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Fzie wünſcht aber nicht, mich zu ſehen,“ erwiderte der Vetter, dabei klang ſeine Stimme freundlich, doch wie es mir ſchien, trübe.
Wie klopfte mir das Herz bei dieſer Stimme! Ich er⸗ ſehnte und befürchtete zugleich, ihn zu ſehen. Alle meine Pulſe ſchlugen, ich wurde vor Aufregung faſt ohnmächtig.
„Was ſie wünſcht oder nicht wünſcht, iſt ja gleichgiltig,“ ſagte ſie in gereiztem Tone,„ſie hat es ſich nur in den Kopf geſetzt, allein ſein zu wollen, und ſolche Thorheiten wirſt Du ihr doch nicht nachſehen wollen.“
„Nein, wenn meine Gegenwart nothwendig wäre, gewiß nicht; nach Allem aber iſt es beſſer, wir regen ſie nicht un⸗ nöthigerweiſe auf. Morgen wird ſie ſchon kräftiger ſein.“
„Und Du wollteſt ſie wirklich nicht ſehen?“
„Nein, heute nicht! Ich verlaſſe mich darauf, daß es mir ſofort mitgetheilt wird, wenn irgend eine Veränderung bei ihr eintreten ſollte. Jane kann die Nacht bei ihr wachen.“
„Meinetwegen! So etwas iſt mir aber noch nicht vor⸗ gekommen; Du biſt nicht beſſer wie ſie; nun ſie krank iſt, wird ſie noch mehr verzogen und verhätſchelt als ſonſt!“
Vetter Ulih antwortete darauf weiter nicht, ich hörte nur, wie er behutſam die Treppe hinunterging.
Nun er fort war, bedauerte ich es, ihn nicht geſehen zu haben; ich verſuchte, mich bei der Couſine zu entſchuldigen, was ſie jedoch ſehr ungnädig aufnahm.
„Jetzt iſt es zu ſpät,“ ſagte ſie kurz,„es hilft nichts mehr, davon zu ſprechen, ich wünſchte nur, daß Du morgen fügſamer biſt. Wenn alle Welt ſich ſo albern wie Du betragen wollte, ſo könnten die Aerzte nur ihr Handwerk niederlegen, denn bei verſchloſſenen Thüren einen Patienten zu kuriren, iſt un⸗ möglich.“
Ich ſah ein, daß ich mich albern benommen hatte; ſobald ich aber nur an eine Begegnung mit meinem Vormund dachte, überkam mich ſtets dieſelbe Unruhe und Hitze, und noch wäh⸗ rend ich einſchlief, ſah ich mit Angſt dem folgenden Tage ent⸗ gegen, der mich wieder mit Dem, den ich über Alles liebte, zuſammenführen ſollte. Mein Geiſt war ein wahres Chaos und voll von Widerſprüchen, ich ſah es ein und hatte doch nicht die Kraft, dagegen zu arbeiten. Als ich am anderen Morgen erwachte, fühlte ich mich um Vieles ſtärker. Freund⸗ lich ſchien die Sonne durch's Fenſter, meine Stube mit den geblümten rothen Möbeln hatte ein ungewöhnliches behagliches Anſehen. Jane ſtand an meinem Bette und hatte das Früh⸗ ſtück in der Hand. Jeder kennt wohl das dankerfüllte, milde Gefühl, das die Seele durchdringt, wenn man eben anfängt, ſich von einer ſchweren Krankheit zu erholen, und in das zweite Stadium der Geneſung tritt, in dem man die zurückgebliebene Schwäche zu überwinden ſtrebt.
Unter dem Einfluſſe dieſes Gefühles lebte ich jetzt gerade; ich brauchte weiter nichts zu thun, als ganz ſtill zu liegen und mir aufwarten zu laſſen; die Neigung zum Ungehorſam kehrte nicht wieder, meine Kräfte hatten ſich ſoweit eingeſtellt, daß ich in dieſem Zuſtande der Unthätigkeit doch noch einiges Behagen empfand.
Mit Appetit verzehrte ich mein Frühſtück, und wahrhaft behaglich fühlte ich mich, nachdem meine Toilette beſorgt war und ich mir mein im Fieber zerzauſtes Haar wieder hatte ordnen laſſen. Ich fühlte mich zwar noch angegriffen, ſah aber doch mit Ungeduld dem Augenblicke entgegen, wo ich des
Vetters Stimme hören würde. Denn jetzt erſehnte ich dieſe Begegnung eben ſo ſehr, wie ich ſie am Abend vorher ab⸗ gewehrt, und es war mir unerklärlich, wie ich überhaupt ſo thöricht hatte ſein können, mich dem, was doch eine Quelle der größten Freude für mich war, zu widerſetzen. Jeder Tritt auf der Treppe erſchreckte mich, obgleich mir der ſeinige ſo bekannt war; bei jedem Oeffnen der Thür flog mir das Blut in die Wangen, und mit athemloſer Spannung wartete ich des Klopfens, das mir ſeine Ankunft melden würde. In dieſer Stimmung traf mich die Couſine Marcia, wie ſie mir ihren Morgenbeſuch abſtattete.
„Mein Gott, welche Veränderung!“ rief ſie aus, als ſie mich erblickte;„heute biſt Du wieder die Alte, Petronel, und ein ganz anderes Weſen wie geſtern.“
„Miß Fleming hat ſehr gut geſchlafen,“ unterbrach ſie Jane,„ſie rührte ſich die ganze Nacht nicht, es wurde mir faſt ſchwer, ſie zum Einnehmen zu bewegen. Das Früh⸗
ſtück hat ihr auch vortrefflich geſchmeckt; nicht wahr, Miß Fleming?“
„Man ſieht ja auf den erſten Blick, daß ſie beſſer iſt, faſt möchte ich glauben, daß ihre Backen ſchon wieder voller ge⸗ worden ſind. Jetzt aber, Petronel, muß ich erſt hinunter und meinem Bruder die gute Nachricht bringen; er wartet noch darauf, bevor er ausgeht.“
„Geht der Vetter ſchon aus?“ fragte ich enttäuſcht, doch Marcia verſtand ſich eben nicht darauf, die Gefühle Anderer zu errathen.
„Ja, gleich, ſobald er erfahren, wie es Dir geht; er würde ſelbſt gekommen ſein, wenn Du Dich geſtern nicht ſo ent⸗ ſchieden geweigert hätteſt, ihn zu ſehen. Es war aber auch ſonderbar von Dir, Petronel, ich konnte Dich nicht begreifen.“
„Es thut mir nun ſo innig leid,“ fing ich an, doch bevor ich meinen Satz beenden konnte, war die Couſine ſchon aus der Stube, und kurze Zeit darauf hörte ich das Rollen des davonfahrenden Wagens. Bei dieſem Schalle ſank mir das Herz, ich ſah ein, wie thöricht ich gehandelt, die Liebe, die Gott da hineingelegt hatte, zu verleugnen.
Der Morgen war mir verdorben. Mit Zuverſicht hatte ich ſeinem Erſcheinen und ſeinem freundlichen Gruße entgegen⸗ geſehen, ich hatte mir ſogar einige Hoffnung gemacht, viel⸗ leicht von ihm die Zuſicherung zu erlangen, daß er gar nicht die Abſicht habe, Jemanden zwiſchen ſich und ſein Adoptiv⸗ kind zu bringen(eine Zuſicherung, die genügt haben würde, mein Glück zu begründen), und nun wurde aus alledem nichts! Mein bischen Kraft, das wirklich wie ein Phantom durch meine Aufregung hervorgezaubert war, fing an, wieder zu verſchwinden, und während mehrerer Stunden blieb ich in dieſem entmuthigenden Zuſtande; der Schlaf floh meine Augen. meine Unruhe ſtieg von Augenblick zu Augenblick, ſchließlich erglühte ich wieder vom Fieber und mein Blick wurde unſtät. Gegen Nachmittag wagte die Couſine ängſtlich die Frage:
„Bitte, Petronel, beantworte mir die Frage, ob Du Dich noch länger weigerſt, meinen Bruder zu ſehen. Es will mir ſcheinen, daß Du Dich nicht mehr ſo gut fühlſt wie dieſen Morgen, und wenn Du ihn nicht ſehen willſt, ſo muß ich Herrn Auſtin rufen laſſen. Ich will die Verantwortung nicht länger tragen.“ 4
Wunderbarerweiſe ſchwand nun wieder meine Sehnſucht, ihn zu ſehen, und ich wünſchte, mich vor ihm zu verbergen,


