche Abneigung vor, die wir bei unſerem Verhältniſſe ſtichhaltig dokumentiren können; Sie ſind dann immer Frau, und mir, der ich auf dieſe Weiſe vor jedem Freundſchaftsdienſte in Bezug auf das Verſchaffen einer Frau geſchützt bin, kann dieſer Schritt nur nützlich ſein.

Binnen vier Wochen können Sie am Ziele Ihrer Wünſche

ſein; denn wenige Zeilen von Ihnen ſtellen mich Ihnen zur