Jahrgang 
1 (1879)
Seite
331
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Concordia. 331

geſpräch mit Marguerite, am nächſten war ſie auf freien Füßen.

Marguerite's üppige Schönheit war dahin oder hatte ſich verwandelt; aus der Bacchantin war eine leiden de Magdalena geworden. Der erſten unmenſchlichen Behandlung, welche ihr zutheil geworden, die ſie zum Verrathe getrieben, war der eiſerne Kerkerdruck gefolgt, die matte Blume ſenkte ihr Köpfchen.

Als ſich der Generalpolizeilieutenant ihr nahte und die Bedingung ſtellte, den Kerker mit ſeinen geiſtigen und leib⸗ lichen Qualen gegen den bezahlten Dienſt der Spionage zu verſehen, war ſie ſogleich bereit geweſen.

Ich will mein Möglichſtes thun, um Sie zufrieden zu ſtellen. Sie werden aber, fügte ſie hinzu,nicht zürnen müſſen, wenn es in den erſten Tagen mit mir nicht recht vorwärts geht ich fühle mich ſo ſchwach, ſo hinfällig, als wäre ich ein Mütterchen von ſiebenzig Jahren.

Die Hinfälligkeit wird ſich bald geben, wenn Du willſt, erwiderte er;Du biſt jung und wirſt bald das Gefängniß überwunden haben, wohin Du niemals zurückkehren wirſt, wenn ich zufrieden bin.

Marguerite lächelte, als er ſie verließ.

Ja, ich werde nicht in das Gefängniß zurückkehren, da mich bald ein wohlthätiges Meſſer, welches den Verrath rächt, treffen wird. Spionin! Aber die Freiheit iſt ſo ſüß, daß ich um ſie Alles wage.

Marguerite war frei und ſtand in dem Zimmer des Generalpolizeilieutenants dieſem gegenüber.

Wie ich Dir alſo ſagte, fuhr er in ſeiner Rede fort, Du ſollſt mir den Spion entdecken, der mir ſo große Dienſte leiſtet und ſich doch mir verbirgt. Ich gebe Dir dazu Zeit, hoffe jedoch in acht Tagen genauen Bericht. Wenn ſchon früher, ſo iſt das mir lieber. Am nächſten Sonnabend erwarte ich Dich wieder hier. Vergiß nicht, daß meine Hand weit reicht. Da ſind zehn ſpaniſche Thaler, die Dir hoffentlich ge⸗ nügen werden.

Sie nahm dankbar das Geld, entfernte ſich aber nicht.

Was willſt Du noch?

Darf ich die verrätheriſchen Briefe ſehen? fragte das bleiche Mädchen.

Hier, mein Kind, ſind einige; kennſt Du die Handſchrift?

Allerdings glaubte ich einige Aehnlichkeit zu finden; aber ich hatte mich getäuſcht. Auch zählt Der ſchon lange zu den Todten.

Sie verbeugte ſich und verließ das Zimmer.

Es kommt von ihm, flüſterte ſie, als ſie das Haus ver⸗ ließ, welches d'Argenſon bewohnte;meine Ahnung hatte mich nicht betrogen. Cartouche! Du lebſt! ich werde Dich wieder⸗ ſehen. Und wie Sonnenſchein glänzte es auf dem Antlitz Marguerite's.Ach, fuhr ſie in ihrem unhörbaren Selbſt⸗ geſpräche fort,ich bin recht alt und häßlich geworden, ſeit⸗ dem ich ihn nicht geſehen; der Spiegel, der in dem Zimmer hing, hat es mir verrathen ich bin bleich und verfallen. Damals, als noch das Leben in meinen Adern tobte, hat er

mich kaum beachtet jetzt Sie ſeufzte.Dir wäre am beſten der Tod, arme Marguerite. Aber da unter der Erde, oder im Waſſer Nein, nein! leben, ſo lange das

Leben da iſt, ſo lange wir es halten köͤnnen, Leben! leben!

Freiheit, Du himmliſche Fee, Du Seelenſonnenſtrahl. Wie die Pflanze ſich dem Lichte zuwendet, ſo Dir das fühlende Herz, und wie die Pflanze ohne die belebende Wärme des Tagesſternes nicht gedeihen kann, ſo nicht der Menſch ohne Dich. In Dir flammt Begeiſterung, in Dir glüht Leben. Bleiches Antlitz, gebeugte Geſtalt; das ſind die Zeichen der Knechtſchaft; im Kerker ſenkt ſich der Blick und ſtarrt auf den Boden, als ſuchte er da das ewige Räthſel des Warum zu er⸗ gründen in der Freiheit ſchweift er in die Ferne, da richtet ſich die Geſtalt auf, da hebt ſich tiefathmend die Bruſt, die ſchlaffen Züge erhalten Bewegung und ein roſiger Schimmer überfliegt die Wange.

Auch auf Marguerite äußerte ſich die Wohlthat der Frei⸗ heit. Wer ſie aus dem Gefängniß ſchleichen ſah, der hätte nimmer geglaubt, daß die gebeugte weiße Blume ſich zu neuem Leben aufrichten könne. Und ſchon nach wenigen Tagen, welche Veränderung mit ihr!

War das Dieſelbe, welche La Force verließ, ähnlich einer dem Grabe zuwankenden Märtyrerin, und das Weib, welches über den Pont neuf ging und die Zlicke nach allen Seiten umherſchweifen ließ, als erwartete ſie ein Rendezvous? Sie hatte heute ſchon ein Dutzend Mal den Weg gemacht, wohl eine Stunde war ſie dort auf⸗ und abpromenirt und hatte die Aufmerkſamkeit ſo manchen Kavaliers erregt.

Wenn Einer den Bettler, der auf der anderen Seite um Almoſen flehte, gefragt hätte, wie lange das Mädchen dort warten werde, würde er die Antwort erhalten haben:

Das iſt ein wunderbares Geſchöpf, das in der That dem lieben Gott den Tag abſtiehlt. Geſtern und vorgeſtern weilte ſie hier, bis es dunkel wurde, und war doch ſchon am Vor⸗ mittag auf ihrem Poſten erſchienen.

Bisher hatte ſie mit dem Krüppel noch kein Wort ge⸗ wechſelt; heute trat ſie auf ihn zu und reichte ihm einen Franken mit der Frage, ob er keinen Herrn mit Maske habe vorbeigehen ſehen.

Mit Maske? antwortete der Vater Jacques, ſie ſeitwärts anblickend.Werden jetzt Masken beim Tageslicht getragen? die Zeiten ſollen einſtmals geweſen ſein.

Aber Vater Jacques, kennt Ihr denn nicht mehr die Marguerite? Habe ich mich denn in einem Jahre ſo ſehr verändert, daß ich zwei Tage vor Euch auf⸗ und abgehen konnte, ohne erkannt zu werden?

Ihr Marguerite? Wahrhaftig o, Sie armes Kind. Man erzählte mir von La Force. Gott ſei Dankl das iſt vorüber. Aber wen erwarteſt Du denn, mein Gänſe⸗ blümchen?

Ich meine den Mann von der ſchönen Rahel, den Joſef, verſetzte ſie in flüſterndem Tone.

Joſef! Ja, der muß lange außerhalb auf Reiſen ge⸗ weſen ſein, iſt erſt ſeit Wochen zurück.

Wo wohnt er, Papa Jacques?

Das weiß ich ſelbſt nicht, Kind. Vor vierzehn Tagen ſah ich ihn mit Dominique vorübergehen. Der iſt auch wie⸗ der hier; aber nicht mehr ſchwarz wie ein Kavalier geht er dahin, der den Krieg mitgemacht hat, gebräunt wie ein Sol⸗ dat. Nun, die Landſtraße Aber wo wohnſt Du, meine Perle?

Still, das iſt ein Geheimniß, Papa Jacques!

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