Jahrgang 
1 (1879)
Seite
295
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und ſeiner Nachbarſchaft zu ſagen war; wie Mrs. Penwyn jeden Tag beliebter wurde, wie ihre Schulen florirten, ihre Hüttenbewohner gediehen, ihre Cottage⸗Gärten blühten gleich einer Roſe; und wie Mr. Penwyn, obgleich wegen ſeiner Li⸗ beralität und Gerechtigkeit geachtet und hoch angeſehen wegen ſeiner parlamentariſchen Fähigkeiten, doch noch nicht den Kunſt⸗ griff entdeckt hatte, ſich ſelbſt populär zu machen. Von Zeit zu Zeit hatte Martin, in Beantwortung von Maurice's Fragen,

einige Worte über Muriel geſchrieben. Sie war immer die⸗ ſelbe hierin gab es keine Veränderung. Sie war weder beſſer noch ſchlechter, und die gute alte Großmutter war ſehr ſorgfältig mit ihr und hielt ſie davon ab, des Nachts im Hauſe umherzuwandern. Nichts war geſchehen, um den all⸗

täglichen Verlauf des Lebens in Borcel⸗End zu ſtören. (Fortſetzung folgt.)

Aus der Pörſenwelt.

Erzählung von Karl Schmeling. (Fortſetzung und Schluß.)

Falk ſtutzte und ſah den Beamten ſtaunend an.

Streiten wir nicht um Worte! ſagte er hiernach,es fällt mir ja nicht ein, Ihnen zu nahe zu treten; wählen wir alſo ſtatt Meldung das Wort Mittheilung, wenn's beliebt wie?

Zugleich zog er ſein Portemonnaie hervor, entnahm dieſem einige Geldſcheine und legte ſie vor ſich auf den Tiſch. Die Stirn des Beamten bekam düſtere Falten.

Ich habe Ihnen auch keine Mittheilungen über meine Thätigkeit zu machen! ſagte er kurz und ſcharf;Sie ſcheinen unſer Verhältniß ganz falſch aufzufaſſen!

Dann bitte ich um Verzeihung! meinte der Kommerzien⸗ rath verwundert,ich glaubte, Einer Ihrer Vorgeſetzten hätte Sie angewieſen, mir Nachricht über den Ausfall der Römer⸗ ſchen Angelegenheit zu geben!

Eine ſolche Weiſung würde ich mir ſehr verbitten! er⸗ widerte Lanz,jedenfalls derſelben nicht nachkommen, ſelbſt wenn ſie gegeben wäre; aber ſie kann und wird auch nie von meinen Vorgeſetzten gegeben werden!

Nun denn, rief Falk ärgerlich, indem er ſein Geld wieder fortſteckte,was verſchafft mir die Ehre dieſes das darf ich doch wohl ſagen etwas rückſichtsloſen Beſuches?

Ich dächte, erwiderte Lanz ſpöttiſch,Sie müßten eine Ahnung von der Bedeutung eines Beſuches haben, den ich um dieſe Zeit mache!

Der Kommerzienrath ſtutzte. Sein Gewiſſen war ja nicht rein. Doch fühlte er ſich wohl noch zu ſicher, um bereits daran zu denken, daß er ſelbſt für den Kriminal⸗Beamten das Objekt ſeiner Thätigkeit geworden ſein könnte. Er unter⸗ drückte daher die ſich bei ihm geltend machende flüchtige Reg⸗ ung ſo ſchnell, wie ſie gekommen.

Sie ſprechen in Räthſeln für mich, mein Herr! ſtieß er etwas lebhafter hervor, als er bisher geſprochen,ich muß Sie deshalb bitten, ſich deutlicher auszudrücken!

Daran ſoll es nicht fehlen! entgegnete Lanz,ehe ich jedoch dazu ſchreite, mache ich Ihnen bemerklich, daß es mein Grundſatz iſt, meine Geſchäfte möglichſt ohne Geräuſch ab⸗ zumachen, was auch für jede ſonſt noch dabei betheiligte Per⸗ ſon ſeine Vortheile hat. Sie werden mich verſtanden haben. Und nun, mein Herr ich verhafte Sie im Namen des Ge⸗ ſetzes!

Sie mich?! rief Falk mit weit aufgeriſſenen Augen.

Ich Sie! erwiderte Lanz,es iſt das ſpeziell mein Amt!

Römer ſollen Sie verhaften! ſchrie der Bankier,nicht mich!

Ich weiß genau, was ich zu thun habe! ſagte der Be⸗ amte,ſperren Sie ſich nicht weiter; es kann Ihre Lage nur verſchlimmern!

Ich will ſofort zum Herrn Polizeidirektor! rief Falk, umherſpringend.

Sie haben keinen Willen mehr! bemerkte Lanz.

Sofort gehe ich zu Erzellenz, dem Herrn Miniſter! ſchrie Falk, ſeiner kaum noch mächtig.Exzellenz wohnen in der Nähe! mich verhaften! lächerlich!

Suchen Sie ſich zu faſſen! mahnte Lanz,und ſparen Sie ſolche Aeußerungen; Sie zwingen mich ſonſt zu ſtrengeren Maßregeln!

Ein beſonderer Gedanke ſchien Falk zu durchzucken. Er riß ſeine Börſe heraus und warf deren Inhalt auf den Tiſch.

Hier iſt Geld! rief er.

Wollen Sie Ihre Schuld noch durch einen Beſtechungs⸗ verſuch vermehren? fragte der Beamte ſtreng.

Nichts von Beſtechung! rief Falk,Kaution will ich ſtellen, noch mehr viel mehr, und bis morgen Zeit ge⸗ winnen. Meine Geſchäfte leiden ſonſt. Man muß Kaution von mir nehmen; durchaus!

Stellen Sie morgen dieſen Antrag bei dem Unterſuchungs⸗ richter, ſagte Lanz,ich kann auf denſelben nicht eingehen!

So muß ich denn ſchrie Falk auf und ſprang nach dem Eingange zum Nebenzimmer.

Doch der Kriminal⸗Kommiſſarius hatte ſeinen Mann ſcharf im Auge behalten. Das Oeffnen der Thüre hielt Falk einen Moment auf, und dieſer genügte für Lanz, den Flüchtling zu erreichen und beim Kragen zu ergreifen.

Aber bei Falk hatte die Verzweiflung bereits Platz ge⸗ wonnen. Düſtere Bilder mochten wohl in ſeiner Seele auf⸗ geſtiegen und deren nothwendige Folgen vor ſein geiſtiges Auge getreten ſein. Als er ſich erfaßt fühlte, wendete er ſich mit Blitzesſchnelle herum und umſchlang ſeinen Verfolger mit beiden Armen.

Wir wiſſen bereits, daß Falk für einen kräftigen Mann gelten durfte. In dieſem Momente hatte er gegen den Be⸗ amten auch noch den Vortheil, daß ihm gelungen war, den ſelben, wie man es bei Ringkämpfen nennt, zu unterlaufen. Mit aller Kraft, deren er fähig war, ſuchte er den Gegner vom Boden emporzuheben. Es gelang ihm wirklich, und der koloſſale Oberkörper des Kommiſſars ſchwankte einen Momen. bedenklich, ohne Gleichgewicht, in der Luft.