Jahrgang 
1 (1879)
Seite
353
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als der des Allmächtigen, ſollte er verzichten? Fort mit allen dieſen menſchlichen Bedenken, mit allen jämmerlichen, grund⸗ loſen Befürchtungen! Der Becher der Wonne wurde ſeinen Lippen nahe gebracht, nun wollte er ihn auch bis auf den letzten Tropfen leeren!

Ulih, wenn Du ſo fortfährſt, zerbrichſt Du muthwillig Dein Glas. Woran denkſt Du? rief Marcia ärgerlich; es verdroß ſie offenbar, daß er ihren Wink von vorhin ganz unberückſichtigt gelaſſen.

Ohne es zu wiſſen, hatte er ſein Glas ſo rückſichtslos behandelt, daß es die Aufmerkſamkeit ſeiner Schweſter auf ſich lenkte und Petronel veranlaßte, ſich zu ihm zu wenden. Wie bezaubernd ſchien ihm der Wechſel in ihren Mienen aus der nachdenkenden Stimmung zu dem kindlich frohen Lächeln, als ſie ſein Erſchrecken ſah!

Er entſchuldigte ſeine Gedankenloſigkeit mit einigen Worten, erwiderte dabei Petronel's Blick mit einem ſo innigen, ihr aber noch ſo neuen Ausdruck, daß ihr das Blut bis zur Stirn ſtieg.

Unglücklicherweiſe war Marcia der lange Blick und das Erröthen, das er hervorrief, nicht entgangen; mißmuthig be⸗ merkte ſie, ſie müßte doch darum bitten, daß Ulih für die kurze Zeit bei Tiſch dem Unterhaltungsbedürfniß mehr Rech⸗ nung trüge und ſein ernſtes Nachſinnen für das Berathungs⸗ zimmer aufſparte. Dann rief ſie Petronel zu, ſie möchte ſich gerade halten und ſich nicht auf ſo unpaſſende Art im Stuhle zurücklehnen, und fügte hinzu, die jungen Mädchen der Jetzt⸗ zeit würden ſich wundern, wenn man ſie ſo behandeln wollte, wie es in ihrer Jugendzeit Sitte geweſen wäre. Nach dieſen unheildrohenden Anzeichen beendete Ulih die Mahlzeit ſo raſch es ging und zog ſich nach ſeiner Stube zurück. Nichts als Sonnenſchein folgte ihm dahin, alle dunklen Wolken waren verſchwunden, hell und klar erglänzte der Himmel ſeines Glückes, er bedauerte nur jede Minute, die er getrennt von Petronel leben mußte, und erſehnte den Augenblick, wo er ſie wieder an's Herz drücken und ihr ſagen konnte, wie lieb und theuer ſie ihm war.

(Fortſetzung folgt.)

Der Räuberkönig von Varis. Roman von Wilh. Grothe. (Fortſetzung.)

Joſef Lami war, wie geſagt, in das Schankzimmer ge⸗ treten, in dem ſich nur noch drei Perſonen befanden. Dieſe waren beim Kartenſpiel, eine Art vereinfachtes l'hombre, und beachteten den Eintretenden nicht.

Er ſetzte ſich ziemlich entfernt von ihnen, in die Nähe der Thür, ohne ſeine Haltung zu wechſeln, ohne den Charakter, deſſen Maske er trug, abzulegen. Er verſenkte ſeine Hände in die großen Pattentaſchen der geblümten Weſte, ſtreckte die beiden Beine weit von ſich und ſchien, in Träume verſunken, an nichts zu denken, obgleich er in Wahrheit die drei Spieler nicht aus den Augen ließ.

Jetzt kam Joli und ſtellte die Flaſche Chably vor ihn hin. Joſef ſenkte kaum die Augenlider, aber der Wirth mußte ihn pöllig verſtehen; denn er begab ſich zu den Spielern und ſah ihrer Partie zu.

Weiß Gott, ſagte der Eine nach einer Viertelſtunde,ich bin völlig kahl, Ihr habt mir fünfzehn Franken abgenommen das iſt mehr, als eigentlich meine Börſe verträgt.

Immer beſſer Du, denn ich, verſetzte der Andere, ihm eine Priſe bietend.

Der Dritte wandte ſich dagegen an den Wirth und fragte ihn leiſe, wer der Herr ſei, der ſo lächelnd in's Blaue ſchaue; ter vermuthe in ihm einen Bekannten.

Kann Ihnen wahrhaftig nicht dienen, Herr Grandtéte,

erwiderte der Wirth in ebenſo leiſem Tone;er hat mich erſt

ein paar Male mit ſeinem Beſuche beehrt. Wenn ich nicht irre, ſagte ein Gaſt, er ſein ein Tuchhändler, der ſich zur Ruhe geſetzt habe. Viel zu thun muß er nicht haben; aber das iſt ſicher, daß er mit gutem Golde bezahlt. Er ſcheint jünger zu ſein, als man bei dem erſten An⸗ blicke glaubt. Nun, ſo Ausgang der Vierziger, wie ich ſchätze. Ob er wohl eintreten würde? fragte der Andere. Es kommt auf eine Frage an.

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Der Spieler erhob ſich und trat auf Lami zu.

Mein Herr, Entſchuldigung, wenn ich ſtöre. Sie ſitzen allein, und ſdmit halte ich es nicht unhöflich, Ihnen ein Spielchen anzubieten, vorausgeſetzt, daß die Karten Ihnen nicht unbekannt ſind.

Lami machte ihm eine Einwilligungsverbeugung, erhob ſich und folgte Grandtéte, über deſſen Geſicht die Freude aus⸗ gegoſſen war. Auch ſeine Bekannten lächelten vergnügt. Joſef ſchien nichts zu bemerken.

Bauchard, Du giebſt, ſagte Grandtéte, und der Genoſſ⸗e miſchte die Karten; Lami gewann. Grandtéte nahm die Karten, und Lami gewann wieder. Jetzt war die Reihe an ihm, und wieder waren die beiden Verlierenden die Gegenſpieler. Nun ſchien ſich aber das Blatt zu wenden; als jedoch Grandtéte die Karten miſchte, ſagte Lami:

Mein Herr, das Trefle⸗Aß rührt ſich nicht von der Stelle; ich warte, daß ihm das Pique⸗Aß vorangeht. Vielleicht kommt dann Coeurkönig, dem die Carreaudame folgt.

Ein wilder, finſterer Blick ſchoß aus dem Auge des falſchen Spielers, doch verwandelte ſich derſelbe ſogleich.

Grandtéte legte die Karte bei Seite und reichte Lami die Hand.

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Nein, verſetzte der;ich bin nur, nachdem man mich gehörig gerupft hatte, von einer mitleidigen Seele ziemlich ſchadenfroh belehrt worden, wie dies zugegangen ſei. Im Großen und Ganzen bringt Ihnen aber Ihr Geſchäft ſicher nicht ſoviel ein, wie das Verfertigen dieſes Livre, den ich von Herrn Bauchard gewonnen habe. Hübſch verfertigt, ſcharfes Gepräge das iſt jedenfalls beſſer, als der Guß! Die drei Genoſſen ſchauten ſich etwas verblüfft an; dann ſagte der, welcher die Karten niedergelegt hatte:

Sie ſcheinen ein gewiegter Kenner.