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„Nicht doch, mein Geſchäft ließ mir nur viel Geld unter die Hände kommen, und da habe ich ſo manchen Livre auf den Ladentiſch nageln müſſen, bis ich ein wenig ſchärfer ſah. Wäre jedes Geldſtück ſo geweſen, wie dies, hätte ich nicht viel verloren. Herr Bauchard, wenn Sie erlauben, trinke ich auf Ihr Wohl.“
„O, Sie prächtiges Kerlchen!“„rief Grandtéte;„Sie ver⸗ ſiehen zu ſcherzen, wie nur Einer.“
„Gewiß bin ich kein ernſthafter Peter. wie der Name jenes Herrn iſt?“
„Grimaud, unſer Genoſſe.— Aber Ihr werther Name?“
„Wenn der Herr Grimaud heißt, ſo muß ich woht Francois Lemaitre getauft ſein,“ verſetzte Lami.
„Menſch, wer ſind Sie?“ riefen Bauchard und die Anderen aus einem Munde.
„Ein Mann, der ſich nicht fürchtet, Bahn des Rechtes abgewichen iſt.“
„So ſind Sie ein Spion der Polizei oder ſonſt ein Schurke,“ ſagte Grandtéte,„und doch kann ich das nicht an⸗ nehmen, da wir ſonſt wohl ſchon verhaftet wären. Oder wiſſen Sie vielleicht in Betreff eines Billets Beſcheid, das uns hierherbeſchied, um Vögel zu rupfen?“
„Das Billet lautete auf Wiei Stunde oder ſpäter?“
Darf ich fragen,
da er nie von der
„Später! aber man muß in heutiger Zeit vorſichtig ſein,“ bemerkte der, welcher Grinrand genannt war. wenn man Fraugois Lemaitre heißt und das JP. F. eiugebraunt hat, was entflohenen Galeerenſträflingen ſehr gefährlich ſein ſoll. Ich bitte, meine Herren, laſſen Sie Ihre Waſffen an ihrem Platze— ich wollte Ihnen einen Vor⸗ ſchlag thun.“
„Und der iſt?“
„Ihnen eine Aſſoziation vor „Mit einem Manne von Ihren Fähigkeiten arbeitet man gern zuſammen,“ erwiderte Grandtéte.
„Mit mir? ich bin ein ruhiger Bürger, der Pflicht erfüllt. Das würde Ihnen wenig helfen. ſchlag iſt nicht ſo kleinlich, wie Sie denken. Sie müſſen ruhiger und ſicherer durch die Aſſoziation Ihr Geſchäft treiben können, müſſen ohne Gefahr und nächſt der halben Arbeit luxuriös zu leben vermögen. Nur Eins iſt dabei, dund ich weiß nicht, ob Sie dieſe Bedingung erfüllen werden.“
„Welche Bedingung 15 3
„Beſonders
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vorzuſchlagen.“
„Nicht de ſo laut, Freunde, Joli könnte uns draußen hören.“
„Sind wir hier nicht ſicher?“
„Wo ſeid Ihr es denn überhaupt?“
„Sie haben recht, wir ſind poge binie
„Wäre es da nicht beſſer, dieſe Freiheit für Sicherheit aufzugeben?“
4„Für Sicherheit? was meinen Sie damit?“
„Daß Sie ſich dem Staate anſchließen, der im Entſtehen iſt. Der Monarch deſſelben würde Sie dahin ſtellen, wo Sie zu wirken vermögen. Sie würden aus der großen Kaſſe die Mittel erhalten, um Ihren Fähigkeiten angemeſſen leben zu können, wuͤhrend Ihre Arbeit wieder der großen Kaſſe zu gute käme.“
„Die Sache hat ihre zwei Seiten,“
und will dedacht ſein.“
—— O—-—
entgegnete Grandtéte,
„Gewiß. Nur hüten Sie ſich in der Zwiſchenzeit, daß Sie keinem Mitgliede des großen Staates in die Hände fallen; derſelbe würde Sie nicht ſchonen; denn Rückſichten darf man nicht haben, wo ſich unbefugte Konkurrenz zeigt. Ich ſage Ihnen freilich, daß Sie Ihre Selbſtſtändigkeit und Freiheit opfern, daß Sie ſich einem Monarchen fügen müſſen; dafür wird Sie aber die Allgemeinheit ſchützen. Ueberlegen Sie ſich das, und wollen Sie auf meine Propoſitionen eingehen, ſo ſagen Sie es mir in zwei Minuten, nach welcher Zeit ich leider der Ehre entbehren muß, in Ihrer Geſellſchaft zu ſein.“
„Sie ſind der König, der Monarch, dem wir uns unter⸗ werfen ſollen?“ fragte Grimaud.
„Herr Lemaitre,“ antwortete ihm Lami,„Sie thun mir zu große Ehre an— ich bin nur ein armer Tuchhändler, der ſein Geſchäft niedergelegt hat. Er, den Sie meinen, hat mich nur zu ſeinem Organ gemacht.“
„Und wer iſt dieſer Er?“
„Das iſt mir zu ſagen verboten, Sie es erfahren.“
„Da iſt viel Geheimnißkrämerei,“ meinte Bouchard,„ich liebe das nicht.“
„Das wird ſich gleich bleiben.“
„Nun, ſo danke ich für heut'— morgen werde ich mich entſcheiden.“
„Wenn Sie morgen dazu nur Zeit haben werden,“ ver⸗ ſetzte Lami,„wenn Sie morgen noch auf freien Füßen ſind.
zu ſeiner Zeit werden
Nur ein geordneter Staat kann die Seinen ſchützen, in der
Frreheit unterliegt ſelbſt ein Lemaitre der Gewalt. Als ich voor zwei Stunden durch die Rue du temple kam, waren die Leute des Herrn d'Argenſon eben dabei, das Haus, in dem ein Herr Grimaud wohnt, zu unterſuchen.“ 3 „Donner! und das ſagen Sie, Schurke, mir erſt jetzt— Hich bin vevloren.“ „Nicht, daß ich wüßte.“ „Meine kleine Schweſter, das liebe Kind!“ „Sie hatten vergeſſen, daß Sie noch nicht die Aſſoziation aausgeſchlagen hatten. Eine Viertelſtunde, bevor die Schützen kamen, hat Ihre Schweſter die Wohnung verlaſſen, welche durchſucht werden ſollte „Gott ſei gedankt— das arme d'Argenſon macht keinen Unterſchied.“ „Ganz recht. Nun, Sie werden es frei, gerettet wieder⸗ erhalten.“ „Wo dann aber mit
Kind iſt unſchuldig; aber
t ihr hin?“
„Dafür würde ſehr leicht Der ſorgen, welcher der Aſſoziation
vorſteht,“ antwortete Lami. „Ich bin der Ihre.“ „Unter jeder Bedingung?“ „„Wenn ſich Lemaitre giebt, „Und Sie, Bouchard?“ „Iſt meine Wohnung auch entdeckt?“
halbirt er ſich nicht.“
münzerei entdeckt und will des Beſitzers habhaft werden, wenn er um Eins in der Nacht, wie er gewohnt iſt, in den Keller herabſteigen will.“
„Teufel! ich bin der Ihre.“
„Und ich,“ füais Grandtéte hinzu.
Die Maréchauſſée hat in der Rue St. Antoine eine Falſch⸗


