240 Concordia.
„Nein, liebe Mutter! Es iſt mein dringender Wunſch, daß Alles bleibt, wie es jetzt iſt. Ich muß erproben, ob Meta ſoviel freies Urtheil und vor Allem genug Liebe für mich hat, ihre Verirrrung trotz Adelens Einflüſterungen zu bekennen. In der CEhe würde ich fremde Einflüſſe auch nicht immer entfernen können. Von der Gattin aber, der ich mich hingebe mit ganzer Seele, fordere ich unbeſchränktes Ver⸗ trauen in meinen Charakter. Ohne dieſes Vertrauens bei Meta ſicher zu ſein, werde ich ſie nicht zum Altare führen und ſollte ich auch an meiner Liebe für ſie zu Grunde gehen.“
„Ich kann Ihnen nicht widerſprechen,“ verſetzte Frau Fel⸗ den bekümmert.„Seien Sie aber verſichert, daß ich Alles aufbieten werde, Meta zur Vernunft zu bringen.“
„Nein, verſuchen Sie auch das nicht, Mutter. Aus der Tiefe ihres eigenen Herzens heraus muß Meta zu mir zurück⸗ geführt werden, oder ſie hat mich nie geliebt. Hoffen wir, Mutter! Noch kann ich es nicht glauben, daß Meta's Augen mich belogen haben!“
(Fortſetzung folgt.)
Plaudereien.
Die Gewandtheit der Esktimo's.
Es giebt kein ſchmuzigeres und häßlicheres Volk als die Eskimo’s an den Küſten des nördlichen Labrador. Die Natur hat ſie auf nichts als Walfiſchthran und Seehundfleiſch angewieſen und zur Kleidung ihnen nichts gegeben als die Felle der Seehunde. Ihre Wohnungen ſind jämmerliche Hütten, im Winter unter der Erde, wohin weder Sonne noch Luft dringt. Nichtsdeſtoweniger ſind dieſe armen, von allen Lebensfreuden ſcheinbar ausgeſchloſſenen Polarmenſchen weniger roh und vernachläſſigt, als man denken ſollte, und ſie wiſſen ſich trefflich in fremde Sitten zu finden, während ſie mit ihren Waffen und wenigen Geräthen ſo gut um⸗ zugehen verſtehen, daß es ihnen kein Europäer nachthun kann. Vor mehreren Jahren hatte ein ſolcher Eskimo das Unglück, mit ſeinem leichten Boot gegen fünfzig deutſche Meilen weit in's Meer verſchlagen zu werden. Der Himmel führte ihn einem eng⸗ liſchen Grönlandfahrer zu, der ihn aufnahm und nach Schottland brachte, bis ſich Gelegenheit fand, ihn in ſein Vaterland zurück⸗ zuſenden. Er war ein junger Mann von 19 Jahren und wußte ſich ſchnell in die europäiſchen Sitten zu finden. Beſonders er⸗ ſtaunten Alle über die Fertigkeit, womit er ſein Fahrzeug hand⸗ habte. Eines Tages beſtand er an der Küſte unweit Leith einen Wettkampf gegen ein mit 12 Matroſen bemanntes Boot. Die ganze Stadt war Augenzeuge; alle im Hafen befindlichen Schiffe waren bis zur höchſten Spitze der Maſten voll Zuſchauer. Das Zeichen zum Rudern wurde gegeben, aber ſo kräftig die Matroſen ruderten, vermochten ſie doch nicht lange mit dem Eskimo Linie zu halten. Als er ihnen ein Stück voraus war, ſchnürte er ſein Fahrzeug dicht um den Leib zuſammen, und während er anhielt und die Matroſen ihn ſicher einzuholen glaubten, ſtürzte er ſich plötzlich mit dem Kahne um und tauchte in beträchtlicher Entfern⸗ ung wieder empor. Wohl zwei Stunden trieb er dieſes Spiel, nach deſſen Ende für ihn unter den Zuſchauern eine Geldſamm⸗ lung veranſtaltet wurde. Bald darauf kehrte er auf einem Grön⸗ landfahrer in ſein Vaterland zurück, mit einer ſo anſehnlichen Menge von Handwerkszeug, Geſchirren und Kleidern verſehen, daß er nun gewiß der reichſte Eskimo im ganzen Lande iſt.
Die egyptiſchen Tänzerinnen.
In allen großen Städten, ja faſt in jedem anſehnlichen Dorfe in Egypten giebt es öffentliche Tänzerinnen, die das Tanzen als Gewerbe treiben. Sie zeichnen ſich durch große Kunſtfertigkeit aus. Der Tanz der Almeh— ſo iſt ihr Name— kann für die Oper der Morgenländer gelten. Perſonen von allen Ständen, Männer und Frauen, Alt und Jung, freuen ſich über dieſe Kunſtleiſtungen. Die Frauen in den Harems, die gleichfalls in der Kunſt der Almeh⸗
unterrichtet werden, tanzen in ihren Gemächern zur Unterhältung ihrer Angehörigen. Selbſt die Frauen und Töchter der Europäer, die lange iu Egypten leben, finden ſoviel Gefallen an dem Almehtanz, daß ſie ſich nicht ſcheuen, in den reizenden Bewegungen deſſelben vor ihren Freunden aufzutreten. Der Engländer Saint⸗ John giebt uns einige anziehende Nachrichten über die Tänzerinnen in Kahira. Sie wohnen in dem kleinen Dorfe Schatzra, nahe bei der Hauptſtadt, wo ſie vor den neugierigen Beſuchern zu jeder Stunde des Tages ihre Kunſtfertigkeit zeigen. Als der Engländer mit ſeinem Begleiter in dem Dorfe anlangte, das nur aus ſchlechten Lehmhütten beſtand, kamen ihnen mehrere ſchön geputzte Tänzerinnen entgegen. Alle waren jung, keine über zwanzig Jahre alt, die meiſten zwiſchen zwölf und ſechszehn Jahren. Einige waren hübſch, die meiſten aber, obgleich ſchöner als gewöhnlich die Frauen in Kahira, konnten nur durch ihre Jugend und ihre Kunſtfertigkeit gefallen. Als ſie hörten, daß die Reiſenden einen Tanz ſehen wollten, führten ſie dieſelben in das Kaffeehaus, wo die Tänzerinnen den größten Theil ihres Lebens, Kaffee trinkend, ſingend und Märchen erzählend, zubringen. Im Saale des Kaffeehauſes waren gegen hundert Tän⸗ zerinnen verſammelt. Einige der ſchönſten waren ſehr zierlich ge⸗ kleidet: kurze, knapp anliegende, geſtickte Mieder, lange und weite Beinkleider von hellfarbiger Seide, ein Shawl von blendender Farbe, wie ein Gürtel angelegt, ein kleiner Turban von Muſſelin mit goldener Verzierung. Ihr Haar, das in langen ſchwarzen Flechten unter dem Kopfputze hervorkam, war mit Reihen von Goldmünzen verziert, die bei einigen Mädchen ſelbſt die Stirn bedeckten. Die Meiſten waren unter Mittelgröße, wie gewöhnlich ihre Landsmänninnen; die Hautfarbe hellbraun, die Zähne blendend weiß, die Augen groß und ſchwarz. Ihr Auzug iſt keineswegs unanſtändig. Die erſte Almeh bereitete ſich nun zum Tanze. Sie war eine ſchöne Araberin in der Blüthe der Jugend. Ihr gewöhn⸗ licher Anzug wurde mit einem leichteren vertauſcht. Als ſie ſertig war, legte ſie einen breiten und dicken bunten Gürtel um den Leib, zog dann ihre Pantoffeln aus und der Tanz begann, den die egyptiſche Pfeife und Trommel, der Geſang einiger anderen Tänzerinnen und die munteren Töne der Caſtagnetten begleiteten.
Räthin(zum Fkliſcher):„Wollen Sie die Freundlichkeit haben, mir das Fleiſch etwas zu zerkleinen?“— Fleiſchersfrau zu ihrem Mann):„Du, Gottfried, ſchlag doch'mal der Frau Räthin die Knochen entzwei.“
(Ein neuer Beruf.) Lehrer:„Na Hansl, was willſt Du denn einmal werden?“— Hansl:„Vitriol.“— Lehrer:
„Vitriol, was iſt denn das?“— Hansl:„Mein Vater ſagt, das frißt ſich überall durch.“
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Verantwortlicher Redaktenr: Otto Freitag in Dresdeu.— Veriag von Otto Freitag in Dresden.— Druck von F. W. Gleißuer in Dresden.
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