Jahrgang 
1 (1879)
Seite
298
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Concordia.

Mir iſt nichts weiter zu Ohren gekommen, antwortete Graupner,als was ich mitgetheilt habe.

Auch gut, erwiderte Wellmann,laſſen wir es alſo da⸗ bei, denn es iſt kein angenehmer Gegenſtand zur Unterhaltung für uns. Sprechen wir dagegen von Ihnen. Was hat der Kriminal⸗Kommiſſarius über Sie beſtimmt?

Ich ſoll mich mit einer Beſcheinigung deſſelben nach Rumſtadt begeben, dort meine Verhältniſſe ordnen und dann hierher zurückkehren.

Und Ihnen fehlen die Mittel dazu? fragte Wellmann.

Eine Kleinigkeit hat mir jener Herr allerdings gegeben, antwortete Graupner ſchüchtern.

So nehmen Sie von mir ebenfalls noch eine ſolche an, ſagte Wellmann,und melden Sie ſich nach Ihrer Rückkehr wieder bei mir.

Wellmann übergab dem Manne noch eine Geldſumme und dieſer ſchied unter vielen Dankſagungen. Jener blieb noch in dem Kabinet zurück, um ſich völlig zu ſammeln und über die Veränderung der Sachlage in der Angelegenheit zwiſchen Römer und Falk nachzudenken. Er ſollte jedoch dazu nicht lange Zeit haben, denn es erſchien Jemand, um ihn in das Komptoir zu rufen, und als Wellmann jenes betrat, ſah er ſich dem Baron Bodenbrink gegenüber.

Der alte beſcheidene Herr trat dem Prokuriſten nur mit einer gewiſſen Schüchternheit näher.

Ich wünſchte eigentlich Herrn Römer zu ſprechen, ſagte er kaum vernehmbar.

Herr Römer iſt verreiſt, antwortete Wellmann laut ge⸗ nug, um von allen im Zimmer anweſenden Perſonen gehört werden zu können,doch ich vertrete denſelben in Geſchäfts⸗ angelegenheiten darf ich Sie bitten, mit mir in jenes Kabinet zu kommen?

Es ward dem alten Herrn, als Beide allein waren, er⸗ ſichtlich ſchwer, ſein Anliegen hervorzubringen, doch kam er endlich damit zu Stande. Wellmann nahm ſein Geſuch ſehr kühl auf, erbat ſich die ausgeſtellten Reverſe und holte das Geld hervor, um es dem Baron gegen Aushändigung der erſteren zu überliefern.

Der Baron ſchien nur halb durch die Ausantwortung ſeines Kapitals befriedigt zu ſein.

Sagen Sie, Verehrter, begann er unſicher,man ſpricht ſo Allerlei ich nehme nur ungern das Kapital zurück die ſonderbaren Gerüchte

Dieſer Gerüchte wegen, unterbrach ihn Wellmann,hat mich Herr Römer bereits vor ſeiner Abreiſe beauftragt, das Geld zurückzuzahlen. Ihr werther Beſuch erſpart mir daher einen Weg. Hat ſich die Angelegenheit aufgeklärt, ſo wird ſich ja zeigen, ob Sie uns für die Zukunft Ihr ſchätzens⸗ werthes Vertrauen ſchenken können.

So ſo verzeihen Sie mir! ſagte der alte Herr und empfahl ſich.

Wellmann ward ganz ungemein leicht in der Bruſt, als er den Mann mit ſeinem Gelde verſchwinden ſah. Es waren freilich außer den, in augenblicklich nicht verwerthbaren Papieren angelegten Summen nur wenige Tauſende an baarem Gelde vorhanden. Aber es gab auch keine Schulden zu tilgen, keine Differenzen auszugleichen und keine Depoſita zu decken. Es mochte jetzt kommen wie es wollte, der Geſchäftsmann

Römer ſtand, wenn auch nicht als reicher Bankier, doch völlig unantaſtbar da.

Der Prokuriſt kehrte hiernach in das Komptoir zurück, um endlich, wozu er bisher noch keine Ruhe gehabt, ernſtlich an ſeine ſonſtigen Arbeiten zu gehen. Doch lange ſollte er auch jetzt nicht ungeſtört bleiben. Doktor Rohrbeck ſtürmte in das Komptoir und fuhr mit ſeiner ganzen Heftigkeit auf Well⸗ mann los. G

So ſagen Sie mir nur um Alles in der Welt ſprudelte er hervor.

Bitte, unterbrach ihn Wellmann,treten wir hier hinein.

Wellmann war bereits an der Thür des Kabinets und der Doktor ſchritt tapfer mit lautem Brummen hinterher. Kaum war die Thür hinter Beiden in das Schloß gefallen, ſo legte er los.

Was iſt das für eine Heidenwirthſchaft! ſchoß es grollend zwiſchen ſeinen Lippen hervor,die Luft ſchwirrt voller Ge⸗ rüchte, welche einen Spektakel machen wie platzende Bomben und Granaten. Falk, Römer und noch andere Börſengrößen, ein Rudel Angeſtellter der Börſe, eine Anzahl Telegraphen⸗ Beamten ſind ſagt man verhaftet. Es wird von Depeſchenfälſchungen und Unterſchlagungen gemunkelt. Und mich fertigt man ab wie ein Kind mitRömer muß eilig mitten in der Nacht ohne Abſchied, Sang und Klang verreiſen. Ich höre, ich ſtaune und eile herbei, und ſiehe da: die Damen ſind für Doktor Rohrbeck nicht zu ſprechen. Recht nette Ge⸗ ſchichten das. Wahrhaftig, ſchöne Komplimente für den pflicht⸗ getreuen Hausarzt. Beſter Buſenfeind, laſſen Sie einmal auf kurze Zeit Groll und Hader zwiſchen uns ſchwinden, um mir reinen Wein einzuſchänken, und wenn es auch Grüneberger Krätzer ſein ſollte. Was iſt denn eigentlich an allen dieſen Sachen?

Wellmann mußte lächeln.

Die Damen werden der Erholung von geſtern bedürfen! ſagte er ruhig;mit den Verhaftungen wegen Depeſchenfälſch⸗ ungen hat es ſeine Richtigkeit. Doch iſt Römer dabei nicht betheiligt, für dieſen haben Herr Falk und der biedere Paul etwas Beſonderes erſonnen und geſponnen; kurz es liegt eine falſche Anſchuldigung gegen ihn vor, die bald genug in ein Nichts zerſtieben wird!

Alſo er iſt wirklich auch verhaftet? fragte der Doktor.

Leider ja! antwortete Wellmann.

Und weſſen beſchuldigen ihn die Halunken?

Einfach des Mordes!

Wie?! was?! ſchrie Rohrbeck auf,wollen Sie mich utzen, Herr? Ich bin der Doktor Rohrbeck, wiſſen Sie und

Sie haben gefragt, Herr Doktor, und ich habe geantwortet! unterbrach ihn Wellmann ernſt und beſtimmt;ich finde Ihre Ueberraſchung natürlich, bitte aber doch um Mäßigung!

Rohrbeck ſtand da wie in eine Bildſäule verwandelt; er betrachtete den jungen Mann, als ſähe er eine Schreckensgeſtalt vor ſich.

Aber iſt ſo etwas nur möglich?! ſtieß er endlich hervor. Römer, der keine Fliege tödten kann, ohne ihr tragiſches Ende zu bejammern, ſoll ein Mörder ſein. Gott ſchütze meinen Verſtand! Und wen ſoll er denn ermordet haben?

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