kier. dem heln neige Ich und Ddazu feſt Wink ſung
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ſcheint nicht der meinige zu ſein.
„Du haſt dieſen Brief bei van der Staak abgegeben?“ fragte d'Argenſon.
Sie warf den Kopf in die Höhe.„Dieſen Brief? Es Wollen Sie ihn mir über⸗ geben, daß ich ſehe, ob er es iſt. Ich begreife auch gar nicht, wie man mich behandelt, wie ich nicht weiß, wer Sie ſind, wer dieſe Herren. Man hat mich auf unveranwortliche Weiſe gequält, mich wie eine Dirne behandelt, wie eine Verbrecherin, mich durchſucht. Aber noch giebt es in Frank⸗ reich Gerichte.“
„Du würdeſt beſſer thun, nicht dieſen Ton mir gegenüber anzuſchlagen. Ich bin der Generalpolizeilieutenant.“
„Dann iſt es gut,“ erwiderte Marguerite,„dann bin ich frei. O, Herr d'Argenſon, Sie werden mich aus den Händen meiner Feinde retten, meine Tugend ſchützen. Jetzt bin ich ruhig.“
„Was ſoll das? Ich begreife kein Wort.“
„Aber Sie werden es ſogleich. Herr Generalpolizeilieutenant, kennen Sie jenen Herrn?“
„Allerdings, es iſt der Herr de Villeneuve, mein höchſt liebenswürdiger Freund.“
„O, Sie würden ihn nicht liebenswürdig heißen, nicht Ihren Freund, kennten Sie ihn genau. Frei will ich reden, ihm es in das Angeſicht ſchleudern, daß er ein Schurke iſt, der mich verderben will. O, mein Gott.“ Sie bedeckte das Geſicht mit den Händen und ſchluchzte heftig.— Der erſte Polizeibeamte Frankreichs ſah betroffen auf den jungen Edel⸗ mann und ſagte dann zu Marguerite:
„Beruhigen Sie ſich. Wenn Sie ohne Schuld, werden wir Sie nicht weiter beläſtigen.“
„Und was wird mit dem Schuldigen, dem Nichtswürdigen geſchehen?“ fragte ſie unter Thränen.„Ja, ich will ihn ent⸗ larven, ihn, der mir überall nachſtellt, der, empört über meine Zurückweiſung, mir Rache geſchworen. O, pfuil pfuil ſich an einem armen, ſchwachen Mädchen rächen. Was kann ich dafür, daß ich nicht häßlich? Ach, daß ich geſtorben wäre, ehe ich dieſen Tag erlebt hätte!“ Wieder erſtickten Thränen ihre Stimme.
Verlegen ſchaute d'Argenſon vor ſich hin und rieb ſich die Stirn. Die Gefangene ſpielte ihre Rolle ſo meiſterhaft, daß er getäuſcht war. Auch die Parlamentsräthe ſteckten die Köpfe zuſammen und ſchielten den jungen Edelmann von der Seite, nicht mit den günſtigſten Blicken, an. 1
Dieſer war aufgeſprungen.„Lügnerin! verdammte Lüg⸗ nerin!“ ſchrie er wüthend.
„O, ſchützen Sie mich,“ rief ſie wie erſchreckt, auf d'Argenſon losſtürzend und ihn mit ihren Armen umſchlingend.„Schützen Sie mich! er will mich morden.“
„Haben Sie keine Furcht, Mademoiſelle,“ ſagte der General⸗
polizeilieutenant,„ich ſtehe dafür, daß Sie von dem Herrn
de Villeneuve nicht beläſtigt werden. Mein Herr, ich ver⸗ weiſe Sie zur Ruhe.“
„Hat es doch faſt den Anſchein, als glaubten Sie den Lügen dieſer Landſtreicherin?“ verſetzte Villeneuve.
„Sind die Worte dieſer jungen Dame ſchon widerlegt worden?“ entgegnete d'Argenſon.
„So habe ich hier nichts weiter zu thun und kann mich entfernen,“ bemerkte in bitterem Tone der junge Edelmann
und machte einige Schritte dem Ausgange zu.
Concordia. 1 309
In dieſem Augenblicke ſchoß ein eigenthümlicher Gedanke durch d'Argenſon's Hirn.„Wenn Villeneuve der Schreiber dieſes Briefes geweſen, ſo mußte er ein Mitglied jener Bande ſein, welche der polizeilichen Gewalt ſo lange geſpottet hatte.“ Kaum war dieſer Gedanke aufgetaucht, ſo erhob er ſich raſch. „Beiben Sie, im Namen des Königs!“ donnerte er,„Sie ſind mein Gefangener.“
Villeneuve griff nach ſeinem Degen.„Noch nicht.“ d'Argenſon zog die Glocke. Vier Diener der Polizei traten ein und wurden angewieſen, ſich des jungen Mannes zu be⸗ mächtigen.
Das Laſter hätte faſt den Sieg davongetragen, und un⸗ willkürlich überflog die Züge Marguerite's ein triumphirend höhniſcher Zug. Das rettete Villaneuve, Lefévre hatte das Lächeln bemerkt.
„Haltet ein,“ rief er.„Herr d'Argenſon, eine Komödiantin hat Sie getäuſcht, eine Verbrecherin hält Sie in ihren Armen.“
„Was? wie?“ Und der Generalpolizeilieutenant machte ſich aus den verführeriſchen Umſchlingungen frei.
„Ich eine Verbrecherin? O Gott!“
„Ich ſtehe dafür,“ verſetzte Lefévre.„Laſſen Sie ſie unter⸗ ſuchen, ob ſich keine Beweiſe finden. Sie hatte auch mich faſt geblendet.“
D'Argenſon gab ein Zeichen— die Poliziſten ließen von Villeneuve ab und warfen ſich auf das Mädchen. Aber Mar⸗ guerite war keine zu verachtende Gegnerin. Da ſie ſah, daß ihre Bitten und Thränen nichts mehr erreichen würden, ver⸗ wandelte ſich die Taube zur wilden Katze, zur Tigerin.
Einen Moment bildete die Gruppe einen wüſten Knäuel, aus dem hin und wieder ein wilder Fluch eines Polizeidieners ſchallte, den das Weib in die Hand gebiſſen hatte; dann löſte er ſich, Marguerite war beſiegt und gebunden. Der eine ihrer Angreifer blutete im Geſicht, ein anderer an der Hand, die Schärfe ihrer ſchönen Zähne hatte ſich bewährt.
„Ruthen der Beſtie!“ befahl d'Argenſon.
Sie waren zur Hand, im Nu war das Mädchen entkleidet und die großen Bündel Birkenruthen fielen, von kräftigen Fäuſten geführt, auf den ſchönen, reizenden Körper. Stöhnen, Gekreiſch! Das Blut floß. Der Generalpolizeilieutenant winkte, die Excekution zu unterbrechen.
„Willſt Du geſtehen, wo Du den Brief erhalten? wer Deine Gefährten ſind?“.
„Gnade! Gnade! ich weiß von keinem Brief,“ ſchrie das leidende Mädchen.
„Weiter!“ Und wieder fielen die Schläge. Marguerite's Körper zuckte krampfhaft, die Parlamentsräthe und Villeneuve wandten ſich mit Schauder ab. D'Argenſon bemerkte es.
„Willſt Du bekennen?“
„Ja, ja,“ ſchrie die Gemarterte,„Alles, Alles!“
Die Gemißhandelte verrieth die Ihren, bis auf Lami und Cartouche.
„Nun, Herr Parlamentsrath la Gule, iſt meine Methode nicht praktiſch?“ fragte d'Argenſon.
Statt des Parlamentsrathes erwiderte Villeneuve:
„Sie hat mir den Genuß am Polizeiweſen verleidet. Ich wollte, ich hätte nie den Brief entdeckt— das arme, ſchöne Mädchen.“
„Sie werden anders über das Weib urtheilen, wenn Ihr Blut ſich abgekühlt hat,“ verſetzte der Generalpolizeilieutenant.


