Jahrgang 
1 (1879)
Seite
323
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Concordia. 323

Mit Bewunderung blickte die Baronin auf ihre Tochter. Es iſt erſtaunlich, ſagte ſie,welch' ein merkwürdiges Talent, trotz ihrer Jugend, ſie ſchon bekundet, ſich in jeder Lage des Lebens zurechtzufinden. Einfach ſie nimmt Rhabarber, dann iſt es wieder gut. Wohl denn! Fränzchen, trage die eine Torte auf das Zimmer der Baroneſſe.

Fränzchen, welche Freda mit keineswegs wohlgeſinnten Blicken betrachtet, ging.

Halt! Da muß ich dabei ſein, ſonſt leckt ſie daran! ſchrie der kleine Unhold gellend und ſtürzte ihr nach.Jetzt gehe ich auch zum Papa; Du kannſt Dich darauf verlaſſen, Mama!

Nachdem unter Freda's Eskorte die Ueberführung des Kuchens in ihr Zimmer ſtattgefunden, huſchte das wohlerzogene Kind über den Korridor in die Gemächer, welche der Gatte der Baronin, Legationsrath von Seidenau, bewohnte.

Wild und ungeſtüm wurden die Thüren geöffnet, die Portièren auseinandergeriſſen, ſodaß dort am Fenſter der einſame Mann, deſſen Zlick ſelbſtverloren vor ſich hinſtarrte, erſchreckt zuſammenfuhr.

Warum ſitzeſt Du im Finſtern, nur beim Kaminfeuer, Papa? Weshalb haſt Du kein Licht? Soll ich Wegener klingeln, daß er welches bringt?

Laß es, mein Kind. Ich denke nur nach; zu dieſer Ar⸗ beit iſt es hell genug. Du willſt wohl eine Geſchichte von mir hören?

Nein, Papa. Ich ſoll Dir ſagen, daß heut' Abend viel Beſuch kommt.

Der Baron ſah ſeine Tochter zerſtreut an. Dann ſeufzte er:Schon wieder? Da werde ich freilich nach Licht klingeln und meine Toilette wechſeln müſſen.

Ein Diener brachte Kerzen.

Von ihrem Glanze beſchienen, zeigte der Baron ein blaſſes, ſchönes Antlitz, dem ein Hauch von Schwermuth noch beſonderes Intereſſe verlieh.

War's Blaſirtheit, Ermattung, was in dem müden Zuge um den feingeſchnittenen Mund ſeinen Ausdruck fand? Sprach eine Klage aus den hellen, halb von den Lidern be⸗ ſchatteten Augen, die ſtumme Klage etwa: Ich bin ein ein⸗ ſamer Mann? Wohl iſt's ein ſtolzer Name, den ich im Wappenſchilde führe, wohl nenne ich mein, was das Leben an äußeren Gütern zu bieten hat, dennoch ich bin ein ein⸗ ſamer Mann?

Er ſtrich ſanft über das Haar, das dunkle, glänzende Haar der Kleinen.Armes Kind, ſagte er,ſie haben Dich wieder einmal gründlich verputzt. Vor Bändern und Schlei⸗ fen ſieht man Dich ja kaum. Wirſt Du mit Fräulein Bunzel nicht auf Deinem Zimmer bleiben?

Bewahre, Papa, was denkſt Du? Ich bin natürlich mit in der Geſellſchaft. Und verputzt bin ich gar nicht. Alle ſagen, ich ſehe wunderhübſch aus.

Du wirſt nicht in die Salons kommen, hörſt Du, Freda? Ich wünſche es nicht. Kinder gehören nicht dahin.

O, Du böſer Papa Du, ſchrie Freda, ſchon wieder mit einem Anlauf zum Weinen,Du biſt recht garſtig. Ich will nicht mit der langweiligen Bonne allein bleiben; ich will mit Kuchen eſſen und Wein trinken.

Man wird Dir Beides bringen, aber Du bleibſt auf Dei⸗ nem Zimmer.

Nein, nein, ich will aber nicht! ſchrie Freda und ſtimmte ein wahres Zetergeheul an, während auf der Mitte ihrer kleinen Stirn eine dicke Ader ſchwoll.Ich will alle die ſchönen Damen und Herren ſehen.

Bis hierher war der Baron ruhig geblieben, nun abet kam auch ihm der Zorn.

Er trat auf Freda zu und rüttelte ſie heftig an der Schulter.

Du ſollſt gehorchen! rief er mit machtvoller Stimme.

(Fortſetzung folgt.)

Betronel.

Roman aus dem Engliſchen von Florence Marryat. (Fortſetzung.)

4. Kapitel. Betronel's Tagebuch.

Die erſten Tage meiner fortſchreitenden Wiedergeneſung verſtrichen höchſt angenehm, meiſtens lag ich ohne Beſchäftig⸗ ung auf dem Sopha im Wohnzimmer und las ab und zu etwas von Thackeray oder Dickens. Die Couſine Marcia war natürlich ſehr erboſt darüber, daß mir dieſe Bücher zur Dispoſition geſtellt waren, doch der Vetter hatte ſie mir ſelbſt während der Krankheit gebracht, darum ließ ich ſie mir nicht nehmen. So pflegte ich denn dort in dem kühlen, etwas ver⸗ dunkelten Zimmer, in deſſen Fenſtern hübſche Blumen ſtanden, zu liegen und mich über diePrüfungen Philipp's und über dieLiebesabenteuer David Copperfield's zu amüſiren, und immer und immer wieder erfüllte mich die Gewißheit, daß der Vetter nicht heiraten würde und daß ich zeitlebens ſeine Freundin und Gefährtin bleiben ſollte, mit wahrer Wonne.

Der bloße Gedanke hieran machte mir ſo viel Freude, daß

ich Gott von Herzen dankbar war, ich war vollkommen be⸗ friedigt und ruhig; der Couſine Marcia wünſchte ich, daß Herr Bertram oder ſonſt Jemand ſie heiraten und aus Rock⸗ bury entführen möchte; dann hätte ich ihren Bruder allein für mich. Doch ich war noch zu ſchwach, um mich mit Vielerlei zugleich beſchäftigen zu können, und jener Haupt⸗ gedanke reichte ſchon hin, mir Ruhe zu geben; er war ja von ſo hoher Wichtigkeit für mich, daß mir alles Uebrige gleich⸗ giltig erſchien und ich gar keine Notiz davon nahm, wenn die Couſine über mein Leben und Treiben im Hauſe ungeduldig wurde, auch nicht davon, daß die Beſuche des Vetters ſeltener und kürzer oder förmlicher wurden.

Ich war zufrieden, wenn ich ruhig liegen und mich des Glückes erfreuen konnte, daß fortan Niemand zwiſchen uns treten würde, daß wir in demſelben Hauſe leben, daß ich ſein liebes, freundliches Geſicht täglich wenigſtens einmal ſehen ſollte, und daß meine Hände ihm Hilfe leiſten durften, wenn

er vielleicht einmal krank werden würde. 41