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Concordia.
ſehen, mein lieber Penwyn?“ fuhr er im Konverſations⸗ tone fort.
„Ich bezweifle, daß wir uns ein halbes Dutzend Mal trafen. Ich ſah ihn einmal zu Eton, bald nach dem Tode meines Vaters, als ich ein oder zwei Tage bei einem Scheiben⸗ ſchießen nächſt Bracknell zubrachte, und hinüberging, um einen Blick auf das College zu thun. Er war ein kleiner lockiger Junge, der Cricket ſpielte, und ich erinnere mich, daß ich ihm einen halben Sovereign gab, ſo ſchwer ich ihn entbehren konnte. Der kleine Spitzbube lief auch ſofort davon und ver⸗ wendete meine ſchwer erworbenen Schillinge auf Erdbeer⸗Eis und Kuchen. Einige Jahre ſpäter ſah ich ihn im Hauſe ſeiner Mutter, in der Nähe der Baker⸗Street. Sie lud mich zu einem Diner, und da ſie es beſonders wichtig machte, ging ich hin. Es war ein langweiliges Geſchäft— wie es Frauen⸗ Diners gewöhnlich ſind, und da ſchmückten noch einige ältere Ladies die Tafel. Ich lud James zu einem Frühſtück in meinen Klub— und das war, denke ich, das letzte Mal, das ich ihn ſah.“
„Armer Burſche!“ ſeufzte der Familien⸗Advokat.„Er war ein ſo vielverſprechender junger Mann. Aber ich glaube nicht, daß er das Eigenthum des Hauſes beiſammen gehalten haben würde. Er hatte wenig von ſeinem Großvater, dem alten Squire Penwyn, an ſich. Ein wunderbarer Mann das, kräftig an Körper und Geiſt bis zum letzten Jahre ſeines Lebens. Ich brachte vor ungefähr ſiebenzehn Jahren eine Woche in Penwyn zu, gerade als Ihr armer Onkel durch die abſcheulichen Rothhäute in Kanada getödtet wurde. Ich kann den Squire noch vor mir ſehen; ein geſunder alter Land⸗ edelmann, immer in einen lincolngrünen Rock gekleidet, mit Korbknöpfen und verſchnürt— er jagte in jeder Saiſon drei⸗ mal die Woche, nachdem er ſchon ſiebenzig Jahre alt war— ein wahrer greiſer Nimrod. Die jetzige Generation bringt ſolche Männer nicht mehr hervor, Mr. Penwyn. Der Stoff ſchon iſt nicht in ihnen.“
„Ich habe von meinem Großvater nie viel geſeh Churchill mit ſeiner ernſten ruhigen Siimnme, die ſ wenig
Bewegung ausdrückte, außer, wenn die tiefſte Lei⸗ enſchaft ſeinen Geiſt zur Beredtſamkeit erwärmte.„Die Peimnt meines Vaters beleidigte ihn, wie Sie ſeinerzeit wohl gehört haben werden.“
Mr. Pergament nickte zuſtimmend.
„Vornrtheil, Vorurtheil,“ murmelte er.„Ae ltere Gentle⸗ men, die auf ihren Beſitzungen leben, ſind geneigt dazu.“
„Er that meiner Mutter die Ehre an, ſie die Tochter eines Krämers zu heißen— ihr Vater war ein Brauer zu
enl, ſagte
Exeter, deſſen Geſchäft eine hübſche Ausdehnung hatte— worauf mein Vater, der Selbſtachtung beſaß und auch ſeine Gattin hochachtete, dem Squire ſagte, daß ſich die Krämers⸗ tochter ihm niemals aufdringen würde.„Wenn ich mein Teſtament nicht gemacht hätte,“ ſagte mein Großvater,„ſo könnte Euch dies ſchlecht bekommen. Aber ich habe mein
Teſtament gemacht, is Ihr es Alle wißt. Ich machte es vor ſechs Jahren, und denke nicht, davon abzugehen. Wenn ich etwas thue, ſo iſt es gethan. Wenn ich etwas ſage, ſo iſt es
geſagt. Ich ändere nichts. Das Eigenthum wird für das nächſte habe Jahrhundert zuſammengehalten werden, komme
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was kommen mag. „Ja, gerade ſo war er,“ ſagte Mr. Pergament kichernd, „Sie zeichnen treu nach dem Leben und treffen ausgezeichnet.“
„Ich habe meinen Vater dieſe Rede gehört,“ antwortete Churchill.
oft genug wiederholen „Dann ſahen Sie den alten Squire niemals?“
Ich war ein Koſtjunge zu Weſtminſter, und als ich eines Nachmittags in dem Hofraume Ball ſpielte, kam ein wunderlich ausſehender älterlicher Gentleman, mit einem Ueberrock von dickem grauem Schafwollſtoff und einem breitkrämpigen weißen Hut, Kniehoſen und hohen Stiefeln, einem von Petſchaften an ſeiner Uhrkette und Rohre Knopfe in ſeiner Hand, in den Hof und blickte ſich dort um. Er ſah aus wie eine Karikatur in einem Witzblatte. Und dennoch ſah man in ihm ſofort den Gentleman.„Kann mir Einer von Euch ſagen, wo da ein Junge zu ſinden iſt, genannt Penwyn?“ fragte er. Ich eilte zu ihm.„Was, Du biſt Churchill Penwyn, Junge?“ fragte er, indem er ſeine Hände auf meine Schultern legte und mich unter ſeinen buſchigen grauen Augenbrauen hervor anſah.„Ja, Du biſt ein echter Penwyn, es iſt nichts von dem Brauer da. Schade, daß Dein Vater ein jüngerer Sohn
„Einmal nur.
Büſchel einem mit goldenem
mit
war! Du würdeſt keinen ſchlechten Squire abgegeben haben. Du haſt wohl ſchon von Deinen i Großvater gehört?“—„Ja, Sir, ſehr oft,“ ſagte ich;„ſeid Ihr es?“—„Ich bin's; ich kam auf eine Woche nach London herauf und ſetzte es mir in
den Kopf, einen Blick auf Dich zu thun. Es iſt nicht wahr⸗ ſcheinlich, daß die Beſitzthümer je auf Dich kommen werden, aber wenn es, durch einen Zufall, jemals geſchehen ſollte, hoffe ich, Du wirſt zuweilen an den alten Squire denken, wenn er unter dem Raſen liegt, und es verſuchen, die Dinge zuſammenzuhalten in meiner Weiſe.“ Er gab mir dann eine Fünf⸗Pfund⸗Note, ſchüttelte mir die Hände und ging; das war das einzige Mal, daß ich Nicholas Penwyn geſehen.“ Pergament.
Nebenbei geſagt— da wir eben von der Beſitzung was iſt Penwyn werth? Dieſe Erbſchaft ſchien einlich, daß ich mir niemals die Mühe nahm, ſtellen.“
„Seltſam,“ ſagte Mr.
5 ſprachen mir ſo unwahrſch dieſe Frage zu
„Es iſt indem er die
eine ſchöne Beſitzung,“ antwortete der Advokat,
Spitzen ſeiner ſetten Finger vereinte und mit
Salbung ſprach, wie über ein bekanntes Lieblingsthema, „aber Ländereien in Cornwall ſind, wie Sie wohl wiſſen werden, nicht die beſte Kapitalsanlage. Die verpachteten Ländereien von Penwyn tragen im Durchſchnitt nicht viel
mehr als reine drei Prozent ihres Werthes, das heißt un⸗ gefähr drei Pfund Sterling pro Acker. Es ſind elfhundert Acker Farmland da, und ſo haben wir dreitauſendreihundert Pfund. und ſein Ton nahm an Nachdruck zu, Theil der Beſitzung beſteht aus Minen, welche, eljahr⸗
hundert unbenützt des Squire wieder eröffnet bearbeitet, werden, welche von bezahlt, die des Jahres, je nach viertauſend Pfund beträgt und wahrſche in in letzter Zeit eine neue Zinn⸗Mine eröffnet
ſehr reiche Ausbeute verſpricht.“
Aber,“ fuhr der Advokat fort, „der dankbarere nachdem ſie länger als ein Viert
gelegen, in der letzteren Lebenszeit wurden und jetzt von einer Geſellſchaft ihrem Gewinne eine Abgabe ) Umſtände n, zweitauſend bis ſteigen wird, da wurde, die eine
beitung dieſer
„Mein Großvater riskirte nichts auf die Bearl Minen, denke ich?“
„Nein,“ antwortete der Adookat mit Nachdruck.„Squire


