Jahrgang 
1 (1879)
Seite
209
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Concordia. 209

zuſetzen, arretirt zu werden. Daher ſchickte ich Euch allein dahin, ich hoffte, die Geſundheit Deiner Mutter ſollte ſich bald ſo kräftigen, daß Ihr wieder zu mir kommen konntet.

Als Sie nun aber einſahen, daß ihr dieſes unmöglich, daß ihr ganzes Leben ein fortgeſetztes Leiden war

Da war ich unglücklicherweiſe in eine neue Falle ge⸗ rathen. In Frankreich, wo die Preſſe ſehr in Schranken gehalten wird, wurde ich Genoſſe eines literariſchen Unter⸗ nehmens; ich hatte Antheil an einer Zeitung, die wegen republikaniſcher Propaganda konfiszirt wurde, und das Ende vom Liede war, daß ich und meine Kollegen verbannt wurden; bis zur heutigen Stunde darf ich mich dort noch nicht wieder ſehen laſſen. Dieſes war auch der Grund, warum ich ge⸗ zwungen wurde, meinen Namen zeitweilig zu ändern.

Mit geſpannter Aufmerkſamkeit war ich ſeinen Aufklärungen gefolgt; obgleich ſie mir ſehr unſicher und ungenügend er⸗ ſchienen, ſah ich doch ein, daß ich zu kindlich und zu dumm war, ſolche Dinge zu verſtehen, und glaubte, daß die Hand⸗ lungsweiſe meines Vaters vielleicht von Denen, die darüber urtheilen könnten, anders gedeutet werden würde; doch meine arme, verlaſſene Mutter und meine einſame Jugend konnte ich nicht vergeſſen, und murmelte vorwurfsvoll:

Bei alledem hätten Sie uns doch ſchreiben können, hätten uns wiſſen laſſen müſſen, wo Sie lebten und was Sie trieben.

So etwas kannſt Du nur in Deiner Unerfahrenheit von mir fordern, ſagte der Vater ſorglos;wenn ich geſchrieben

hätte, ſo hätte ich meine Adreſſe verrathen und dadurch meine

perſönliche Sicherheit gefährdet. Die ungünſtigen Nachrichten,

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die ich von Saltpool erhielt, betrübten mich tief, doch meine Gegenwart dort hätte die Leiden Deiner armen Mutter nur noch erhöhen können. Gewiß war ſie in mancher Beziehung ſehr zu ſchätzen, ihr fehlte aber entſchieden die Gabe der Klug⸗ heit, und wenn ich mich nicht davon überzeugt, daß ihre Tochter ſie in dieſem Punkte übertrifft, hätte ich nie wagen dürfen, mich dieſer anzuvertrauen, denn ich lebe heute noch unter demſelben Bann. Das Geheimniß, in das ich mich damals hüllte, muß auch jetzt noch bewahrt werden, die ge⸗ ringſte Unvorſicht von Deiner Seite kann mich in Gefahr bringen, arretirt und in's Gefängniß geworfen zu werden.

Dann könnte ich verſchmachten oder in's Werkhaus wan⸗ dern, ſagte ich, in meinen früheren Ton fallend.

Das nun wohl eben nicht, ich weiß ja, daß Dein Vetter Ulih Dich an Kindesſtatt angenommen hat; Du haſt Alles, was Du wünſcheſt.

Woher wiſſen Sie denn das?

Er ließ ja einen Aufruf in öffentlichen Blättern an mich ergehen, doch da ich nicht in der Lage war, Dich für das, was er Dir bieten konnte, ſchadlos zu halten, ſo blieb ich ruhig; ich bin arm, ſehr arm, ich vermag kaum, mir den Biſſen Brod zu verdienen, mit dem ich mein Leben friſte. Mit welchem Rechte konnte ich daher mein Eigenthum zurückfor⸗ dern? Du haſt ja Alles, was Dein Herz nur wünſchen kann, Du haſt Geld, Luxus und Freunde überall; ſo bin ich be⸗ ruhigt und zufrieden in dem Gedanken, Dich glücklich zu wiſſen und bleibe, was ich bin.

(Fortſetzung folgt.)

Jurchtlos und treu.

Roman. (Schluß.)

Der Fürſt hatte Wort für Wort der Unterredung ver⸗ nommen. Jetzt ſchritt er aus ſeinem Verſteck hervor und trat auf die beiden Alten zu. Dieſe hatten keine Ahnung, daß der Mann in der ſchlichten Jagdkleidung der Fürſt ſein könne; umſoweniger, als man den Fürſten als ungemein ſtolz ſchil⸗ derte, der Jäger aber ſich nach freundlichem Gruße bei den beiden Greiſen niederließ und ſich auf die ungezwungenſte Weiſe mit ihnen unterhielt.

Blumau erzählte dem vermeintlichen Jäger auf deſſen leutſeliges Anfragen ſeine erſchütternde Geſchichte, und als er damit zu Ende war, fragte der Fürſt:

[Und Sie ſagen, daß es der Geheimrath von Salfeld war, dey Sie einer ſo entſetzlichen Behandlung preisgab?

So iſt's entgegnete Blumau.Er kam in den erſten Pagen meiner Gefangenſchaft zu mir und ſagte, ich hätte ge⸗ gen den Fürſten geſprochen, und nur ſeiner Fürſprache habe ich es zu danken, daß mich nicht weit härtere Strafe treffe.

Der Fürſt ſprang entrüſtet auf und rief:

Schändlich! ſchändlich!

Und wo halten Sie ſich jetzt auf?

Ein guter Jüngling, der, wie er ſagt, ein Freund meines älteſten Neffen iſt, hat mich geſtern Abend zu dieſem Herrn gebracht, und heute Abend will dier mir meine Neffen zuführen. Wie heißen Sie? fragte der Fürſt den Lehrer.

Bernſtein, Herr!

Und wohnen?

In Erlbach, einem etwa fünf Minuten von hier gelegenen Dörſchen.

Glauben Sie, daß es nicht Neugierde, ſondern innige Theilnahme iſt, fuhr der Fürſt fort,wenn ich noch einige Fragen an Sie richte. Was iſt Ihr Stand?

Ich war bis vor acht Jahren Lehrer in Erlbach und bin jetzt penſionirt.

Wie viel beziehen Sie Penſion?

Einhundertundzwanzig Thaler das Jahr.

Aber mein Gott, wie können Sie davon leben?

Ich brauche jetzt wenig. Früher bat ich einmal um Zulage; allein ich wurde vom Fürſten abſchläglich beſchieden.

Vom Fürſten ſelbſt?

Wenigſtens erfolgte der Beſcheid im Auftrage des Fürſten.

Der Fürſt fuhr ſich mit der Hand über die Stirn und nach einer Pauſe begann er auf's Neue:

Aber warum wandten Sie ſich nicht direkt an den Fürſten?

O, Herr, der iſt mit einer Mauer umgeben, die für uns unüberſteiglich iſt. Der ältere Neffe dieſes Greiſes, Herr Ed⸗ gar Walther, hat ſchon oft verſucht, zu ihm zu gelangen, um

für ſeinen Onkel und ſeinen Vormund, dem jetzt nicht nur 3 27

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