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Bruſt, nicht, Got, fügte nn ich Gefahr öhr zu ielen.“ „ Du
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daß ein Dummkopf ein Recht habe, beſſer zu leben, als ein geſcheuter Menſch.“
„Bravo, bravo! Du biſt ein geborener Philoſoph.“
„Zu viel Ehre; ich folge nur dem Grundſatz: eine gute Paſtete ſchmeckt beſſer, als ein Stück trocken Brot, und wer ſo redlich iſt, nur aus dem Grunde ein gebratenes Huhn nicht zu verzehren, weil es ihm nicht gehört, iſt ein tugend⸗ hafter Eſel. Was ich beſitze, gehört mir, und ich beſitze Alles, was ich erreichen kann.“
„Wie ein Profeſſor geſprochen,“ rief der Andere und um⸗ armte den Knaben.„Du haſt Deinen Mann, Deine Leute gefunden. Parbleu, Du wirſt Dich unter uns wohl befinden.“
„Das hoffe ich.“
Die Beiden ſchüttelten ſich herzlich die Hände.
„Und nun,“ nahm der Knabe wieder das Wort,„wie nenne ich Euch? wie heißt Ihr?“
„Für den Augenblick Orgowani, wir es meine Rolle als Zigeuner mit ſich bringt.“
„Ihr habt allerdings das Ausſehen eines Bohéèmien, ob⸗ gleich Ihr wohl ſchwerlich Böhmen, am wenigſten Egypten geſehen habt. Bringt aber dieſe Rolle ſo viel ein, wie ſie Mühſeligkeit machen muß?“ fragte Dominique.
„Eine jede Rolle iſt gut, wenn ſie nothwendig iſt,“ ver⸗ ſetzte der falſche Zigeuner.„Glaubſt Du, daß der Vicomte de
Villebrais ſich in dieſe Tracht geworfen hätte, wenn ſie nicht
an der Zeit? Ob aber die Miühſeligkeiten unſeres jetzigen Lebens ſo groß ſind, überzeuge Dich ſelbſt. Zieh' Deinen Rock an und folge mir zu unſeren Gefährten, deren Führer ich bin.“
Sie verließen die Hütte, gingen über die Straße in den Wald und erreichten in kaum zehn Minuten eine Lichtung, die jetzt ein eigenthümliches Bild darbot. Bei drei überdeckten Bauerwagen lagerten ungefähr zwanzig Perſonen, in bunte, ſchreiende Farben gekleidet, zur Hälfte dem männlichen, zur Hälfte dem weiblichen Geſchlechte angehörig. Von Kindern, die den Zigeunerhorden niemals fehlen, zeigte ſich hier keine Spur. Auch Greiſe waren nicht ſichtbar; ſonſt aber war jedes Alter von Zwanzig bis Vierzig vertreten.
„Hollah,“ ſchrie Orgowani,„da freßt und ſauft Ihr und vergeßt jede Vorſicht.“
„Iſt auch nicht allzu nöthig,“ erwiderte ein Burſche von fünfundzwanzig Jahren;„man verſolgt uns weder, noch ſind wir hier übel angeſchrieben.“
„Wahrhaftig?!“ verſetzte der Hauptmann in ſcharfem Tone. „Ich dächte, daß ich das ebenſo gut weiß, wie Du. Zum Teufel, laß es Dir nicht einfallen, mir gegenüberzutreten. Ihr kennt unſere Verpflichtungen, und ich bin nicht geſonnen—“
„Länger böſe zu ſein, Onkelchen,“ unterbrach ihn ein Mädchen in bunter Flittertracht, ſich Orgowani um den Hals werfend.„Welchen Zwerg bringſt Du uns da? Iſt er zum Spielwerk für Sidi und mich beſtimmt? Hahaha, welche närriſche Figur er ſpielt!“
„Still, Lila! in dem Burſchen ſteckt ein ganzer Kerl. Du ſiehſt in ihm einen Genoſſen, der ſein Probeſtück an mir ſelbſt abgelegt hat. Begrüße ihn, den Gefährten auf Tod und Leben.“
„Im Grunde genommen,“ ſagte ein Weib mit frühverlebten Zügen, obgleich nicht ohne Spuren der früheren, kurzen Schön⸗ heit,„iſt das junge Blut gar nicht ſo übel. Hier, Freund, die Hand der Grive! Du wirſt immer in ihr eine aufrichtige
Freundin finden.“ Bei dieſen Worten ſchlang ſie ihre Arme um den Hals des Knaben.
Dominique war in der Entwickelung ſeiner Jahre weit voraus; dennoch fühlte er ſich durch den Empfang der Grive (Droſſel) und auch der Anderen befangen. Aus ſeiner un⸗ angenehmen Lage riß ihn aber bald der Führer dieſer Gauner⸗ bande.
„Louis Dominique Cartouche,“ hob derſelbe an, ihn bei der Hand ergreifend,„Du biſt nun Mitglied unſerer Schaar, und Dir bleibt nur noch übrig, auf meinen Dolch ein Gelübde abzulegen, treu bei uns auszuhalten in Noth und Gefahr, auf Tod und Leben.“
Der Knabe berührte mit ſeiner linken Hand das ihm hin⸗ gehaltene Eiſen, während er die Rechte zum Himmel erhob. „Möge mich das Meſſer eines Jeden treffen, wenn ich Euch aus Furcht oder Feigheit verlaſſe, wenn ich nicht treu aushalte, wie Ihr es verlangt.“
Die Gauner klatſchten Beifall und Orgowani ſchüttelte ihm kräftig die Hand.
„Und welchen Namen ſoll ich Dir jetzt geben?“ fragte er.
„Laßt mir den, welchen die Natur mir gegeben,“ entgegnete Dominique.„Glaubt Ihr, der Name Cartouche ſei ſo übel, daß ich mich ſeiner vor Euch ſchämte? Vielleicht habe ich es öfter nöthig, vor der Welt einen anderen zu tragen, vor meinen Genoſſen niemals!“
2. Kapitel. In der Normandie.
In dem Schloſſe des reichen Grafen von Maſſard herrſchte ein ungewöhnliches Leben. Die Gaſtfreundſchaft des nor⸗ männiſchen Edlen hatte freilich den würdigen Ahnenſitz nie ohne Beſuch gelaſſen, ja hin und wieder zechten und jubelten die Nachbarn dort in ganzen Schaaren; heute aber hatte der große alte Bau ein noch heitereres Antlitz erhalten. Da waren die Hände aller Diener und Dienerinnen, ſo viele es waren, genügend beſchäftigt und unermüdet thätig.
Das dreitägige Feſt galt der Verlobung der Tochter vom Hauſe, der Komteſſe Helene, der einzigen Erbin der Maſſard⸗ ſchen Güter und des Maſſard'ſchen Baarvermögens, von dem man ſich Wunderdinge fabelte. Da ſollten in der wohl⸗ verwahrten Schatzkammer Kiſten von bedeutender Größe exiſtiren, die bis an den Rand mit ſpaniſchen und franzöſiſchen Goldſtücken gefüllt ſeien. Da ſprach man von einem Zimmer, das ganz mit Livres vollgeſtopft. Ob ſolche Gerüchte wahr, konnte wohl Niemand beweiſen, da der alte Graf noch keinen Plappermund in den runden Thurm geführt hatte; aber man glaubte ſie um ſo lieber, da ſie ziemlich unwahrſcheinlich klangen.
Solche Gerüchte ziehen einen Freierſchwarm herbei, und ſo hatte man ſich auch hier um die reiche Erbin gedrängt, obgleich durchaus dieſelbe kein Prachtexemplar eines adeligen Fräuleins darſtellte. Groß und eckig war der Wuchs des ſechszehnjährigen Mädchens, und die Haltung und die Bewegungen erinnerten weni⸗ ger an einen feingebildeten oder äußerlich mit Politur ver⸗ ſehenen Kreis, als an die Bauerndirne der damaligen Zeit. Ihr grobes Organ, ihr holpriger, mit Provinzialismen reich⸗ lich ausgeſtatteter Dialekt harmonirte ebenfalls mit dem rothen
ſtupiden Geſicht, das von flachsblonden Haaren eingerahmt 30*


