Jahrgang 
1 (1879)
Seite
337
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Nr. 15.

Jedes

Heft koſtet 20 Pfennige.

Die Herrin von Benwyn. Frei bearbeitet nach dem Engliſchen von Xaver Riedl.

(Fortſetzung.)

Madge ließ einen Seufzer der Ungeduld vernehmen. Dieſe

Leute in der Portiers⸗Loge nahmen ihre Geduld zu ſehr in

Anſpruch.

Es ſcheint mir abſurd, daß Du in dieſer Angelegenheit warten willſt, bis Du Muße haſt, Churchill, ſagte ſie.Warum ſchickſt Du die Leute nicht ſogleich fort? Sie geben der ganzen Parkpartie, in der ſie ſich befinden, ein ſchmuziges Ausſehen.

Ich werde ihnen einen Verweis geben, erwiderte Churchill.

Und dann ſind es ſo ſonderbare Menſchen, fuhr Madge fort.Das Mädchen, Elsbeth, iſt ſo unwiſſend, wie eine Inſelbewohnerin der Südſee, und ich glaube, daß ihre Groß⸗ mutter ebenſo ſchlecht iſt. Sie gehen niemals in die Kirche und geben dadurch den Dorfbewohnern ein anſtößiges Beiſpiel.

Meine Liebe, es giebt viele ſehr achtbare Leute, die nie⸗ mals in eine Kirche gehen. Ich ſelber that es ſelten in meinem Junggeſellenleben. Ich pflegte meine Sonntagsmorgen für meine Korreſpondenz zu benützen.

O, Churchill! rief Madge mit betroffenem Blick.

Meine theuerſte Liebe, Du weißt, ich mache keinen An⸗

ſpruch auf exaltirte Frömmigkeit.

Churchill! rief ſie aus, zärtlich und voll liebender Be⸗

ſorgniß. Sie liebte ihn mehr noch, als ſich ſelber, und hätte

ihm gern den Himmel dadurch erworben, daß ſie ſelbſt eine

Zeit lang die Qualen des Fegefeuers ertragen.

Aber, Theure, Du weißt doch, daß ich nicht beanſpruche, ein durchaus tadelfreier Menſch zu ſein. Ich thue das Beſte, was ich mit meinen Mitteln thun kann, und verſuche meiner Generation zu nützen, wo ich es kann. Ich denke, das iſt genug.

Aber Du nennſt Dich doch einen Chriſten, Churchill? fragte ſie feierlich.

Ihr Leben war bisher ſo fröhlich, ſo heiter, ſo geſchäftig, ſo voll Thätigkeit geweſen, daß ſie ſelten über Glaubens⸗ fragen geſprochen hatten. Niemals bis zu dieſem Augenblicke hatte Madge ihrem Gatten eine ſo einfache und doch ſo feier⸗ liche Frage geſtellt.

Er wendete ſich mit umwölktem Antlitz von ihr ab, ſogar ungeduldig, und ging bis an das andere Ende des Zimmers.

Madge, wenn es eine Sache giebt, die ich mehr haſſe als alles Andere, ſo iſt es theologiſche Argumentation, ſagte er kurz. 3

Es giebt aber da keine Argumentation, Churchill; ein Menſch iſt ein Chriſt, oder er iſt es nicht.

Dann bin ich es nicht, ſagte er.

Sie ſchrak vor ihm zurück, als ob er ſie geſchlagen hätte, ſah ihn einige Momente mit bleichem, erſchrockenem Geſichte an, und verließ ihn dann ohne ein Wort weiter. Sie ver⸗ mochte nicht weiterzuſprechen, der Schlag hatte ſie zu plötzlich, zu ſchwer getroffen. Sie ging weg in ihr eigenes Zimmer, und weinte und betete für ihn. Aber ſie liebte ihn deshalb nicht weniger, weil ſeine eigenen Lippen ihr bekannt hatten, daß er ein Ungläubiger ſei. So interpretirte ſie nämlich ſeine Worte.

Mrs. Penwyn ſprach nach dieſer Szene nie wieder von den Leuten in der Portiers⸗Loge zu ihrem Gatten. Sie er⸗ weckten ihr jetzt eine zu ſchmerzliche Erinnerung. Churchill aber vergaß es nicht, der Logen⸗Bewohnerin ihre Unreinlich⸗ keit zu verweiſen, und ſeine ernſte und ſtrenge Vorſtellung hatte einigen Erfolg. Die Hütte wurde nun beſſer in Ordnung gehalten, wenigſtens was ihre äußere Erſcheinung betraf. Innen war ſie eine ſchmuzige Höhle.

Der Name der Bewohnerin der Loge war Rebekka unter dieſem Namen war ſie mindeſtens zu Penwyn bekannt. Ob ſie wirklich einen Vornamen beſaß, war noch eine Frage. Sie hatte ſich nicht herabgelaſſen, darüber Jemandem im Herren⸗ hauſe etwas mitzutheilen. Sie war nun ſeit nahezu zwei Jahren in Penwyn und hatte noch keinen Freund gewonnen.

Ja, ſie beſaß ſogar nicht einmal eine Bekanntſchaft, die im Vorübergehen daran gedacht hätte, in ihre Behauſung ein⸗

zutreten. Die Landleute hielten ſie insgeheim für eine Hexe,

denn ein düſterer Glaube an Hexerei und Frauen, die Zau⸗ 43