Jahrgang 
1 (1879)
Seite
345
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tigte allerdings zu den ſchönſten Erwartungen auch für den Unterkörper.

Und mit wie häßlich breitem Munde ſie lacht, fuhr ſie fort; ie ein Froſch, der aus Leibeskräften quakt; achten Sie uff einmal darauf. Dagegen dieſer Seidenau! So einen reizenden Mund unter dem blonden Schnurrbart! So wohl⸗ geformt noch hübſch beim Lachen

Ei, ei, Baroneſſe, Sie ſcheinen ja den Mund des Barons ſehr eingehenden Studien unterworfen zu haben, lächelte die Gräfin.

Die ältliche Baroneſſe von Salventrot ſah vor ſich nieder, klappte geräuſchvoll den edelſteinbeſetzten Fächer auseinander und that, als ob ſie roth würde. Nachdem ſie, ohne die mit⸗ leidig höhniſchen Seitenblicke ihrer Nachbarin zu bemerken, alle Stadien der Verlegenheit durchgemacht zu haben glaubte, hielt ſie es an der Zeit, wieder emporzuſehen.

Da iſt ja auch unſer neuer Kommandeur, ſagte ſie erſtaunt, auf eine Hünengeſtalt in blitzender Uniform, welche ſoeben vom Baron von Seidenau in dem von hier zu über⸗ ſchauenden Nebenſaal begrüßt wurde, deutend.Wie unge⸗ ſchickt, hier zu erſcheinen, ohne noch überall Antrittsbeſuch ge⸗ macht zu haben. 3

Sie dürfen ihm das nicht anrechnen, entgegnete die Gräfin mitleidig lächelnd;er iſt von ziemlich plebejiſcher Her⸗ kunft. Seine Frau ſoll eine geborene Schulze oder Schmidt oder Müller ſein das erklärt Alles. Läßt ſich von ſolchen Leuten Anderes erwarten? Bei uns ſind ſie auch noch nicht geweſen; ich muß ſagen, daß ich dieſe Hintanſetzung ſehr ſonderbar finde. Wahrſcheinlich geht auch die Unterlaſſung der Beſuche von der Frau aus.

Hat ſie das Regiment im Hauſe?

Muß wohl. Man ſpricht ſo allerlei. Eine geborene Schulze, richtig! Jetzt weiß ich's ganz genau. Solche Leute nehmen es niemals ſtreng mit den Dehors; ſie ſind einmal nicht dafür erzogen. Auch dem Manne, deſſen Vater irgend einen untergeordneten Poſten bekleidete, ſieht man das Un⸗ gehobelte an.

So, ſo! alſo Schulze. Dann darf man ſich allerdings nicht wundern. Sie haben recht der Oberſt ſieht brüsk aus! Dieſe Fäuſte dieſer Körperumfang koloſſal! Wenn ich eine Morgenländerin wäre und an Seelenwanderung glaubte, möchte ich annehmen, er ſei früher einmal der himm⸗ liſche Urahn geweſen, den rundherum zu beſichtigen man nur den kleinen Zeitraum von fünf Jahrhunderten braucht. Himmel er nieſt ja, daß das Weltall zittert! Er hat den Schnupfen! Iſt das eine Art, mit einem Schnupfen zu erſcheinen!

Ja, er hat den Schnupfen, beſtätigte die Gräfin. Vielleicht, um auf Ihre geiſtreiche Idee einzugehen, hat Allah ihm geboten, durch ſein ſchmetterndes Pſchi! Pſchi! nun end⸗ lich der Menſchheit den Tag des jüngſten Gerichts zu ver⸗ kündigen.

Die beiden moquanten Damen kicherten jetzt ſo laut, daß ihre Nachbarinnen aufmerkſam wurden.

Die Gräfin biß ſich auf die Lippen und Fräulein von Salventrot verbarg das Geſicht von Neuem hinter ihrer ge⸗ fälligen Schutzmauer, dem Fächer.

Als ſie ihn ſinken ließ, begegnete ſie den ſchwarzen Augen.

der Baronin Seidenau, welche, auf den Arm eines Herrn gelehnt, vor ihr ſtand.

Hier alſo hat man Sie zu ſuchen, eine Blume unter Blumen, meine gnädigſte Baroneß! redete Letzterer ſie an. Erbarmungslos entziehen Sie Ihren Anblick der großen Zahl Ihrer Verehrer, um an dieſem entfernten Ende des Himmels zu leuchten, wie Alcyone im Geſtirn der Plejaden? Grauſame!

Der Sprecher war ein mittelgroßer Mann, ſein Wuchs faſt zierlich. Die ſchmalen Schultern hielt er mit jener Be⸗ wegung, durch welche Diplomaten auf irgend eine heikle Frage ſich oft ein intereſſantes Air zu geben wiſſen, permanent in die Höhe gezogen.

Hinter der unbeweglich glatten, hochgewölbten Stirn mochte vielleicht auf Koſten des Herzens viel Verſtand wohnen, worauf auch der Ausdruck des ſcharfen, kalten, durchdringenden Auges deutete. Das Intereſſanteſte aber in dieſem männlichen Sphinxgeſicht blieb unzweifelhaft die Naſe. Welch' feine, ſchlanke, geſchmeidige Spitze! Eine echte Diplomatennaſe! Der Beſitzer einer ſolchen Naſe mußte über einen außer⸗ gewöhnlichen Grad von Schlauheit verfügen; dieſe Naſe ver⸗ rieth, was Stirn und Augen zu verbergen ſich bemühten.

Bei jedem ſeiner katzenartigen Schritte ſich leiſe vornüber⸗ neigend, welche Bewegung wieder unwillkürlich an einen in die Höhe wogenden Waſſervogel erinnern mußte, führte er die Baronin zu einem Seſſel und nahm dann Fräulein von Sal⸗ ventrot gegenüber Platz.

Etwas abgeblaßter Vergleich, der erſte! lächelte dieſe kokett, indeß der Fächer wieder in ſtarke Bewegung gerieth. Wirklich ſuchten Sie mich, Herr von Plotzli? Zu viel der Aufmerkſamkeit. Wie konnte ich Unwürdige ahnen, daß Sie gerade mich zum Gegenſtand hochdero Unterhaltung erwählen zu wollen geruhen würden? Wir zogen uns hierher zurück, um ein wenig harmlos zu plaudern. Hätte mir nur die entfernteſte Ahnung zugeflüſtert, daß Sie mich ſuchten, dann allerdings

Spötterin! lächelte Herr von Plotzki und zog die Augen⸗ brauen in die Höhe.Immer hieb⸗ und ſtichfeſt, immer ein Züngelchen wie ein Schwert! Ah lieber Beſſelſtein ſehr erfreut!.

Ein junger Mann, durch ſeine übervolle Figur im erſten Augenblick um Vieles älter erſcheinend, trat heran.

In dem Beſtreben, die ihn gerade nicht verſchönernde Körperfülle auf ihr möglichſtes Minimum zu beſchränken, waren alle Gegenſtände ſeiner Bekleidung von einer Knapp⸗ heit gerathen, welche das gerade Gegentheil von dem bewirkte, was ihr Träger unzweifelhaft damit beabſichtigte. Denn über⸗ all, ſtatt zu verbergen, quoll es hervor und brach ſich Bahn; ſei es an Schultern und Bruſt, die wie ausgeſtopft erſchienen, ſei es am Halſe, wo infolge des zu engen Kragens das über⸗ flüſſige Fett in zwei dicken, übereinanderliegenden Wulſten ſich ablagerte. Natürlich mußte dies Einpreſſungsſyſtem ſeinem unglücklichen Opfer alles nur irgend pulſirbare Blut nach oben treiben und ſo erſchien das Geſicht des Nahenden mit heraus⸗ gequollenen Augäpfeln, von der Farbe einer dunkelrothen Rübe.

Ergebenſter Knecht, meine Damen äh ſtotterte er mit etwas belegter Stimme, während bei ſeinen aabafhuelichen

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