Concordia.
Madame Potiphar in ihm keinen Durchgänger gehabt hätte; allein der jetzige Doktor Schmidt liebt über Alles Frieden, Bequemlichkeit und Ruhe, und daraus reſultirt, daß er ein Feind der Ehe iſt und lieber auf den Umgang mit Frauen verzichtet, ehe er ſich der Gefahr ausſetzt, in eine feingelegte Schlinge zu fallen, in einem gefährlichen Netze gefangen zu werden.
Einen entſchiedeneren Feind der Ehe konnte es gar nicht geben, und vor dem bloßen Worte„Heiraten“ überlief den guten Doktor eine Gänſehaut; heiratsluſtige Mädchen, junge, glückliche Frauen, die für Cheſchließung plaidirten, mied er wie Feuer, und durch nichts konnte man ihn ſo in Harniſch bringen, als wenn ihm Jemand rieth, doch endlich auch in den Hafen der Ehe einzulaufen. Dann blitzten die braunen Augen zornig auf, die Stirnader ſchwoll an und mit Stentor⸗ ſtimme rief er gewöhnlich:„Der pure Neid diktirt Euch dieſen
Judasrath! Ihr gönnt mir dieſe göttliche Ruhe, dieſen para⸗ diſiſchen Frieden nicht, und weil Ihr das Joch auf Euch geladen habt, möchtet Ihr auch mich damit belaſtet ſehen— aber quod non! Bei der keuſchen Sonne ſchwöre ich's— ich bleibe ein Junggeſelle, und wer mir meinen irdiſchen Frieden ſtören, wer mir das Unglück, die poſitive Unruhe in Geſtalt einer Frau auf den Hals laden will, den erkläre ich für mei⸗ nen Feind!“ Kurzum, Doktor Hans Schmidt war ein alter Junggeſelle in des Wortes verwegenſter Bedeutung, bei dem die Heiratsſcheu den höchſten Grad erreicht hatte. So nett der Doktor unter Seinesgleichen iſt, ſo unausſtehlich erſcheint er den Frauen, und ſchmunzelnd ſagt er ſich, daß er jetzt keiner mehr begehrenswerth erſcheine, und daher ohne Gefahr ſich ſeines Junggeſellenſtandes erfreuen könne.
(Fortſetzung folgt.)
Plaudereien.
Bedeutungsvolle Tage.
Für manche Menſchen ſind gewiſſe Tage im Jahre von eigen⸗ thümlichem günſtigen oder ungünſtigen Einfluß. Für Napoleon war der Vierzehnte jeden Monats ein beſonderer Glückstag, und wenn irgend thunlich, nahm er wichtige und entſcheidende Hand⸗ lungen an einem ſolchen vor. Der vierzehnte Juni 1800 begründete feinen Ruhm: an dieſem Tage ſchlug er die Schlacht von Marengo; am vierzehnten Oktober 1805 ſiegte er in der Schlacht bei Ulm und ein Jahr ſpäter, am vierzehnten Oktober 1806, warf er bei Jena Preußen zu Boden, ebenſo waren die franzöſiſchen Waffen unter ſeiner Führung am vierzehnten Juni 1807 in der Schlacht bei Friedland ſiegreich. Die Zahl Achtzehn dagegen wurde für ihn wiederholt verhängnißvoll; am achtzehnten Oktober 1813 war die Schlacht bei Leipzig, am achtzehnten Juni 1815 die Schlacht bei Waterloo, die ihn für immer von ſeiner Höhe herabſtürzte, und der achtzehnte Ludwig war es, dem er endlich den Thron Frankreichs überlaſſen mußte.— Für Alexander den Großen war der ſechste April ein be⸗ deutungsvoller Tag: an einem ſolchen erfocht er den entſcheidenden Sieg über Darius, den Perſerkönig, den Alexander im Thale des Fluſſes Pinaros mit einer halben Million Streiter antraf und mit ſeiner kleinen Truppenmacht dergeſtalt ſchlug, daß der größte Theil des ungeheuren Perſerheeres aufgerieben wurde und eine unermeßliche Beute den Nugern in die Hände fiel. Auch eine große Seeſchlacht gewann dieſer berühmte Eroberer an einem ſechsten April, und miehrere alte Geſchichtsſchreiber behaupten, daß Alexander an einem ſechsten April geboren und an dem gleichen Datum auch geſtorben ſei. Die beiden größten Feldherren des Alterthums und der Neu⸗ zeit hatten alſo beſtimmte Tage, an denen ſie mehr als ſonſt von den Launen des Schickſals abhängig waren. L.
Der berühmte niederländiſche Maler Peter Paul Rubens erhielt ſeinen erſten Unterricht im Atelier des Malers van Noort. Rubens überflügelte aber ſehr bald ſeinen Lehrer in der Kunſt, trat bei berühmten Meiſtern als Schüler ein und ließ auch dieſe bald hinter ſich, ſodaß ſein Ruhm als Maler den aller Uebrigen überwog. Mit ſteigendem Stolze bemerkte van Noort die glänzende Laufbahn ſeines Schülers, deſſen hohe Künſtlerſchaft er einzig und allein ſeinem Einfluſſe zuſchrieb, und er hörte die Lobeserhebungen über den
jungen Maler mit einer Miene an, als gehörten dieſe eigentlich ihm.— Der kunſtliebende Herzog von Gonzaga hatte einſt den damals auf der Höhe ſeines Ruhmes ſtehenden Meiſter zur Tafel laden laſſen, während dieſer krank war. Ohne Umſtände erſchien van Noort zur feſtgeſetzten Zeit im Saale des Herzogs und erklärte dieſem, daß Rubens am Erſcheinen verhindert ſei, daß aber er, ſein alter Lehrer, an ſeiner Stelle gekommen ſei, um der Einladung des Herzogs zu folgen. Er ſetzte ſich zur Tafel zwiſchen Fürſten und Exzellenzen und benahm ſich ganz ſo, als ſei er Rubens ſelber. Auf ſeinem Todtenbette ſagte van Noort zu ſeinem ehemaligen Zögling:„Du biſt groß, aber ich bin größer als Du. Du haſt nur Rubens' Werke geſchaffen, ich aber Rubens ſelbſt; ohne mich wäreſt Du kein Rubens geworden.“ L.
Die ſatyriſche Neigung Voltaire's gelangte ſchon ſehr zeitig zum Durchbruch und er war noch nicht zwanzig Jahre alt, als er bereits wegen eines gegen die Regierung gerichteten beißenden Gedichts zu einer Gefängnißſtrafe verurtheilt wurde. Während der Verbüßung derſelben wurde ſein Trauerſpiel„Oedipus“ aufgeführt und der Herzog von Orleans, der ihn hinter Schloß und Riegel bringen ließ, war von dem Drama des jungen Dichters ſo entzückt, daß er ihn ſofort in Freiheit ſetzte. Voltaire machte dem Herzog einen Beſuch um ſich für die Abkürzung ſeiner Strafe zu bedanken; dieſer aber rief ihm zu:„Laßt in Zukunft dieſe dummen Streiche ſein, Voltaire, und ich werde für Euch ſorgen!“—„Ew. Hoheit ſind ſehr gnädig,“ erwiderte der Dichter,„aber ich erhebe keinen Anſpruch, von Ihnen ferner Koſt und Wohnung angewieſen zu erhalten!“ I.
Vor dem Geiſtlichen einer kleinen Stadt erſchien wiederholt ein Brautpaar, um ſich trauen zu laſſen, ſtets aber mußte die heilige Handlung verſchoben werden, weil der Bräutigam betrunken war. Endlich machte der Pfarrherr der Braut, einem anſehnlichen und nicht ungebildeten Mädchen, Vorſtellungen und forderte ſie auf, ihren künftigen Gemahl nicht wieder in dieſem Zuſtande zu ihm zu führen. Das junge Mädchen brach in Thränen aus und erwiderte ſchluchzend, daß es nicht anders ginge.„Aber weshalb denn nicht, liebes Kind?“ fragte der Prediger.—„Ach Gott, lieber Herr Paſtor,“ rief das weinende Mädchen,„das iſt ja eben das Unglück, wenn er nüchtern iſt, geht er nicht mit!“ L.
Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden.— Verlag von Otto Freitag in Dresden.— Druck von F. W. Gleißner in Dresden.


