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La Gule,„daß Ihrer Allwiſſenheit, Ihrem Eifer es nicht gelingen ſollte, dieſen Verheerungen ein Ziel zu ſetzen? Galgen und Rad find nie ſo thätig geweſen und die Verbrechen nehmen zu, ueoe Köpfe der Hydra.“
Concordia.
dem Geſpötte und Gelächter der Welt auszuſetzen,— doch ſie ſeinem Freunde zu übergeben, war oder ſchien ihm noch härter wie jedem Anderen. Dazu kam noch die Ausſicht, daß ſie, wenn ſie auch nicht ewig in ſeinem Hauſe bleiben könnte, doch noch einige Zeit länger darin bleiben würde, wenn es Bertram nicht glücken ſollte, ſie zu erobern.
„Alſo ſie lachte, Bertram? Das war jedenfalls unartig von ihr. Doch Du wirſt mir nun darin Recht geben, was ich Dir früher ſchon ſagte, daß ſie noch ein Kind iſt. Sie iſt es wirklich noch und war wahrſcheinlich ganz unvorbe⸗ reitet auf Deine Erklärung; ich glaube, es war unüberlegt von Dir gehandelt, daß Du ſo früh damit hervortrateſt. Ich dachte gar nicht, daß Du ſchon bei Deinem jetzigen Beſuche die Abſicht hätteſt.“
„Beſſer wäre es allerdings, ich hätte es nicht gethan!“ rief Bertram ärgerlich aus.„Ich bin aber überzeugt, Miß Fleming hat mich doch verſtanden.“
„Glaubſt Du es wirklich?“
„Ja, ich kann es mir nicht anders denken. Aber ſie be⸗ handelte die ganze Angelegenheit mit einer ſolchen Frivolität, daß ich ſie baldmöglichſt fallen ließ.— Es iſt wirklich zum Verzweifeln, wenn man ein Mädchen gar nicht überzeugen kann, Ford!“
„Ja, das glaube ich wohl. zu thun?“
„Das iſt ſchwer zu ſagen,“ erwiderte Bertram, indem er ſich ſeinen Bart ſtrich,„das Beſte wäre gewiß, wenn Du noch einmal mit ihr ſprächeſt.“
„Ich? Ich ſollte ihr ihre Unart vorhalten?“
„Nun ja! Wenn nicht gerade das, ſo könnteſt Du ihr doch noch einmal Alles vorſtellen, ſie auch gelegentlich auf die Vor⸗
Indeß, was denkſt Du nun
theile hinweiſen— doch Du verſtehſt mich ja— und ihr ſchließlich noch ſagen, wie ernſthaft das Ganze für mich iſt, daß mein ganzes Lebensglück von ihrer Antwort abhängt; vielleicht wird ſie dann anderen Sinnes.— Ich halte wirklich viel von ihr, Ford; und wie viel ſie auf Deinen Rath giebt, weißt Du ſelbſt.“
„Auf meinen Rath? Ich fürchte, Du überſchätzeſt meinen Einfluß auf das Kind, doch will ich es gern übernehmen, ihr Alles, was Du mir geſagt, vorzuſtellen. Heute aber noch nicht, ich denke, es findet ſich wohl eine gute Gelegenheit dazu; bis dahin würde ich, wenn ich an Deiner Stelle wäre, die Sache ganz auf ſich beruhen laſſen.“
„Allzu lange wirſt Du mich aber doch nicht warten laſſen?“
„Nicht länger als nöthig iſt; Du weißt ſelbſt, daß ich in dieſer Zeit überhäuft von Geſchäften und nur ſelten zu Hauſe bin, und wenig Zeit für andere Dinge habe. Dabei iſt Dein Auftrag zu delikater Art, um ihn raſch und ohne vorheriges Nachdenken ausführen zu können.“.
„Alſo Du vergißt ihn nicht, und nicht wahr, Ford— auf Deine Fürſprache darf ich rechnen?“
Doktor Ford verſagte die Zunge ihren Dienſt, und es dauerte längere Zeit, bis er endlich ſagte:
„Ja gewiß, Bertram! Pflegling bei der Wahl des Gatten nur dem Zuge des Her⸗ zens folgt; gelingt es Dir, dieſes zu gewinnen, ſo ſei davon überzeugt, daß ich Petronel Niemandem lieber gebe, als ge⸗ rade Dir.“
Hiermit mußte Bertram ſich zufrieden erklären und reiſte wieder nach Oxley ab.
3 Das heißt, ich wünſche, daß mein
(Fortſetzung folgt.)
Der Räuberkönig von Baris.
Roman von Wilh. Grothe.
(Fortſetzung.)
6. Kapitel.. Der Generalpolizeilieutenant d'Argenſon.
In ſeinem Zimmer ging der Generalpolizeilieutenant d'Argenſon mit weiten Schritten auf und ab. Die Stirn dieſes gewaltigen Mannes war mit Wetterwolken bedeckt, ſein Humor dahin.
Zwei Herren befanden ſich noch in dem weiten Arbeits⸗ gemache des Allgefürchteten, beide mit ihm im gleichen Alter, beide wie er in ſauberer, eleganter Toilette, wie es ſich für die prächtige Räumlichkeit paßte, in der ſie ſich befanden. Wer das Kleeblatt geſehen, würde in ihm ſicher nicht die geglaubt haben, aus denen es in der That beſtand. Die Beſucher des Herrn Generalpolizeilieutenants waren die hoch⸗ geachteten Parlamentsräthe Lefévre und La Gule, zwei Männer, in ihren Bewegungen zierlich abgerundet, von höfiſcher Ge⸗ wandtheit, wie in ihrer glänzenden Tracht den Hof des franzöſiſchen Monarchen darſtellend.
„Aber iſt es möglich, Herr Generalpolizeilieutenant,“ ſagte
„Werther Freund,“ erwiderte d'Argenſon,„die Zahl der Verbrechen iſt es nicht, die mich erregt, die mir das Blut nach dem Kopfe treibt, die mich nervös und wie ein Fräulein von St. Cyr zimperlich macht. Möchten es doppelt, dreifach ſo viel ſein, das würde mich wenig kümmern; aber es ſcheint ſich eine Bande in Paris, unter meinen Augen, gebildet zu haben, die allen meinen Spionen zu entdecken unmöglich iſt und die ſchrecklichſte Frechheit in ihren Unternehmungen an den Tag legt. Vergebens habe ich meinen Kopf angeſtrengt, um die Fäden in die Hand zu bekommen, vergebens arbeiten die Werkzeuge der Tortur; ſeit Jahresfriſt ſtehe ich wie vor einem verſchloſſenen Schrein. Ich bin in Verzweiflung. Geſtern habe ich Seine Majeſtät erſucht, mich meines Poſtens zu entbinden, den ich nicht mehr im Stande wäre zu führen. Majeſtät wie Frau Marquiſe von Maintenon waren ſehr gnädig gegen mich, lobten meinen Eifer, ließen mich aber in einem Amt, das mich zur Verzweiflung, zum Wahnwitz treibt. Wüßten wir, wo dieſe Schläge, die planmäßig ſind, her⸗ kommen, die Geſellſchaft ſollte ſich in Mäuſelöchern verſtecken können, ich würde ſie auszufinden wiſſen, und wir würden bald im alten Gleiſe ſein. Was helfen mir ausgeſtellte Be⸗ lohnungen für Entdeckung dieſes und jenes Einbruchs, dieſer
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