Jahrgang 
1 (1879)
Seite
205
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der Natur zu malen, jetzt iſt uns dazu das Wetter 5 und im Garten finden wir einige hübſche Bäu⸗ ich zum Modell eignen. 1 8 Sobald Herr David Miß Little von ſeiner Kenntniß geſetzt, begannen die Stunden drauf eeine

Staffelei wurde auf einem freien Platz zwiſchen d hüſch des Parks aufgeſtellt, dadurch war ich von igen Schülerinnen ganz getrennt. Es war im Oktober ttter war warm und der Kloſtergarten ſchattig und die Bäume fingen ſchon an, ſich zu färben, waren in vollem Laube. Herr David wünſchte, daß die r. us⸗ erwählte Baumgruppe von jeder Schülerin von ein ren Seite aufgenommen würde, deshalb wurde m. elei noch weiter zurück, in einen Nebenweg gebracht, a lätz, der ganz von dicken Bäumen und Geſträuchen 1 ar; dort etablirte er ſich neben mir. Nach einigen Stunden im Freien bemierkt⸗ eine Intimität mit Herrn David bedeutende afritte acht

hatte, die förmliche AnredeMäilbe en ließ er fort und nannte mich nur bei meinem Anamen; da die übrigen Theilnehmerinnen ſeines* chts im Engliſchen nicht be⸗ wandert waren, fielVertraulichkeit Niemandem auf, ich meinerſeis ae auch ganz zutraulich zu ihm und Afertigt ſeine Veränderung. Und doch kann ich eigentlich aagen, daß mir Herr David beſonders angenehm manWtolz, mit dem er meine Leiſtungen betrachtete, und die ggung, die er mir zeigte, ſchmeichelten meiner Eitelkeit un en mich an. Das Alles war mir noch neu und machte m gnügen; auf ſeine Freundſchaft aber legte ich keinen b Lerth, und mit demſelben leichten Herzen, mit dem p von jedem oberflächlichen Verkehr trennt, würde ich woahrſcheinlich auch von Antwerpen und von meinem nlehrer getrennt haben, wenn dieſer mir nicht eine eilung gemacht hätte, die mich tief erſchütterte. dieſe Mittheilung, die er mir eines Nachmittags machte, ich nie, nie in meinem Leben vergeſſen werde, veränderte e Gefühle zu ihm gänzlich, brachte mich ihm aber näher zuvor.

Eben hatte ich meine Baumgruppe beendigt; ſtolz und

geregt durch die lebhaft geäußerte Zufriedenheit des Herrn

did, ſaß ich tändelnd vor dem Bilde, fügte hier und dort

y etwas Licht oder Schatten hinzu und plauderte zwiſchen⸗ rch mit meinem Lehrer. Er hatte das Geſpräch wieder f Saltpool gebracht und mit Lebhaftigkeit ſchilderte ich ihm

ie Szenerie dort, die mir noch deutlich vor Augen ſtand. kötzlich unterbrach er mich und fragte, von wem ich wohl

ein Talent für Malerei geerbt hätte. Ein entſchiedenes Talent liegt bei Ihnen vor, das iſt heifellos, und ſelten kommen ſolche Gaben der Natur zufällig,

8 7 wöhnlich ſind ſie angeerbt. Malte Ihre Mutter vielleicht?

Nein, ſoviel ich weiß, nicht, Herr David. So lange

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meine arme Mutter kannte, war ſie faſt immer leidend ad lag auf dem Sopha; ich wüßte nicht, daß ich je in

ſrer Hand einen Pinſel geſehen hätte.

4Vielleicht war Ihr Vater ein Künſtler, Petronel? Wäh⸗

end dieſer Frage beugte Herr David ſich über mein Bild nd prägte den Schatten eines Baumes deutlicher aus. Ich ſchüttelte zweifelnd mit dem Kopfe.

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Von meinem Vater weiß ich gar nichts; ich glaube, er muß uns verlaſſen haben, als ich noch ſehr klein war, denn ich erinnere mich ſeiner faſt gar nicht mehr, weiß auch nicht einmal, wie er ausſah.

Sprach Ihre Mutter denn nie von ihm?

Nein, nein! Doch oft, wenn ſie weinte, ſah ſie mich an und nannte mich ein armes, vaterloſes Kind. Iſt die Gruppe nun fertig, Herr David?

Ja, beinahe, und für einen Anfänger iſt ſie ein Meiſter⸗ werk; nächſtens bringe ich Ihnen meine Skizze von der Kathe⸗ drale mit, die ſollen Sie auch kopiren doch à propos, was

Ihren Vater betrifft entſinnen Sie ſich nicht, ihn betrauert zu haben?

NPoj; 8 65 8 Nein, ich habe nie über Jemand anders getrauert, als über meine Mutter.

D iſt do:. Das iſt doch menemürdig; finden Sie es Sie ſagen doch, Ihr Vater ſer eadt.

Dieſe Frage machte mich erröthe

ſe Frage mach 5 erröthen, w natte auch ſchon oft

und beſonders in der letzten Zeit darüber nachg⸗. . 9 Acht, es war ja aber nur ein Theil von dem ganzen Geheimniß,⸗ die Erinnerung an meinen Vater gehüllt war.

nicht auch?

das

Ich erkläre mir dieſes daraus, erwiderte ich verlegen und eifrig beſchäftigt mit dem Abwiſchen meiner Palette,daß wir damals nicht in der Lage waren, Trauerzeug zu kaufen.

Nein, Petronel! das kann der Grund nicht ſein!

Ganz erſtaunt blickte ich ihn an; was in aller Wey wußte er von unſeren Familien⸗Verhältniſſen? Wenn mir zugerufen, ich ſei keine Fleming, ſo hätte mich das nic mehr in Verwunderung bringen können.

Was wiſſen Sie davon? fragte ich haſtig.

Ihr Vater iſt nicht todt! Er lebt in dieſem Augenblig noch! erwiderte mein Zeichenlehrer feſt.

Er lebt? Serr David, von wem haben Sie d erfahren? Ich zullein Gsvenlaub. Die Erinnerung meinen Vater hatte bei Welt ſtand, zandere Betrübniß herv gerufen; er war mir völlig! Mein Inſtumrt hatte ich nie. Doch als ich hörte, daß ichrer war nicht der: daß lebte, daß ich vielleicht noch Gelegengte, es war zwe* kennen und lieben zu lernen, und daß ich Dann 14 verwaiſt ſein ſollte, da war ich ſo mächtig und mierwal erregt, daß ich faſt zuſammenbrach. Im erſten Augenb vermochte ich weder an die Möglichkeit zu glauben, noch Wirklichkeit mir auszumalen, und wußte mir nicht anders⸗ helfen, als in heftiges Schluchzen auszubrechen.

Herr David ſah meine große Aufregung und ſ⸗ großer Sorge zu ſein, daß ſie die Aufmerkſamf⸗ Mitſchülerinnen erregen könnte; deshalb ſagte lichem Tone:

Seien Sie ruhig, Petronel, faſſen S' ich Ihnen weiter Nichts ſagen.

Ich bin ja ruhig, erwiderte ich ſam zuſammen;fahren Sie fort, ſagen Sie mir Alles. Kennen S Sie ihn geſehen? Warum hat m verheimlicht, daß er lebt?

Ich war faſt athemlos vor Auf es nicht beſſer zu gehen.

Ich kenne ihn, ſagte er 1