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Fauſt das Gebäude der menſchlichen Einrichtungen zuſammen⸗ wirft.“
„Herr Parlamentsrath, dieſe Sprache!“
„Iſt noch nicht gehört worden und wird vielleicht auch wieder unterdrückt werden; für den Augenblick kann die Zunge ſich aber frei ergehen, und ich benutze die Zeit, um der ſo lange getragenen Laſt mich zu entladen.“
„So erlauben Sie mir, daß ich mich entferne— meine Ohren ſind ſolcher Worte nicht gewohnt. Freilich, wir haben auch die Zeit, wo man der Polizei offen trotzt, wie heut' früh auf dem Gréve⸗Platze.“
Villeneuve trennte ſich von dem Parlamentsrath, der, in den Bart brummend:„Als ob der Despotismus nicht die Gräuel erzeugte—“ ſich auch entfernte.
La Gule hatte nur zu recht; nur aus jener Zeit iſt das Treiben Cartouche's und der Seinen zu erklären. Wo die Sittenloſigkeit mit der Orthodoxie Hand in Hand geht
und ſich darüber der die Gerechtigkeit mordende Despotisnus als Schlangenkrone erhebt, da iſt die Sündfluth nahe, da bricht ſie herein früher oder ſpäter— ihre Vorläuferin die freche Geſetzloſigkeit des Verbrechens, welche der menſchlichen Geſellſchaft die Zähne weiſt.——
D'Argenſon wäre der Treue gegen ſeinen verſtorbenen Herrn zum Opfer gefallen, wenn man ſeiner nicht ſo nöthig gehabt hätte. Gaſton von Orleans, der jetzige Regent der franzöſiſchen Monarchie, widerſtand energiſch den Zuflüſterungen mancher Günſtlinge und entſetzte den Generalpolizeilieutenant nicht, ſuchte vielmehr durch Liebenswürdigkeit ihn ebenſo für ſich zu gewinnen, wie dies ſeinem Oheim Ludwig möglich geweſen war. In der That gelang es ihm. Damit leiſtete er ſeinem Vaterlande einen Dienſt, daß er keine Aenderung in der Leitung der Sicherheitsbehörde eintreten ließ. Ohne das wäre Frankreich vielleicht zu Grunde gegangen.
(Fortſetzung folgt.)
Eine komiſche Geſchichte.
Von O. Bach. (Fortſetzung.)
Mit Cornelie Winter ſtand er auf ganz gutem Fuße. Er
betrachtete ſich eigentlich mehr als einen Berufsgenoſſen und vergaß, wenn er mit ihr ſprach, daß ſie ein Weiblein oder vielmehr ein Fräulein ſei, und der Ton, mit dem er zu ihr ſprach, hatte etwas Kameradſchaftliches— ein Etwas, das Cornelien anheimelte und ihr die Unterhaltungen mit dem Redakteur zu angenehmen, lieben Unterbrechungen des ein⸗ förmigen Lebens machte. Sie kannte ſeine entſchiedene Ab⸗ neigung gegen die Ehe, wie er die Ihre kannte, und dies er⸗ achtete er als ihre ſchönſte Tugend, um derentwillen er ihr ſein beſonderes Wohlwollen ſchenkte. Ihr gegenüber war er derſelbe, der er ſeinen Freunden erſchien, und wenn er mit Cornelie über Politik und Religion, über ſoziale Ver⸗ und Mißverhältniſſe ſprach, dann ſah er nicht mehr, daß ſein Gegenüber ein Schleppkleid mit obligater Tunika und einen kleinen koketten Hut auf dem zierlichen Kopfe trug, daß es alſo zu der ſorgſam von ihm gemiedenen Klaſſe der Frauen ge⸗ hörte, und ließ ſich in ſeiner lebhaften Weiſe über all' die angeregten Themata ſo aus, als ſtände ein Studiengenoſſe, ein Mitredakteur neben ihm und nicht Fräulein Cornelie Winter, die wiederum ihm gegenüber alle Scheu, die ſie ſonſt vor unverheirateten Männern empfand, vergaß und ihre innerſten Ideen und Gedanken preisgab.
Es war dem guten Doktor ſchon manchmal begegnet, daß er Kollegen gegenüber geäußert hatte:„Die Winter iſt ein prächtiger Kerl,“ und wenn die Anderen lachend erwiderten, daß Fräulein Winter doch weder in ihrem Aeußeren noch in ihrem Weſen etwas ſo Männliches habe, um einen ſo drolligen Ausruf zu verdienen, dann ließ er ſich durchaus nicht in ſeinem Enthuſiasmus ſtören, ſondern blieb dabei, daß man
bei ihr vergäße, daß ſie einen Unterrock trüge und mancher milchſuppige Schwachmatikus, mancher auf ſeine Männlichkeit noch ſo eingebildete Narr, wenn er auch nicht in Weiberkleidern ſtecke, ſich mit ihr, was Geiſt und Charakter anbeträfe, nicht meſſen könne, was ſchon aus ihrer motivirten Abneigung gegen eine Heirat hervorginge— kurzum, das Einverſtändniß zwiſchen den beiden Gleichgeſinnten war wahrhaft rührend
Nachdem ſie bei ihm eingetreten und eine Weile über die geſchäftliche Angelegenheit geſprochen hatte, trat eine momen⸗ tane Pauſe— bei unſeren Freunden etwas Seltenes— in der Unterhaltung ein. Doktor Schmidt benutzte dieſe, um einen raſchen Blick in das Antlitz ſeiner Nachbarin zu werfen, die zerſtreut, ſichtbar von einem Gedanken in Anſpruch ge⸗ nommen, vor ſich hinſtarrte; ſeine Hand auf ihren Arm legend, fragte er:„Was fehlt Ihnen, mein Fräulein,— Sie ſcheinen etwas zerſtreut zu ſein?“
Sie blickte raſch auf und erwiderte haſtig:„Soll ich Ihnen ſagen, was mir fehlt?— ein— Mann fehlt mir!“
„Wa— a— s?“ rief der Doktor, indem er, wie von einer Natter berührt, ſeine Hand fortzog und mit wahrhaft entſetzten Blicken ſo weit wie möglich von ihr fortrückte,—„ja,— da— kann ich Ihnen nicht helfen— und Sie müſſen ſich ſchon an jemand Anderes wenden;— nein,— da kann ich nicht,— auch gar nicht helfen,“ wiederholte er nachdrücklich, fortwährend retirirend.
Cornelie blickte erſtaunt auf das ſeltſame Gebahren des Mannes;— als ſie aber das wahrhaft komiſche Entſetzen in den Mienen Schmidt's las, als ihr plötzlich die Situation klar wurde, brach ſie in ein unaufhaltſames, ſo friſches Lachen aus, daß der Doktor, wenn auch noch immer in möglichſter Ent⸗ fernung bleibend, unwillkürlich einſtimmen mußte.
„Hahaha,— das iſt köſtlich, lieber Doktor,“ rief ſie endlich, Athem ſchöpfend,„nein, daß Sie mir da nicht helfen können, das weiß ich. Beruhigen Sie ſich, Sie Aermſter! Es ſollte kein meuchleriſcher Angriff auf Sie ſein, und ich ſchwöre Ihnen— bei meiner eigenen Abneigung vor jedem ähnlichen Attentat auf meine Perſon— daß ich Sie nicht erſchrecken wollte. Haben Sie kein Brauſepulver hier?“ ſetzte ſie neckend hinzu,„ich glaube, es thut Ihnen noth; ſobald Sie ſich erholt haben, ſollen Sie den Kommentar zu meinen unſeligen Worten haben!— So— haben Sie ſich nun ſoweit beruhigt, um, ohne einen neuen Anfall zu bekommen, mich anhören zu können?“ Zögernd rückte er wieder näher; endlich war er wieder auf ſeinem ehemaligen Platz angelangt, und ſein Geſicht zeigte das ⸗
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