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Concordia.
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perſiſchen Teppich belegt. Das Boudoir, welches an den Salon ſtieß, war genau in demſelben Style möblirt, nur die Tapeten zeigten hier die Geſchichte von Hero und Leander.
„Ich glaube, dies Alles war Lady Penwyn's Geſchmack,“ ſagte die Haushälterin, als Maurice Alles bewundert hatte. „Ihre oberen Zimmer ſind wie ein Bild— Alles paßt genau zu dem Charakter des Hauſes, wie der Tapezierer ſagte. Er meinte, es gäbe wenig Ladies, die das ſo gut verſtänden. Sie wollen ein altes Herrenhaus mit Weiß und Gold putzen im Style Ludwig's des Fünfzehnten, was ganz gut paßt für einen Salon nächſt den elyſeeiſchen Feldern; und wenn man ſie fragt, warum, ſo meinen ſie, das ſei faſhionable. Mrs. Penwyn habe den Geſchmack eines Künſtlers.“
Maurice beeilte ſich nicht mit der Beſichtigung des Hauſes, da er die Haushälterin ſo mittheilſam und den Ort ſehr intereſſant fand. Er hörte Vieles über den alten Squire, Nicholas Penwyn, der hier vierzig Jahre gewaltet und für den ſeine Diener eine ſeltſame Miſchung von Furcht, Achtung und Zuneigung gefühlt.
„Er war ein gerechter, aber ſtrenger Mann,“ ſagte Mrs. Darvis; ſelten verzieh er, wenn er beleidigt ward. Wiſſen Sie, Sir, es brauchte viel, bis er beleidigt war; aber wenn er eine Beleidigung empfand, ſo wurzelte ſie tief in ihm. Ich hörte unſeren alten Doktor ſagen, der Squire habe Fleiſch, das nicht leicht heile. Er kam auch niemals mit ſeinem älteſten Sohne Mr. George gut aus, obgleich dieſer der Schönſte und nach meiner Meinung auch der Beſte der drei Brüder war.“
„Was führte die Mißſtimmung herbei?“ fragte Maurice. Sie hatten jetzt die Runde durch das Haus gemacht und der Reiſende hatte ſich bequem auf einen Sitz neben dem Fenſter der Eingangshalle niedergelaſſen, einem Fenſter, durch welches hell und warm die niedergehende Sonne ſchien. Mrs. Darvis ſetzte ſich auf eine geſchnitzte Bank von Eichenholz neben dem Kamin und ruhte aus von der ungewohnten Anſtrengung. Elsbeth ſtand in reſpektvoller Entfernung, die Arme in ihrem rothen Shawl gefaltet, und lauſchte auf die Worte der Haushälterin.
„Nun, ſehen Sie, Sir,“ erwiderte Frau Darvis in ihrer kangſamen, methodiſchen Weiſe,„der alte Squire hätte es gern geſehen, daß Mr. George zu Hauſe geblieben wäre und Intereſſe an der Beſitzung genommen hätte, denn er war immer bemüht, ſein Eigenthum zu vergrößern, und ſein Herz und ſeine Seele hingen daran, wenn man ſo ſagen darf. Die Leute mochten ihn einen Geizhals nennen, aber es war nicht das Geld, um was er ſich kümmerte; er wollte Land, um die Wichtigkeit ſeiner Familie zu vermehren und die Beſitzung wieder auf denſelben Stand zu bringen, auf dem ſie ſich be⸗ fand, als das Schloß gebaut wurde. Nun kümmerte ſich Mr. George nicht darum, zu Hauſe zu bleiben. Das ſei eine träge, ſchläfrige Lebensweiſe, ſagte er, und er hatte ſein Herz darauf geſtellt, zur Armee zu gehen. Der Squire gab endlich nach und kaufte Mr. George eine Offiziersſtelle, aber es war in einem Fußregiment, und das war gegen das Verlangen des jungen Gentleman, der zur Kavalerie zu kommen wünſchte. So ſchieden ſie nicht ganz ſo gut, als es hätte ſein ſollen, da Mr. George zu ſeinem Regimente ging, das nach Indien kam.“
„Sie waren zu dieſer Zeit hier, nicht wahr?“
„Der Himmel ſegne Sie, Sir, ich war beinahe ſeit meiner Geburt hier. Meine Mutter war vor mir Hauhälterin. Sie war die Wittwe eines Handelsmannes in Truro, der ſehr achtbare Verbindungen hatte. Mrs. Penwyn, die Gattin des Squire, nahm mich als ihr Kammermädchen auf, als ich erſt ſechszehn Jahre zählte; zwölf Jahre ſpäter, in ihrer letzten Krankheit, pflegte ich ſie, und als meine arme Mutter ſtarb, folgte ich ihr als Haushälterin. Ich gedenke in demſelben Zimmer zu ſterben, in welchem ſie ſtarb, in demſelben, wo ich ſeit den letzten zwanzig Jahren geſchlafen, ſobald es Gott ge⸗ fällt, mich abzurufen.“
„So ſchieden der Squire und ſein älteſter Sohn in feind⸗ ſeliger Stimmung?“.
„Nun, Sir, ſie ſchieden gerade nicht in Feindſchaft, aber es war eine gewiſſe Kühle zwiſchen ihnen eingetreten; Jeder⸗ mann konnte das ſehen. Mr. George— oder der Kapitän, wie wir ihn gewöhnlich zu nennen pflegten, ehe er zur Armee ging— war noch kaum ein Jahr fort, als ein Streit zwiſchen dem Squire und ſeinem zweiten Sohne, Mr. Balfour, ent⸗ ſtand, weil dieſer gegen den Willen ſeines Vaters heiratete. Die Lady war eine Brauerstochter, und der Squire ſagte, Mr. Balfour ſei der erſte Penwyn, der ſich jemals durch eine ſolche Heirat herabgewürdigt habe. Mr. Balfour war zu der Zeit nicht viel über zwanzig Jahre alt, aber er nahm dem alten Squire ſeine Worte ſehr übel und kam nach ſeiner Heirat niemals wieder nach dem Gute Penwyn.
„Wie kam es, daß der älteſte Sohn niemals heiratete?“ fragte Maurice.
„Ach, Sir, daran hängt eine Geſchichte, wie das Sprich⸗ wort ſagt. Mr. George kam aus Indien nach Hauſe, nach— dem er ungefähr zehn Jahre fortgeweſen war und ſich durch gute Haltung und Muth ſo ausgezeichnet hatte, daß man ſeinen Namen, wie mir die Leute ſagten, während des Krieges öfters in den Zeitungen geleſen. Ich denke, daß er ſchöner als jemals ausſah, als er heim kam, obgleich ihn die Sonne gebräunt hatte; er war ebenſo freundlich und angenehm in ſeinen Manieren wie damals, als er noch ein Jüngling ge⸗ weſen. Nun, Sir, ſchien der Squire entzückt darüber, ihn wieder hier zu haben, und er machte ſehr viel aus ihm. Sie waren immer beieinander und der Squire lehnte ſich zuweilen auf den Arm ſeines Sohnes, wenn ſie einen langen Weg ge⸗ gangen und Es war das erſte Mal, daß man ihn eine Stütze annehmen ſah. So pflegten ſie auch Abends beim Weine beieinander zu ſitzen und zu plaudern und ſchienen ſo glücklich, als Vater und Sohn nur immer ſein können. Wir Alle— wir waren Alle alte Diener— freuten uns, das zu ſehen, denn wir waren Mr. George ſehr zugethan und ſahen auf ihn als unſeren künftigen Herrn.“
er ermüdet war.
„Und wie lange dauerte dieſer Zuſtand?“
„Zwei oder drei Monate, Sir; dann ſahen wir Alle auf einmal eine Wolke. Mr. George begann am frühen Morgen auf die Jagd zu gehen es war gerade die Herbſtſaiſon— und er kam ſelten zurück, ehe es finſter war; und der Squire ſchien ſchweigſam und mürriſch eines Abends. Niemand von uns konnte errathen, was dies bedeute, denn wir hatten keine erregten Worte zwiſchen den beiden Gentlemen gehört, bis auf einmal, durch irgend einen Zufall, den ich nicht mehr im Gedächtniſſe habe, das Geheimniß herauskam. Es lebte ein
ältlicher Gentleman zu Morgrave⸗Park, einer ſchönen Beſitzung
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