Jahrgang 
1 (1879)
Seite
239
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hin. Wie ſo ganz anders als geſtern klang jetzt ſeinGuten Morgen, liebſte Meta!

Sie ſchien aber dieſen Unterſchied nicht zu hören. Sie ſah es nicht, wie er ihr ſeine beiden Hände entgegenſtreckte, bemerkte auch nicht, daß ihre Mutter das Zimmer verließ, ſo tief hatten ſich ihre Wimpern geſenkt. Kalt und faſt unhörbar erwiderte ſie ſeinen Gruß, dann ſetzte ſie ſich an's Fenſter, ihm faſt den Rücken zuwendend.

Seine Hände ſanken, während ſein Antlitz wieder erblaßte.

Meta, ſagte er ruhig und ohne ſich ihr zu nähern, was meinſt Du, daß es werden ſoll mit uns Beiden, wenn Du ſo fortfährſt in Deinem mir ganz unerklärlichen und von mir ganz unverſchuldeten Trotze?

nn erwiderte nichts, ſie zählte eifrig die Fenſter des gegenüberliegenden Hauſes.

Meta, fuhr er fort,es iſt manchmal, als ob ein frem⸗ der Geiſt in unſerem Buſen einzöge, der uns ſprechen und handeln läßt, wie es unſerer innerſten Natur gar nicht ge⸗ mäß iſt. Liebe, theure Meta, ich will an einen ſolchen Dämon in Deinem Herzen glauben, um unſerer Liebe willen. Komm', komm' in meine Arme, bekenne Dein Unrecht, und laß' uns den finſteren Geiſt durch die Macht unſerer Zärtlichkeit ver⸗ treiben.

Ich habe Dir nichts gethan, ſtieß ſie hervor.Ich habe nicht unrecht; denn nimmer kann ich es als ein Unrecht an⸗ ſehen, daß ich einmal Deinem Willen nicht folgte. Ich hätte mich wahrlich vor meiner Couſine geſchämt, Deinem Winke zu gehorchen und zu Dir zu laufen.

Ja, dieſe Couſine, ſie kam zu übler Stunde hierher! entgegnete er mit unterdrücktem Schmerze;aber es iſt vielleicht beſſer ſo. Wenn eine Enttäuſchung ſein muß, ſo iſt es gut, ſie ſo früh als möglich einzuſehen.

Eine Enttäuſchung! rief Meta unter Thränen des Zor⸗ nes.Du ſprichſt von einer Enttäuſchung! So bald fällt für Dich ſchon der Schleier der Liebe von meinen Fehlern ab? Und was ſind meine Fehler? Meine Selbſtſtändigkeit will ich Dir gegenüber wahren, meine Willenskraft und Charakterſtärke Dir zeigen, damit Du mit dieſen Faktoren rechnen kannſt, ehe Du mich heirateſt. Du ſollſt wiſſen, daß Du ein freies, willensſtarkes Weib und keine Sklavin in Dein Haus führſt!

Meta, wohin verirrt ſich Deine Phantaſie? unterbrach er ſie, voll Trauer.In kleinlichen Launen, in unwürdigem Trotz gegen die Wünſche meiner Liebe glaubſt Du Charakter⸗ ſtärke zu üben, jene herrliche Eigenſchaft, die ſich gerade in Beherrſchung der eigenen Schwächen und Leidenſchaften be⸗ währt? Deine Augen, Deine ſonſt ſo ſanften, lieben Augen blitzen von Unmuth, Dein Ton iſt voll Bitterkeit, und Du willſt von Willenskraft und Selbſtſtändigkeit ſprechen? Kehre ein in Deine Bruſt, bändige dort den Geiſt ungerechten Un⸗ willens, und dann ſieh' auf mich und prüfe, ob Dir von mir Gefahr für Deine Freiheit droht, ob ich Dich unterjochen, Dich zur Sklavin machen will. Liebe für Dich und Schmerz über die Veränderung Deines Weſens ſind die einzigen Gefühle, die mich bewegen. Hätte ich wieder meine Meta von ehedem im Arme, ſie ſollte es empfinden, daß ich nicht ihr Herr, daß ich ihr Freund, ihr Beſchützer, ihr Geliebter zu ſein begehre.

Rührung wollte aufſteigen in Meta's Seele. Das war ja wieder die warme Sprache, die ſie ſo oft beglückt hatte,

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das war wieder Robert, der alte, freundliche, zärtliche Robert. Aber verſuchte er nicht vielleicht, ſie zu bethören mit ſeinen Schmeicheleien, bis ſie nur erſt ſeine Frau war? Welche Seite würde er dann hervorkehren? War ſein Liebeston nicht geheuchelt? Wenn er echt wäre, hätte er dann geſtern ſo kalt an ihr vorübergehen können? Der Gedanke an dieſes Geſtern verbitterte ihr Gemüth auf's Neue.

Du wirſt die Meta von ehedem wohl vergeſſen müſſen, ſagte ſie mit leiſem Hohne,jene hingebende, nie wider⸗ ſtrebende Meta. Als Gattin dem Hausweſen vorſtehend, die Wünſche des Gebieters erfüllend, ſeine Kälte und Gleichgiltig⸗ keit ruhig hinnehmend und nie darüber zürnend, mag ein ſolches Geſchöpf bequem genug ſein; für Herz und Phantaſie des Eheherrn findet ſich ſchon ein würdigerer Gegenſtand außerhalb des Hauſes. Ein reizender, pikanter Gegenſtand! O, ich habe einen Einblick gethan in die Wünſche, Neigungen und Abſichten der Männer!

Meta, das iſt zu viel, das vermag ich ſelbſt von Dir nicht zu ertragen! rief Robert erzürnt. Auf ſeiner Stirne zeigten ſich rothe Flecken, er ſtreckte die Hand wie drohend gegen die Geliebte aus.

Du biſt böſe, Robert, weil ich es wagte, gar zu tief in die geheimen Winkel Deines Herzens zu blicken. Kannſt Du leugnen, daß Du mich langweilig, einförmig und ohne Reiz fandeſt in meiner fortwährenden Sanftmuth und Ergebenheit? Kannſt Du es leugnen, daß ſich ſchon Gleichgiltigkeit gegen mich in Deine Seele ſtahl, daß Dir andere Mädchen, zum

‚Beiſpiel Adele, weit intereſſanter und liebenswürdiger erſchienen,

als Deine anſpruchsloſe, ſchwache Meta?

Sie ſagte das Alles in einem angſtvoll forſchenden Ton. Wenn er widerſprochen, ihr ſeine ungetrübte Liebe durch Schwüre bekräftigt hätte, ſie wäre verſöhnt und freudig an ſeine Bruſt geſunken, denn ſeine Gegenwart begann immer mehr den alten Zauber auf ſie auszuüben und ſie ſehnte ſich zu ruhen, von allem Zweifel und aller Pein, an ſeinen lieben Lippen.

Aber er widerſprach nicht, er betheuerte nichts, er hatte in ihren Worten nur den unwürdigen Verdacht gehört und eine tiefe Beleidigung ſeiner treuen Zärtlichkeit. Mit ver⸗ ſtörtem Geſichte wandte er ſich der Thür zu.

Ich habe keine Antwort auf ſolche Anklagen, ſagte er

gepreßt.Ehre und Stolz verbieten mir jedes weitere Wort zu Dir Verblendeten. Ich will Dir Zeit gönnen, Deinen

Irrthum einzuſehen. Innerhalb drei Tagen erwarte ich von Dir das Eingeſtändniß Deines tiefen Unrechtes. Ich ſelbſt kann Dir nach Deiner letzten Aeußerung keinen Schritt mehr entgegenthun.

Er wollte ſich entfernen, da trat Frau Felden ein. ſchlüpfte an ihr vorüber zur Thür hinaus.

Nun, ſagte die alte Dame,iſt das Kind zur Beſinnung gekommen? Sie weinte, das ſcheint mir ein gutes Zeichen.

Ich fürchte, zwiſchen Meta und mir wird es nimmer gut! erwiderte Robert und verbarg vor der Frau, die ihm die verlorene Mutter erſetzte, nicht ſeinen Schmerz.

Das verhüte der Himmel! rief ſie erſchrocken.Noch heute muß Adele, die Ruheſtörerin, aus dem Hauſe. Ich führe ſie ſelbſt zu ihrem Vater zurück. Dann ſoll gleich wieder Alles in's rechte Geleiſe kommen.

Meta