Jahrgang 
1 (1879)
Seite
187
Einzelbild herunterladen

Hert Sie och ame rem

nlich

be bei luf⸗ urch

er⸗

ent⸗

Be⸗ Un⸗

es rden

Concordia.

Inzwiſchen war es dunkel geworden; hier und da brannten bereits die Straßenlaternen, denn der Abend war infolge der trüben, regneriſchen Witterung ziemlich raſch hereingebrochen.

Kaum hatte der Hofrath das Zimmer verlaſſen, ſo trat ihm Agnes mit einem Lichte in der Hand entgegen; ſie ſah bleich und verſtört aus und zitterte beim Anblick des Hof⸗ raths ſo, daß das Licht ihrer Hand entfiel. In demſelben Augenblicke rollte ein Wagen an dem Hauſe vorüber und der Hofrath, ahnend, daß ihm die ſo ſicher ſcheinende Beute ent⸗ wiſcht war, rief:

Wo iſt der alte Blumau?

Ich weiß es nicht! entgegnete bebend das Mädchen.

Haſtig ſprang er nach der Thür und ſah eben noch den raſch davoneilenden Wagen um eine Ecke biegen.

Tod und Teufel! knirſchte er,wer ſaß in dem Wagen, der eben von hier abfuhr?

Agnes ſchwieg verlegen.

Können Sie nicht reden? donnerte er ihr zu.

Aufmerkſam durch das laute Reden geworden, trat jetzt Frau Elsner, gefolgt von dem Gerichtsdiener, heraus. Der Schein des Lichtes, das ſie in der Hand trug, fiel auf die bleich und zitternd daſtehende Tochter, aber noch ehe die Mutter ein Wort ſprechen konnte, rief der Hofrath auf's Neue:

Zum letzten Male frage ich wo iſt der alte Blumau?

Er iſt nicht hier! ſtotterte Agnes,er iſt

Wo, wo?

Er iſt weggefahren!

Tod und Teufel! Das ſollt Ihr mir büßen! Schnell einen Wagen! rief er dem Gerichtsdiener zu.

Wohl vollzog dieſer ſofort den Befehl; allein es dauerte lange, bis er mit demſelben zurückkam. Als er aber end⸗ lich erſchien, war die Spur des Flüchtigen längſt verloren.

Es war zu ſpät, der Greis war in Sicherheit.

8. Kapitel. Reue verſöhnt.

In Werner's einfacher, aber äußerſt ſauberer und trau⸗ licher Wohnung ſaßen Edgar und Arthur. Sie hatten ſich

längſt verſöhnt, und Edgar hatte dem Bruder all' das Leid,

das er ihm zugefügt, von Herzen verziehen.

Die Mutter und Schweſter Werner's hatten ſich, um die Brüder nicht zu ſtören, in ein Nebenſtübchen zurückgezogen und hier wie dort erwartete man ſehnlichſt Werner's Ankunft, auf beiden Seiten fürchtend, daß dieſem etwas zugeſtoßen ſein könnte.

Die Nacht war längſt hereingebrochen, aber der Regen floß in Strömen herab und kein Stern erhellte die dunklen Wolkenmaſſen.

Arthur trat an das niedrige Fenſter, und in die Finſter⸗ niß hinausſchauend, ſprach er.

Faſt beunruhigt mich Werner's langes Außenbleiben! Hatteſt Du ihm noch irgend einen Auftrag ertheilt?

Nein! entgegnete Edgar,doch ſeinetwegen bin ich ruhig; er iſt ebenſo treu als umſichtig. Wer weiß, was ihn am Früherkommen verhindert hat.

In dieſem Augenblicke ließ ſich das Rollen eines Wagens vernehmen, welcher an dem Hauſe hielt. Die Seltenheit die⸗ ſer Erſcheinung mochte es wohl ſein, die Werner's Mutter

und Schweſter herbeirief. Denn noch nie war es vorgekommen, daß ein Wagen an dem einſamen Häuschen der Vorſtadt ge⸗ halten hatte.

Kaum hatten Mutter und Tochter ihre Verwunderung über das Vorkommniß ausgeſprochen, ſo ließen ſich Tritte auf der Treppe hören und zu nicht geringem Erſtaunen der Brüder trat der Hofrath von Salfeld erregt in das Zimmer.

Die beiden Frauen zogen ſich wieder in ihr Stübchen zurück und in ſichtlicher Verlegenheit über das trauliche Zu⸗ ſammenſein der Brüder begann der Hofrath lächelnd:

Siehe, wie lieblich es iſt, wenn Brüder einträchtig bei⸗ einander wohnen!

Schade, entgegnete Arthur froſtig,daß Du Dich erſt heute auf dieſen ſchönen Bibelſpruch beſinnſt. Doch, was willſt Du hier?

Ich komme in dienſtlicher Angelegenheit

Wie das Nachts? fragte Arthur höhnend,glaubſt Du etwa, hier einen Mann zu finden, der reich genug zum Einſperren iſt?

Gerade dieſer kalte Hohn war es, der dem Hofrath ſeine Frechheit zurückgab; er richtete ſich ſtolz auf und ſprach:

Arthur, ich ſagte Dir ſchon, daß ich in dienſtlicher An⸗ gelegenheit in dieſes Haus komme, und wenn ich Deine bur⸗ ſchikoſen Reden unter uns auch dulde, hier verbitte ich ſie mir ganz entſchieden, ſonſt würde ich mich in die Nothwendig⸗ keit verſetzt ſehen, unſere bisherige Freundſchaft aufzuheben.

Wirklich? höhnte Arthur,hältſt Du Deine Freundſchaft für ſo werthvoll?

Nun, ich dächte doch, ich hätte Dir manchen Dienſt ge⸗ leiſtet.

Elender Heuchler! brauſte jetzt Arthur auf,das wagſt Du mir in's Geſicht zu ſagen? Zum Werkzeug Eurer un⸗ ſauberen Pläne habt Ihr mich gebraucht und ich war blind genug, Euer elendes Spiel ſo lange nicht zu durchſchauen. Indeſſen iſt es jetzt Tag in mir geworden und ich ſchwöre Dir, daß ich nicht ruhen werde, bis ich Dir und Deinem Vater die heuchleriſche Maske vom Geſicht herabgeriſſen habe.

Ich habe weder Luſt noch Zeit, mich mit Dir in Streit einzulaſſen, und will Dir nur ſagen, daß Alles das, was ge⸗ ſchehen iſt, auf Deine Veranlaſſung geſchah. Du ſelbſt gabſt meinem Vater die Klage gegen Elsner. Du ſelbſt verdächtigteſt Deinen Bruder und nannteſt ihn mit den ab⸗ ſcheulichſten Namen, Du ſelbſt

Jetzt trat auch Edgar vor, und den Hofrath unterbrechend, begann er:

Erſparen Sie ſich die Aufzählung der Schwächen meines Bruders, die nur dadurch entſtanden, weil er Ihren gleiß⸗ neriſchen Worten zu viel traute. Wir ſind jetzt aber aus⸗

geſöhnt und werden es, ſo Gott will, bleiben. Doch, Sie

ſagten ja vorhin, daß Sie weder Luſt noch Zeit hätten, viele Worte zu machen, deshalb haben Sie wohl die Güte, uns zu ſagen, was Sie hierher führt?

Gewiß, ich ſuche auf höheren Befehl hier den alten irr⸗ ſinnigen Blumau. Er war vor Kurzem im Elsner'ſchen Hauſe und ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich annehme, daß der Alte ſich hier aufhält.

Wie? rief Edgar erſchrocken,Blumau war im Elsner⸗ ſchen Hauſe?

24*