Jahrgang 
1 (1879)
Seite
207
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Es waren die erſten Papiere derart, die ich

ungefälſcht waren.

Ich gab ſie ihm zurück; in demſelben Augenblick kehrte meine volle Beſinnung zurück, und tauſend Gedanken durch⸗ kreuzten mein Gehirn.

O, warum, rief ich aus,warum, wenn Alles wahr iſt, habe ich Sie nicht früher geſehen und bis jetzt noch Nichts von ihrer Exiſtenz gehört? Und wenn Sie mein Vater ſind, warum nennen Sie ſich denn nicht Fleming? Was haben wir denn verbrochen, daß Sie ſich unſeres Namens ſchämen?

Als ich dieſe Fragen an ihn richtete, mag ich wohl nicht mehr die gehorſame Schülerin von früher geweſen ſein, das glaube ich ſicher. Vor wenigen Tagen noch hätte ich jeglichen Angriff auf meinen Vater, den ich für todt hielt, zu jeder Zeit und auf jede, wenn auch vielleicht nicht ganz überzeugende Weiſe zurückgewieſen, doch nun, da ich die Verſicherung gehört, daß er lebe, und da er gar ſelbſt vor mir ſtand, war es mein einziges Dichten und Trachten, den Schleier, in den er ſich hüllte und der uns bisher getrennt hatte, zu zerreißen.

Warum haben Sie denn nie früher nach mir geforſcht und geſucht? fuhr ich heftiger fort,wiſſen Sie denn nicht, daß ich im 16. Jahre bin, daß meine Mutter meine arme Mutter, einſam geſtorben wäre, wenn der Vetter Ulih nicht zu ihr gekommen wäre? Bei dieſem Gedanken vermochte ich mich kaum zu halten. 4

Herr David(ich kann mich noch nicht überwinden, ihn

bei einem anderen Namen zu nennen) beſchäftigte ſich unter⸗

deſſen ſo eifrig bei meinem Bilde, als ob beſonders viel auf ſeine letzten Pinſelſtriche ankäme.

Wenn Du etwas ruhiger geworden biſt, ſagte er dann, indem er meinen Pinſel zur Hand nahm,werde ich Dir Alles mittheilen; dann kannſt Du ſelbſt darüber urtheilen, ob ich jedes Anrecht auf die Achtung meiner Tochter verſcherzt habe; ihrer Zuneigung glaubte ich ſo gewiß zu ſein! Doch (mit einem tiefen Seufzer) ich war ein Thor, wenn ich mir dieſe Hoffnung machte!

Da thaute mein Herz auf! Was berechtigte mich denn, ihn zu betrüben? Wenn er auch immerhin nicht ganz ſo war, wie ich mir ihn ausgemalt hatte, ſo war er doch der Vater, den mir Gott gegeben, und dem ich zum Mindeſten Gehorſam ſchuldig war.

Ich bin ſo traurig, ſagte ich, indem ich mich ihm näherte, Alles iſt mir noch ſo neu! Vergeben Sie, wenn ich ſo zu Ihnen ſprach! 1

Herr David legte den Pinſel zur Seite und ergriff meine Hand.

Ja, ich will es, doch unter der Bedingung, Petronel, daß Du mich Vater nennſt.

Dieſes Wort ſchnürte mir den Hals zuſammen. Anfäng⸗ lich hielt ich es für eine Unmöglichkeit, es je ausſprechen zu können, doch nach einiger Zeit gelang es mir, mit ſchwacher, unſicherer Stimme der Anforderung meines Vaters zu ent⸗ ſprechen.

So iſt es recht! ſagte er ermuthigend;nun will ich auch gern die Fragen beantworten, die Du mit Fug und

Recht an mich ſtellen darfſt. Doch Du mußt einſehen, daß das

in wenigen Minuten nicht möglich iſt; gedulde Dich daher bis nächſten Freitag, dann ſollſt Du Alles hören.

Am nächſten Freitag erſt? rief ich erſchrocken aus; denken Sie denn, mir noch fernerhin Zeichenunterricht zu geben? Wollen Sie es denn nicht ſogleich der Miß Little ſagen, daß Sie mein Bater ſind?

Bei dieſer Frage wandte ſich Herr David um.

Das ſollte ich der Miß Little ſagen? Kind, biſt Du von Sinnen? Nie und nimmer! Vergiß nicht, daß ich Dir Alles unter dem Siegel der allergrößten Verſchwiegenheit an⸗ vertraut, nur unter der Bedingung that ich es überhaupt.

Ein Geheimniß? während meines ganzen Lebens? ſtammelte ich.

Jawohl, wenn ich es nicht anders wünſchen ſollte! er widerte er feſt, und wie er ein Schwanken und Unſicherheit bei mir bemerkte, fügte er hinzu:In dieſem Augenblick iſt es mir unmöglich, Dir Weiteres mitzutheilen, die Zeit meines Fortgehens iſt ſchon überſchritten; vergiß aber das Eine nicht: meine Sicherheit hängt von Deinem unverbrüchlichen Schwei⸗ gen ab!

Durch nichts Anderes hätte Herr David ſeinem Befehl mehr Nachdruck geben können als durch dieſe Worte; ich würde Gehorſam gezeigt haben, ſelbſt wenn die Aufklärungen, die er mir verſprach, nie erfolgt wären; ſie erſchreckten mich bis in mein Innerſtes, und als ich ihn das Penſionat verlaſſen ſah, hatte ich das beſtimmte Gefühl, daß mit dem Tage der glück⸗ lichſte, ſorgloſeſte Abſchnitt meines Lebens beendet war. Als ich mich Abends zur Ruhe legte, war meine Seele tief be⸗ trübt und mein Körper von Fieber geſchüttelt. Der Nebel, der meines Vaters Geſchick umhüllte, war undurchdringlicher denn je und ich zerbrach mir vergebens den Kopf, um ſeine letzten Andeutungen zu entziffern. Ich konnte es nicht faſſen, daß ich in meinem Zeichenlehrer meinen Vater gefunden haben ſollte, und je mehr ich dieſe Idee verfolgte, deſto unerträg⸗ licher wurde ſie mir. In dem einen Augenblicke war es mir, als müſſe ich Herrn David mißverſtanden haben, in dem anderen ſchien mir mein Herz ſchlecht und verhärtet, daß ich, die ich ſo einſam in der Welt ſtand, nicht dankbar den Freund, den mir Gott ſandte, annahm! Mein Inſtinkt aber ſagte mir klar und deutlich, mein Zeichenlehrer war nicht der Art, daß Vetter Ulih ihn je Freund nennen könnte, es war zweifellos, die Beiden mußten ſich ſtets fremd bleiben. Dann wieder fragte ich mich, ob Herrn David's Anſprüche an mich auch wohlbegründete waren, er hatte ja meine Mutter einſam leben und ſterben und mich der Gnade Anderer anheimfeallen laſſen, während er unter einem angenommenen Namen in fremden Landen lebte. Unfähig, alle dieſe Räthſel zu löſen, doch mit dem beſtimmten Gefühl, daß bei Allem Etwas unrecht ſein müſſe, barg ich mein Geſicht in die Kiſſen und beklagte es unter heißen Thränen, daß er ſich mir entdeckt. Als Lehrer war er mir lieb geweſen, doch jetzt tauchte der Wunſch in mir auf, daß ich ihm nie im Leben wieder begegnen möchte, und doch wiederum erſehnte ich den Freitag, der mir die Auf⸗ klärungen bringen ſollte. Am anderen Morgen erhob ich mich matt und zerſchlagen an Geiſt und Körper; das Gefühl, ei Geheimniß mit mir herumtragen zu müſſen, über das ich mich⸗ ſo gern ausgeſprochen hätte, das ich aber Niemandem anver⸗ trauen durfte, drückte mich ſchwer darnieder, und es war mir, als läge meine Kinderzeit hinter mir und ich ſei zur Jung⸗ frau gereift. Als Felieite die plötzliche Veränderung in meinem Weſen und Benehmen bemerkte, ſah ſie mich ganz erſtaunt au