Jahrgang 
1 (1879)
Seite
121
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Jedes Heft koſtet 20 Pfennige.

Die Herrin von Penwyn. Frei bearbeitet nach dem Engliſchen von Xaver Riedl. (Fortſetzung.)

Am Nachmittage des Tages, welcher der Leichenbeſchau folgte, kamen zwei Perſonen von Wichtigkeit für dieſen Fall in Eborsham an. Sie kamen mit ein⸗ und demſelben Zuge und waren miteinander von London hierhergereiſt. Einer war Churchill Penwyn, der Erbe der Beſitzung Penwyn. Der Andere war Mr. Pergament, der Familien⸗Advokat und Haupttheil⸗ nehmer der Firma Pergament und Pergament, New⸗Square, Lincoln's Inn.

Churchill Penwyn und der Advokat trafen ſich auf der Bahnſtation Kings⸗Croß fünf Minuten vor Abfahrt des Zehn⸗ Uhr⸗Expreßzuges nach Eborsham. Sie waren ſehr wohl bekannt miteinander; Churchill's mageres Vermögen, welches er durch das Teſtament der alten Mrs. Penwyn, ſeiner Großmutter, geerbt, die eine kleine Erbin geweſen, war durch Mr. Perga⸗ ment's Hände gegangen. Nicholas Penwyn's Teſtament, welches für zwei Generationen über das Rittergut verfügte, war durch Mr. Pergament's Vater aufgeſetzt worden, und alle Geſchäfte, welche auf das Eigenthum der Penwyn's Bezug nahmen, waren durch die letzten hundert Jahre von Mr. Pergament's Kanzlei vollzogen worden. Pergament's waren durch das Jahr⸗ hundert geboren worden und geſtorben, aber die Advokaturs⸗ kanzlei war dieſelbe, wie zu Zeiten von Penruddock Penwyn, der eine Farm von hundertundfünfzig Ackern Land erwarb, in Oſtindien ein Vermögen gemacht und die Beſitzung durch verſchiedene wichtige Ankäufe bis zu ihren gegenwärtigen Dimenſionen ausgedehnt hatte. Denn vor den Tagen von Penruddock war der Stamm von Penwyn in Bezug auf Glanz ſehr geſunken, obwohl es immer bekannt und anerkannt war, daß die Penwyn's zu den älteſten Familien in Cornwall ge⸗ hörten.

Natürlich wußte Mr. Pergament, der Nicholas Penwyn's Teſtament auswendig kannte, ganz vollkommen, welche Ver⸗ änderungen durch das ſchauerliche Ereigniß des Mordes in Churchill's Umſtänden eintraten. Churchill war bisher als ein jüngerer Sohn des Hauſes Penwyn betrachtet worden, obgleich er um nahezu zehn Jahre älter als ſein Couſin

James, und man betrachtete ihn als einen Menſchen von keiner Wichtigkeit. Mr. Pergament hatte ihn mit einer freimüthigen und ruhigen Freundlichkeit behandelt, war immer bereit, ihm einen guten Dienſt zu leiſten, ſchickte ihm dann und wann einen Brief und ſo weiter. Heute benahm ſich Mr. Pergament ganz anders. Der alte Freundſchaftston wurde zu tiefem Reſpekt herabgeſtimmt. Es ſchien, als ob Mr. Pergament's Auge, achtungsvoll zu Churchill's breiter bleicher Stirn er⸗ hoben, über derſelben ſchon das Zeichen der Herrſchaft über das Rittergut Penwyn wie die Krone eines Souveräns ſchimmern ſähe.

Ein ſehr betrübendes Ereigniß, murmelte der Advokat, als ſie in einem Waggon erſter Klaſſe einander gegenüber⸗ ſaßen. Es war dies ein ſehr bequemer Zug zur Reiſe, der aber erſt um drei Uhr Nachmittags in Eborsham ankam. Die Gäſte des Wettrennens waren von da zu einer frühen Stunde mit einem Extrazuge abgegangen.

Sehr betrübend, gewiß, erwiderte Churchill ernſt. Natürlich kann man von mir nicht erwarten, daß ich ſehr lebhaft bekümmert ſei über ein Ereigniß, das mich von der Laufbahn eines Menſchen, der auf ſeine Arbeit angewieſen iſt, zum Ueberfluſſe erhebt, beſonders da ich meinen Couſin ſo wenig kannte; aber ich wurde doch tief erſchüttert durch die Umſtände ſeines Todes. Ein ganz gemeiner Raubmord, denke ich, vollbracht durch die Hand irgend eines auf dem Lande herumlungernden Schurken. Ich bezweifle, daß dieſe Menſchen⸗ klaſſe einen Mord für mehr hält, als auf Sperlinge zu ſchießen.

Ich hoffe, daß man des Thäters habhaft werden wird, wer es auch immer ſein mag, ſagte der Advokat.

Wenn der Eifer der Polizei durch die Hoffnung auf eine Belohnung erhöht werden kann, ſoll es an dieſem Motiv nicht fehlen, erwiderte Churchill.Ich werde ein paar hundert Pfund für die Ueberweiſung des Mörders ausſetzen.

Das kann nichts ſchaden, murmelte Mr. Pergament bei⸗ ſtimmend.Sie hatten alſo den armen Barnes wenig ge⸗