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zitterte, als ob ſie dächte, daß ich ſie ſchlagen würde.
Concordia. 267
die dieſen Theil von einem großen Raſenplatze trennte. Es
befand ſich dort unter einer gigantiſchen Ceder ein Zeltdach, unter dem eine Geſellſchaft beim Thee war, und einige Per⸗ ſonen ſpielten Croquet auf der Raſenfläche. Meine Augen waren ſcharf wie die eines Falken, meine Theuerſte zu erkennen in einem malvenfarbigen Muſſelinkleid mit einem kleinen Baſthut, mit Maßliebchen aufgeputzt— Sie ſehen, ich bemerkte ſogar Details— eifrig mit ihrem anweſenden Kavalier beſchäftigt und in keiner Weiſe zeigend, daß ſeine Geſellſchaft ihr läſtig ſei. Ihr friſches, jugendliches Lachen ertönte ſilberhell— dieſes mädchenhafte Lachen, das auch für mich ſo vielen Zauber ge⸗ habt.„Das klingt kaum wie aus einem gebrochenen Herzen,“ ſagte ich zu mir ſelbſt.““
Er ſeufzte und wartete ungefähr eine Minute, worauf er ſeine Erzählung in rauherem Tone wieder aufnahm.
„Nun, ich war entſchloſſen, mir kein Urtheil nach dem Scheine zu bilden; und ich konnte auch nicht immer auf der einen Seite der Hecke ſtehen, gedeckt von einem alten Hage⸗ dorn; ſo ging ich nach der Rückſeite des Hauſes, lauerte einer niedlichen kleinen Abigail auf, und fragte ſie, ob ſie Miß Blank's Mädchen für mich finden könne. Ich begleitete meine Frage mit einem Geſchenk, das ihr Berückſichtigung ſicherte, und das Kammermädchen meiner Schönen erſchien ſogleich an dem Thore, wo ich wartete. Sie erinnerte ſich meiner unter den Intimen in Cavendiſh⸗Square und ſtimmte bei, ihrer Herrin einige Zeilen zu geben, die ich auf ein Blatt meines Taſchenbuches kritzelte.„Ich hoffe, daß ich nichts Unrechtes thue, Sir,“ ſagte ſie,„aber eine junge Lady in der Poſition meiner Herrin kann in ihren Handlungen nicht vorſichtig genug ſein.“ „In was für einer Poſition?“ fragte ich.„Wiſſen Sie nicht, Sir, daß meine junge Lady übermorgen heiratet?“
„Das war ein Schlag in's Geſicht!“ rief Martin.
„Es war nicht angenehm zu hören— für mich, der ich den Brief in meiner Taſche trug, in welchem ſie mir ewige Treue gelobt. Die Erinnerung an ihr fröhliches, jugendliches Lachen war kaum angenehmer. Der Mann, den ich bei ihr geſehen, ſah gut aus; und dann iſt heutzutage ein Mann wie der andere. Eine Frau mag der Gattung gegenüber beſtändig bleiben und das Individuum aufgeben.— Ich hatte meiner Verlobten geſchrieben und ſie gebeten, um neun Uhr im Parke mit mir zuſammenzutreffen, bei einem Obelisk, den ich auf meinem Wege bemerkt hatte. Um neun Uhr, meinte ich, würde ſie frei ſein, in der halben Stunde Freiheit, welche die Frauen nach dem Diner genießen, während die Männer über Politik plaudern und beim Claret thun, als ob ſie ſehr weiſe wären.“
„Kam ſie?“
„Ja, das arme hübſche, aber mattherzige Ding kam, ſah ſehr ſchön aus im Mondlicht, war aber voll Thränen und Schluch⸗ zend erzählte ſie ihre unglückliche kleine Geſchichte. Papa ſei ſo gütig gegen ſie geweſen, und die älteren Schweſtern hätten ſie ſo gequält. Der arme Reginald, ihr Geliebter, ſei ſo gut, ſo generös, ſo voll Selbſtaufopferung, und ſo hatte es ge⸗ endet, wie ſolche Dinge gewöhnlich enden. Sie müſſe ihn nun übermorgen heiraten.„Und ach, Maurice, ich bitte Sie, geben Sie mir meinen Brief zurück,“ ſagte ſie,„denn ich weiß nicht, was aus mir werden würde, wenn er jemals in Reginald's Hände fallen ſollte.““
„Und wie antworteten Sie?“
„Mit keinem Worte. Ich zerriß den lügneriſchen Brief in Atome und warf ſie fort in den Sommerwind. Ich machte meiner Geliebten eine reſpektvolle Verbeugung und verließ ſie, um, ſo hoffe ich zu Gott, ihr ſchönes, falſches Geſicht nie wieder zu ſehen.“
24. Kapitel. „Die Zeit iſt hin, wo wir nur Aebles theilten.“
Wenn irgend Jemand Maurice Cliſſold gefragt hätte, warum er in der träumeriſchen Ruhe dieſes Juni⸗Nachmittags auf der gemähten Wieſe ſeine alten Wunden wieder bloß⸗ gelegt, und warum er gerade Martin Trevanard zu ſeinem Beichtvater erwählt, er wäre wohl in Verwirrung gerathen, dieſe Frage zu beantworten. Jene unausſprechliche Sehnſucht, von ſich ſelbſt und ſeinen Sorgen zu reden, welche den Men⸗ ſchen dann und wann befällt, hatte auch ihn einmal ergriffen, und es war ihm eine Art bitteres Vergnügen geweſen, eine halb cyniſche Freude, die Geſchichte der todten Vergangenheit wieder einmal zu überblicken. Dann war ihm Martin ſym⸗ pathiſch, und Maurice dachte, dieſer könne auch einmal ſich verlieben und einer aufrichtigen Leidenſchaft fähig ſein. Die Freundſchaft erwies ſich in der Einſamkeit von Borcel⸗End als eine ſchnell wachſende Pflanze. Maurice fühlte, daß er zu dem jungen Trevanard faſt reden könne, wie er einſt zu James Penwyn ſprach, obgleich ihm wohlbekannt war, daß dieſer ihn nicht immer verſtehen mochte, wenn der Flug ſeiner Phantaſie am weiteſten ging, deſſen Sympathie er ſich aber ſicher fühlte.
Es war an einem Sonnabend⸗Nachmittag, und an dem folgenden Morgen herrſchte vollkommene Ruhe zu Borcel⸗End. Auch die Enten ſchienen weniger lärmend als gewöhnlich, als ob ihnen ihre eigenen Stimmen unangenehm vorkämen in der allgemeinen Ruhe. Mr. und Mrs. Trevanard kamen um acht Uhr herab zum Frühſtück, was eine luxuriöſe Sonntagsſtunde war. Sie hatten ihre beſten Kleider angethan, der Farmer ſchien etwas verwirrt durch die Bürde der Reſpektabilität, ein⸗ gehüllt in glattes Tuch und eine verzweifelt geſtärkte Piqué⸗ Weſte; Mrs. Trevanard gewährte einen ernſten und würdigen Anblick in ihrem dunkelgrauen Seidenkleide und ihrer hüb⸗ ſchen Sonntagshaube.
„Wären Sie geneigt, in die Kirche zu gehen?“ fragte Martin mit einem ſchwachen Zögern, in der Vorausſetzung, daß ſein neuer Freund, als ein Poet, auch ein Ungläubiger ſein würde.
„Auf alle Fälle. Sie fahren, denke ich, da es ſo weit iſt?“
Die Kirche von Penwyn, die einſam auf einem Hügel ſtand, war mindeſtens eine Stunde von Borcel⸗End entfernt.
„Ja, wir fahren nach der Kirche und zurück. Die Mutter meint wohl, ſie liebe es nicht, am Sonntage das Pferd außer dem Stalle zu ſehen, aber dieſe Entfernung iſt mehr, als ſie leiſten kann.“
Der Morgen⸗Gottesdienſt begann halb elf Uhr, der Wa⸗ gen war deshalb halb Zehn vor der Thür, und die beiden jungen Männer nahmen den Rückſitz ein. Der Weg ging Hügel auf, Hügel ab, und ſie mußten die halbe Strecke gehen, bis ſie zu der ſtillen alten Dorfkirche kamen, deren einzige Glocke ihre Töne weithin ſendete über Thal undHöhen.


