Jahrgang 
1 (1879)
Seite
305
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über für unüberwindlich. Ihm war es gleichgiltig, ob ihre Augen groß oder klein, dunkel oder hell waren, ob ihre Züge ſchön oder häßlich, ob ihre Figur voll oder mager, ob ihre Haare und Zähne Natur oder aus den Magazinen von Truefeld oder Gabriel bezogen waren. Nur als Arzt bewegte er ſich zwiſchen ihnen und nicht als Mann; er heilte ihre Melancholie und unterdrückte ihre Hyſterie, achtete dabei nicht darauf, ob ſeine Patientinnen alt oder jung, ob ſie ſchön oder häßlich waren. Ihm galt in ſeiner Praxis eine dem Trunke ergebene Irländerin im höchſten Alter ebenſo viel als die Tochter eines Grafen in ihrem ſiebenzehnten Jahre. Bei alle⸗ dem war Ulih Ford doch kein Menſchenfeind geworden und hatte nichts von dem Gefühl des göttlichen Mitleidens, das in ihm wohnte, verloren; um ſich hiervon zu überzeugen, brauchte man nur einen Zlick in ſein tägliches Leben zu werfen. Er war wohlwollend und rückſichtsvoll gegen Jedermann, ge⸗ duldig ertrug er die Schwächen und Eigenheiten Anderer, da er ſich ſelbſt erhaben darüber wußte; ſeine Nebenmenſchen beurtheilte er nie ſo hart und ſcharf als ſich ſelbſt. Unduldſam war er nur gegen die Liebe, und zwar betrachtete er die ſeinige wie ein geſtorbenes Ungeheuer, deſſen Krallen er glücklich ent⸗ ronnen war und das ihn nie wieder gefangen nehmen ſollte; er wußte aber, daß es noch Genoſſen zurückgelaſſen, die ebenſo wild und grauſam waren und ſtets in Bereitſchaft ſtanden, den zu vernichten, der ſich in ihr Gehege wagte; deshalb hatte er es ſich zum Vorſatz gemacht, ſtets davor auf der Hut zu ſein.

Seiner Empfindungen bei Ciſſy Fleming's Tode haben wir gedacht. Seit Jahren hatte er ſie mit Geld unterſtützt, doch ſo heimlich, daß ſie nicht anders glaubte, als daß es von ihrem Vater oder von ihren Brüdern käme. Er ſelber bildete ſich ein, er unterſtütze ſeine Couſine nur deshalb, weil es ſchmerz⸗ lich ſei, ſie in Noth und Sorgen zu wiſſen. Als er aber an ihrem Sterbelager ſtand, ſah er ein, daß er ſich doch über ſich ſelbſt getäuſcht, daß ſeine Liebe noch immer nicht erſtorben war. Er mochte wollen oder nicht, er mußte einräumen, daß der Mann machtlos iſt gegen den Gott der Liebe, ſo ſehr er auch dagegen kämpft und anſtrebt. Tief hatte ihn der Anblick des Todeskampfes ſeiner armen Couſine ergriffen, es war ihm, als ob in ſeinem Herzen die Aſche der längſt erkaltet geglaubten Leidenſchaft gewaltſam wieder aufgerührt wurde und die Flammen wieder aufloderten. Als ſie ſich dann aber in Frieden zur Ruhe gelegt, lagerte ſich auch bei ihm die Aſche und jene Flamme und erſtarb allmälig ganz. Die Reize der armen Ciſſy hatten von jeher mehr in ihrem Aeußeren, als in ihrem Geiſte gelegen; als daher ihre Hülle zu Grabe gebracht war, blieb ſeiner Phantaſie nichts, was ihn zur Ver⸗ zweiflung hätte treiben können. So kam Ulih allmälig zu dem Schluß, daß nun wirklich Alles überſtanden ſei und daß fortan ſein Herz durch nichts mehr in dieſem Leben verwundet und gequält werden könnte. Wie alle Welt bei ärztlichen Konſultationen ſeinen Verſtand für den ſchärfſten und ſeine Hand für die ſicherſte hielt, ſo glaubte auch er, daß ſein Ur⸗ theil geſund und unbefangen, und daß er ganz Herr ſeiner Gefühle ſei. Ein um ſo härterer Schlag mußte es daher für ihn ſein, als er bemerkte, daß er trotz ſeiner achtund⸗ dreißig Sommer, trotz langer Jahre der ſtrengſten Selbſtzucht, ganz unvorhergeſehener Weiſe in ſeinem Herzen die Liebe zu einem ſechszehnjährigen Mädchen hatte aufkommen laſſen, und

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noch einmal alle ſeine Hoffnungen auf ein Weib geſetzt, und zwar dieſes Mal nicht auf ein Weib, ſondern auf ein Kind. Tief beugte es ihn nieder; und hätte er nicht einen ſo ſelten kräftigen, elaſtiſchen Geiſt gehabt, er würde es nicht ſo leicht getragen haben. Nicht allein die Erkenntniß ſeiner eigenen Schwachheit war es, die ſein Herz beunruhigte; eine andere Beſorgniß kam noch hinzu und dieſe begründete ſich auf den flehenden Ton, in dem Petronel jene Frage an ihn richtete, auf den ſchmachtenden Blick ihrer ſanften Augen, auf den Druck ihrer ſieberhaften Hand und auf die heißen Thränen, die auf ſeine Hände fielen.

Lebhaft erinnerte er ſich nochmals der verſchiedenen Symp⸗ tome, die er bei ihr geſehen, der ſchlafloſen Nächte, der Appetits⸗ loſigkeit und der Verſtimmung; wie ein Blitz, der ihn blendete, kam ihm der Gedanke, daß Alles, was er bisher nur mit William Bertram in Beziehung gebracht hatte, ihm gelten könnte. Allmächtiger Gott, war das möglich? Sie war ſo jung, ſo unſchuldig und noch ſo kindlich! Er wagte gar nicht, daran zu denken.

Es iſt faſt unmöglich, mit Worten ſeine Empfindungen zu ſchildern, als er unter dem Druck der peinlichſten Kämpfe mit ſich ſelber vor ihrem Fenſter ſtand und vergebens zu ſprechen verſuchte; ſeine Stimme verſagte ihren Dienſt, er kämpfte gegen ſeine Leidenſchaft, deren Gewalt durch das lange Zurückhalten nur noch verſtärkt war und die immer mehr die Oberherrſchaft über ihn gewann; wieder rief er es ſich in's Gedächtniß zurück, daß der Gegenſtand ſeiner Liebe nur ſein Adoptivtöchterchen ſei das Mädchen, das er ſtets dazu ermuthigt, ihn als Vater anzuſehen das Kind ſeiner verſtorbenen Geliebten!

Dieſes Letztere allein ſchon ſchien ihm zwiſchen ihnen Bei⸗ den eine Schranke aufzurichten, gegen die zu ſtreiten, Gottes⸗ läſterung war. Konnte er, nachdem er die Mutter geliebt, die Tochter auch lieben? O nein, es war nicht möglich, es war widernatürlich! Der Gedanke hieran machte Ulih ſchuld⸗ bewußt und unglücklich. Brennend vor Scham und krank vor Erſtaunen ſtand er da und zitterte beim Hinblick auf das Unglück, das er unabwendbar vor ſich ſah; feſt entſchloſſen, allein nur Dulder zu ſein, wandte er ſich wieder ab vom Fenſter, trat ſorglos, ſogar fröhlich an Petronel's Bett und ſuchte nach Worten, um ſie zu beruhigen und über ſeine Ge⸗ fühle zu täuſchen.

Dieſe wollte er zu ihrem Beſten ganz unterdrücken; wie es ihm dabei erging, will ich verſuchen, nach beſten Kräften zu ſchildern. Sobald er Petronel einigermaßen beruhigt, ſchied er von ihr, und es war ihm zu Muthe, als ob nun jedes Glück ihm geraubt ſei; fern lag ihm der Gedanke, daß er je im Leben von der Vermuthung, die ihr Benehmen in ihm angeregt, Vortheil ziehen könnte. Hatte es virklich Grund, ſo war es nichts als eine krankhafte, kindiſche Phan⸗ taſie, die wohl daraus entſtanden war, daß er nur allein mit ihr verkehrte, und die ſicher leicht zu verwiſchen war, wenn er nur das Rechte traf. Eigendünkel war etwas, das er gar nicht kannte; was er in ſeinem Berufe leiſtete und welches Vertrauen man in ſeine Talente und Fachkenntniß ſetzte, das wußte er ſehr wohl, doch völlig unbewußt war er ſich ſeiner individuellen Verdienſte, ſowie des Eindruckes, welchen ſeine perſönliche Erſcheinung machte. Selbſt in jüngeren Jahren hatte er die Zerſtörung ſeiner Hoffnungen mehr ſener eigenen