Jahrgang 
1 (1879)
Seite
211
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Concordia. 211

Sehr wohl, Herr Geheimrath. Indeſſen ſind Durchlaucht heute bei äußerſt ſchlimmer Laune.

So, ſo! Etwas Unangenehmes vorgekommen?

Ich wüßte nichts.

Hat geſtern Jemand mit Sr. Durchlaucht geſprochen?

Auch davon wüßte ich nichts. Herr Walther war geſtern zwar, wie ſchon oft, hier, ich habe ihn jedoch ab⸗ gewieſen..

Recht ſo, Freundchen, recht ſo. Dieſe Menſchen gönnen Sr. Durchlaucht keine ruhige Stunde.

In dieſem Augenblicke ertönte im Zimmer des Fürſten die Glocke. Der Kammerdiener ging hinein und kam bald darauf mit der Meldung zurück, daß der Geheimrath ein⸗ treten möge.

Der Fürſt blickte bei ſeinem Eintritte nicht von ſeinen Papieren auf und ließ auch den Gruß des Geheimraths un⸗ erwidert. Einige Minuten, die für den Eingetretenen äußerſt peinlich waren, verſtrichen, ehe der Fürſt ſich erhob, und ohne den Geheimrath anzuſehen, fragte er:

Was bringen Sie?

Zuerſt die Verfügung Ew. Durchlaucht betreffs der Penſionsregelung von Hochdero Beamten

Gut! Und weiter?

Den Kabinetsbefehl, den aufrühreriſchen Walther be⸗ treffend.

Was ſind eigentlich deſſen Vergehen?

Ich hatte die Ehre, Ew. Durchlaucht ſchon vorgeſtern darüber Bericht zu erſtatten man hat eine Durchſuchung der Papiere dieſes ſtaatsgefährlichen Menſchen vorgenommen

Nun, was hat man gefunden?

Die Sichtung iſt noch nicht beendet, Durchlaucht.

Um ſo befremdlicher iſt die Eile, die Sie mit dem Kabinetsbefehle haben!

Durchlaucht Höchſtdero Ruhe und das Wohl des Landes

Haben Sie das immer im Auge gehabt? fragte der Fürſt ſtreng, und ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort:

Iſt Walther nicht ein Neffe des alten Blumau?

Ja, Durchlaucht.

Wie befindet ſich der Greis jetzt?

Er gehört leider zu den unheilbaren Kranken und hat keinen lichten Augenblick. Er wird ſehr gut verpflegt und ſein Vermögen gewiſſenhaft verwaltet.

Wer verwaltet es?

Ich ſelbſt, Durchlaucht.

Bringen Sie mir in zwei Stunden die Rechnungen und die Belege über Blumau's Vermögen. Dann das Weitere.

Durchlaucht, dieſe ernſte Sprache ſollte ich das Un⸗ glück gehabt haben, im Vertrauen meines gnädigſten Fürſten geſunken zu ſein?

Sie haben meinen Befehl gehört und ſind jetzt entlaſſen. Bitte aber, einige Augenblicke im Vorzimmer zu warten.

Der Geheimrath verneigte ſich und ging.

Der Fürſt ſetzte auf's Neue die Glocke in Bewegung und befahl dem eintretenden Kammerdiener, den Offizier der Schloßwache herbeizuführen.

Wenige Augenblicke darauf trat dieſer ein und erhielt den Befehl, den Geheimrath von Salfeld zu begleiten, dafür zu

ſorgen, daß er mit Niemandem ſpreche, und ihn in zwei Stunden zum Fürſten zurückzubringen.

Der Geheimrath war ſtarr von Schrecken, als der Offizier ihm die Meldung brachte, daß er ihn zu begleiten habe. Seine Angſt nahm aber den höchſten Grad an, als Edgar Walther in das Vorzimmer trat und dem Kammerdiener das vom Fürſten geſchriebene Blatt zeigte.

Auch der Kammerdiener war ſichtlich verlegen. Er nahm das Blatt, und es dem Geheimrath zeigend, fragte er:

Iſt dies die Handſchrift Sr. Durchlaucht?

Ja! hauchte kaum hörbar der Geheimrath.

Er ging in Begleitung des Offiziers fort, und Edgar wurde dem Fürſten gemeldet.

Dieſer ließ ihn ſogleich eintreten und begann:

Ihr Name iſt Edgar Walther?

Zu dienen, Durchlaucht.

Sie haben, wie ich höre, mich ſchon oft zu ſprechen ver⸗ ſucht, und ſind abgewieſen worden?

So iſt's, Durchlaucht.

Von wem?

Von dem Kammerdiener Ew. Durchlaucht.

Ein Druck auf die Glocke rief dieſen herbei.

Der Herr iſt zu wiederholten Malen hier geweſen und abgewieſen worden. Weshalb? fragte er ſtreng.

Die Furcht Ew. Durchlaucht zu erregen und der ſpezielle Befehl des Herrn Geheimraths

Schon gut! Gehen Sie auf die Wache und melden Sie ſich als Arreſtat!

Durchlaucht meine langen Dienſte bat der Kammerdiener; doch der Fürſt unterbrach ihn ſtreng:

Lange Dienſte ſind keine Entſchuldigung für ſchlechte Dienſte! Gehen Sie!

Kaum hatte der Kammerdiener ſich entfernt, ſo wandte ſich der Fürſt und fragte Edgar mild:

In welcher Angelegenheit wollten Sie mich ſprechen?

Durchlaucht! entgegnete Edgar beſcheiden,ſeit acht⸗ zehn Jahren hat der Geheimrath von Salfeld meinen unglück⸗ lichen Onkel Blumau widerrechtlich gefangen gehalten und der ſchmählichſten Behandlung preisgegeben. Jetzt endlich iſt es ihm gelungen, ſeinen Peinigern zu entfliehen. Allein immer⸗ noch läßt ihn der Geheimrath verfolgen, als ob der alte Mann ein Verbrecher ſei. Durchlaucht, ich bitte innig um Schutz für den alten Mann!

Wiſſen Sie gewiß, daß der Geheimrath von Salfeld es war, der Ihren Onkel gefangen hielt?

Ja, Durchlaucht! Hier ſind die Beweiſe. Mit dieſen Worten zog er eine Anzahl Schriften hervor, und ſie dem Fürſten überreichend, fuhr er fort:

Geruhen Ew. Durchlaucht dieſe Schriften durchzuſehen.

Der Fürſt nahm die dargereichten Papiere entgegen, und während er ſie durchlas, bedeckte dunkle Röthe ſein Geſicht.

Schändlich! ſchändlich! rief er.Und ſolche Verworfenheit wird hier in meiner Reſidenz ausgeführt!

Er ging einige Male im Zimmer auf und ab, dann be⸗ gann er auf's Neue:

Es iſt jüngſt eine Durchſuchung Ihrer Papiere vor⸗ genommen worden; haben Sie dieſelbe zu fürchten?

Gewiß nicht, Durchlaucht! Ich darf ruhig der Ent⸗ ſcheidung eines unparteiiſchen Gerichtes enigegenſehen. Jeden⸗