Jahrgang 
1 (1879)
Seite
335
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Cornelchen, na, und ich hätte mich ooch ſchwer gehütet, ſo'was zu wagen; aber Sie das is doch janz'was Anderes! Sie können mit jutem Gewiſſen nicht nur einen, nein zwei Kränze aufſetzen, und da werden Sie doch wahrhaftig nicht zu ſo einem Standesmann jehen; das wäre ja eine Sünde und Schande, und ich weinte mir die Augen aus, wenn Sie nicht wie eine Braut ausſähen.

Wir Verfechterinnen der Freiheit, die wir für unſere Ideen, für unſere Prinzipien mit Gut und Zlut eintreten, müſſen auch danach handeln, wenn die Frage an uns ſelbſt herantritt, meine Liebe, deklamirte Cornelie pathetiſch;aber, ſetzte ſie einfach hinzu,beruhige Dich, bis jetzt iſt Niemand da, den ich oder der mich heiraten wollte und ehe es ſo⸗ weit kommt, kann ich mir die Sache noch einmal genau über⸗ legen. Darum laß Dir nicht noch mehr graue Haare wachſen, als Du ſchon haſt; gieb mir lieber meinen Hut und Schirm, denn ich muß einen nothwendigen Gang machen. So, ich danke Dir, alte Seele, in einer Stunde bin ich wieder da.

Raſch hatte ſie ihre Toilette zum Ausgehen vervollſtändigt, und der Alten freundlich zunickend, verließ ſie Zimmer und Haus.

Die Dienerin ſchaute ihr nach, und indem ſie das Zimmer ſauber aufräumte, murmelte ſie vor ſich hin:Ja, wie die Zeit vergeht! Dreißig Jahre bin ich ſchon hier in's Haus, und in die janze Zeit hab' ich auch nich ein böſes Wort je hört. Und ſo ein Mädchen wie mein Fräulein bleibt ſitzen, kann keinen netten Mann finden. Ick jlobe, die Männer ſind alle een bisken uf den Kopp jefallen; denn ſonſt müßten ſie doch ſehen, wat mein Cornelchen für eene Perle is. Ach Jott, ick denke immer, wenn ſe man des Bücherſchreiben ließe und lieber den Leuten zeigte, daß ſe ſich ooch auf die Wirthſchaft verſteht,'s wäre viel jeſcheiter! Na, wie Jott will, ich kann's nich ändern, und wenn ſe ſich man jlücklich fühlt, mir kann's recht ſind.

Nach dieſer weiſen Reflexion wiſchte ſie den Staub von den Möbeln, legte die Schreibereien wieder auf den dazu be⸗ ſtimmten Platz, und mit einem tiefen Seufzer verließ ſie das Zimmer, um ſich in die Küchenregion zu begeben.

Während der Zeit eilte Cornelie Winter ihrem Ziele ent⸗ gegen. Der Brief, den ihr Minna übergeben, rief ſie nach dem Redaktionsbureau der Zeitung, für die ſie ſeit längerer Zeit thätig war.

Komiſch ſind doch die Ideenaſſoziationen, dachte ſie, während ſie vorwärtsſchritt;das Geſpräch mit meiner alten Minna hat mich auf den Wunſch gebracht, mit einem Ruck die Feſſeln, die mir mein Mädchenſein auferlegt, abzuſchütteln, mich Frau zu nennen! Ich glaube, wenn ich den König da⸗ rum bäte, er erlaubte mir, mich Madame Winter zu nennen; ſetzte ich mir nun einen Trauring auf meine rechte Hand, eine Haube auf den Kopf, eine Brille auf die Naſe, dann ſtopfte ich Allen den Mund und mir wäre geholfen. Ah, Frau zu ſein, das heißt, ſich ſo nennen zu dürfen, ohne ſo einen Haustyrannen mit in den Kauf nehmen zu müſſen, das muß herrlich ſein! Der Einfall iſt kindiſch, aber göttlich ſchön. Ich danke Gott, daß ich aus den Jahren der Verſuchung heraus bin und gar nicht mehr in die Verlegenheit kommen kann, eine Entſcheidung zu treffen; denn wenn mir noch öfter ſolche Impertinenzen zu Geſicht und Ohren kommen, wie ich ſie jetzt in allen möglichen und unmöglichen Formen erhalte,

dann heirate ich ein Monſtrum, nur um als dreißigjährige, erfahrene Dame über Dinge und Verhältniſſe urtheilen zu dürfen, die eine junge, achtzehnjährige Frau weiß und wiſſen darf, während ich als altes Mädel immer noch die Naive herausbeißen ſoll; als ob man nicht theoretiſch auch Er⸗ fahrungen ſammeln und ſie zum Wohle der Menſchheit aus⸗ ſprechen dürfte. Ah wenn ich denharmloſen Fragern und Fragerinnen ein X für ein U machen könnte, wenn es plötzlich hieße: Frau Cornelie Winter, oder gar Winter⸗ Schulze, oder Cornelie Winter⸗Lehmann wie das gleich poetiſch klingt!

Sie hatte ihr Ziel erreicht; raſch zupfte ſie den Hut zu⸗ recht, nahm ein paar Fädchen von ihrem ſchwarzen Umhang, zog die Handſchuhe etwas ſtraffer über die zarten Hände und ſtand bald darauf in dem Redaktionszimmer, in welchem ſich nur Doktor Hans Schmidt, der Chefredakteur der U.⸗Zeitung, befand. Seine braunen Augen blitzten beim Oeffnen der Thür raſch über die goldene Brille, und als er die Eintretende er⸗ kannte, ſprang er von ſeinem Platze auf, um ſie zu be⸗ grüßen.

Es war eine nicht große, nicht kleine, nicht dicke, nicht dünne Geſtalt, die des Herrn Doktor Hans Schmidt; auf ſeinem luſtigen Geſichte prägte ſich eine unverwüſtliche Heiterkeit und Gutmüthigkeit ab, und der braune Vollbart, der ſein Antlitz umgab, kleidete ihn vortrefflich. Sein Kopfhaar ſchien braun geweſen zu ſein; denn einige übrig gebliebene Fragmente er⸗ zählten von einſtiger Fülle, und es gereichte dem guten Doktor zur beſonderen Befriedigung, daß er doch wenigſtens in etwas dem größten Staatsmanne Deutſchlands glich, daß man ſeine Haare auf dem Haupte zählten konnte, ohne göttliche Kraft beſitzen zu müſſen! Mit einer gewiſſen Genugthuung ſtrich er ſich denn auch möglichſt oft über ſeinen Scheitel, den er nicht mehr nöthig hatte, den Händen eines Friſeurs an⸗ zuvertrauen.

Fügen wir dem Konterfei Schmidt's noch eine gebogene Naſe, blühende, friſche Wangen, wohlgepflegte Hände und auf⸗ fallend kleine Füße hinzu, ſo haben wir ihn, wie er leibt und lebt und ſich ſeinen Bekannten und Freunden masculini generis zeigt, heiter, fröhlich, zu allen Thorheiten aufgelegt; trotz ſeiner zweiundvierzig Jahre noch der ehemalige Korps⸗ ſtudent, der ſeinen eigentlichen Beruf, das Studium der Medizin, verfehlt hat und, anſtatt ein ſchlechter Arzt zu wer⸗ den, ein ganz famoſer Redakteur geworden iſt, und daher jetzt noch den Komment verſteht, obgleich mehr als fünfzehn Jahre vorüber ſind, ſeit er die letzte Holzerei und Paukerei ge⸗ habt hat.

Ein Anderer aber iſt der Doktor Schmidt dem ſchönen Ge⸗ ſchlechte gegenüber. Unbeholfen, ſchüchtern, langweilig wie ein Bremer'ſcher Roman, findet er nie den richtigen Ton Damen gegenüber, und die Mädchen und Frauen, mit denen er in Berührung kommt, finden ihn ganz entſetzlich, haarſträubend ennuyant und theilen ſeine Anſicht über ſich ſelbſt, daß er in weiblicher Geſellſchaft ganz ungenießbar iſt.

Doktor Schmidt iſt kein Frauenverächter oder Haſſer, im Gegentheil, ſeine Studentenjahre haben manch' galantes Aben⸗ teuer aufzuweiſen und Löckchen und Locken, noch dazu von echtem eigenen Haar denn in ſeiner Jugend hatten die Da⸗ men noch eigenes Haar; Bänder, Kotillonorden und Schleifen erzählen, daß Hans Schmidt gerade kein Joſeph war und eine