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Concordia.
Verbeugungen nach rechts und links alle Nähte des ſchwarzen Gejellſchaftsanzugs bedenklich knackten
„Sie auch hier, Herr Oberlieutenant?“ lächelte Serafine von Salventrot und winkte mit dem blitzenden Fächer den Ankömmling gnädig zu ſich heran.„Prächtig! Kommen Sie! Setzen Sie ſich hierher, wenn auch Ihre Flamme, die kleine Kelpach, nicht hier 18. Erzühlen Sie doch, wie Sie ſich geſtern Abend im„Rothen Ochſen“ amüſirt.“
Aus des Qberlieutenants ratggedunf enem Geſicht wich für einen Augenblick beinahe die Farbe. er wechſelte einen raſchen Blick mit Herrn von Plotzki und ſtotterte:
„Was—— Ich?——„RNothen Ochſen“?—— Ah—
er machte einen ſchwachen Verſuch, zu lächeln,„Sie belieben
wohl zu ſcherzen, mein gnädigſtes Fräulein! Was meinen Sie dem„Rothen Ochſen“?“
„Ihr Leugnen hielft Ihnen nichts,“ beharrte Serafine und ſchlug mit dem Fächer ihrem Nachbar leicht auf die Achſel; „meine Augen täuſchen mich nie. Geſtern bei dem ſchönen Wetter machte ich am ſpäten Nachmittag noch mit Mama eine Spazierfahrt in der Richtung nach Scheuwitz. Auf der Rückfahrt nun, wenige Schritte e hjile dem Gaſthaus„Zum rothen Ochſen“, das hell erleuchtet war, ſah ich Sie, den Mantel bis an das Kinn h annfgszopen. den Hut tief in's Geſicht gedrückt, an uns vorbeigehen. Wie man ſo manchmal ganz unwillkürlich thut, wandte ich mich um und ſah Sie durch eine kleine Pforte in der Mauer, welche nach dem Hofraum des Gebäudes führen muß, verſchwinden.“
„Ah— nicht manb he ſtammelte 5
aus nichts mehr zu entgegnen wußte.
„Ihre Fal benngen haben Ihnen alſo doch einmal einen Streich geſpielt,“ ſiel jetzt mit leiſer Stimme Herr von Plotzki ein;„wahrſcheinlich, denke ich mir, weilten Ihre Gedanken in beſagtem Augenblick mit außergewöhnlicher Lebhaftigkeit und Sehnſucht bei dem ieutnant. So wurde dieſer Un⸗ dige Gegenſtand Viſion oder Hallucination. Der⸗ ſoll vorkomn ten.⸗
92“
Beſſelſtein, der durch⸗
Doert
einer
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Virk 8 würde ich mich alſo vo deckung, die ich an erſte Viſion fort die zweite
ſpöttiſch.„Zum Medium züglich eignen. Eine ganz neue Ent⸗ mir mache. Merkwürdig auch, daß auf
ſo folgte. Denn während ich ich muß fagen, ein wenig verwundert auf die Pforte uii wiederum einen Gaſt hindurch und diesmal geren als—“ ſie neigte ſich an das Ohr ihres
—. Die roch
roch,
feinen Ohren gefpitt.
„So?“ fagte er mit vollko nach einer Bewegung in den Zigen dieſer glatten Maske ver⸗ gebens ſ„Nun bliebe alſo, um ddnſczn ßig zu ver⸗ fahren, nichts weiter lbrih als dem geſtrengen Herrn Richter als Beweis der Unſchuld ein Mußmei felhaftes 2
der Tha, wenn 168
daß ich ge
an der iiglieniſchen ehrteſte—“ hier wurde leiſer, aber um ſo eindringlicher und
wieder meinen Namen mit
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„ehe übelberüch Rtigten Spe lunke in Verbindung bringen, möchte ich Sie doch bitten,
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mmener Ruhe, während Serafine
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des Phantoms, welches Ihre erhitzte vorſpiegelt, zu überzengen.“ Hiermit wandte Herr von Plotzki ſich ſeiner anderen Nach⸗
Einbildungskraft Ihnen
barin zu.
Serafine erſchrak. Zu beleidigen oder zu erzürnen, war nicht ihre Abſicht. Sie liebte es nur, ſich intereſſant zu machen. Herr von Plotzki war Junggeſelle, und einen ſolchen, all' ſeines Sträubens ungeachtet, dennoch unter das Joch Hymens zu zwingen, geben die Frauen niemals auf. Sie paßten ſo gut zuſammen! Noch in erſter Mädchenblüthe zu prangen, konnte Fräulein von Salventrot entſchieden nicht behaupten, Plotzki's Jünglingsjahre aber waren ebenfalls dahin.
Sie ließ alſo die Sache auf ſich beruhen und verſtand es, das Thema des Geſpräches mit Gewandtheit auf ein anderes Feld hinüberzuſpielen.
„Ich muß mich wundern, liebſte Seidenau,“ ſprach die Gräfin Klichy zu der neben ihr ſitzenden Baronin,„daß ich heute nicht eine einzige muſikaliſche Größe entdecke. Haben Sie nicht irgend eine Berühmtheit eingeladen? Kein Sängerin, keinen fahrenden Virtuoſen— nichts—— gar nichts? Ein kleiner Ohrenſchmaus wäre ganz nett. Auch nicht einmal einen hervorragenden Maler, Schriftſteller oder dergleichen?“
„Nein, Liebe. Das heißt— einige von den letzteren er⸗ hielten Karten, ließen aber abſagen.“
„Ah— wahrſcheinlich, weil neulich in der Zeitung von einem berichtet wurde, der ſich überall abfüttern läßt. Dieſe geiſtreichen Herren von der Feder ſind ein empfindſames Volk, glauben Sie!“
„Kann wohl ſein. Und da— was die Muſik betrifft— ich ſelbſt die Abſicht habe, ſpäter Einiges zum Beſten zu geben, ſo wollte ich mich durch die künſtleriſchen Leiſtungen einer Sängerin nicht in Schatten ſtellen laſſen. Ich werde einige Lieder mit italieniſchem Texte ſingen.“ eder?—— Italieniſchem
„Singen?—— i Texte——
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Die Gräfin ſtarrte ſie
„Ja, mit italieniſchem Texte. Plotzki wird die Güte haben, mich zu begleiten. Er meint, meine Ausſprache des Italieniſchen ſei ganz vorzüglich.“ Ganz vorzüglich, jawohl!“ nickte Herr von Plotzki, der 7 8 0 9 9 2 die letzten Worte aufgefangen hatte, mit ſauerſüßem Lächeln.
2 9. ppnen Sie ſich, meine Damen, ein hoher Genuß ſteht
erſchrocken an.
warf einen forſchenden Blick in Geſicht. Aber das war glatt und undurchdringlich, wie immer; es blieb durchaus unerfindlich, ob dieſe Worte ernſthaft oder ironiſch gemeint waren.—
Freda, die Unerſättliche, amüſirte ſich indeß auf die ihr am meiſten zuſagende Weiſe am Büffet.
An allen Schüſſeln herumleckend und mit dem Finger hineintauchend, ſtieß ſie ohne Weiteres jeden der ihr im Wege ſtehenden Diener bei Seite und ſchnitt, bei irdendwelchen leiſeſten Verbot oder Tadel von Fräulein Bunzel, dieſer di ie gräulichſten Geſichter.
Mitten in dieſer ihrer glorreichen Thätigkeit wurde ſie im
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Auftrage der Baronin plötzlich von einem Diener abberufen.


