Jahrgang 
1 (1879)
Seite
259
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Plan war im Werke, der uns ſämmtlich vernichten mußte.

La Grive, was haſt Du geſtern am Kreuz thun wollen, ob⸗ gleich Dir verboten war, Ruiſſot's Haus zu verlaſſen?

Ich ging ſpazieren, antwortete La Grive erbleichend.

Nein, donnerte Cartouche,Du wollteſt mit Rochambeau zuſammentreffen. Daß dies der Fall nicht war, weiß ich wohl; Du ließeſt dies Schreiben zurück.

Als das Mädchen Cartouche ein Blatt Papier hexvor⸗ ziehen ſah, das ihr nur zu wohl bekannt, ſank ſie in die Kniee, zitternd, leichenblaß.

Was ſteht in dem Schreiben? fragte Orgowani.

Es geht aus ihm hervor, daß die Drei damit umgingen, uns gegen einen Preis von zwanzigtauſend Livres zu ver⸗ rathen, ſodaß wir, ſtatt jetzt im Ueberfluß zu ſitzen, im Thurme an Ketten lägen.

Gnade! Gnade! ſchrie La Grive.

Nieder, nieder mit der Verrätherin! ſie her.

Halt! donnerte Orgowani,die Meſſer bei Seite! Das Urtheil entſcheide.

In dieſem Augenblicke flüſterte ein Mädchen von ungefähr fünfzehn Jahren Cartouche in flehendem Tone zu:

Rette ſie, Dominique!

Thörin, ſie würde Dich und mich verderben.

Man wird ſie zu Tode peitſchen.

Cartouche zuckte die Schultern.

Das Einzige, Sidi, was ich für ſie thun kann, iſt, daß ſie gehängt werde.

Sidi hatte recht das allgemeine Urtheil lautete auf zu Tode peitſchen. Schon hatten ſie einige Hände ergriffen und riſſen ihr die Kleider vom Leibe, da verlangte Cartouche das Wort und beantragte, die Verrätherin zu hängen. Man willfuhr ihm.

Nach der Exekution dieſer Todesſtrafe trennte ſich die Gaunerbande.

Sidi und Cartouche ſchlugen zu Pferd die Straße nach Paris ein.

Die arme La Grive dauert mich doch, ſagte das Mäd⸗ chen.Mir graut, wenn ich mich an ihre Stelle denke.

Und mit Recht, verſetzte Dominique;denn könnteſt Du je zur Verrätherin werden, würde meine Hand Dich treffen, wie noch Niemand getroffen iſt.

tönte es um

3. Kapitel. Dominique im Jeſuiten⸗Collège.

Louis Dominique Cartouche hatte ſich einen Plan ge⸗ bildet, der ihn in den Hafen der Ruhe tragen ſollte. Der frühreife Jüngling hatte in achtzehn Monaten nicht nur die Reize des herumſtreifenden Lebens kennen gelernt, auch die Schattenſeiten waren ihm entgegengetreten und hatten den Wunſch in ihm erregt, einen anderen Weg einzuſchlagen.

Mit allen Anlagen zum Abenteurer geboren, war Domi⸗ nique doch auch hin und wieder dem Wunſch, dem ſüßen Nichts⸗ thun zu leben, unterthänig und der Begier, ſich nicht zu ſehr zu regen und dennoch die Freuden des Daſeins, die Wolluſt in langen Zügen zu genießen.

Genußſüchtig bis zum Aeußerſten, war ihm freilich das Wortentbehren der grimmigſte Feind, und ihm zu entgehen,

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war er zu jeder Kraftanſtrengung fähig. Wäre er aber als Millionär geboren, hätte Frankreich in ihm, ſtatt des Ver⸗ brechers, einen Gecken geſehen.

Der unbefriedigte Gaumenkitzel hatte den fünfzehnjährigen Knaben zum erſten Apfeldiebſtahl geführt, der um ſo gefähr⸗ licher war, da er unentdeckt blieb. Sodann auf dem Collège Elermont in der Rue St. Jacques(das ſpätere Colléège royal Louis le Grand), hier, wo viele Söhne aus den reichſten Familien Frankreichs von den Jeſuiten erzogen wurden, ſah er ſich verdunkelt ſowohl in Kleidung als auch in jenen Mitteln, die dem ſinnlichen Menſchen das Leben angenehm machen. Der Sohn des nicht reichen, aber wegen ſeiner Ehrenhaftigkeit allgemein geachteten Weinſchänken Cartouche aus dem Quartier la Courtille hatte kein Taſchengeld, um ſich gleich ſeinen Kameraden Näſchereien und jene Kleinigkeiten zu kaufen, worauf Knaben ungemeines Gewicht legen. Domi⸗ nique beneidete die Glücklicheren und ſtrebte, es ihnen gleich⸗ thun zu können. Der Obſtdiebſtahl der Kindheit wiederholte ſich, und der Erfolg trieb ihn weiter und weiter.

Mit einem ausgeſuchten Raffinement wußte der Knabe ſich das Vertrauen ſeiner Kollegen zu gewinnen, um ſie unbearg⸗ wohnt zu beſtehlen. Wer konnte auch Verdacht hegen gegen den braunlockigen prächtigen Buben mit den großen leuchten⸗ den Rehaugen.

Läge es in dem Plane dieſer Erzählung, alle die Sagen aus der Jugend Cartouche's vorzuführen, wir würden den Leſer vielleicht ſtundenlang unterhalten können, ohne daß unſere nur auf erwieſenen Thatſachen beruhende Novelle einen Schritt vorwärts thäte. Die Thaten der Volkshelden, wozu auch gewiſſermaßen die großen und intereſſanten Verbrecher, die kühnen Bekämpfer des natürlichen Geſetzes, die gefährlichen Feinde des Eigenthums wie des Geſellſchaftsvertrages gehören, werden nach ihrem Tode in dem Maße vervielfacht und ver⸗ größert, daß kaum das geübte Auge die Wahrheit von der Legende zu ſichten weiß.

Dennoch müſſen wir bekennen, daß uns die neuere Kritik nicht behagt, die das Kind mit dem Bade ausſchüttet, die oft unnöthig negirt und häufig Falſches für Wahres erfindet, weil ihr Letzteres nicht recht wahrſcheinlich, nicht allzu alltäg⸗ lich vorkommt, obgleich die Wirklichkeit uns täglich den Be⸗ weis liefert, daß ſie ſelbſt romanhafter als ein phantaſtiſcher Roman iſt.

Man wird es zum Beiſpiel faſt unmöglich halten, daß ein noch nicht zwölfjähriger Knabe faſt drei Tage und Nächte ohne Speiſe und Trank bleibt, um nicht als Dieb entdeckt zu werden, daß er ſelbſt den Seufzer unterdrückt, welchen ihm Hunger und Durſt erpreſſen wollen. Doch ſteht dies von Cartouche feſt, der härteren Qualen trotzte, als die bewunderten Indianer in Cooper's Erzählungen.

Lange war es Cartouche geglückt, den Verdacht gegen ſich nicht entſtehen zu laſſen oder ihn lächelnd von ſich abzulenken,

als eine Neckerei gegen ſeine Kollegen die Vermuthung der⸗

ſelben, wer der Verüber der in letzter Zeit häufig wiederholten Diebſtähle ſei, auf die rechte Bahn lentte.

Dominique machte ſich nämlich deſt Scherz, ſeinen Geburts⸗ tag, den zwölften Januar, an dem er dreizehn Jahre alt ge⸗ worden(alſo ein und ein halbes Jahr vor Beginn unſerer Novelle), dadurch zu feiern, daß er in der Nacht das ganze Schuhwerk des Collège ſtahl und in einem abgelegenen Winkel

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