Jahrgang 
1 (1879)
Seite
201
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Diesmal haben Sie das Rechte getroffen! antwortete der Beamte.

O nun muß ich zuerſt ſprechen, fuhr Wellmann lebhaft fort;Falk hat ſich um die Hand der Tochter Römer's beworben und iſt abgewieſen worden; er hat Römer ein un⸗ ſauberes Geſchäft offerirt und wurde dafür nach Gebühr be⸗ handelt. Der verhaftete ungetreue Diener iſt von ihm lange als Spion bei Römer benutzt worden. Dieſer Diener iſt der Bruder des früher verurtheilten Telegraphiſten. Beide haben mit Falk dieſelbe Heimat. Falk iſt Derjenige, welcher haupt⸗ ſächlich Vortheile aus den früheren Depeſchenfälſchungen ge⸗ habt und, wie ich behaupte, auch Derjenige, von dem die gegenwärtigen Betrügereien herrühren. Falk iſt ein gefähr⸗ licher Menſch, behaupte ich ferner; ihn treibt niedere Rach⸗ ſucht, Römer zu verderben. Erſt heute iſt ein niederträchtiger Streich, den er durch einen gewiſſen Amtmann Buchholz gegen Römer in Szene ſetzen ließ, entdeckt worden. Sie werden hiernach begreifen, welchen Werth die überhaupt ſchon ihrer Ungeheuerlichkeit wegen unglaubliche Anſchuldigung eines ſolchen Menſchen haben kann; Römer ein Mörder! welche Ungereimtheit!

Der Tauſend! rief der Kommiſſarius,das ging ja wie am Schnürchen. Wir wollen uns Alles merken aber wen haben Sie noch da draußen?

Den vor zehn Jahren beſtraften Telegraphen⸗Beamten! antwortete Wellmann.

Schnell herein mit ihm! ſagte Lanz lebhaft.

Wellmann rief Graupner herein; der Kommiſſarius be⸗ trachtete ihn einen Moment mit durchbohrenden Blicken. Dann forderte er ihn auf, ſeine Ausſagen zu machen.

Graupner begann damit, wie er, durch Krankheiten in ſeiner zahlreichen Familie zu Geldanleihen gezwungen, ſeine Zuflucht zu dem Wucherer hatte nehmen müſſen, deſſen Kom⸗ pagnon Falk ſpäter geworden. Er ward ſchließlich von Beiden vollſtändig abhängig und Falk benutzte dies, ſobald er in den alleinigen Beſitz des Geſchäftes gelangt, ihn zu Unredlichkeiten halb zu verleiten, halb zu zwingen. Er hatte ſich vergeblich nach Rettung umgeſehen. Dienſtentlaſſung, als das Mindeſte, drohte ihm unter allen Umſtänden und von allen Seiten.

Einmal der Gewalt Falk's anheimgegeben, war es nicht mehr möglich, zu widerſtehen. Der Sündenlohn, den er er⸗ hielt, war ſtets nur ein ſehr geringer geweſen, obwohl Falk gewiß viel durch die Fälſchungen verdient habe, da er in kur⸗ zer Zeit reich geworden.

Graupner beſchrieb auch die zum Zwecke der Fälſchungen vorgenommenen Manipulationen näher, entrollte ein Bild des ganzen Netzes, welches zu betrügeriſchen Zwecken gewoben worden, und nannte die außer Falk und ihm noch an der Sache betheiligten Perſonen, ſoweit ſie zu ſeiner Kenntniß gekommen und die meiſtens zu jener Zeit ihren Wohnſitz in der Hauptſtadt hatten.

Schließlich ſchilderte er noch die Erfahrungen und bitteren Erlebniſſe ſeiner jüngſten Tage, wie wir ſie bereits kennen.

Der Kriminal⸗Kommiſſarius hörte ſeinen Vortrag an, ohne ihn zu unterbrechen. Als Graupner geendet, wendete ſich Jener zu Wellmann.

Sie ſind feſt überzeugt, fragte er dieſen,daß der Mann die Perſon iſt, für welche er ſich ausgiebt?

Ich kenne den Mann lange genug dazu! antwortete Wellmann.

Graupner zog ſchweigend ſein ominöſes Teſtimonium hervor, und überreichte es.

Ich muß nämlich einen kühnen Griff wagen! ſagte der Beamte, jenes nehmend,deshalb wollen wir auch vorläufig das Protokolliren laſſen. Ueber das Abweichen von der Route können Sie ſich unter dieſen Umſtänden beruhigen, Freund Graupner; doch muß ich Sie hier behalten, wenn auch nicht als Arreſtant. Sie, Herr Kamerad, muß ich nothwendig morgen wiederſehen, und Sie mögen mich beehren, wenn es eben Ihre Zeit erlaubt!

Der Kommiſſarius klingelte und der wachthabende Nuntins trat ein.

Dieſer Mann, ſagte der Erſtere, auf Graupner deutend, wird ſeine Nachtruhe hier im Zimmer auf dem alten Sopha halten; es iſt nicht nöthig, ihn zu ſtören, bis ich zurückkomme. Holen Sie mir zwei Exekutiv⸗Beamte von der Wache!

Der Mann ging und der Kommiſſarius griff nach Rock und Hut. Gleich darauf erſchienen die befohlenen Poliziſten.

Meine Herren! ſagte Jener,wir werden noch einen kleinen Ausflug machen; kommen Sie!

Die drei Beamten und Wellmann verließen das Gemach und das Gebäude. Auf dem Platze trennte ſich der Letztere von den Erſteren, um nach dem Römer'ſchen Hauſe zu eilen. Als er vor demſelben anlangte, verließen die letzten Gäſte, von Frau Römer und Klara geleitet, das Haus. Man lachte und ſcherzte während der Verabſchiedung, hatte alſo noch keine Ahn⸗ ung von dem, was eigentlich in Betreff Römer's geſchehen.

Wellmann beobachtete jene Abſchiedsſzene aus der Ferne. Er kämpfte mit ſich ſelbſt, ob er ſchon jetzt ſeine böſe Kunde in das Haus tragen ſollte oder nicht. Da wurden jedoch in der Geſchwindigkeit die Lichter des Flures gelöſcht und die Thür zugeſchlagen. Seine Unentſchloſſenheit war zu Ende; es war jetzt zu ſpät, das Haus noch zu betreten.

Gut! ſprach er vor ſich hin,mögen ſie dieſe Nacht noch in Frieden ruhen!

Für ihn ſelbſt war freilich während derſelben nicht an Schlaf zu denken. Langſam und in Nachſinnen verſunken ſchritt er ſeiner Wohnung zu.

10. Kapitel. Der böſe Schatten.

Nur ein böſer Schatten war es, welcher drohend über dem Römer'ſchen Hauſe hing nichts Weſentliches. Nur Bosheit und Niederträchtigkeit konnten denſelben zur Scheuche machen und zu ängſtliche Beſorgniß um Erhaltung von Familienglück, guten Ruf und fleckenloſe Ehre dieſe Scheuche fürchten laſſen.

Römer's Vater war Gutsbeſitzer und mit Kindern wie mit Glücksgütern reich geſegnet. Er ſtand lange Zeit mit einem Grenzuachbar in freundſchaftlichen Verhältniſſen, welcher in⸗ deſſen nur während der beſſeren Jahreszeit auf ſeinem Land⸗ ſitze wohnte. Für gewöhnlich gehörte Jener der Hauptſtadt an, wo er geraume Zeit hindurch zu den erſten Größen der Börſe zählte.

Bankier Mohrmann, wie der Herr ſich nannte, war eine Sonderlingsnatur, welche ſtark an Einbildungen und vorgefaßten

Anſichten litt. Dies mochte wohl auch die erſte Veranlaſſ⸗ 26