Jahrgang 
1 (1879)
Seite
214
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214 Concordia.

und Du wirſt ſehen, aus einem kühlen Bräutigam verwandelt er ſich in einen glühenden Liebhaber.

Ich kann nicht, ich kann nicht, Adele! Ihm Kälte zeigen, ihm ſtolz begegnen? O, mein Herz würde brechen darüb er!

Nun, wenn Du meinen Rath uicht befolgen kannſt, ſo verlange ihn auch nicht, entgegnete Adele empfindlich. Uebrigens wird es am beſten ſein, wir reden gar nichts mehr über die Sache und Du ſuchſt Dir alles Unangenehme aus dem Sinne zu ſchlagen. Das Schlimmſte wird ja gerade nicht auch noch eintreffen.

Das Schlimmſte? rief Meta ängſtlich.Was verſtehſt Du unter dem Schlimmſten?

Nun, daß ſo ein kaltes, trotziges Mädchen vor der Ver⸗ mählung Robert in den Weg kommt und Dir ſein Herz ſtiehlt. Oder glaubſt Du, daß zum Beiſpiel mir es ſchwer würde, Deinen Verlobten durch angenommene Unnahbarkeit und eigenſinnigen Stolz in eine recht heiße Leidenſchaft hineinzuhetzen? Die Art, wie er mich betrachtet, ſchon jetzt betrachtet, bürgt mir dafür, daß ich nicht einmal ſchwere Arbeit hätte!

Du haſt es alſo auch gefunden, Adele, daß ſich Robert mehr, als gerade nöthig wäre, mit Dir beſchäftigt? ſagte Meta ſchmerzvoll.Ich machte dieſe Bemerkung ſchon letzthin am Bahnhofe. Vielleicht habe ich es nur Deiner Ehrlichkeit und Großmuth zu danken, daß Robert Dir noch nicht näher kam.

Du kennſt meine Maxime, fremdes Gut betreffend, liebe Meta.

Aber wie, wie ſoll ich mir helfen? fragte Meta, ihre

Hände ringend.

Du willſt ja meinen Rath nicht annehnen.

Wenn ich auch wollte wie könnte ich denn, Adele? Ich habe mich nie verſtellt. Ich würde jeden Augenblick meine wahre Gemüthsart hervorblicken laſſen.

Wenn Du nur den Willen haſt, für das Uebrige laſſe mich ſorgen, lachte Adele.Und nun nicht mehr verzagt, und die Thränen getrocknet. Wenn Frauen weinen, glaubt Niemand mehr an ihre Kälte oder ihren Stolz.

Sei es denn, Adele! Ich ergebe mich ganz in Deine Führung. Aber ich muß jetzt hinab zur Mutter. Robert wird mich gewiß ſchon bei ihr erwarten, es iſt jetzt die ge⸗ wöhnliche Stunde ſeines Beſuches. Ich will gleich verſuchen, ein wenig kälter, als ſonſt, gegen ihn zu ſein.

Was fällt Dir ein? rief Adele.Du bleibſt hier und läßt mich für Dich handeln. Ich will Dir Alles recht leicht machen.

Aber Robert wird ſich wundern, wenn ich nicht hinab⸗ komme wie ſonſt, wandte Meta ein.

Ei, dieſe Verwunderung wird der erſte Schritt zum Beſſeren in Eurem Verhältniſſe ſein.

Adele wollte noch mehr hinzuſetzen, aber es klopfte an die Thür. Schnell ergriff ſie eines der herumliegenden Bücher und drückte es in Meta's Hände, dann öffnete ſie.

Das Stubenmädchen ſtand draußen.

Herr Bergmann läßt Fräulein Meta bitten, hinab⸗ zukommen, ſagte ſie.

Fräulein Meta lieſt in einem ſehr intereſſanten Buche und möchte ganz ungeſtört bleiben. Berichten Sie das

Herrn Bergmann, entgegnete Adele und ſchloß vor der ver⸗ blüfften Jungfer die Thür.

Unruhig blickte Meta auf ihre Couſine.

Mein Gott! Wie wird Robert zürnen, ſagte ſie.Du beginnſt die Sache zu haſtig; er iſt an ein ſolches Benehmen von mir nicht gewoͤhnt.

Gut, ſo gehe, bitte um Verzeihung, und renne in Dein Verderben, in eine unglückliche Ehe.)

Adele ſchickte ſich an, wieder auf den Fußboden zu ihrem Buche zurückzukehren.

Nochmals das ſchreckliche Wort, murmelte Meta.Nein, Adele, hier haſt Du meine Hand. Ich will Dir gehorchen in Allem! Aber leite mich gut. Ich vertraue Dir das Glück meines Lebens an.

Ich will ſuchen, vorſichtiger und klüger für Dich zu ſein, als ich es für mich ſelbſt wäre, entgegnete Adele. Geh' nun raſch in Dein Zimmer und kleide Dich an, wir machen einen Spaziergang.

Wozu das? Muß das ſein? Robert wird darüber noch mehr zürnen.

Fängſt Du ſchon wieder mit Robert an? Wenn Du noch einmal an ſein Wohlgefallen denkſt, ſo thue ich nichts mehr für Dich, ſagte Adele gereizt.

Schweigend gehorchte Meta. Sie kleidete ſich an und kurz darauf befanden ſich die beiden Mädchen auf der Straße.

Meta warf einen ſcheuen Blick nach dem Elternhauſe zurück. Dort, an einem der Fenſter, ſtand Robert und ſah zu ihr herab, ſo ernſt, ſo traurig.

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Zurück, zurück an ſeine Bruſt! rief laut eine Stimme

in ihrem Innern, aber Adele hatte ihren Arm ergriffen und zog ſie faſt gewaltſam vorwärts.

Sie durcheilten ziel⸗ und planlos mehrere Straßen. Endlich fragte Meta ihre Couſine faſt demüthig, ob es nicht Zeit wäre, wieder nach Hauſe zu gehen.

Wie Du willſt, Kind! erwiderte Adele. iſt ja nun erreicht.

Als Meta am Abende, von Adelen verlaſſen, allein in ihrem Zimmer zurückblieb, ſank ſie in dumpfer Betäubung angekleidet auf ihr Lager. So brachte ſie die Nacht zu, ohne Schlaf und doch ohne klares Bewußtſein ihrer Lage, ohne lichte, vernünftige Gedanken. Es war ihr wie Einem, der nach jähem Sturze zwar unverletzt, aber mit erſchüttertem Gehirn und geſtörter Erinnerung am Grunde einer ſchrecklichen Tiefe liegt.

Unſer Zweck

4. Kapitel.

Frau Felden ließ ihre Tochter ſchon früh am Morgen zu Die Matrone befand ſich noch im Bette, ſte littt

Fſich rufen. an nervöſem Kopfſchmerz, deshalb waren auch die die ten Vorhänge an den Fenſtern vorgezogen. Als Meta eintrat, freute ſie ſich faſt des herrſchenden Halbdunkels, konnte ſie doch hoffen, daß ihre Abgeſpanntheit und ihre rothgeweinten Augen nicht bemerkt würden. An das Lager der Leidenden tretend, fragte ſie leiſe:

Du befindeſt Dich nicht wohl, liebe Mutter?

Den körperlichen Schmerz, den ich ja gewöhnt bin, würde ich gern ertragen, erwiderte Frau Felden.Schwer quält mich aber eine Unruhe des Gemüthes, die Du mir

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