Jahrgang 
1 (1879)
Seite
327
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Concordia. 327

wöhnlich, und es war keine Täuſchung, wenn ich bemerkte, daß er mir freundlich zunickte, ſo oft meine ängſtlich fragen⸗ den Blicke den ſeinen begegneten. Voll Erſtaunen wandte ich mich dann von ſeinem vergnüglichen Geſichte hin zur Couſine Marcia, die unfreundlicher und verdroſſener denn je ausſah, und wußte mir das Alles nicht zu reimen; war ihre Ver⸗ ſtimmung Folge meines Verhaltens, ſo wunderte es mich, daß ihr Bruder dieſe nicht theilte.

Es war mir klar, daß Herr Bertram abgereiſt und daß ſein Fortgehen der Couſine ſehr unangenehm war, zweifelhaft aber blieb es mir, ob ſie wußte, welchen Antheil ich an der unerwarteten Abreiſe des Freundes hatte und ob ſie darüber mit dem Vetter Ulih geſprochen. Das Gefühl, daß ich ſeine freundlichen Blicke und Worte nicht verdiente, machte mich ſchüchtern, ihn anzuſehen; doch jedesmal, wenn mein Auge auf ihn ſiel, bemerkte ich, daß er mich feſt anblickte, als ob er ſich daran gewöhnen wollte, daß ich mit an ſeiner Tafel ſaß. Endlich wurde dieſe aufgehoben. Alle Diners der Cou⸗ ſine Marcia waren vorzüglich und nahmen ziemlich viel Zeit in Anſpruch; gewöhnlich wurde nach Beendigung derſelben am Tiſche noch etwas geplaudert. Als wir Damen nun aufſtanden und uns zurückzogen, erwartete ich zuverläſſig von meiner Couſine, daß ſie ſich herbeilaſſen würde, mir Aufklärung über ihr verändertes Benehmen zu geben; doch ich hatte mich ver⸗ rechnet, ſie ſagte jeder Dame etwas Verbindliches, mir aber kein Wort, ſie unterließ es ſogar, mich aufzufordern, Klavier zu ſpielen, was ich ſonſt regelmäßig auf Wunſch ihres Bru⸗ ders thun mußte. Den Abend hindurch blieb die Situation unverändert, der Vetter war ausgezeichneter Laune, die Cou⸗ ſine kalt und gemeſſen wie nie, und des muthmaßlichen Grundes der Abreiſe des Herrn Bertram wurde von keiner Seite Er⸗ wähnung gethan.

5. Kapitel.

In den nächſten Tagen blieb Alles ſo ziemlich beim Alten, ich fühlte mich nicht veranlaßt, auf Herrn Bertram anzuſpielen, und das Geſchwiſterpaar ebenſo wenig, es war gleichſam, als ob ein verſiegeltes Buch zwiſchen uns lag. Ihr Benehmen bewies mir deutlich, daß ſie den Grund ſeiner Abreiſe kannten; um davon überzeugt zu werden, brauchte man nur die Couſine zu beobachten. All' das Aufmunternde und Anregende, was bisher in ihrem Weſen gegen mich gelegen hatte, war wie verſchwunden, und wenn ſie es ſich auch nicht herausnehmen durfte, mich auszuſchelten wie früher, ſo waren ihre Worte und ihr Weſen doch ſo förmlich und ſteif, daß jedem Anderen, der ein weniger glückliches Temperament wie ich gehabt hätte, recht unheimlich dabei hätte zu Muthe werden müſſen.

Dieſe Veränderung ſchrieb ich natürlich nur den Mit⸗ theilungen, die Herr Bertram gemacht haben mußte, zu. Dieſes empörte mich gegen meinen Anbeter, und ich zürnte ihm doppelt darüber, daß er hinter meinem Rücken mich ver⸗ klagt und der Conſine die Art und Weiſe, wie ich ſeine Huldigungen aufgenommen, hinterbracht, und daß er ſie da⸗ durch gegen mich eingenommen hatte. Daran, daß meine Zu⸗ rückweiſung an und für ſich die Veranlaſſung zu ihrem Aerger ſein könnte, dachte ich gar nicht; denn was konnte ſie ver⸗ anlaſſen, zu wünſchen, daß ich mich verheiratete und aus dem Hauſe käme. Ich hatte im Gegentheil wohl ſchon daran ge⸗

dacht, ob der Gedanke, daß ich die Werbung annehmen könnte, ihr nicht lächerlich erſcheinen würde und ihren gerechten Zorn erwecken könnte, und daß ſie Alles für Unſinn erklären und ſagen würde, ich ſei noch ein dummes, unerfahrenes Kind und gehöre in die Kinderſtube. Für gewöhnlich ſprach ſie ja ähnlich zu mir und behandelte mich danach. Daß ſie es je billigen könnte, wenn ich mich mit einem Herrn, der doppelt ſo alt als ich war, verheiratete, ſchien mir unmöglich. So wähnte ich nur, ſie ſei ungehalten über den Mangel an Rück⸗ ſicht und Artigkeit, den ich Herrn Bertram gezeigt, und da ich nicht ſicher war, wie weit deſſen Mittheilungen gingen, ſo ſah ich mit Ungeduld dem Augenblick einer Erörterung entgegen. Dieſen hervorzurufen und zu beſchleunigen, dazu hatte ich nicht den Muth, dazu war unſer Verhältniß auch nicht intim genug. Denn ſobald ſie ihr kaltes, fernhaltendes Weſen an⸗ genommen, war ſie vollſtändig unzugänglich; weder Andeut⸗ ungen, noch zarte Aufmerkſamkeiten wurden dann von ihr be⸗ rückſichtigt, ſie that einfach ſo, als ſehe und höre ſie nichts. Ihre ſchlechte Laune war dann durch nichts Anderes als durch einen direkten Angriff zu überwinden. Im vorliegenden Falle ſcheute ich mich jedoch davor, denn es würde natürlich eine Auseinanderſetzung darauf gefolgt ſein, die mir ſehr peinlich ſein mußte. Meine Anſicht über die Wünſche des Herrn Bertram brauchte ich nicht zurückzuhalten, ebenſo wenig auch meine Entſchlüſſe, daß nichts mich dahin bringen ſollte, ſeinen Antrag für etwas Anderes als eine Beleidigung meines guten Geſchmacks zu halten; doch der Art und Weiſe, wie ich meine Rolle dabei geſpielt, ſchämte ich mich, darum wünſchte ich nichts ſehnlicher, als dieſe baldmöglichſt gänzlich aus meinem Ge⸗ dächtniß zu verwiſchen. Schließlich ärgerte ich mich aber doch über das Benehmen meiner Couſine; warum konnte ſie ſich nicht einmal ruhig ausſprechen und dann das Buch zuſchlagen? Es verdroß mich, daß ſie im Wagen neben mir ſaß und während der ganzen Fahrt mich keines Wortes noch Blickes würdigte. So wurde ich aufſäſſig, und natürlich trug dieſe Veränderung in meinem Benehmen nur dazu bei, ihre Stimm⸗ ung noch gereizter zu machen.

Der Wagen iſt auf vier Uhr beſtellt! ſagte ſie eines Morgens, als wir vom Frühſtückstiſch aufſtanden.

Ich erwiderte nichts darauf.

Petronel, haſt Du mich verſtanden? Der Wagen iſt auf vier Uhr beſtellt!

Gut, Couſine Marcia.

Ich erwarte, daß Du pünktlich fertig biſt.

Ich fahre heute nicht.

Dürfte ich wohl fragen, warum nicht? fragte ſie ſpöttiſch.

Nun, weil ich keine Luſt habe.

So, das alſo iſt der Grund; ich muß wohl um Ver⸗ zeihung bitten, danach gefragt zu haben. Ich dachte nicht daran, daß Du ſchon erwachſen biſt und ſelbſt ſchon Dir Deine Meinung und Anſicht bilden kannſt. Ich denke aber, Du verlangſt nicht von mir, zu Hauſe zu bleiben und Dich zu unterhalten.

Nein, gewiß nicht. Doch, Couſine Marcia, jetzt iſt die Komödie zwiſchen uns wohl zu Ende; ich gehe hinauf.

Damit flog iich davon und zwar nicht, um mich, wie in früheren Jahren, in Thränen zu ergießen, ſondern um mit hochrothen Wangen darüber nachzuſinnen, wann endlich wohl die Zeit kommen würde, in der die Couſine und, ich friedlich

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