Jahrgang 
1 (1879)
Seite
291
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Es iſt merkwürdig, daß ſie ihren Weg dahin fand, nach⸗ dem wir ſo auf ſie Acht haben! Meine Thür iſt immer ver⸗ ſchloſſen, und ſie kann nicht in das Haus gelangen, ohne durch dieſes Zimmer zu gehen; aber ich denke, ich muß in jener Nacht vergeſſen haben, den Schlüſſel von der Thür zu nehmen und ihn unter mein Kiſſen zu legen, wie das meiſtens geſchieht. Und das arme Kind wanderte beim Mondlicht im Hauſe umher! Das iſt eine ihrer Gewohnheiten. Das Zim⸗ mer, wo Sie ſchliefen, war einſt das Zimmer des armen Mädchens, und ſie geht immer dahin, wenn ſie dazu Gelegen⸗ heit findet. Es war recht ungeſchickt, daß es gerade in der erſten Nacht geſchah, als Sie hier waren!

Ich denke, ſie iſt Ihnen ſehr zugethan, ſagte Maurice, bemüht, mehr von den Dingen zu hören, für die er ein leb⸗ haftes Intereſſe fühlte.

Ja, ich denke, ſie hat mich jetzt lieber, als irgendwen ſonſt.

Auch lieber als ihre eigene Mutter?

Nun ja; ſie kommt auch nicht beſonders gern zu ihrer Mutter; ſie hat wunderliche Phantaſien bezüglich dieſer.

Ich dachte ſo. Ich habe ſie von einem Kinde ſprechen gehört. Ich glaube, das war eine bloße Täuſchung.

Ja, das war eine ihrer Phantaſien.

Hat Mrs. Trevanard niemals einen Arzt wegen des Geiſteszuſtandes ihrer Tochter conſultirt?

Einen Arzt, wiederholte die alte Frau zweifelhaft.Sie Ja; Doktor Mitchell von Seacomb hat das arme Kind oft geſehen und ihr auch Arznei gegeben, dies und jenes, aber er ſagte, ihr Verſtand werde ſich nicht mehr ändern. Es nütze nichts, ſich deshalb abzuquälen. Er giebt ihr zuweilen etwas, um ihren Appetit zu fördern, denn ſie hat oft nur wenig Luſt zum Eſſen, und ſo ſchwindet ihre Geſtalt hin, daß ſie gar nicht mehr ſcheinen ſoll, was ſie einſt geweſen.

Ich habe von Martin gehört, daß ſie ein ſehr ſchönes Mädchen war.

Ja, ich ſah niemals ein ſchöneres Mädchen, wie Muriel, als ſie aus der Schule kam. Es war aber doch ſeit der Zeit, als man ſie in die Penſion geſchickt, daß die Dinge un⸗ recht gingen.

Wie iſt das gemeint?

O, mein theurer Sir, Sie müſſen auf meine zer⸗ ſtreuten Reden nicht viel geben, ich bin eine ſchwache alte Frau, und ich fürchte, mein Verſtand geht manchmal in's Irre, wie der Muriel's.

Ein leichter Schritt ließ ſich von der ſchmalen Treppe hören, eine Thür öffnete ſich im Getäfel, und die Geſtalt, die Maurice zuerſt in dem geſpenſtiſchen Lichte des Mondes geſehen, kam gegen den Kamin zu und kauerte ſich nieder zu den Knieen der Großmutter eine ſchlanke Geſtalt in einem lichtfarbigen Kleide, das in dem ungewiſſen Schimmer des Feuers beinahe weiß ausſah, ein bleiches, abgehärmtes Geſicht, eine Maſſe wirren Haares.

Muriel nahm die welke Hand der alten Frau, legte ihre hohle Wange dagegen und küßte ſie zärtlich.

Großmama, flüſterte ſie.Liebevolle und geduldige Großmama, einzige Freundin Muriel's.

Mrs. Trevanard ſtrich über das dunkle Haar mit ihrer zitternden Hand.

Concordia.

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Wie verwirrt es iſt, Muriel! Warum willſt Du es mich nicht bürſten und hübſch in Ordnung halten laſſen für Dich? Meine armen alten Hände können das thun, ohne Hilfe der Augen.

Warum ſollte es denn glatt und hübſch gemacht werden? Er kommt ja noch nicht zurück. Sieh' hier, Großmütterchen, Du ſollſt mich ganz kleiden an dem Tage, wann er kommt ganz in Weiß mit Myrthen in meinem Haar, wie eine Braut. Ich möchte Orangeblüthen haben, wenn ich wüßte, wo ich ſie bekäme. Es ſind einige Orangebäume oben bei⸗ dem Herrenhauſe. Ich werde ihn bitten, mir welche zu bringen. Ich war niemals wie eine Braut gekleidet.

Ach, Muriel, Muriel, Du biſt wieder ſo voll Phantaſien!

O! Aber Einiges davon iſt doch wirklich ganz wirk⸗ lich. Wo iſt die Wiege, in der mein kleiner Bruder zu ſchlafen pflegte?

Ich weiß es nicht, Liebe. leicht.

Man hätte ſie verbrennen ſollen. Ich guckte eines Tages in den Dachbodenraum und ſah ſie in einem Winkel die alte Wiege. Es veranlaßte mich zum Nachdenken und ich kam auf ſo ſeltſame Gedanken!

Sie ſchwieg einige Minuten, noch immer neben den Knieen der Großmutter kauernd und ihre hohlen Augen auf das herab⸗ gebrannte Feuer gerichtet.

Hörteſt Du nicht ein Kind ſchreien? fragte ſie plötlich, mit einem lauſchenden Antlitz zuerſt auf die alte Frau, dann auf Maurice blickend.Nicht, Großmütterchen?

Nein, Liebſte. Ich hörte nichts.

Und Sie auch nicht? fragte ſie, gegen Maurice ge⸗ wendet.

Nein, in der That nicht.

Ach, Ihr ſeid ja Alle taub. Ich höre das Weinen ſo oft es iſt eine arme, zarte, ſchwache Stimme. Sie kommt und geht wie der Wind in langen Winternächten, aber es klingt ſo entfernt. Warum kommt es nicht näher? Warum kommt es nicht ganz nahe zu uns, daß wir das Kind nehmen und beruhigen könnten?

Ach, Muriel, Muriel, ſo voll Phantaſien! wiederholte die alte Frau, wie der Refrain einer alten Ballade.

Das Geräuſch beim Oeffnen von Thüren Stimmen verkündeten die Rückkehr der Familie.

Sie würden beſſer thun, in die Halle zurückzugehen, Sir. Brigitte würde Sie nicht gern hier finden mit ihr, ſagte Mrs. Trevanard in haſtigem Geflüſter, indem ſie auf die Ge⸗ ſtalt zeigte, welche zu ihren Knieen lag.

Maurice gehorchte ohne ein Wort. Sein letzter Blick auf Muriel zeigte ihm die großen, tiefliegenden Augen, wie ſie in das Feuer ſtarrten, und die hageren Hände, die auf den Knieen

Auf dem Dachboden viel⸗

und laute

der Großmutter lagen.

Er verließ Borcel⸗End am nächſten Morgen und Martin beſtand darauf, ihn einige Meilen auf ſeiner Reiſe zu begleiten. Er hatte für ſeinen Unterhalt freigebig gezahlt, die Dienerin belohnt und ſchied im beſten Einbernehmen von Mr. und Mrs. Trevanard und der blinden Großmutter. Aber er ſah nichts mehr von Muriel, und doch war es ihr Bild, das ſich zu Borcel⸗End zumeiſt ſeinem Geiſte eingeprägt hatte. Als er nahe daran war, ſich von Martin zu verabſchieden, wagte er nochmals, von ihr zu ſprechen.

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