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würde nimmermehr die Laſt einer halberwachſenen Tochter auf ſich geladen haben. 8
War es aber doch nicht vielleicht ſein Ernſt und möglicher⸗ weiſe geſetzlich ausführbar?
Mit allen ſeinen Mitteln und Wegen war ich völlig un⸗ bewandert, ich wußte auch zu wenig von der Welt, um mir Alles klar machen zu können; das Eine nur fühlte ich, es würde ſchrecklich für mich ſein, wenn er ſeine Drohung aus⸗ führen ſollte! Ich verglich mein Heim in Rockbury, mein glückliches Heim(denn das war es doch immer, trotz der Unfreundlichkeit der Couſine Marcia), mit dem wandernden Nomadenleben meines Vaters, meine Bekannten und Freunde mit ſeinen Kollegen, und vor Allem Vetter Ulih's nie endende Liebe und Sorgfalt mit ſeinem Benehmen gegen mich, und beſchloß, eher zu ſterben, als jenen Schutz mit dieſem zu ver⸗ tauſchen. Herr David mochte wohl meine Gefühle in meinen blaſſen Zügen und trüben Augen leſen, denn leichtfertig fuhr er fort:
„Nun, kleine Mademoiſelle, biſt Du jetzt bereit?“
„Sprechen Sie nicht ſo,“ murmelte ich,„ſo grauſam können Sie nicht ſein““
Er ſah ſchon, daß er ſeinen Zweck erreicht.
„Gewiß nicht, wenn Du mich nicht dazu zwingſt. Laß uns ſtillſchweigend einen Pakt ſchließen. Biſt Du damit ein⸗ verſtanden?“
„Ich will Alles, Alles thun, nehmen Sie mich nur nicht von Rockbury!“
„Meinetwegen magſt Du dort bleiben, magſt lachen und plaudern und liebenswürdig ſein; gieb mir aber Gelegenheit, wenn ich ſie haben muß, Dich heimlich zu ſprechen und Dir Winke zu geben.“
„Ja, Herr David, ich will es thun, wenn es geht, doch verſprechen Sie mir, mich nicht vom Vetter Ulih zu trennen.“
„Solange als Du fügſam biſt, will ich es nicht thun, doch vergiß nicht, daß Alles nur von Deinem Benehmen ab⸗ hängt.“
Die Unſicherheit, die in dieſer Antwort lag, war der Schlüſſel zu meinem ferneren Weſen gegen Herrn David; von dem Augenblick an konnte er mit mir anfangen, was er wollte, er machte mich ſo unglücklich, daß ich es mit Worten nicht beſchreiben kann; dabei übte er alle ſeine Tyrannei gegen mich in einer ſo ſchmeichleriſchen, rückſichtsvollen Art und Weiſe aus, daß nur ich allein, die ich das Geheimniß ſeines früheren Lebens kannte, aus ſeinem Vorgehen Selbſtſucht und Eigennutz herausſchauen konnte. von Vetter Ulih's Haus und von ſeiner Praxis wußte, mußte ich beichten, mein ganzes Leben in Rockbury mußte ich ſchil⸗ dern, auch die verſchiedenen Luxus⸗Gegenſtände, die für mich angeſchafft waren, beſchreiben, ja ſogar genau ihm vorrechnen, was ich an gewöhnlichem Taſchengelde und was ich an Ge⸗ legenheitsgaben erhielt. Bei Aufzählung aller dieſer Dinge war ich immer in bangſter Sorge, mein Zuhörer könnte ſeine Anſprüche geltend machen und mich aus Allem herausreißen, doch da ich einmal verſprochen, genau Rede und Antwort zu
ſtehen, war ich zu ehrlich, ihm etwas vorzuenthalten und ihn zu hintergehen. Zu meinem Troſte war die ſchlimmſte Folge aller meiner Enthüllungen vorerſt nur ein gänzliches Ver⸗ ſchwinden meines Taſchengeldes. Anfänglich kümmerte mich
das wenig, meine Börſe wurde immer wieder gefüllt, und
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Alles und Jedes, was ich
Gelegenheit, Geld auszugeben, hatte ich faſt gar nicht. Bald aber war der letzte Reſt fort, und damit ſchien mir dieſe Quelle erſchöpft, ich nahm mir vor, weiter nicht mehr daran zu denken, doch Herr David trat mit weiteren Anforderungen an mich heran. Ich glaubte dieſe völlig dadurch abweiſen zu können, daß ich ihm erwiderte, daß er mir meine ganze Baar⸗ ſchaft bis zum letzten Heller genommen. Aber davon wollte er nichts hören, er gab mir einfach anheim, ſofort nach Hauſe zu ſchreiben und Geld zu fordern.
„Ich ſollte noch Geld vom Vetter Ulih fordern,“ rief ich aus,„nachdem er mich bei meiner Abreiſe ſo reichlich damit verſehen?“
„Ja, warum nicht? Du ſagſt ja, daß er Dir nie etwas verweigert; ſage ihm, Du wünſchteſt, daß er Deinen Zuſchuß erhöhe.“
„Womit ſoll ich denn aber dieſe Forderung begründen?“
„Das magſt Du Dir ſelbſt ausdenken. Es iſt ja nichts natürlicher, als daß ein junges Mädchen mit ſeiner Einnahme nicht auskommt. Dein Vetter wird Dich auch mit genaueren Nachfragen keinesfalls inkommodiren.“
„Aber dann wird er mich doch für mehr als unbeſcheiden halten!“ wagte ich einzuwerfen.
„Gut denn! Iſt Dir das zu viel für mich zu thun, ſo laſſe es; bedenke aber, es iſt gegen Dein mir gegebenes Ver⸗ ſprechen, vergiß nicht, was Du auf's Spiel ſetzeſt, wenn Du dieſes nicht hältſt!“
Dieſe Drohung entſchied für mich; trübe und widerwillig ſetzte ich mich zum Schreiben nieder und that, was er von mir verlangte. O, wie lange ſann ich hin und her bei Ab⸗ faſſung dieſer Zeilen, und wie viele Thränen vergoß ich dieſer Hintergehung wegen, die ich ausführen mußte! Wie namen⸗ los unglücklich und geſchlagen ich mich fühlte, nachdem ich dieſen Brief abgeſchickt, weiß nur ich allein!
Doch die Antwort ließ nicht lange auf ſich warten.
Mit der nächſten Poſt ſchon erhielt ich ein Antwort⸗ ſchreiben, das ſo manches Herz hoch hätte erfreuen können; großmüthig ſchickte der Vetter mir Alles, um was ich gebeten, und freundlich ſagte er mir wiederholt, ich möchte nur ge⸗ troſten Muthes immer fordern, was ich haben müßte. Mich. aber drückten und beſchämten dieſe Zeilen auf's Höchſte, ich wußte ja, wie unwürdig ich ſeiner Güte war. Die bei⸗ gelegte Banknote konnte ich gar nicht ſehen, und bei nächſter Gelegenheit ſchob ich ſie dem Herrn David in die Hand und beſchwor ihn, mich nie wieder auf eine ſo harte Probe zu ſtellen.
Doch Alles vergebens! Ich war wie eine Fliege, die ſich im Netze einer Spinne gefangen; ein Entrinnen war nicht möglich, wenn ich nicht thun wollte, was nicht zu thun ich mehrfach geſchworen, nämlich die Bande veröffentlichen, die mich an meinen Zeichenlehrer knüpften, und damit ſeine Sicher⸗ heit gefährden. Ein hübſches Geſchenk vom Vetter Ulih ver⸗
ſchwand nach dem anderen, ſelbſt meine liebe Uhr, und der
mit heißen Thränen genetzte Brief nach Rockbury mit der Bitte um Geld war nicht der letzte. Ich ſchämte mich vor mir ſelber und fürchtete mich ſchon vor dem Augenblick, wenn ich in Rockbury erſcheinen würde und dort Rede und Ant⸗ wort ſtehen ſollte über Alles. Doch die Tyrannei ging fort
und ich hatte keinen Anhaltepunkt für die Hoffnung, daß ſie
beendet ſeine Kuzte, wenn ich erſt wieder unter dem Schutze
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