mit den mächtigen Rauchfängen und den ſeltſamen eiſernen Wetterhähnen, deren vergoldete Schnäbel nach Weſten zeigten.
„Armer James! Welche ſchönen Tage hätten wir hier zu⸗ ſammen verleben können!“ ſeufzte Maurice. Der Platz ſchien ihm wie ein Ueberreſt aus guter alter Zeit und wahrhaft an⸗ genehm zu betrachten nach den gebrechlichen Wohnungen unſeres Zeitalters..
„Der gute, herzige Junge! Es iſt doch ſeltſam, zu denken, daß er die arme kleine Schauſpielerin heiraten und ſie als Herrin hierher bringen wollte, hinter dieſe ſchimmernden far⸗ bigen Fenſter— mit den Wappen vieler alter Familien ge⸗ ſchmückt! Der unſchuldige, gutherzige Junge! Er wanderte umher wie der Prinz in einem Feenmärchen und verliebte ſich in das erſte hübſche Mädchen, das er am Wege fand, und wollte ſie als Braut heimführen in ſein Königreich.“
„Wenn Ihr Trevanard's Farm ſehen wollt, ehe es finſter wird, ſo müßt Ihr kommen, Sir,“ ſagte Elsbeth.
Maurice beachtete den Wink und folgte ihr mit raſchem Schritte. Sie traten bald aus dem Tannenhaine, welchen ſie durch ein kleines hölzernes Thor verließen, und kamen auf weit ausgedehntes Hügelland, wo ſie die Glocken einer Schaf⸗ heerde aus der Ferne vernahmen, die melancholiſch ertönten in der ſtillen Abendluft.
Die Zinnen des Schloſſes Penwyn verſchwanden jetzt, während ſie einen Hügel hinabſchritten. In der Ferne ſah Maurice in einer Thalhöhlung einige weiße Gebäude— neben einer kleinen Waſſerfläche ausgeſtreut, die den jetzt ſafran⸗ farbigen Himmel abſpiegelte.
„Das iſt die Farm Trevanard's,“ ſagte Elsbeth, nach dem Punkte zeigend.
„Ich dachte mir's,“ ſagte Maurice.„Du haſt nicht nöthig, weiter mit mir zu gehen. Du haſt Deinen Lohn ehrlich ver⸗ dient.“
Er gab ihr die halbe Krone. Das Mädchen drehte die Münze mit einem freudigen Blicke mehrmals um, ehe ſie die⸗ ſelbe in ihre Taſche ſchob.
„Ich will bis nach Borcel⸗End mit Euch gehen,“ ſagte ſie. „Ich bleibe ebenſo gern auf den Hügeln als zu Hauſe— und noch lieber, denn die Großmutter iſt keine ſonderlich an⸗ genehme Geſellſchaft.“
„Aber es iſt beſſer, wenn Du jetzt zurückgehſt, Kind, ſonſt wird es ganz finſter, ehe Du Dein Daheim erreichſt.“
Elsbeth lachte, und es war ein dämoniſches Lachen, wel⸗ ches Maurice etwas unangenehm berührte.
„Ihr denkt doch nicht, daß ich mich im Finſtern fürchte,“ ſagte ſie mit ihrer ſchrillen, jugendlichen Stimme, und doch ſo altklug.„Ich kenne jeden Stern am Himmel. Ueberdies wird es nie ganz finſter in dieſer Jahreszeit. Ich werde bis nach Borcel⸗End mit Euch gehen. Kann ſein, daß Ihr dort keine Unterkunft findet, und dann werde ich Euch einen näheren Weg über die Hügel nach dem Dorfe Penwyn führen. Dort würdet Ihr doch in einer der Hütten irgend ein Obdach haben können.“
„Auf mein Wort, Du biſt ſehr gefällig,“ ſagte Maurice, überraſcht von dem Wohlwollen, welches das Mädchen ihm bezeigte.
„Weißt Du irgend etwas über dieſes Borcel⸗End?“ fragte
es jetzt, als ſie in das Thal hinabſchritten.
Concordia. 219
„Ich bin niemals darinnen geweſen,“ antwortete Elsbeth, jetzt mittheilſamer, als ſie es vor einer oder zwei Stunden war, als Churchill ſie über das Schloß Penwyn befragte. „Mrs. Trevanard ermuthigt ein armes Mädchen, wie ich es bin, nicht ſonderlich, in ihr Haus zu kommen. Sie iſt ſehr hart, wie man ſagt, und ließe ſich zwicken und kratzen für eine Sixpence; aber die Leute ſind an Sonntagen ſehr gut ge⸗ kleidet und ſie leben gut. Die Leute ſagen, daß man in Borcel⸗End immer etwas Gutes zu eſſen und zu trinken finde. Ich hörte erzählen, daß es einmal ein Gentleman⸗Haus war, ehe der alte Squire Penwyn es kaufte, und daß ſich damals rings um das Haus ein ſchöner Park befand. Auch jetzt giebt es noch eine Menge Bäume da und einen Garten, der aber ziemlich wüſt liegt. Die Leute erzählen, der Gentleman, dem Borcel⸗End gehörte, habe all' ſein Geld ausgegeben und der alte Squire Penwyn den Platz ſehr wohlfeil gekauft und in eine Farm umgewandelt, und ſeither iſt ſie immer in den Händen der Trevanard's geweſen; dieſe ſollen reich genug ſein, um die Farm dreimal zu kaufen, ſagen die Leute, wenn Squire Penwyn ſie nur hergeben wollte.“
„Ich denke nicht, daß ich ein ſehr warmes Willkommen erhalten werde, wenn dieſe Mrs. Trevanard eine ſo unangenehme Perſon iſt,“ ſagte Maurice, der anfing, daran zu zweifeln, ob es klug ſei, in Borcel⸗End Gu eundſchaft zu verlangen.
„O, darüber weiß ich nichte Gegen Leute Eurer Art ſoll ſie höflich genug ſein, wie ich ſagen horte. Sie iſt nur gegen ihre Dienſtleute und dergleichen ſo ſtreng. Ihr könnt es ja verſuchen.“
Sie waren nun bei der Farm angekommen. Das alte Haus ſtand vor ihnen— ein breiter grüner Raſenſtreifen lag vor demſelben, mit einem Teiche voll ſchwärzlich ausſehenden Waſſers in der Mitte, auf welchem mehrere Schaaren jugend⸗ licher Enten munter umherſchwammen.
Das Haus war groß, die Mauern hatten einen rauhen Anwurf und bildeten einen maſſiven Riegelbau. Im Mittel⸗ punkte befand ſich ein geräumiger Vorbau, und dieſer und ein vorſtehender Flügel an jedem Ende des Hauſes gaben dem Gebäude etwas Imponirendes. Einige Ueberreſte ſeiner früheren Vornehmheit waren ihm noch geblieben und zeigten, daß Borcel⸗ End nicht immer nur die Wohnung eines Pächters geweſen. Ein Wappenſchild, roh in Stein gehauen und über dem Portale angebracht, bezeugte den Stolz des früheren Beſitzers auf ſeine Geburt; und die ein großes Viereck einfaſſenden ſteinernen Ställe, umfangreicher als das Haus, zeigten die Neigung zu einem Sport, der einem verſchwundenen und halb⸗ vergeſſenen Stamme vielleicht geholfen hatte, ſein Vermögen zu verſchwenden. Aber auch in ſeinen ſchönſten Tagen war Borcel⸗End niemals ſolch' ein Herrenhaus geweſen, wie das Schloß Penwyn. Es hatte eine Einfachheit der Bauart, die weder Würde noch Schönheit beanſpruchte. Niedrige Eſtriche, viereckige vergitterte Fenſter, Dachbodenfenſter und ſchwere Rauchfänge. Der einzige Reiz, den man dem Hauſe nicht ab⸗ ſprechen konnte, war jener der Ländlichkeit— es war eine ehrliche, ſimple engliſche Heimſtätte. Aber nun war Borcel⸗ End nicht mehr im beſten Zuſtande. In den Steinſtällen, wo einſt die beſten Jagdpferde des Landes geſtanden, befanden ſich nun Kühe, eine Seite des Hauſes war von einer rieſigen Scheuer überſchattet, die aus den Trümmern einer Parkmauer erbaut worden war, und in einer kleinen Unfaſſung, die einſt


