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Hier erzählte Maurice Martin die Geſchichte von James Penwyn's Tode und deſſen kurze Liebesgeſchichte, die zu einem kläglichen Ende gekommen.
„Armes Kind,“ ſagte er träumeriſch, und ſich an ſeine letzte Zuſammenkunft mit Juſtina erinnernd;„ich glaube, daß ſie ihn wahr und aufrichtig liebte und für ihn eine gute Gattin geworden wäre. Ich ſah niemals eine edlere Miene, als die dieſer armen Schauſpielerin. Ich bedauere es, daß ich mich ſelbſt mit manchem harten Worte zwiſchen dieſe Bei⸗ den drängte.“
„Wurde niemals Jemand des Mordes verdächtigt?“ fragte Martin.
„Ja,“ erwiderte Maurice, ohne ſeine Cigarre von ſeinen Lippen zu nehmen,„eine Weile ward ich es.“
Das war etwas überraſchend. Martin Trevanard ſtarrte ſeine neue Bekanntſchaft einen Augenblick ſeltſam an, ehe er ſich wieder faßte.
„Sie wurden es?“
„Ja. Wußten Sie es nicht? Mein Name war in den Zeitungen, aber ich glaube, man erwies mir die Gunſt, ihn
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nicht ganz richtig zu geben. Vielleicht hätte ich dieſes Faktum erwähnen ſollen, als ich Mrs. Trevanard erſuchte, mich auf⸗ zunehmen. Ja, ich, ſein Buſenfreund, war die einzige Perſon, die man verdächtigte, als man ſeinen Mörder aufzufinden wünſchte. Ja, ich war unter dem Verdachte des Mordes im Gefängniſſe zu Eborsham. Die Anſchuldigung zerfiel vor Gericht in nichts, und ich glaube, ich kam ſo mit fliegenden Fahnen davon. Aber die Thatſache bleibt. Die Detektives von Spinnersbury mutheten mer dieſe Verbrechen zu.“
„Es würde ſehr ſtarke deweiſe bedürfen, um Sie mir verdächtig zu machen,“ ſagt⸗ herzlich.
„Ich war viele Meilen weit weg von dem Orte, als die fluchwürdige That geſchah, aber es paßte mir nicht, über meine Abweſenheit Rechenſchaft zu geben vor aller Welt.“
„Warum nicht?“
„Weil ich eine Dame kompromittirt haben würde, hätte ich die Wahrheit geſagt, die Einzige, die ich jemals liebte wie ein Mann nur eine Frau lieben kann, die er ſich von allen in der Welt auserwählt.“
(Fortſetzung folgt.)
Aus der Börſenwelt.
Erzählung von Karl Schmeling. (Fortſetzung.)
Paul ſchmunzelte behaglich und trank.
„Im Grunde genommen—“ begann er dann,„wenn ich wüßte, daß Du ſchweigen könnteſt— es iſt eigentlich eine luſtige und doch traurige, oder eine traurige und doch luſtige Geſchichte!“
„Ich will Dich zu nichts verleiten!“ erwiderte Falk,„aber ſchweigen— nun, das kann ich ſo gut wie Einer; überdem wird in freundſchaftlichem Zuſammenſein ſo Manches be⸗ ſprochen, was jeder verſtändige Menſch ohne beſondere Ver⸗ pflichtung dazu hinterher für ſich behält. Doch wenn Dein Plaudern dem Herrn ſchaden könnte—“
„Gar nichts kann es ſchaden!“ rief Paul erregt,„die Angelegenheit iſt längſt vergeſſen; aber ſchweigen mußt Du, Johann, und zwar hauptſächlich meinetwegen, denn erführe Herr Römer, daß ich geplappert, möchte er mich doch aus dem Hauſe jagen, wodurch ich allein den Schaden davon hätte, und einen ſolchen wirſt Du mir hoffentlich nie zufügen wollen!“
„Gewiß nicht!“ beſtätigte Falk geſpannt.
„Nun, ſo höre!“ rief Paul und erzählte mit weinlaunigem Humor, was auch hier bereits zu Ende des vorigen Abſchnittes berichtet wurde. Als er ſeine Darſtellung beendet, wollte er ſich ausſchütten vor Lachen.
Dagegen zeigte ſein Zuhörer auch nicht eine Spur von heiterer Anwandlung, ſondern ſah den Erzähler mit weit auf⸗ geriſſenen Augen ganz ſtarr an.
„Daß Dich die Peſt—“ ſtieß er endlich zornig hervor,„da hat das Schickſal einmal einen dummen Teufel begnadigt und ihm ein Glücksloos in den Schoß geworfen, und er iſt zu ſchlaff, um zuzulangen und es aufzunehmen. Dergleichen hätte mir begegnen müſſen. Welch' ein Kapital hätte ich darausgeſchlagen, und wäre ich im Hauſe geblieben, wäre ich Herr in demſelben geweſen— Niemand anders. Da ſpiegle Dich an meiner Handlungsweiſe!“
Und nun erzählte Falk mit ſprudelnder Haſt, wie er ſeinem Materialiſten Daumſchrauben aufgeſetzt, um Grund zu ſeinem ferneren Streben zu legen.
„Was jener alte Spitzbube verbrochen,“ fuhr er fort,„iſt aber nichts gegen die That, von welcher Du erzählt. Ich will darauf wetten, daß die junge Frau und ihr Vertheidiger lange vor jenem Akte einig waren, und der weitgereiſte Herr wird ſich da hinten unter ſchwarzem und braunem Volke ſchon Griffe angeeignet haben, die einen unvorbereiteten Menſchen ſchleunigſt in's Jenſeits zu befördern im Stande ſind. Das Gutachten der Aerzte—? ich gebe nicht das Schwarze unterm Nagel darauf. Aber was geht's mich an, macht Eure Sache, wie Ihr wollt. Für mich hat nur eine Seite derſelben Wichtigkeit oder Bedeutung. Der Römer wird von Allen ge⸗ lobt und bis in den Himmel erhoben. Dieſe glänzende Sonne hat alſo auch ihren argen Flecken— ſieh'—! ſieh'—
In dieſen Worten Falk's lag nicht allein ſein Glaubens⸗ bekenntniß, ſondern ſein ganzer Charakter ausgeprägt. Er haßte das Verbrechen nicht des Verbrechens wegen, und wenn es ſeinem Scharfſinn alle Ehre machte, daß er ſofort die frühere Verbindung Römer's mit der jungen Frau erkannte, ſo zeigten ſeine weiteren Folgerungen zugleich die volle Niedrig⸗ keit ſeiner Sinnesweiſe.
Paul Graupner ſaß da wie vom Donner betäubt; wenn wirklich der Wein einige Herrſchaft über ihn erlangt hatte, ſo verſchwand jeder Anflug von Rauſch während der Worte ſeines liebenswürdigen Freundes. Die Auffaſſung der Angelegenheit durch den Letzteren hatte ihm bisher ſo völlig fern gelegen, wie einem neugeborenen Kinde der Gedanke an die Sünde. Daher ſein Schreck und die Verwirrung, welche ſich deutlich in ſeinen Zügen ausprägte.
„Du mirſt mich doch nicht verrathen?“ ſtotterte er mit bebender Lippe,„ich hatte ja—“
dadurch den
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