Jahrgang 
1 (1879)
Seite
317
Einzelbild herunterladen

n Er⸗ ſetzte hmlic, unden, ver⸗

kurze tiefen nachher

zien ſie

ſo wer⸗

ng des

rauchte n Ein⸗ ne Auf⸗ ele Ko⸗

Schau⸗

ie Zei⸗ unitte⸗

O⏑ęñ⸗⏑⸗⁊·ÿꝭ·̈⏑̈⏑ᷣᷣᷣoCereʒꝛꝛʒ

Concordia. 317

die Federn der Kritiker und dabei bedeutend an Annehnlich⸗ keit verlierend.

Die Gegenden von Bloomsbury bieten faſt für jede Art von Domizil Raum, von den ſtattlichen Wohnhäuſern des Ruſſell⸗Square bis zu der beſcheidenen Wohnung der Hand⸗ werker und Waſchfrauen. Hudſpeth⸗Street iſt eine altmodiſche, enge Straße mit reſpektablen, großen Häuſern, die einſt von Aerzten, Advokaten, Beamten und wohlhabenden Handelsleuten bewohnt waren, aber nun von minder wohlgeſtellten Leuten, aber meiſt achtbarer Art, beſetzt ſind.

Die Straße liegt zwiſchen dem älteſten Platze dieſes weiten Diſtrikts und einer geſchäftsvollen Hauptſtraße, wo ſich be⸗ ſonders viele Obſthändler befinden; aber Hudſpeth⸗Street zeigt zu allen Zeiten eine ruhige Düſterheit, als ob ſie von der Menge vergeſſen worden wäre und der allgemeine Fort⸗ ſchritt ſie hinter ſich gelaſſen hätte. Andere Straßen haben ihre alten Mauern mit einem neuen Mörtelanwurf maskirt, wie alte Frauen mitunter ihre Runzeln durch kosmetiſche Mittel zu verbergen ſuchen. Aber hier ſind die ſchmuzigen alten Ziegel⸗Fagaden ungeſtört geblieben, die ſo viele engliſche Städte verunſtalten.

Maurice Cliſſold erſchien an dieſem Sommerabende Sonntags, als das Geläute der vielen Kirchenglocken die Luft erfüllte Hudſpeth⸗Street wie eine ſoziale Studie, ein Platz, würdig einer halben Stunde Nachdenkens für einen philo⸗ ſophiſchen Flaneur, ein Ort, dem es an intereſſanten Erinner⸗ ungen nicht fehlen konnte.

Nummer 27 gewährte einen reineren und mehr heiteren Anblick, als die unmittelbaren Nachbarhäuſer. Eine Meſſing⸗ platte an der Thür kündigte in eingelegter Metallarbeit an, daß Louis Charlevin, Artiſt, das Erdgeſchoß inne hatte. Eine andere Platte am Thürpfoſten trug den Namen der Miß Girdleſton, Muſiklehrerin; und auf einer dritten war zu leſen: Mrs. Mapes, möblirte Wohnungen, und eine kleine Hand zeigte auf einen Glockenzug, den Maurice in Bewegung ſetzte.

Die Thür wurde von einer jungen Perſon geöffnet, die augenſcheinlich Mrs. Mapes' Tochter war. Ihr Haar war ſorgfältig friſirt, ihr Kleid zu nett, ihre Manier zu leicht für ein Dienſtmädchen unter Mrs. Mapes' Herrſchaft. Sie glaubte, daß Mr. Elgood zu Hauſe wäre, und bat den Beſucher, ſich in das zweite Stockwerk zu bemühen, ohne ſich die Mühe zu nehmen, vorauszugehen und ihn anzukündigen.

Maurice gehorchte und eilte mit leichten Schritten die alte ſchmuzige Treppe empor. Sonſt war das Haus rein und nett genug, aber er dachte, es ſei wohl ſeit zwanzig Jah⸗ ren innen nicht gemalt worden. Er pochte leicht an die Thür und irgend Jemand forderte ihn auf, einzutreten. Mr. El⸗ good lag auf einem Sopha, übermäßig rauchend, mit einem Tiſchchen an ſeiner Seite, auf dem ein Glas kalter Punſch ſtand. Die Sonntags⸗Journale lagen rings um ihn. Er hatte die Berichte über Juſtina's Erfolg geleſen und genoß die erſten Früchte des Wohlſtandes.

Juſtina ſaß an einem offenen Fenſter, in einem lavendel⸗ farbigen Kleide, das ihrer ſchlanken, anmuthigen Geſtalt ſehr wohl ließ. Ihr Kopf lehnte an dem rückwärtigen Kiſſen eines hohen Stuhles und ein offenes Buch lag auf ihrem Schoße. Es fiel, als ſie ſich erhob, um den Beſucher zu einpfangen,

1

und Maurice bückte ſich und hob es auf. Es war ſein Gedicht.

Und es freute ihn mehr, es in ihrem Beſitze zu ſehen, als ihm die Lobpreiſungen jener zwei faſhionablen und gebildeten Damen, Mrs. Penwyn und ihrer Schyeſter, Vergnügen ge⸗ währt hatten. Es berührte ihn noch tiefer, zu ſehen, daß Juſtina's Wangen naß waren von Thränen.

Da hat ſie geweint über irgend eine thörichte Poeſie, an⸗ ſtatt der Vorſehung zu danken für eine Kritik wie dieſe, ſagte Mr. Elgood, indem er mit ſeiner Hand auf dieSunday Times ſchlug.

Zweiter Theil.

1. Kapitel. Mie war je eine Stunde heiterer.

Der Auguſt kam ein wirklicher Auguſt mit wolken⸗ loſem blauem Himmel und verſengenden Mittagszeiten, und dann und wann mit einem kurzen Sturm, die Atmoſphäre zu reinigen. Die gelben Kornfelder wurden warm in der heißen Strahlen der Sonne und kaum zu einem Wellchen be⸗ wegt durch die leichte Sommerluft. Die breite Atlantis ſchien ruhig, wie das große Jaspis⸗Meer, das ſich die Menſchen ausmalen in ihren Träumen vom Hiremel. Die Tannen ſtanden gerade aufrecht, dunkel, groß und feierlich gegen den Hintergrund des azurnen Firmamentes. Die weite Waſſer⸗ wüſte des Ozeans brachte dem verſengten Wanderer keine Kühlung, denn in all' ihrer ungeheuren Ausdehnung glühte ſie wie geſchmolzenes Gold unter dem Strahlenglanze des Sonnengottes. Der Weg über das rothe Moor ſchimmerte weißlich zwiſchen den Einfaſſungen und Anpflanzungen, und die Blumengärten zu Penwyn erſchienen in der Entfernung wie Flecken von lebhafter Farbe. Der Geburtstag des Erben war gekommen und vorübergegangen, mit vielen Freudenfeuern, Raketen, vieler Luſtbarkeit der Pächter und Landleute, mit Eſſen und Trinken, Spenden für die Armen, mit abgehaltenen Reden und allgemeinem Jubel. Und im Alter von zwölf Mo⸗ naten war der Erbe des alten Churchill Penwyn, wenn auch nicht das Muſterkind, wofür ſeine Eltern und ſeine Tante ihn hielten, doch würdig, daß man ſich einigermaßen über ihn freute. Er war ein kräftiger, breitſchulteriger kleiner Junge, mit kaſtanienbraunen Locken, gerade abgeſchnitten über ſeine breite, ſchöne Stirn, mit großen blauen Augen, dunkel und ſüß und lieblich, eine liebenswürdige, herzige kleine Seele, welche die Liebe aller Geſchöpfe gewann von dem ernſten, gedankenvollen Vater, der ihn insgeheim vergötterte, bis zur Katze, die ſich in dem Schoße des Kindes zu einem Ball von weichem weißem Pelz zuſammenrollte.

Die allgemeinen Luſtbarkeiten der Pächter und Cottage⸗ Bewohner, die öffentliche Feierlichkeit, wie ſie an dem erſten Jahrestage des Geburtsfeſtes des Kindes ſtattfand, waren vorüber, mit Befriedigung für Alle auch für die irländiſchen Schnitter, welche mit einem Souper und einem unbegrenzten Whiskey⸗Punſch in einer der großen Scheuern regalirt worden waren und Mrs. Penwyn wendete ihre Aufmerkſamkeit feinerer Geſellſchaft zu. Lady Cheshunt war in Penwyn und hatte erklärt, daß die gemeine Herde ſie wirklich bezaubert habe.