Jahrgang 
1 (1879)
Seite
341
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nicht gefürchtet hatte, die ſie erhielt. Die finſtere Stirn, die düſteren Augen, die ſich für einen Moment in Zorn und Schmerz ihr zugewendet, verfolgten ſie ſeither immer. Kein Chriſt Ihr Geliebter, ihr Idol, die theurere Hälfte ihrer Seele, ihres Herzens und ihres Gemüthes! Der Tod nahm neue Schrecken an für ſie bei dem Gedanken, daß ſie im Jenſeits ihn vielleicht nicht wieder finden würde.

Könnte ich doch die halbe Laſt ſeiner Sünden auf mich nehmen! dachte ſie. Und ſie betete.

Er war mit ihr in die Kirche gegangen, er hatte dem Gottesdienſte mit ernſter Aufmerkſamkeit beigewohnt ja, zuweilen ſogar mit ſcheinbarer Rührung, mit Eifer, aber er hatte niemals das Sakrament genommen. Das hatte ſie nicht wenig beunruhigt; aber als ſie es gewagt, über dieſen Gegenſtand mit ihm zu ſprechen, hatte er mit ſeinem gewöhn⸗ lichen Argument geantwortet:Ich fühle mich nicht ſtark genug im Glauben, um ein ſo erhabenes Myſterium zu theilen.

Sie war zufrieden geweſen, dieſen Grund anzunehmen, und hatte gehofft, daß die Zeit ſeinen Glauben ſtärken würde. Aber jetzt hatte er ihr in den härteſten, deutlichſten Worten geſagt, daß er kein Recht habe zu dem Namen eines Chriſten.

Sie ſaß einige Zeit, über dieſen bitteren Gedanken brütend, dann erhob ſie ſich, tauſchte ihre Diner⸗Robe für einen weiten Schlafrock von weißem Muſſelin aus und ging in ihr Schlaf⸗ zimmer, welches an das Ankleidezimmer anſtieß. Sie hatte dabei nicht einmal gedacht an die koſtbaren Juwelen in dem offenen Käſtchen auf ihrem Ankleidetiſche, oder ſich gewundert, warum Mills nicht kam, um dieſe abzuholen. Die Wahrheit war, daß die Dienerſchaft unten ſich nach dem patriziſchen Banket mit einem feſtlichen Souper vergnügte und daß Miß Mills ihre Pflichten inſoweit vergeſſen hatte, daß ſie gar nicht dachte an die Exiſtenz der Diamanten ihrer Herrin. In dieſem Augenblicke ſchlief ſie bereits bequem in ihrem Zimmer in dem oberen Stockwerke, und die Diamanten waren ihrem Schickſale überlaſſen.

Lady Cheshunt war es gewöhnt, lange wach zu bleiben, und betrachtete die Mitternacht als den angenehmſten Theil ihres Tages. Als ſie daher Madge's Ankleidezimmer verließ, nahm ſie Viola mit ſich nach ihrem eigenen Appartement am anderen Ende des Korridors, um noch einige Zeit in freund⸗ ſchaftlichem Geplauder zuzubringen. Viola machte dagegen nicht die geringſte Einwendung.

Sie ſprachen über die Anzüge und die perſönliche Erſchein⸗ ung der Gäſte, und die Diskuſſion endete gewöhnlich mit einem wenig günſtigen Urtheil. Sie ſprachen über Churchill; Viola pries ihn enthuſiaſtiſch, und Lady Cheshunt gab gut⸗ müthig zu, daß ſie ſich in ihm geirrt habe.

Er pflegte mich an Mephiſtopheles zu erinnern, meine Theuere, ſagte die lebhafte Matrone.Ich meine nicht, daß er eine krumme Naſe, oder diagonale Augenbrauen, oder eine Hahnfeder auf ſeinem Hut hatte; aber er hatte immer ſo das Weſen zurückhaltender Gewalt, daß ich mich beinahe vor ihm fürchtete. Ich dachte, er ſei ein Mann, der Alles thun könne Großes oder Ruchloſes durch die ſouveräne Gewalt ſeines Verſtandes und Willens; aber das war, ehe

ſein Couſin ſtarb. Der Wohlſtand hat ihn wundervoll ge⸗

beſſert. Endlich ſchlug eine Glocke auf dem Korridor Eins.

Concordia.

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Viola ſtieß einen leichten Ausruf der Ueberraſchung hervor, küßte ihre theure Lady Cheshunt zum zwanzigſten Male dieſe Nacht und trippelte fort. Sie war die Hälfte des Korridors hinabgegangen, als ſie anhielt, betroffen durch einen Anblick, der ſie veranlaßte, lauter zu ſchreien, als ſie es bei dem Schlage der Uhr gethan, hätte nicht ein inſtinktives Gefühl der Vorſicht ſie zurückgehalten.

Ein Mann unzweifelhaft von der Spezies der Vaga⸗ bunden oder Einbrecher derſelbe Mann, der ſich einige Stunden früher Rebekka vor ihrer Hütte repräſentirt hatte war im Begriffe, das Ankleidezimmer der Mrs. Penwyn zu verlaſſen. Sein Rücken war Viola zugewendet, er blickte weder zur Rechten noch zur Linken, ſondern ſchlich mit ver⸗

ſtohlenen, aber raſchen Schritten den Korridor entlang. Viola

hielt nicht einen Moment an, ehe ſie ihn verfolgte. Ihr Tritt war kaum hörbar auf dem mit einem Teppiche bedeckten Boden, aber das Rauſchen ihres Kleides hörte der Ein⸗ gedrungene. Er blickte nach ihr und dann ſtürzte er vorwärts nach dem oberen Theile der Treppe und warf ſich beinahe über die ſchmalen eichenen Stufen, wobei ihn Viola in ihrer weißen Robe ganz nahe verfolgte.

Auf der Treppe alarmirte Viola durch ihr Geſchrei das ganze Haus. Sie kam dem Diebe näher. Am Fuße der Treppe erfaßte ſie ihn, ihre zwei kleinen Hände klammerten ſich an ſeinen ſchmuzigen Felbelkragen.

Er wendete ſich gegen ſie mit einem wilden Fluche und würde ſie vielleicht zu Boden geſchlagen und ihre zarte Schön⸗

haben, hätte ſich nicht plötzlich die Thür des Billardzimmers

geöffnet, in der Mr. Penwyn erſchien und hinter ihm Sin Lewis Dallas, ein im Hauſe gebliebener Beſucher.

Was giebt's? Wer iſt der Mann? rief Churchlll, während er und Sir Lewis an Viola's Seite eilten und ſie von dem Schurken wegzogen.

Ein Dieb, ein Einbrecher! ſtammelte das aufgeregte Mädchen.Ich ſah ihn aus dem Ankleidezimmer meiner Schweſter kommen. Er hat ſie vielleicht ermordet. O, Churchill, geh' und ſieh', ob ſie ſicher iſt!

Halte ihn, Lewis, rief Churchill und lief, ohne ein Wort weiter zu ſagen, die Treppe empor.

Sir Lewis war groß und muskulös, ein Athlet durch Natur und Kunſt. In ſeinem Griffe wartete der Landſtreicher unter⸗ würfig genug, bis Churchill zurückkehrte, athemlos, aber be⸗ ruhigt in ſeinem Gemüthe. Madge war ſicher Madge wußte nicht einmal, daß irgend etwas Unrechtes geſchehen ſei.

Ich danke, Lewis, ſagte er, indem er ſo kaltblütig den Einbrecher von der Hand ſeines Freundes übernahm, als ob es irgend ein Holzbalken geweſen wäre.

Geh' hinauf in Dein Zimmer, Viola, und ſchlafe geſund für den Reſt der Nacht, ſetzte Churchill, gegen ſeine Schwägerin gewendet, hinzu.Ich werde Dir morgen über Deinen Muth Komplimente machen.

Ich denke nicht, daß ich zu Bette gehen könnte, ſagte Viola ſchaudernd.Es können noch mehr Einbrecher im Hauſe ſein. Mir iſt, als müßte Alles ſchwärmen von ihnen.

Unſinn, Kind! Der Burſche hat keine Gefährten. Viel⸗ leicht haben Sie die Freundlichkeit, Lewis, meine Schwägerin bis an das Ende des Korridors zu begleiten?

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