Jahrgang 
1 (1879)
Seite
299
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Den erſten Gemahl der Frau Römer! antwortete Well⸗ mann ruhig.

Der Doktor fuhr einen Schritt zurück. Seine Ueberraſch⸗ ung ſchien nachzulaſſen und Nachdenken an deſſen Stelle zu treten. Doch lange ruhig zu bleiben, war unter den ob⸗ waltenden Umſtänden nicht ſeine Sache.

Jetzt erleuchtet ein ganzer elektriſcher Apparat mein Gehirn! rief er;darum alſo geſtern die verfänglichen Fragen. Doch ſo geht es, wenn die Leute kein Vertrauen zu ihrem Arzte haben. Aber ich bin der Mann, welcher das Lügen⸗ gewebe mit einem Rucke zerreißen kann. Ich ich! habe dem Herrn Weidenholz den Paß in die Ewigkeit ausgeſtellt und viſirt. Wo aber der Mord fehlt, giebt's auch keinen Mörder. Und jetzt, junger Widerſacher, ſollen Sie erfahren, was Doktor Rohrbeck vermag!

Der Doktor griff nach ſeinem Hute.

Wellmann war aufmerkſam geworden.

Alſo Sie begann er.

Ja, ich ich ich! ſchrie Rohrbeck ihn an;doch jetzt nichts weiter. Jede Sekunde iſt koſtbar. Wir ſprechen ſchon ſpäter darüber und machen dann auch hoffentlich unſeren dauern⸗ den Frieden. Wetter, wie will ich dazwiſchenfahren und um mich beißen; eine ſolche Motion!

Zur Thüre hinaus war er. Wellmann blieb noch einige Zeit ſinnend auf derſelben Stelle. Der Wagen des Arztes, den er vorhin gar nicht bemerkt hatte, rollte davon.

Sonderbar! murmelte er;aber wenn das noch hinzu⸗ kommt, dürfte Römer's Entlaſſung nicht lange auf ſich warten laſſen. Die Angaben zweier faſt überführter Verbrecher können unmöglich genügen, ihn noch länger feſtzuhalten!

Er begab ſich in das Komptoir zurück, um ſeine Arbeit wieder aufzunehmen.

Zwei Stunden mochten ungefähr vergangen ſein, als die Equipage des Doktors Rohrbeck wieder anlangte und vor dem Hauſe hielt. Aus derſelben ſtiegen Rohrbeck und Römer, um durch das Mittelportal in das Gebäude zu eilen.

Wellmann war an das Fenſter getreten und hatte jenes wahrgenommen. Er warf ſofort die Feder hin, verließ das Komptoir, lief an dem Hauſe entlang und eilte den beiden Herren nach, bis zum Wohnzimmer der Familie, in welches er ebenfalls ohne Weiteres eintrat. Wellmann langte gerade an, als der Doktor mit großer Oſtentation ſeinen Einführungsſermon vom Stapel zu laſſen im Begriff ſtand.

Da iſt er! lautete der Anfang deſſelben,und ich habe ihn herausgehauen; ſo rächt ſich der beleidigte

Die Damen wiſſen noch von nichts! rief Wellmann mit ſtarker Stimme,bedenken Sie das, meine Herren!

Natürlich waren die Damen ſchon durch den unerwarteten Eintritt der drei Herren überraſcht, und wurden es noch mehr

durch die Worte des Doktors und Wellmann's.

Ich danke Ihnen, lieber Wellmann! ſagte Römer, dem jungen Manne die Hand reichend.

Was? ſchrie der Doktor dieſen an,wollen Sie mir ſchon wieder in den Wurf kommen? Hier finden keine Heim⸗ lichkeiten mehr ſtatt; es herrſcht Oeffentlichkeit bis zur Indis⸗ kretion. Meine Damen, dieſer Herr war nicht verreiſt, ſondern

eingeſperrt von Amts⸗ herausgebiſſen gerettet befreit, das war ire

und Obrigkeitswegen, und der ur

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Die vier Damen hatten Gelegenheit genommen, eine große Ueberraſchung, und zwar jede in ihrer Weiſe, an den Tag zu legen.

Du wirſt ſpäter Alles erfahren, liebe Marie! ſagte Römer, ſeiner Frau beide Hände reichend.Aber nun laſſen Sie es genug ſein, lieber Rohrbeck!

Ich werde mich hüten! rief der Doktor, indem er ſich aufblies und einen Schritt zurücktrat, als fürchte er, daß ihm Jemand den Mund zuhalten werde,ich habe noch eine große Ueberraſchung in petto, die ich eigens zu dieſem Akte aufgeſpart habe. Der Herr Kommerzienrath Falk hat während der Nacht, nach ſeiner Einſperrung, ſo lange an ſeinem ſeidenen Halstuche geſpielt, bis er durch Erdroſſelung mauſetodt war. Was ſagen die Herrſchaften dazu?

Das war wirklich eine Ueberraſchung für die Anweſenden. Es folgten Ausrufe entſprechender Art und dann eine Pauſe ſtummen Staunens.

Nun, ſagte endlich Römer,wir haben keine Urſache, den Mann zu betrauern. Aber wenn Jeder mit Ueber⸗ raſchungen kommt, darf ich nicht zurückbleiben. Mein Ruf als Geſchäftsmann iſt gründlich ruinirt. Ich habe überhaupt den Aufenthalt in der Reſidenz für's Erſte ſatt. Wellmann, ich überlaſſe Ihnen das Geſchäft und werde wegen der Fort⸗ führung deſſelben mit Ihnen korreſpondiren. Nur jetzt keine Mittheilungen über daſſelbe. Aber Ihr, Kinderchen, packt und rüſtet Euch! In einer Stunde ſind wir auf dem Bahnhofe, um nach Lomath hinauszugehen. Was ſagen Sie dazu, Rohrbeck?

Die letzten Worte Römer's riefen eine allgemeine Be⸗ wegung, eine Art Aufſtand hervor. Rohrbeck heuchelte offen⸗ bar ſprachloſes Staunen.

Das iſt noch das Beſte von Allem! platzte er endlich los,und damit ich nicht weiter ſtöre Adieu!

Fort war er.

Eine halbe Stunde ſpäter verließen Römer und die Seinen, von zwei Dienerinnen gefolgt und mit verſchiedenen Kiſten und Kaſten, Körben und Schachteln ausgerüſtet, in zwei Wagen das Haus, um ſich nach dem betreffenden Bahnhofe zu begeben. Es war Wellmann und Klara nicht möglich ge worden, ein paar Worte zu wechſeln; ſie mußten ſich be⸗ gnügen, durch Blicke zu ſprechen und Abſchied von einander zu nehmen.

15. Kapitel. Schluß.

Acht Wochen waren ſeit den beſchriebenen Ereigniſſen ver⸗ ſtrichen und der ſchöne Monat Mai ging zu Ende.

Die Jahreszeit und das während derſelben ſtets herrſchende ſchöne Wetter hatten die Umgebung des prächtigen Gutes Lomath zu einem Paradieſe umgeſchaffen.

Der Aufenthalt in dieſer Gegend war wohl geeignet, für anderweit erlittene Verluſte und erduldete Schmerzen zu ent⸗ ſchädigen.

Eine Einwirkung dieſer Art machte ſich denn auch all⸗ gemach bei den Mitgliedern der Familie Römer geltend. werdohie Damen derſelben waren bereits längſt von dem, was

macht, bei der Abreiſe aus der Reſidenz noch fremd war, in

wuiß geſett worden. †† 28